Filmvergleich (7): „Ladykillers“ (1955) vs. „Ladykillers“ (2004)

Das Klappe!-Team hat wieder einmal zwei Filme aufeinander losgelassen, um zu testen, welcher von beiden in einem unbarmherzigen Schlagabtausch die Oberhand behält. Wer bringt alte Damen besser um die Ecke? Das kultisch verehrte Original aus „Good old England“, oder die Neu-Verfilmung der Coen-Brüder, deren Filme immer für eine Überraschung gut sind? Hat am Ende die Katze oder der Papagei die Nase vorn? Kann sich Obi Wan gegen Forrest durchsetzen oder sticht Inspektor Clouseau letztlich J.J. Jameson aus? Genug gemutmaßt…Ring frei…… 

Es treffen aufeinander… in der weißen Ecke:

Das englische Original von 1955

Ladykillers 

Und in der schwarzen Ringecke lauert:

Das US-Remake von 2004

Ladykillers

Also, ohne Umschweife ans Werk, lasst das Killen beginnen:

Runde 1: Story und Plot

Ainu:

Heruntergebrochen auf ein paar Zeilen: Räuber mieten ein Zimmer bei einer alten Dame und als diese ihnen auf die Schliche kommt beschließen sie, die Werte über den Jordan zu schicken, sterben allerdings allesamt selbst bevor der Job erledigt werden könnte. Nach so einer Zusammenfassung erwarte ich mir von diesem Film zwei Dinge: einen Raub oder Überfall (also ein wenig Heist-Feeling) und aberwitzige Szenen zwischen den Banditen und einer alten Lady (also jede Menge Gelächter aufgrund des schwarzen Humors). Bekommen habe ich leider in beiden Filme kaum etwas, das meine Erwartungen an die Streifen erfüllt hätte. Zu Lachen gab es meiner Meinung nach in beiden Versionen eher wenig, dafür kann man den Coens zu Gute halten, dass sie zumindest einen netten kleinen Heist-Plot erdacht haben, während beim Original in einer einzigen Szene ein Geldtransporter kurz mal überfallen wurde und das war es dann auch schon. Zusätzlich liefern die Coens so einen plausiblen Grund dafür, warum sich die Gangster überhaupt bei der alten Lady einfinden, während man sich diese Frage im Original bis zum Schluss stellt. Ihr lest es also schon raus, dieser Punkt geht für mich eindeutig an das Remake.

Steffelowski:

Ich war einigermaßen überrascht, dass der Film bzw. beide Filme nicht auf einem Theaterstück, sondern auf einem Roman basieren. Die überschaubare Handlung und die wenigen Schauplätze deuteten für mich unbedingt auf etwas hin, das zunächst auf den Londoner Bühnen große Erfolge feiern konnte und erst dann für die Leinwand adaptiert wurde. Besonders das englische Original wirkte auf mich sehr statisch und zäh. Da war das Remake schon ein wenig lebendiger, auch wenn man hier nur aus den Fehlern des Vorgängers gelernt hat, und ein paar weitere Schauplätze eingebaut wurden, die aber für die Handlung nicht wirklich notwendig gewesen wären. Immerhin liefert die Coen-Fassung mit dem Tunnel im Keller zumindest einen Grund dafür, warum die Gangster überhaupt bei der alten Dame einziehen. So war zumindest ein Hauch von Heist-Movie zu spüren, was dem  Original völlig abgeht. Aufgrund des etwas dynamischeren Handlungsflusses und dem Mehr an Locations geht mein Punkt in Runde 1 an das Remake.

Wermi:

Das Erzähltempo ist in beiden Filmen von der langsameren Sorte. Während das Original seinen Fokus dabei ganz klar auf die Interaktion der Räuber mit der alten Dame rückt und der eigentliche Heist zur Nebensache wird, gewährt das Remake dem Raubzug etwas mehr Raum und nimmt sich auch die Zeit jede seiner Figuren einzuführen. Dadurch tut sich das Remake aber keinen großen Gefallen und wirkt über weite Strecken total zerfahren und der Fokus ging ihm komplett verloren. Dazu kommt, dass der Heist an sich auch kaum einen Mehrwert bietet. Da habe ich es lieber, wenn ein Film sich nur einer Sache annimmt und sie wenigstens einigermaßen richtig macht, und hier erkennt das Original seinen Unterhaltungswert in der durchaus witzigen Figurenkonstellation, als sich mehreren Versatzstücken anzunehmen, die für sich bereits nicht besonders gut funktionieren und zusammengesetzt ein total uninspiriertes Bild abgeben wie im Remake. Mein Punkt geht also ganz klar an den britischen Charme des Originals, beim Remake wird das Setting übrigens auf die Südstaaten umgemünzt, was überhaupt nicht gelungen ist.

Zwischenstand Runde 1: Original vs. Remake 1:2

Runde 2: Schauspieler und Figuren 

Ainu:

Ehrlich, auch wenn das Remake mit Namen wie Hanks, Simmons und Wayans aufwarten kann, schlug mein Herz vor Sichtung der Filme hier eindeutig für das Original. Ich meine, Guinness und Sellers alleine reichten mir schon, um meine Mundwinkel nach oben gehen zu lassen. Umso enttäuschter war ich dann, als Guinness nicht mehr als ein merkwürdig dreinblickender Geselle mit eigenwilligem Gebiss war und Sellers eigentlich nur in seiner Nebenrolle verblasste. Ganz allgemein könnte ich euch heute nicht mehr sagen, wer neben den beiden eigentlich noch mitgespielt hat, kein Wunder, waren sämtliche weitere Rollen doch schon nahe am Rande der Belanglosigkeit. Das Problem, die Coens bieten einem zwar deutlich schrägere Vögel, diese sind aber so klischeebehaftet und übertrieben, dass es einfach schon too much ist. Wehmütig dachte ich während der Sichtung an all die genialen Charaktere, die einem die Coens über die Jahrzehnte hinweg beschert hatten und verstand einfach nicht, wie sie sich diesmal so im Ton vergreifen konnten. Und trotzdem bin ich am Ende einfach jemand, der lieber beim bunten Overacting zuschaut, als die Hälfte der Figuren während der Sichtung schon wieder zu vergessen weil sie so nichtssagend sind. Deswegen geht auch hier mein Punkt an das Remake

Steffelowski:

Original wie auch das Remake warten mit großen Namen im Cast auf, wissen hieraus aber kaum Kapital zu schlagen. Im Gegenteil. Sowohl in der Fassung von 1955 wie auch in der Neuverfilmung von 2004, habe ich einige der Figuren nur als nervig, anstrengend oder einfach nur als überflüssig empfunden. Sir Alec Guinness, sicherlich zu seiner Zeit einer der ganz großen Charakterdarsteller, liefert hier nach meinem Empfinden bestenfalls überdrehtes Over-Acting ab, das durch die lächerliche Maske und insbesondere durch das vorstehende Gebiss dann vollends zur (schlechten) Parodie verkommt. Und wo war Peter Sellers? Auch wenn er zum Zeitpunkt von „The Ladykillers“ ganz sicher noch nicht der Star war, der er später durch die „Pink Panther“-Filmreihe werden sollte, taucht er hier leider nur in einer kleinen und dafür sehr blassen Rolle auf. Das Remake konnte mich in puncto Figuren und Schauspiel dann sogar noch weniger überzeugen. Tom Hanks, der sonst in fast jeder Rolle brilliert, wirkt hier völlig überzeichnet, schon beinahe comichaft; seine schlauen Lebensweisheiten gingen mir einfach nur auf die Nerven. Ebenso wie J.K. Simmons, von dem ich mich im Film an nichts mehr erinnern kann, außer dass er ein Toilettenproblem hatte. Wohler gefühlt habe ich mich letztlich mit den englischen Charakteren. Die waren in ihrer Gemütlichkeit und Betulichkeit schon irgendwie knuffig und in gewissen Momenten durchaus liebenswert. Also, ein Punkt für das Original.

 Wermi:

Vom Cast konnte ich als etwas jüngerer Zuschauer natürlich nur etwas vom Remake abgewinnen, auf J. K. Simmons habe ich mich hierbei besonders gefreut, umso mehr ging das jedoch nach hinten los, denn mein Herz begann zu bluten als ich mit ansehen musste wie sehr er und auch Tom Hanks komplett vergeudet wurden. Hinzu kommt, dass ich das ganze Overacting und die Überzeichnung der Figuren im Remake absolut unerträglich fand. Ein weiterer Punkt ist, dass wie bereits erwähnt sich das Remake mehr Zeit nimmt, seine Figuren einzuführen und jedem von ihnen etwas mehr Fleisch zu geben, doch liegt genau hierin ein weiteres Problem des Remakes, nämlich dass es seine Figuren mit triefenden Klischees unterfüttert. Da war es mir eindeutig lieber, mir ein eigenes Bild von den Figuren im Original zu machen, die durch kleine Nuancen hier und da charakterisiert wurden. Zudem hat die Figur der “Lady” auch bloß im Original für mich funktioniert mit ihrer absolut naiven Gutmütigkeit, wie aber auch dem britischen Pflichtbewusstsein. Die Remake-”Lady” wirkte hier bloß wie ein schlechtes und aufdringliches Abziehbild.
Was übrigens bei beiden Film kaum funktioniert hat, war die Hauptfigur, gespielt von Alec Guinness und Tom Hanks. Beiden wurde kein Gefallen damit getan, eine merkwürdige Zahnprotese aufzubürden und Grimassen schneiden zu lassen. Hinzu kommt der total unpassende britische Akzent von Tom Hanks.
Alles in allem klare Nummer für mich, Punkt für das Original.

Zwischenstand Runde 2: Original vs. Remake 3:3

Runde 3: Genre-Taste

Ainu:

Hier könnte man eigentlich meine Ausführungen zu den vorherigen Punkten einfügen, denn wie oben bereits beschrieben, habe ich bei einem Film, der unter das Genre “Kriminalkomödie” fällt, einfach gewisse Erwartungen. Vorne weg, keiner der beiden Filme hat diese wirklich erfüllt, bei keinem musste ich wirklich oft oder herzhaft lachen. Ich konnte allerdings nicht umhin festzustellen, dass ich beim Remake deutlich öfter ein Schmunzeln auf den Lippen hatte als beim Original. Das liegt schlicht an all dem, was ich oben auch bereits ausgeführt habe, denn wenn ich mich zwischen dümmlich aufgekratzt oder geerdet statisch entscheiden muss, wähle ich einfach (zumindest in diesem Genre) immer lieber ersteres. Und somit geht auch mein letzter Punkt an das Remake – sorry.

Steffelowski:

Beide Filme wollen wohl als Kriminalkomödie verstanden werden. Na ja, diese Kategorisierung kann ich bei beiden Filmen nur teilweise nachvollziehen. Die englische Version ist im Hinblick auf den Humor wohl leider auch eher schlecht gealtert. Die wenigen Gags, die man als solche erkennen kann, zünden meist nicht wirklich, um hier nicht den Begriff des Rohrkrepierers strapazieren zum müssen. Und was den Zuschauer des Jahres 1955 hat Tränen lachen lassen, entlockt dem heutigen Publikum meist nur noch ein mildes Lächeln. Vielleicht ist der Humor auch so speziell, dass er nur ein englisches Publikum wirklich zum Lachen bringen kann. Die Humordichte des Remakes ist aber bedauerlicherweise auch nicht viel größer, wenn man mal von den Scherzen in Verbindung mit Pancakes Reizmagen absieht. Wer es denn lustig findet… Ich unterstelle aber, dass man sich bei beiden Filmen die Mühe gemacht hat, ein paar gute Gags ins Drehbuch zu schreiben. Und frei nach dem Motto „Mit viel Aufwand, nichts erreicht“ gebe ich beiden Filmen jeweils einen halben Punkt. Guter Wille sollte schließlich belohnt werden.

 Wermi:

Hier sehe ich den größten Unterschied der beiden Filme und werde meinen Kollegen entschieden widersprechen. Für mich zeichnet das Original aus, dass es sich um eine schwarze Komödie handelt, in die die britische Art und sein Humor eingewoben wurde. In einer Sache stimme ich meinen beiden Mitstreitern zu, sonderlich viele Gags haben bei mir nun auch nicht gezündet, doch war es die Situation und Konstellation selbst, in denen sich die Figuren wiedergefunden haben, die für mich die Komik ausgemacht haben. Ich fand die Prämisse (dass eine Gruppe Räuber sich lieber untereinander gegenseitig umbringt, als eine unschuldige alte Dame) unterhaltsam genug, dass ich auf alles andere auch gut verzichten konnte. Dadurch wird das Original in weiten Teilen zu so einer Art Kammerspiel, wofür ich immer ein Herz habe. Jetzt kommt das Remake aber daher und macht aus dem ganzen quasi ein Heist-Movie. Natürlich ist das respektabel und wünschenswert, dass es wenigstens etwas Eigenes kreieren möchte, doch hier kommt zum Einen meine eigene Präferenz ins Spiel, die nichts mit Heist-Movies anfangen kann, und zum anderen verliert sich das Remake in seiner Identitätsfindung leider viel zu sehr und wirft auch die Stärken des Originals über Bord. Durch die permanente Überzeichnung von allem merkt man ihm an, dass er gerne total witzig wäre, doch bewirkt es leider komplett das Gegenteil und ich hätte am liebsten bei jeder einzelnen Dialogzeile den Film abgeschaltet. Ich habe wirklich selten so fürchterliche Dialoge gesehen, die in so dialoglastigen Komödien allerdings auch von großer Wichtigkeit sind und damit ist das der letzte Sargnagel für das Remake. Auch hier gebe ich dem Original meinen Punkt.

Zwischenstand Runde 3: Original vs. Remake 4,5:4,5

Runde 4: Zuschauerwertung

Nach den rein subjektiven Bewertungen des Klappe!-Teams zu einzelnen Aspekten der Filme werfen wir abschließend noch einen Blick auf die harten Fakten. Wie schneiden beide Filme in den sozialen (Film-)Medien sowie insgesamt in unserer Redaktion ab und wie viel Geld haben sie eingespielt? Hier ein paar nackte Zahlen:

OriginalRemake
IMDB7.7/10,06, 2/10,0
Letterboxd3,7/ 5,02,8/5,0
Rotten Tomatoes (Audience Score)87 %43 %
Boxoffice (weltweit nach IMDB, Stand 28.11.2021)rd. xxx  Mio. US-Dollar*rd. 40 Mio. US-Dollar
Ainus Wertung4,0/104,5/10
Steffelowskis Wertung4,5/104,0/10
Wermis Wertung6/102/10

*keine aussagekräftigen Zahlen vermerkt

Lässt man das Box Office unberücksichtigt, sprechen sich die gängigen Film-Portale doch sehr eindeutig für das Original aus, während das Remake eher den „Geht so“-Status abgreift. Eigentlich etwas wenig, wenn man bedenkt, welche großartigen Filme die Coen-Brüder ansonsten bereits abgeliefert haben. Damit geht der letzte entscheidende Punkt an das Original.

Endergebnis Original vs. Remake 5,5:4,5 Punkte

Somit also ein ganz knapper Sieg für das Original. Das Endergebnis spiegelt  aber insgesamt nicht wirklich wieder, dass sich keiner von  uns mit einem der beiden Filme so wirklich wohl gefühlt hat. Zahlen sind letztendlich doch nur Zahlen.

Filmvergleich (6): „Ziemlich Beste Freunde“ (2011) vs. „Mein Bester & Ich“ (2017)

Nach einer längeren Pause treten heute wieder einmal zwei Filme gegeneinander an, um im Kampf „Original vs. Remake“ darum zu streiten, welches das bessere Kinoerlebnis ist.  Die beiden Kontrahenten müssen in verschiedenen Kategorien ihre Stärke beweisen oder auch ihre Schwächen gnadenlos offenbaren. Bei diesem Clash wird schonungslos aufgedeckt, ob wir es mit einem Meisterwerk oder einem Rohrkrepierer zu tun haben. Als Ringrichter ist das Klappe!-Team im schweißtreibenden Einsatz, um mit Sachverstand und Augenmaß beide Filme auf Herz und Nieren zu prüfen

Es treffen aufeinander… in der weißen Ecke:

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Diese gefeierten Filme finden wir nicht so gut!

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