Sunshine Reggae auf Ibiza (1983) – Eine Sommer-Sexkomödie

  • Originaltitel: Sunshine Reggae auf Ibiza
  • Regie: Nicht vorhanden
  • Schauspieler:  Ohne
  • Genre: Blödel-/Sexklamotte
  • Land: Nein, Insel

Ich vermute der Sinnspruch „Kunst muss auch mal weh tun“ entstand, als ein verwirrt vor sich hin stammelnder Kinobesucher nach der Premiere des hier besprochenen Films (es tut mir körperlich weh, dieses Wort im Zusammenhang mit „Sunshine Reggae…“ zu verwenden) von einem vor dem Kino wartenden Reporter nach seiner Meinung zum soeben Gesehenen gefragt wurde. Es ist davon auszugehen, dass der Besucher der Vorstellung nach seinem Statement kollabierte und zusammensackte. Eine stationäre Aufnahme ist das nächst gelegene Krankenhaus dürfte sich angeschlossen haben. Was 86 Minuten deutscher Filmkunst so anrichten können. Aber es hätte nicht so weit kommen müssen. Es gab bereits seit einiger Zeit Warnzeichen. Man hätte sie nur erkennen und richtig deuten müssen.

Wir schreiben das Jahr 1983. Sicherlich kein großes Kinojahr. National wie international. Zu den 10 erfolgreichsten Filmen in Deutschland (Quelle:  insidekino.de) gehören „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, „Octupussy“, „Tootsie“ und „Flashdance“. Sicherlich solides Filmhandwerk, das sein Publikum gut unterhalten und auch eine Menge Geld eingespielt hat. Meisterwerke der Filmgeschichte sind aber ganz sicher nicht darunter. In einer solchen Gemengelage kann es leicht vorkommen, dass Menschen verführbar werden und sich mit finsteren Mächten einlassen, die sie dann nicht beherrschen können. Hätte man doch nur Goethes Ballade vom „Zauberlehrling“ gelesen oder zumindest dessen filmische Reinkarnation, Mickey Mouse in Disneys „Fantasia“, zur Wiederaufführung gebracht. Aber das geschah nicht. So musste das Verhängnis seinen Lauf nehmen. Die deutsche 80er-Jahre-Komödie setzt zu einem weiteren alles vernichtenden Blitzkrieg an. Der „German Blitz“ hatte nämlich bereits einige Jahre davor damit begonnen und war mit Todesschwadronen wie „Popcorn und Himbeereis“, „Cola, Candy, Chocolate“, „Austern mit Senf“ und „Keiner hat das Pferd geküsst“ marodierend durch die deutsche Kinolandschaft gezogen und hatte hierbei Kollateralschäden in beliebiger Höhe mehr als billigend in Kauf genommen.

Mit den fast immer gleichen Akteuren vor und hinter der Kamera wurde seit den späten 1970er-Jahren eine Zermürbungstaktik konsequent umgesetzt, deren Ziel es war, den guten Geschmack und das Niveau des deutschen Kinopublikums auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Die Nachwirkungen dieser Strategie halten bis in diese Tage in unveränderter Form an. Die Rezeptur der „Filme“ war ebenfalls zumeist wenig abwechslungsreich: in einer grundsätzlich nicht existenten Handlung, zappeln bestenfalls schwach begabte Jung-Schauspieler/Innen durchs Bild, fallen in Torten, Swimmingpools und Doppelbetten. Weiter darf auch zumindest ein in der damaliger Zeit bekannter TV-Zotenreißer (heute Comedian) nicht fehlen, der dann ebenfalls immer irgendwo runter-, rein- oder sonst wie fällt. Hier seien die Namen Karl Dall und Mike Krüger (dieser meist im Horror-Doppelpack mit Thomas „Thommy“ Gottschalk) genannt. Unverzichtbar auch die sogenannten „Sex-Sternchen“ oder – wenn sie schon ein wenig betagter waren –  „Erotik-Stars“, die für den Fortgang der Handlung völlig unerheblich sind, dafür aber viel nackte Haut anstelle schauspielerischem Talents zeigen dürfen und ständig nichts anderes im Sinn haben, als entweder den Jung-Schauspieler, den Zotenreißer oder den Hotelmanager ins Bett zu zerren oder diese alternativ (Achtung! Geheimtipp für alle Hobbyschnacksler) im Kleiderschrank zu verstecken. Ja, so waren sie eben die Frauen der 1980er-Jahre. Da wurde selbst der zufällig vorbeikommende Postbote in Hochwasser-Hosen nicht verschmäht. Das „Erotische Dreigestirn“ Bea Fiedler, Christine Schuberth und Olivia Pascal gaben sich in den Filmen gern die Klinke und natürlich auch die Männer in Hand. All dies spielte sich vorzugsweise in Hotelanlagen der mittleren Preisklasse oder erstaunlich wenig frequentierten Strandabschnitten auf den Balearen ab. Willkommen, liebe Pauschaltouristen, mit dem Hang zum schlechten Geschmack. Willkommen auf Ibiza, der Rammelinsel mit All-Inclusive-Charme.

„Sunshine Reggae auf Ibiza“ vereint exakt all die genannten Ingredienzien in der gewohnt toxischen Mischung. Filmische Finessen und/oder schauspielerische Kabinettstückchen sind also nicht zu erwarten, so etwas wie eine Handlung ist natürlich ebenfalls nicht erkennbar. Karl (Karl Dall) reist von Ostfriesland nach Ibiza (auf den Lippen den unvergessenen Gassenhauer „Itsy, Bitsy Ibiza“), um dort das Objekt seiner schwärmerischen Begierde, die Schlagersängerin Linda Lou (Isa Haller) zu treffen; eine Begründung für Karls Zuneigung zu der schrillen Linda bleibt der Film allerdings schuldig. Dort angekommen, löst Karl die für diese Art von Filmen üblichen Verwicklungen, Missverständnisse und sonstige Irrungen und Wirrungen im Nacht- (und auch Tag-) Leben von Ibiza aus. Im weiteren Verlauf der „Handlung“ wird dann kein Klischee ausgelassen, dass uns heutzutage die Zornesröte ins Gesicht treibt. Frauen- und ausländerfeindlich, homophob und sexistisch in jede Richtung. Der „Humor“ bewegt sich dabei durchgehend auf niedrigstem Niveau, dass selbst dem hartgesottensten RTL2-Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt. Hier mal ein paar – quasi im Raum schwebende – Kostproben des Schabernacks und der gebotenen Narreteien:

„Warum streuen Ostfriesen Pfeffer auf ihren Fernseher? Damit das Bild schärfer wird“

„Haben Sie heute Morgen ein Bad genommen?“. „Nein, warum? Fehlt eins?“

„Herr Ober, da ist ein Haar in meiner Suppe“. „Essen Sie ruhig, die Köchin hat noch mehr auf dem Kopf“

An diesen willkürlich gewählten Beispielen – all die sexuell geprägten Schlüpfrigkeiten des Films erspare ich mir und dem geneigten Leser – lässt sich schon erkennen, dass hier nicht das Florett des feinsinnigen Humors als Waffe der Wahl zum Einsatz kommt, sondern eher das beidhändige Langschwert mit der extrabreiten Klinge. Land der Dichter und Denker halt. Als hätte es Goethe und Kant nie gegeben.

Weiteres zentrales Thema des Films ist, neben dem kläglichen Versuch eine Komödie zu sein, die Liebe. Wobei Liebe hier grundsätzlich mit Sex gleichgesetzt wird. Die Männer, egal wie blöd sie sich anstellen und wie unsympathisch sie sich auch gebärden, kommen grundsätzlich als unwiderstehliche Charmebolzen daher, was im Falle von Womanizern wie Karl Dall und Gottlieb Wendehals natürlich niemanden (hüstel) wirklich überrascht. Die weiblichen Mitwirkenden warten auch natürlich nur darauf, von irgendwelchen Möchtegern-Gigolos abgeschleppt zu werden. Das nächste Hotelbett ist nicht weit und der Kleiderschrank wird schon mal präventiv ausgeräumt, um auf der Flucht vor eifersüchtigen Ehemännern als sicheres Versteck zu dienen. Was weiter auffällt ist, dass offenbar bereits anno 1983 der (Teil)Verlust von Gepäckstücken durch Fluggesellschaften ein großes Problem gewesen sein muss. Anders erklärt es sich mir nicht, dass die Damen grundsätzlich barbusig durchs Bild schreiten, sei es am Strand, der Poolbar oder gar im Supermarkt. Aber schließlich hatten sich diese nackten Tatsachen, bereits im vorherigen Jahrzehnt mit den Schulmädchen, den Hausfrauen und den Schwedinnen gut verkauft hat. Warum nicht auf gleicher Schiene weiterfahren und das Ganze noch mit Zoten aus dem Giftschrank des deutschen Humors anreichern?

Damit wären die wenigen beachtenswerten Aspekte auch schon erschöpfend analysiert. Mehr geht nicht. Wobei…. wo viel Schatten ist, scheint auch mal ein kleines Licht. So denn bei „Sunshine Reggae auf Ibiza“: die wenigen – und vermutlich allesamt ohne Drehgenehmigung gefilmten – Aufnahme von Ibiza, sind recht gelungen und machen schon Lust auf einen Sommerurlaub. Immerhin das bleibt nachhaltig in Erinnerung, von einem Film ohne die geringste Daseinsberechtigung. Und ja, lustig war es auch zu keiner Sekunde.

Ich möchte diesen Beitrag allerdings nicht abschließen, ohne auch einen optischen und akustischen Eindruck von 86 langen Minuten voller Langeweile und voll des Fremdschämens hier zu vermitteln. Aber Vorsicht: der Trailer ist nichts für zart besaitete Gemüter:

 

34 Gedanken zu “Sunshine Reggae auf Ibiza (1983) – Eine Sommer-Sexkomödie

  1. Ziemlich ernste Kritik für diesen Wahnsinnsspaß, der mit Pura Vida Ibiza Jahre später eine gedachte Fortsetzung bekommen sollte. Wo bleibt die Lobeshymne auf die Kreativität, die Spielerei, den Freigeist?

    „Haben Sie heute Morgen ein Bad genommen?“. „Nein, warum? Fehlt eins?“
    Ganz ehrlich, spätestens jetzt habe ich Lust auf den Streifen.

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              • Da gibt es wohl einen kleinen Punkt, den wir anders verstehen. Ich schaue mir mir Schund an, in der Hoffnung, dass ich ihn gut finde (=Trashfilm). Wenn man den Film trotzdem schlecht findet, dann hat sich das Ganze nicht gelohnt. Es geht ja um den Spaß bei der Sache. Und wenn Spaß vorhanden ist, dann wird der Film dementsprechend auch gut bewertet. Wie z.B. Citizen Toxie IV.
                Daniel der Zauberer ist einfach nur grausig. Ohne Unterhaltungsfaktor. Date Movie auch, deswegen habe ich den nach 15 Minuten abgebrochen.

                Von Sunshine Reggae auf Ibiza erhoffe ich mir durchaus einen unterhaltsamen Abend, wenn ich mir den Trailer so anschaue.

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                • Ich hatte mit dem auf ironische Weise schon Spaß, aber es bleibt ein absurd schlechter Film^^
                  Wenn er die Musik aus dem Trailer auch im Film gehabt hätte, wären es 1,5 Sterne gewesen und gerade bei solchen Filmen sagt die Bewertung wenig aus. Ich hab ihn mir ja dennoch nochmal angeguckt, was für den Unterhaltungsfaktor spricht.

                  Wenn du die erste Szene unterhaltsam findest, wirst du damit Spaß haben.

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                  • Was heißt denn „ironisch Spaß“?
                    Ich denke mir halt: ich hatte Spaß = guter Film / ich hatte keinen Spaß = nicht gut
                    Woran das jetzt lag, oder ob das gewollt war, spielt für meinen Spaß keine Rolle. Aber das kratzt schon wieder nah an objektiver-subjektiver-Bewertung.

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                    • Wenn ich über einen Witz lachen muss, weil er voller Ernsthaftigkeit und der Überzeugung er sei gut vorgetragen wird und darüber wie schlecht er eigentlich ist, dann kann ich das dem Film nicht gutschreiben. Und aus lauter solcher Momente besteht dieser Film, wie der Trailer schon andeutet.
                      Dann gibt es noch Momente, wie
                      Wenn die Mutter und Tochter nackt auf nen Felsen sitzen und die Tochter wie selbstverständlich den Rücken einreibt, was lustig ist, weil es keine Witzebene geben soll, sondern der Film das einen als „normal“ verkauft und ich nur denke WTF?!.

                      Wenn ich an einem Film Spaß habe, weil er schlecht ist, ist es für mich kein guter Film. Natürlich kannst du jetzt argumentieren, dass wenn der Film diese Möglichkeit hergibt, er dafür bewertet werden sollte.

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                    • Interessante Diskussion hier.
                      Ich persönlich kenne Sunshine Reggae nicht und kann deshalb nur allgemein sprechen. Ich hatte noch nie Spaß mit einem Film, WEIL er schlecht ist. Also dieses „so schlecht, dass man lachen muss“ ist mir vollkommen fremd. Was ich hingegen schon oft erlebt habe ist, dass ich Filme lustig finde, und zwar wirklich lustig, die allgemein als schlecht angesehen werden. Ich finde es auch oft schwer zu sagen ob der Film einen Gag/Witz oder eine Szene beinhaltet, weil die Macher ernsthaft überzeugt sind, dass das witzig ist, oder ob sie sich denken: „Ok, das ist blöd. Aber scheiß drauf wir machen das trotzdem, wird schon jemand drüber lachen.“
                      Vielleicht finden die Sunshine Reggae-Leute die von dir angesprochene Szene gar nicht normal sondern wollten einfach das dümmste machen, das ihnen im Suff eingefallen ist. Oder sie kommen aus fragwürdigen Verhältnissen, in denen solche Sachen tatsächlich vollkommen normal sind. Wer weiß das schon? 😉

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                    • Das, was du „Humor“ nennst, da wird man in manchen Ländern für in die Psychiatrie gesteckt.

                      Es ist m.E. egal, was die Macher bezwecken wollen, wenn ich damit Spaß habe. Und solange ich Spaß habe, warum sollte ich den Film schlecht bewerten?

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  2. Was ist ein guter, was ein schlechter Film? Das kann wohl niemand klar definieren. Wichtig ist doch, dass man sich unterhalten fühlt und Spaß hat. Ich fand „Sunshine Reggae…“ in kleinster Weise unterhaltsam und bestenfalls unfreiwillig komisch. Aber da hat. -zum Glück- jeder seine eigenen Sichtweise. Zur Ehrenrettung des Films muss ich aber sagen, dass ich mit dem Fäkalhumor, der heute in vielen “Kömödien” vorkommt, noch viel weniger anfangen kann.
    Als Paradbeispiel für unfreiwilligen Humor empfehle ich hier mal “Die Bettwurst” von Rosa von Praunheim.

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  3. Pingback: Reminder Ausgabe 8: Sommer, Sonne, Todesfälle | Klappe!

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