Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All (1971)

  • Originaltitel: The Andromeda Strain
  • Regie: Robert Wise
  • Schauspieler: Arthur Hill, David Wayne, James Olson
  • Genre: Science-Fiction
  • Land: USA

US-Filme, die zu Beginn der 1970er Jahre in die Kinos kamen, waren häufig von einem tief gehenden Pessimismus und einer eher fatalistischen Grundstimmung geprägt. Dies lag einerseits ganz sicher daran, dass sich das New Hollywood seit dem Ende der 1960er Jahre inzwischen fest etabliert hatte und man bereit war, neue Wege zu beschreiten, unverbrauchten Regisseuren und Drehbuchautoren immer mehr Spielraum zu gewähren und auch die etablierten Studios die Zeichen der Zeit erkannt hatten und sich trauten, Geld in Filme zu investieren, die nicht unbedingt den Regel der klassischen Hollywoodstreifen folgten.

Zum anderen hatte sich auch die Gesellschaft, losgelöst vom künstlerischen Establishment der Ost- und Westküste, in den USA grundlegend verändert. Auch Jane und John Doe waren jetzt besser und ausgewogener informiert als noch 10 Jahre zuvor. Die Kuba Krise von 1962 und der nicht enden wollende Krieg in Vietnam, hatten das Land bereits zutiefst gespalten und in ein landesweites Trauma gestürzt, wie es davor nur der Angriff der japanischen Streitkräfte auf Pearl Harbor vermocht hatte. Aber anders als zu Zeiten von Präsident Franklin D. Roosevelt hatte man das Vertrauen in den Staat und seine Mechanismen verloren. Immer häufiger wurden durch die Presse verbrecherische Machenschaften der amerikanischen Geheimdienste, insbesondere des CIA, aufgedeckt, der in nahezu jedem Staatsstreich der letzten 20 Jahre, direkt oder indirekt, die Fäden in der Hand gehalten hatte. Ob in Griechenland, in verschiedenen Staaten Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas, der CIA war immer dabei, um ungeliebte Widersacher (notfalls durch Gewalt) auszuschalten und willfährige Diener der USA in die Chefsessel der jeweiligen Länder zu hieven. Der Krieg in Vietnam war – wie bereits davor in Korea – nichts weiter als ein sogenannter „Stellvertreterkrieg“, in dem es nicht darum ging, einzelnen Staaten zu Freiheit und Wohlstand zu verhelfen, sondern vielmehr darum, politische und wirtschaftliche Systeme (kurz Kapitalismus vs. Kommunismus) zu etablieren. Vor dem Hintergrund all dieser Geschehnisse, breiten sich im ganzen Land Misstrauen und Staatsverdrossenheit aus, was dann auch – insbesondere in den amerikanischen Science-Fiction Filmen jener Zeit – seinen Niederschlag fand.

„Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ ist die Verfilmung eines Romans von Michael Crichton und hält sich auch überwiegend an diese Vorlage. Einzelne Abweichungen vom Buch wurden vermutlich mangels filmischer Machbarkeit und/oder der Dramaturgie vorgenommen.

In der Wüste von New Mexico stürzt eine zur Erde zurückkehrende Sonde des US-Militärs ab. In einem in der Nähe gelegenen Ort kommt es daraufhin zu einer (im Film nicht direkt gezeigten) Katastrophe. Alle Bewohner sterben einen nicht erklärbaren Tod, der sich u.a. darin manifestiert, dass bei allen Leichen das Blut vollständig geronnen ist. Einzig ein Alkoholiker und ein Säugling überleben das Massensterben. In einem unterirdischen Labor wird daraufhin die Raumsonde unter höchsten Sicherheits- und Hygienevorschriften von vier Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachrichtungen untersucht, um dem Rätsel der unerklärlichen Todesfälle auf die Spur zu kommen. Im Laufe der Untersuchungen der Sonde stellt sich heraus, dass diese einen sandkorngroßen außerirdischen Organismus (von den Wissenschaftlern auf den Namen „Andromeda“ getauft) beherbergt, der infektiös auf die Atemwege und auf den Blutkreislauf wirkt und in Sekundenschnelle tötet. Weiter ermitteln die vier Wissenschaftler, dass der „Passenger from outer Space“ keineswegs zufällig mit der Sonde in Kontakt gekommen ist, sondern dass es sich hierbei um ein Geheimprojekt des US-Militärs handelte, dessen Ziel es war, im Weltall nach Wirkstoffen für die biologische Kriegsführung zu suchen.

Mehr zur komplexen und überaus spannenden Handlung sei an dieser Stelle nicht verraten. Die Story ist aber auch nur einer der Aspekte, die den Film – leider auch gerade in der uns alle betreffenden Lage – sehenswert macht. Hier möchte ich insbesondere die kühle Sachlichkeit der Bilder und der Sprache hervorheben. Spätestens wenn ein Teil der Wissenschaftler, auf der Suche nach Erklärungen für den plötzlichen Tod der Dorfbewohner, in dicken Schutzanzügen und -Helmen durch den vom „Phänomen“ betroffenen Ort geht, ist man als Zuschauer nicht nur unbeteiligter Dritter, sondern Mitglied des Forscherteams. Auch wenn man, aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Expertise, nicht jeden Gedankengang bis ins Letzte versteht und nicht jedem Dialog Wort für Wort folgen kann, gibt die professionelle Sachlichkeit doch Sicherheit und Vertrauen nach dem Motto: „Lass die mal machen, die wissen, was sie tun“.

Weiter fasziniert die hermetisch abgeriegelte Welt des unterirdischen Labors. Insgesamt 5 Stufen der Desinfektion muss jeder Mitarbeiter des Projektes über sich ergehen lassen, bis das letzte Level der Einrichtung erreicht ist, auf dem der außerirdische Eindringling untersucht werden kann. Hier findet dann – rein sinnbildlich – ein echter Kampf David gegen Goliath statt. Ein Organismus, kaum größer als ein einzelnes Sandkorn, gegen eine Bastion der Wissenschaft und des menschlichen Verstandes in all seinen Facetten. Hier wird dem Zuschauer unmissverständlich klar, wie fragil letztlich ein noch so großer hochtechnisierter Apparat mit all seinen Schaltkreisen und Computern sein kann, wenn er mit einer unbekannten und feindlichen Bedrohung zu tun bekommt, die trotz ihrer Simplizität absolut und effektiv tötet.

Und auch in diesem Film wird ein Teil der Staatsmacht – nämlich das Militär – als etwas porträtiert, dem man nur mit dem allergrößten Argwohn gegenübertreten kann. Im Gegensatz zu den Wissenschaftlern, deren ernsthaftes Bestreben darin besteht, den tödlichen Organismus zu isolieren, zu studieren, ihn unschädlich zu machen und letztlich zu vernichten, sind die Streitkräfte insgeheim eindeutig viel mehr daran interessiert, Andromeda für ihre Zwecke nutzbar zu machen und ihn als biologische Waffe einzusetzen, auch wenn dies den Tod unzähliger Unschuldiger bedeuten würde.

Der Film fängt eine pessimistische und fast sterile Stimmung ein. Das Gefühl der Isolation und des Auf-sich-allein-gestellt-seins der wenigen Menschen in dem unterirdischen Forschungslabor überträgt sich sofort mit dem Betreten der Einrichtung auf den Zuschauer. Die direkte Konfrontation mit der Bedrohung aus dem Weltall wird unmittelbar spürbar.

Auch wenn der Film – nach einem überaus spannenden Finale – durchaus versöhnlich endet, hinterlässt er doch einen gewissen Beigeschmack und man stellt sich die Frage, ob man letztlich als Bürger eines demokratischen Landes den vom Volk gewählten Autoritäten wirklich vertrauen kann. Ob man gut daran tut, nachts tief und ruhig zu schlafen, in der Annahme, dass der Staat, in dem man lebt, auch wirklich im Sinne des Volkes gelenkt wird, oder ob es nicht doch besser wäre, mindestens ein Auge offen zu lassen und einen schweren Knüppel neben dem Bett liegen zu haben.

6 Gedanken zu “Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All (1971)

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