Der weiße Hai (1975)

  • Originaltitel: Jaws
  • Regie: Steven Spielberg
  • Schauspieler:  Roy Scheider, Richard Dreyfuss, Robert Shaw
  • Genre: Horror
  • Land: USA

Endlich wieder Kino. So allmählich kehrt auch das kulturelle Leben in den Corona- gebeutelten Alltag zurück. Und wie es der Zufall will, zeigt mein Lieblingskino meinen absoluten Lieblingsfilm. Einen Film, der mir schon als Kind das Blut in den Adern gefrieren ließ, obwohl ich nicht mehr von ihm kannte, als den Werbespot (heutzutage sagt man dazu Trailer), den es im Fernsehen zu sehen gab. Dennoch hatten mich die Bilder und die damit vermittelte Stimmung sofort in ihren Bann gezogen. Ganz zu schweigen von dieser Musik, dieses Thema, das die Spannung der gezeigten Szenen nicht nur untermalte, sondern sogar noch potenzierte. Auch wenn es noch etliche Jahre dauern sollte, bis ich „Jaws“ („Der weiße Hai“) dann tatsächlich bei einer Wiederaufführung im Kino sehen sollte, hat mich der Film schon in Kindertagen fasziniert und sicherlich nicht unerheblich zu meiner, bis heute anhaltenden, Leidenschaft für den Film und das Kino beigetragen. Und ja, auch bei mir hat der Film das erreicht, wofür er mehr als berüchtigt ist. Auch ich habe beim Schwimmen im offenen Meer ab und an ein ungutes Gefühl und habe schon so manche Rückenflosse die Wellen durchpflügen sehen. Und das in der Ostsee.

Gut gesprochen, Joachim Kemmer

Sicherlich war es bei der Entstehung des Films niemandem bewusst, dass man mit dem Drehbuch zu „Jaws“ und dessen filmischer Umsetzung durch den relativen Regie-Neuling Steven Spielberg ein Phänomen erschaffen würde. Etwas, das es bisher noch nicht gegeben hatte und das die Popkultur in einem Umfang beeinflussen würde, wie es vorher nur wenige Filme vermocht hatten. Auch heute noch weiß jeder, das „Jaws-Theme“ nach nur ein paar Takten dem richtigen Film zuzuordnen; es steht auch heute noch als Indikator für Angst und Gefahr, auch wenn es nur um vermeintliche Giftstoffe in Küchenschränken mit Resopal-Verkleidung geht (kürzlich in der Sendung „Markt“ gesehen bzw. gehört). Der Ausspruch „You`re gonna need a bigger boat“, von Roy Scheider in der Szene, in der der Kopf des Hais das erste Mal aus den Fluten auftaucht, hat sich seit damals in der englischen Sprache als Redewendung für Situationen etabliert, in der man die Kontrolle über das Geschehen verliert. Ob bei den „Simpsons“, in „Southpark“, den „James Bond“ Filmen oder in „Zurück in die Zukunft 2“, überall gibt es Anspielungen auf und Zitate aus dem Film. Auch das bis dahin in der Filmbranche eher zurückhaltend praktizierte Merchandising (kurz gesagt, der Verkauf von Fanartikeln aller Art) erlebte mit „Der weiße Hai“ einen ersten Höhepunkt. T-Shirts, Kaffeebecher, Handtücher, Geschicklichkeitsspiele und Spielfiguren fanden reißenden Absatz. Das ein oder andere besondere Stück dürfte bei Sammlern in heutiger Zeit locker den Wert eines Kleinwagens haben. Es sollte allerdings nicht lange dauern, bis die „Star Wars“ -Reihe antreten würde, um in Sachen Werbung, Marketing und Merchandise „in Galaxien vordringen sollte, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat.“

Dabei hatte es zu Beginn und während der Dreharbeiten nicht so ausgesehen, als würde hier ein Meilenstein der Filmgeschichte entstehen. Peter Benchleys Romanvorlage – in Teilen auf wahre Begebenheiten beruhend – war ein solider Thriller, in dem es neben dem Monsterhai auch um eine Affäre zwischen Brodys Frau Ellen und dem Ozeanographen Hooper sowie den Einfluss der Mafia auf die Lokalpolitik von Amity geht – aber eben auch nicht mehr. Unmittelbar nachdem sich Universal die Rechte für die Verfilmung gesichert hatte, entstand unter Mithilfe von Benchley ein Drehbuch, das sich ausschließlich auf das Treiben des Hais und die Jagd auf diesen beschränkte. Alle Nebenplots wurden gestrichen. Außerdem wurde das eher unspektakuläre Endes des Buchs und somit des Hais, ein wenig nach Hollywood Manier „aufgepeppt“, was weniger der Glaubwürdigkeit, aber dafür umso mehr der Spannung beim Showdown Rechnung trug. Selbst Steven Spielberg himself fügte noch einige Szenen hinzu, u.a. einen meiner Lieblingsmomente des gesamten Films, in der der für den Zuschauer unsichtbare Hai einen ganzen Pier aufs Meer hinauszieht, von dem aus zwei Hobbyangler den Menschenhai mittels Sonntagsbraten und Fleischerhaken fangen wollen.

Ein leckerer Köder allein reicht nicht immer aus.

Steven Spielberg ließ sich recht schnell von der Idee, das Buch zu verfilmen, überzeugen, zumal er sofort erkannte, welches kommerzielles und auch kreatives Potential die stringente Geschichte und insbesondere die Figur des Hai boten. Er hatte zwar vorher mit seinem Kinodebut „Sugarland Express“ einen eher durchschnittlichen Film abgeliefert, konnte aber aus seinem bisherigen Schaffen etwas vorweisen, das thematisch in eine sehr ähnliche Richtung ging. In der Fersehproduktion „Duel“ („Duell“ von 1971) geht es um den Geschäftsmann David Mann (!), der sich im Auto auf dem Heimweg zu seiner Familie befindet und sich auf dem Highway unvermittelt von einem Tanklaster verfolgt und bedrängt sieht, dessen Fahrer der Zuschauer während der gesamten Laufzeit nie vollständig zu Gesicht bekommt bzw. auch nie direkt mit Mann konfrontiert ist. Es scheint es wäre der Lastwagen ein überdimensioniertes Raubtier, dass aus purer Mordlust Autofahrer attackiert. Am Ende gelingt es Mann, das Vehikel zu überlisten und zu „töten“. Bis dahin vergehen aber 73 Minuten äußerster Spannung, und inszenatorisch lässt sich schon ganz deutlich der „Spielberg Touch“ erkennen. Die Zuschauerresonanz auf „Duel“ war so groß, dass der Film 1973 in einigen Ländern, ergänzt um einige nachgedrehte Szenen, um auf eine Laufzeit von 90 Minuten zu kommen, in die Kinos kam. Eine Anerkennung der besonderen Art und für eine Fernsehproduktion eher selten. Für Spielberg war „Jaws“ eine Quasi-Fortsetzung von „Duel“, die in einem anderen Element spielt. Vom staubigen Highway hinab in die unheimlichen Tiefen des Ozeans. Hier muss sich der Mensch dann jeweils einer seiner intensivsten Urängste – dem Kampf gegen eine wilde Bestie, die nichts anderes als töten will – stellen. Ein weiterer Grund, dass die Wahl auf Spielberg als Regisseur fiel, lag sicherlich auch daran, dass er zu den „jungen Wilden“ Hollywoods gehörte, die seit einigen Jahren damit begonnen hat, Tinseltown gehörig aufzumischen. Da den Produzenten klar war, dass die Verfilmung des Romans ganz bestimmt ein gehöriges Maß an Mut und Innovation erfordern würde, ließ man es eher zu, dass ein noch bisher nur in Kennerkreisen bekannter Newcomer sich eine blutige Nase holte, als ein bereits etablierter Name auf dem Regiestuhl.

Wie schon angedeutet, stellte die Verfilmung des Drehbuchs die gesamte Crew, vor und hinter der Kamera, vor Herausforderungen der ganz besonderen Art. Insbesondere zwei Hauptprobleme sollten der Fertigstellung des Films erheblich erschweren, verteuern und das Projekt an einigen Stellen beinahe scheitern lassen. Da war zum einen Spielbergs Idee, alle Szenen, die am, auf, oder im Wasser spielten, auch tatsächlich dort, nämlich dem Atlantik, zu drehen, was es bis dahin in dieser Form im Medium Film noch nicht gegeben hatte. In der Vergangenheit war man lieber auf Nummer sicher gegangen und hatte die großen Wassertanks der Hollywoodstudios genutzt und hatte hier Piraten- und Abenteuerfilme mit Schiffsattrappen/Kulissen gedreht oder hatte Miniatur-Kriegsschiffe in nachgestellten Seeschlachten gegeneinander kämpfen lassen. Das sparte Geld, Zeit, Ausrüstung und viele Tabletten gegen Seekrankheit.

Das weitaus größere Problem bestand aber darin, einen 7 Meter langen weißen Hai auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. Eine der ersten – recht naiven – Ideen bestand, einen echten „Carcharodon carcharias“ (Weißer Hai) zu fangen, in Gefangenschaft zu zähmen und zu dressieren, damit er dann – wie zum Beispiel der tierische Kollege Flipper – in den Hai-Szenen zum Einsatz zu kommen. Diese Idee wurde aber sofort wieder verworfen, nachdem man einen Experten zu Rate gezogen hatte. Ein solches Tier in Gefangenschaft zu halten und womöglich noch quasi zu domestizieren, wäre unmöglich und hätte die Mitglieder der Filmcrew sicherlich nicht ganz unerheblich reduziert. So reifte als nächstes die Idee in den Köpfen der Macher, das Ganze im Stop-Motion Verfahren zu drehen. Hierbei wird ein Modell für jede Bewegung in vielen Einzelbildern aufgenommen, die dann im fertigen Film so aneinandergereiht werden, dass beim Zuschauer die Illusion einer tatsächlichen Bewegung entsteht. Die ersten Testaufnahmen waren jedoch eher ernüchternd und unfreiwillig komisch. Auch die kurzzeitige Überlegung, einen Schauspieler im Hai-Kostüm einzusetzen, wurde sehr schnell wieder fallengelassen. Hier hätte mich persönlich das Ergebnis aber schon mal interessiert.

So entschied man sich für ein, bzw. mehrere mechanische Hai-Modelle, die auf Unterwasserschlitten bewegt und je nach Bedarf zum Einsatz gebracht werden konnten. So zumindest die simple Idee und die Theorie. Leider kam aus Zeit- und Budgetgründen nicht die allerneuste Technik zum Einsatz. Außerdem setzen das Salzwasser, die Witterung und die Gezeiten den Modellen zusätzlich ganz erheblich zu. Schon gleich beim ersten Test-Einsatz sank Hai-Attrappe „Bruce“ (benannt nach Spielbergs Anwalt) wie ein Stein auf den Meeresgrund und musste von Tauchern geborgen werden. Die Probleme hielten während der gesamten Drehzeit an und überall auf Martha`s Vineyard (die Insel vor der Küste von Massachusetts stellt im Film den  Ort der Handlung, die Ferieninsel Amity, da) hörte man aus den Sprechfunkgeräten der Filmcrew „The Shark is not working, the Shark is not working“, was schnell zum geflügelten Wort avancierte. Letztlich mussten die wenigen gelungenen Szenen mit „Bruce“ später noch um reale Hai-Szenen ergänzt werden, die vor der Küste Australiens entstanden.

Auch das Drehen auf dem offenen Meer stellte sich als wesentlich schwieriger heraus als ursprünglich angenommen. Bis das gesamte Equipment, die Filmcrew und die Schauspieler für einen Drehtag verladen, per Schiff an Ort und Stelle und in Stellung gebracht waren, hatte sich das Wetter meist geändert. Es war entweder stark bewölkt, es regnete oder der Seegang war zu stark geworden. An manchen Tagen kumulierten dann auch gern mal alle genannten Zustände. Schaffte man es alles in Position zu bringen und war drehbereit, entschieden sich ein Segelschiff oder gleich eine ganze Regatta am Horizont vorüberzuziehen, was den Zeitplan wiederum zurückwarf, da es Spielberg wichtig war, dass das Duell auf dem Wasser nur zwischen dem Hai und seinen drei Jägern stattfinden sollte. In der Ferne dahingleitende Schiffe hätten diesen Eindruck natürlich zerstört. Danach war es dann meist schon zu dunkel, um weiteres Material zu filmen. Durch die dadurch entstehenden konstanten Budget- und Drehplanüberschreitungen lief Spielberg nicht nur einmal Gefahr, seinen Job zu verlieren oder gar, dass das gesamte Projekt vorzeitig eingestampft werden würde, um nicht noch mehr Geld zu verlieren.

Doch man machte, insbesondere was die Probleme mit „Bruce“ anging, aus der Not eine Tugend und ließ den Hai erst nach einer guten Stunde im Film tatsächlich an die Oberfläche kommen, um sich dem Zuschauer zu zeigen. Auch diese Szene hat Filmgeschichte geschrieben:

„Huch, und da mach ich mir Sorgen wegen Lungenkrebs“

Davor ist der Hai gar nicht oder nur seine Rückenfinne zu sehen. Die Spannung und Intensität werden in diesen Szenen aber über die Kameraeinstellung, den Schnitt und natürlich durch John Williams Musik erschaffen. Das „Jaws“-Thema macht die Anwesenheit des Hais geradezu körperlich spürbar und erzeugt bis heute eine Gänsehaut. Die unbekannte Gefahr aus den Tiefen des Meeres wird auf diese subtile Art noch furchterregender und trifft den Zuschauer im seinem Innersten.

Neben den großen Sorgen gab es auch so manch kleines Problem. Das Wetter während des Drehs war oftmals so gar nicht im Sinne eines Films, der im Juli spielen sollte. Häufig war es sogar ziemlich kalt oder es regnete. Schaut man sich den Film genauer an, sieht man doch häufig vielen Wolken und bedeckten Himmel. Besonders in den Strandszenen merkt man den Statisten deutlich an, dass sie sich in ihrer Haut nicht wohlfühlen. An den wenigen Tagen, an denen es dann aber auch einmal „The Shark is working“ hieß, stritten sich die Darsteller Richard Dreyfuss (Hooper) und Robert Shaw (Quint) wegen irgendeiner Kleinigkeit, da sie sich von Anfang an mit großer Hingabe verabscheuten. Hinzu kam, dass Shaw dem Alkohol viel mehr zusprach, als es für ihn und seine Umwelt gut war. Ein ohne Frage großartiger Schauspieler, als Mensch aber eher ein durchaus „schwieriger“ Charakter, um es euphemistisch auszudrücken. Shaw starb drei Jahre nach den Dreharbeiten zu „Jaws“ im Alter von nur 51 Jahren an einem Herzinfarkt, der sicherlich nicht durch seine asketische Lebensweise ausgelöst wurde.

Aber irgendwann fiel tatsächlich die letzte Klappe, man packte die sandverkrustete Ausrüstung ein, warf Spielberg zum Dank für all die Mühen und Plagen der vergangenen 155 (geplant waren 55) Drehtage noch einmal ins Wasser und zahlte die Hotelrechnungen. Der Film war im Kasten und es begann die Post-Produktion. Welchen Goldschatz man hier in Händen hielt, wusste zu diesem Zeitpunkt wohl tatsächlich niemand. Als der Film dann am 20. Juni 1975 in den US-Kinos anlief, stellte sich schnell heraus, dass er einschlug wie eine Bombe, der erste Sommer-Blockbuster war geboren und veränderte die Welt des Films und des Kinos von Grund auf. Wie heißt es so schön „Und der Rest ist dann Geschichte“.

 

27 Gedanken zu “Der weiße Hai (1975)

  1. Freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Das ist eben einer der Filme, die so viel an kleinen und großen Geschichten hergeben, dass man endlos darüber schreiben könnte. Aber es tatsächlich Leute geben, die den Film noch nicht gesehen haben……Was einem Skandal gleichkommt 😲

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  2. Oh da fällt mir ein, ich wollte noch eine dreiteilige Podcast-Folge hierzu empfehlen. Da finden sich auch einige Hintergrundinfos zum Film wieder und vor allem wird da besonders schön der Score von John Williams vorgestellt, ohne den Jaws in der Art vermutlich nicht hätte funktionieren können.

    Gibt‘s natürlich auch anderswo als Spotify, einfach nach The Soundtrack Show gucken

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  3. Einer der verherrensten Filme überhaupt.
    1 Millionen Haie werden jedes Jahr von Menschen getötet, und deutlich unter 10 Menschen von Haien. Dabei handelt es sich meistens um Probebisse neugieriger Haie, die einen Biss in das unbekannte Material wagen.
    Und doch hat dieser Film dafür gesorgt, dass Haie verfolgt werden – sollten sie ausgerottet werden, bricht erst das marine Ökosystem zusammen, dann ein großer Teil der Sauerstoffversorgung des Planeten.

    Dieser Film hätte nie gedreht werden dürfen.

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    • Da ich davon ausgehe, dass der Sheriff „seinen“ Film verteidigen will, von mir nur so kurz wie möglich:

      Wie du vielleicht weißt, zumindest hatten wir da vor einiger Zeit mal drüber gesprochen, bin ich wie du recht aktiv beim Thema Tier- und Umweltschutz dabei. Trotzdem glaube ich, dass du hier ein paar Dinge durcheinander bringst.
      Fakt ist: Einige Hai-Arten sind tatsächlich vom Aussterben bedroht. Sollten die Haie aussterben, hätte das furchtbare Folgen auf das Ökosystem Ozean und damit auf uns.

      Allerdings glaube ich, dass du die Rolle des Spielberg-Films in dieser Sache ganz enorm überschätzt.
      Bei den meisten getöteten Haien handelt es sich um sog. „Beifang“. Das heißt die Fischer, die die Tiere töten, hatten es überhaupt nicht auf Haie aufgesehen. Das macht es aus ökologischer Sicht selbstverständlich nicht besser und an der Stelle muss drigend etwas getan werden. Trotzdem werden die Haie, wie auch Rochen, Delfine, Schildkröten etc., in diesen Fällen nicht absichtlich/gezielt sondern aus Gleichgültigkeit getötet.

      Der Teil der Haie, die hingegen gezielt getötet werden, werden meines Wissens nach nicht deshalb gejagt, weil sie angeblich gefährliche Menschenfresser-Monster, sondern einfach lecker sind und Kohle bringen. Vor allem auf dem asiatischen Markt gelten Haifischflossen als Delikatesse. Der Konsum von Haifleisch hat sich erst in den letzten 25 Jahren verdoppelt. „Jaws“ kam aber bereits vor über 40 Jahren raus.

      Ich glaube daher, dass der Film das Bewusstsein der Menschen durchaus verändert hat. Viele Menschen haben Angst von einem Hai angegriffen zu werden, wenn sie im Meer baden, obwohl die Wahrscheinlichkeit dafür eigentlich extrem gering ist. Allerdings glaube ich nicht, dass die Haie deswegen mehr oder weniger gejagt/getötet werden. Hätte es den Film nie gegeben, würden die Chinesen trotzdem Haiflischflossensuppe essen und die Wildfischerei trotzdem Unmengen an Beifang produzieren, darunter eben auch Haie.
      Ich ganz persönlich muss sogar sagen, dass der Film überhaupt erst meine Faszination für diese Tiere geweckt hat. Möglicherweise ging es da noch mehr Leuten so. Aber das ist natürlich rein spekulativ.

      Ich kann gut verstehen, wenn Leute den Film nicht mögen. Sorry, Steffelowski 😉 Ich kenne sogar einige, die das tun. Ihm die Schuld dafür zu geben, dass zu viele Haie sterben, halte ich jedoch für komplett überzogen und inhaltlich falsch.

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      • Der Film ist insofern unheilvoll, als dass er den Menschen eingeimpft hat, dass Haie per se Monster sind.

        Ich würde jetzt auch nicht unbedingt in ein Haifischbecken reinspringen und beim Baden im Meer wäre mir auch wegen ihnen mulmig, aber das zeigt nur, wie die Propaganda des Films das Wissen überlagert.

        Die meisten Haie wissen schon, das Menschen nichts Gutes bedeuten, ich habe Dokus gesehen, bei denen Haitreffen mit tausenden von Tieren gefilmt wurde, ohne dass die Taucher angegriffen wurden.

        „Haiangriffe“ sind eigentlich Probebisse, wie schon geschrieben, wenn ein Hai wissen möchte, was das ist, was vor ihm schwimmt. Es gibt halt überall Neugierige.

        Wenn man sich über Haie informiert, beklagen Biologen / Ökologen eigentlich immer den Film, dass dieser sehr negative Auswirkungen hat(te).

        Ich kann nicht behaupten, dass ich den Film als solches nicht mag, ich habe ihn vielleicht vor 30 Jahren das letzte Mal gesehen. Aber ich kritisiere seine AUswirkungen.

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        • Damit hast du ja auch im Grunde mit allem Recht. Der Film vermittelt ein vollkommen falsches Bild der Tiere. Das sind durchaus negative Folgen, da stimme ich den Biologen (und Dir) absolut zu.

          Nur glaube ich nicht, dass dieses Bild dazu führt, dass Haie getötet werden. Das passiert nicht aus Angst sondern aus Gier. Und „Jaws“ hat sicher nicht den Appetit auf Haifleisch bei den Menschen stimuliert.

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        • Der Film „Jaws“ basiert ja bekanntlich auf einem Roman, der wiederum auf den Berichten tatsächlicher Haiangriffe beruht. Über die Angriffe der „Monster“ wurde also schon vor dem Film berichtet. Genauso wie übrigens schon weit vor dem Film und der Romanvorlage Haie gejagt wurden, nur um die Zähne oder den Kopf als Trophäe mit nach Hause zu nehmen.

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    • Wie schön, dass hier schon eine so lebhafte Diskussion in Gange ist 

      Ich weiß nicht, bzw. hatte bei der Hitze keine große Lust in eine detaillierte Recherche einzusteigen, wie viele Rinder, Schweine, Hühner, Gänse, Enten, Puten, Forellen, Karpfen, Heringe, Kabelbau, Lachse und sonstige (Nutz)Tiere alljährlich von Menschen getötet werden, ohne dass es vorab seitens der Tiere neugierige Probebisse gegeben hätte. Auch kann ich mich nicht an viele Filme aus dem Genre des Tierhorrors erinnern, die im Nachgang dazu geführt haben, dass zur Jagd auf eine bestimmte Tierart geblasen wurde. Hier muss ich allerdings eingestehen, dass mir auch nicht bekannt ist, welche Auswirkungen der Film „Black Sheep“. (2006) auf die weltweite Schafpopulation bislang hatte. Ob „Der tödliche Schwarm“. (1978) für das globale Verschwinden der Bienen verantwortlich ist, wurde wissenschaftlich vermutlich bislang auch noch nicht aufgearbeitet. Michael Caine, Hauptdarsteller des Films, hat sich hierzu ebenfalls nie geäußert. Vielleicht hat der von im Kommentar angesprochene Zusammenhang zwischen Kinofilmen und Mord an Tieren auch mit der filmischen Qualität zu tun.

      „Der weiße Hai“ hat sicherlich nicht dazu beigetragen, die Reputation der Spezies Hai positiv zu beeinflussen. Ob aber der Film eine Auswirkung darauf hatte, dass auch nur ein Hai mehr oder weniger aus kommerziellen Zwecken getötet wurde, bzw. auch heute noch getötet wird, halte ich für wenig wahrscheinlich. Inwieweit das Töten dieser beeindruckenden Tier “sinnvoll““ ist oder nicht, kann ich nicht einschätzen, da ich kein Matthew Hooper, seines Zeichens passionierter Haiforscher bin. Die Angst vor Haien – ich hatte es im Beitrag angedeutet – ist ganz bestimmt latent in den meisten Menschen vorhanden. Aber das ist vermutlich bei Schlangen, Krokodilen, Bären, Wölfen, Löwen und Tigern ebenfalls der Fall. Auch über diese Tiere gibt es unzählige Filme, ohne dass sie hierdurch vermehrt aus purer Mordlust getötet werden. Dies geschieht dann aber leider meist aus purer Profitgier, und zwar vermutlich nicht durch traumatisierte (Ex)Kinogänger, sondern durch organisierte Banden, die damit Geld verdienen.

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      • Selbst wenn Ma-Go vielleicht Recht hat, und wegen dem Film die Haie nicht getötet werden, bleibe ich dabei, dass der Film die Beziehung zum Hai negativ beeinflusst und definiert hat. Die von dir genannten Filme sind zumindest mir unbekannt.

        Filme schieben mehr in das kulturelle Gedächnis, als man sich bewusst ist. Als ich vor ca. 40 Jahren einen Hund bekommen sollte, wollte ich einen Collie, wegen Lassi. Der hätte dann wohl auch so geheißen, aber dann kam glücklicherweise auf dem Weg zum Züchter ein Tierheim und ein recht obskurer Retriever-Terrier-Welpe dazwischen.

        Ich glaube auch, dass Filme wie Fury und die Silas-Serie meinen Geschmack bei Pferden geprägt haben, alles andere als dunkelbraun ist selten akzeptabel.

        Man sollte wirklich nicht unterschätzen, was einem da ins Gehirn gepflanzt wird.

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        • Das auf jeden Fall.
          Ich denke auch, dass Filme Rollenbilder und Stereotype und damit auch Sexismus und Rassismus verbreiten oder verfestigen. Gleiches gilt im übrigen auch für literarische Werke. Märchen sind nicht ganz unschuldig daran, dass Wölfe so ein schlechtes Image haben .

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          • Aber Gut und Böse machen nun einmal die Dramaturgie von Geschichten, egal ob auf der Bühne, der Leinwand oder in einem Buch aus. Daran wird sich vermutlich auch nichts ändern und ist das, was die Leute sehen wollen. Das dabei Vorurteile und Klischees bedient und teils verstärkt werden ist bedauerlich, aber oftmals sicherlich nicht unbedingt beabsichtigt. Die Sensibilität für vermeintliche Grenzüberschreitungen hat in den letzten Jahren vermutlich nur zugenommen. In „Jaws“ ist es ein Hai, in „Duel“ ein Lastwagen, in „Terminator“ ein Cyborg. Wo ein Protagonist ist, muss auch ein Antagonist her. Grad in der letzten Zeit gibt es ja eindeutige Tendenzen dazu, in Filmen weniger Klischees zu bedienen und mehr „Correctness“ in jeglicher Ausprägung umzusetzen. Ich hoffe aber sehr, dass Film auch weiterhin polarisiert und nicht alles „weichgespült“ wird.
            Dem „Jaws“ Autor Peter Bencheley war es übrigens sehr peinlich, dass er mit seinem Buch eine „Anti-Hai Stimmung“ erzeugt hat. Er hat sich später mit diversen Aktivitäten sehr darum bemüht, den Ruf der Spezies Hai wieder wieder herzustellen.

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