Vorsicht bissig! – Der Zombie erobert die Leinwand

Ob nun verzaubert, durch einen Erreger mutiert oder durch andere verwandelt, ob Wiedergänger, Infizierter oder Untoter, ob langsam dahin schlurfend oder schnell wie der Blitz, ob dumm wie Brot oder zu halbwegs überlegten Manövern fähig, eines ist auf jeden Fall sicher, Zombies sind aus der heutigen Filmlandschaft nicht mehr wegzudenken. Gerade im Bereich der „Seuchenfilme“ haben es sich die Gesellen gemütlich gemacht, wie Filme wie „28 Days later“, „Carriers“ und Co. beweisen. Doch woher kommen die verwesenden Biester eigentlich? Wie haben sie es in den Mainstream geschafft? Und warum gibt es sie in so unterschiedlichen Ausformungen?

Schaut man sich die Geschichte des Zombies an, so wird eines schnell klar, die Ursprünge eines der beliebtesten Monster der Filmgeschichte muss in einer Zeit gesucht werden, als die Bilder noch nicht das Laufen gelernt hatten. Denn die Idee von Wiedergängern, Auferstandenen und Untoten gibt es schon länger in der Literatur. Man nehme nur einmal Shelleys „Monster“, das von seinem Schöpfer Frankenstein aus Leichenteilen zusammengesetzt und wieder zum Leben erweckt wird. Oder den Fürsten der Finsternis, Graf Dracula höchstselbst, der nicht nur normale Menschen zu Vampiren verwandeln kann, sondern auch Sterbliche seinem Willen unterwerfen. Und nicht nur die Literatur dürfte wohl Inspirationsquelle vieler Filmemacher gewesen sein, auch ein Voodoo-Ritual, bei dem die Menschen mit Hilfe eines speziellen Drogencocktails zu willenlosen Sklaven gemacht werden, hört sich sowohl gruselig, als auch wie ein geeigneter Stoff für den nächsten Horrorschocker an. Kein Wunder also, dass die frühen Zombies, die damals noch in schwarz-weiß über die Leinwand wanken durften, klassischerweise unter einem Zauber standen. Für dieses erste erblühen des Genres in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war unter anderem der Film „White Zombie“ von 1932 prägend.

Neben Literatur und Voodoo betrat in den 40er und 50er Jahren ein weitere Player das Spielfeld, der für einiges an Furore sorgte: der Alien. Die kleinen grünen Männchen hielten dabei nicht nur Einzug in den Science-Fiction-Film, sondern stahlen sich auch in den Zombiefilm, indem sie wehrlose Menschen wie Marionetten für ihre Zwecke missbrauchten, oder in späteren Jahren dann gleich mal selber zur „Seuche“ mutierten, wie in den relativ neuen Filmen „Invasion“ oder „Seelen“. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Bild des wandelnden Untoten allerdings immer weiter, bis schließlich der Film „Die Nacht der Lebenden Toten“ aus dem Jahre 1968 den damaligen Wendepunkt dieser Entwicklung darstellte und dem geneigten Zuschauer jenen Zombie bot, der sich heute in den Köpfen der Menschen fest verankert hat. Vorbei waren die Zeiten, in denen ein dunkler Zauber die Menschen unter Kontrolle hielt, ein neues Zeitalter war angebrochen, die atomare Bedrohung scheinbar allgegenwärtig und so ward der moderne Zombie geboren: Ein zumeist verstrahlter Jäger, den es nach Menschenfleisch dürstet. Die folgenden Filme orientierten sich an diesem Bild und schossen wie Pilze aus dem fruchtbaren Boden. Ein regelrechter Boom des Genres konnte in den 70ern und 80ern beobachtet werden, eine Art Hochblüte, die nicht nur viele Kultfilme hervorbrachte, sondern auch kreative Ansätze zu Tage förderte und weitere Verschmelzungen mit anderen Genres mit sich brachte.

So erblickte die Zombiekomödie hier das Licht der Welt, erfreute sich allerdings noch nicht wirklich großer Beliebtheit – prominentester Vertreter ist hier wohl „Braindead“ aus dem Jahre 1992 von Peter Jackson, ein Film, der allerdings erst ein paar Jahre später größere Beachtung finden sollte. Denn in den 90ern war die Luft aus dem Sujet „Zombie“ ziemlich raus, zumindest was den Mainstream betraf. Natürlich blieb eine kleine Nischenkultur, vor allem dank Independent- und Amateurfilmern, am Leben erhalten, aber die großen Titel dieser Zeit sind rar gesät. Kein Wunder, der Krieg war schon lange überstanden, der wirtschaftliche Aufschwung unleugbar und selbst ein Atomkrieg war in weite Ferne gerückt, die Welt wurde globalisierter, rückte näher zusammen und wurde damit kleiner und weniger bedrohlich. Wenig überraschend also, dass auch das Genre mit der Zeit gehen musste, wollte es nicht vollkommen in Vergessenheit geraten. Diesen neuen Ansatz, der eine erneute Blütezeit des Genres einläuten sollte, fanden Danny Boyle mit seinem „28 Days later“ und die Macher der Resident-Evil Reihe Anfang der 2000er: Ein Virus musste her. Eine revolutionäre Idee,  die den logischen nächsten Schritt für das Genre darstellte, vor allem auch in Hinblick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit. Zombies wurden zu Infizierten, Überlebende durften anfangen auf eine Heilung zu hoffen und die Szenarien und Inszenierungen näherten sich immer weiter einer möglichst realistischen Herangehensweise an.

Und wo stehen die Zombies heute, zu Beginn einer neuen Dekade? Nun ja, eines kann man auf jeden Fall nicht bestreiten, sie scheinen es wohl endgültig in den Mainstream geschafft zu haben, und dort wohl auch erst einmal zu bleiben, was wohl auch daher rühren dürfte, dass es sie heutzutage in so gut wie jeder der beschriebenen Ausformungen wieder zu finden gibt. Ähnlich wie bei der Mode, hat man das Gefühl, dass zur Zeit alles nebeneinander existieren kann und alles mit allem kombinierbar ist – so gibt es Zombie-Musicals wie „Anna und die Apokalypse“, Zombie-Komödien wie „Zombieland“, Zombie-Dramen wie „Maggie“, Zombie-Edeltrash wie „Operation: Overlord“ und ganz klassischen Zombie-Horror wie „Train to Busan“. So hat sich das Subgenre des Zombiefilms selber zu einem bunten, vielseitigen Strauß entwickelt, der für so ziemlich jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Wie jedes gut etablierte Genre muss allerdings auch dieses stets gegen seine eigenen Klischees ankämpfen, um frisch und ansehnlich zu bleiben.

Quellen:

14 Gedanken zu “Vorsicht bissig! – Der Zombie erobert die Leinwand

  1. Ich erwähne ja gerne, dass ich nicht der größte Fan des Zombie-Films bin, mit zahlreichen Ausnhamen zugegeben. Ich glaube die derzeitige Situation hilft mir, meine allgemeine Kritik etwas zu präzisieren: im Zombiefilm verliert der Infizierte über kurz oder lang seine Menschlichkeit. Es ist nicht nur unmöglich sich um die Infizierten zu kümmern, es ist gefährlich. Sie in den Kopf zu schießen ist vernünftig, folgrerichtig und sogar eine Erlösung.

    So funktionieren wir Menschen aber zum Glück nicht im Angesicht von Krankheit. Wir sind soziale Wesen und mögen vielleicht Klopapier horten, aber am Ende wollen eben doch viele helfen und die Entscheidungen über Leben und Tod sind geradezu vernichtend für die Ärzte, die sie treffen müssen. Das waffenhortende „jeder für sich“ des Zombiefilms erscheint mir da als Verzerrung.

    Sorry, das hat jetzt nur bedingt mit dem Thema zu tun, aber ich wollts mal loswerden… 😉

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    • Auch ich bin nicht der größte Genrefan, schon witzig, dass ich sowas sage, obwohl ich doch diesen Beitrag geschrieben habe 😉 , allerdings eher aus den Gründen, wegen derer das Horrorgenre allgemein nur selten mein Fall ist – die Inszenierungen setzen mir einfach in den meisten Fällen zu sehr auf ausgelutschte Klischees, die man immer schon von weitem riechen kann und die deswegen ihren Zweck verfehlen, nämlich einen zu gruseln.

      Deinen Optimismus gegenüber der Menschheit teile ich allerdings nicht so uneingeschränkt…klar, bei eher „harmloseren“ Geschehnissen, kann man immer schön sehen, wie die Gesellschaft zusammenhält und teilweise großartiges zustande bringt, aber die meisten Szenarien in Zombie-Apokalypsen sind ja jetzt nicht wirklich mit der Corona-Krise zu vergleichen (immerhin rennen in den Filmen die Zombies meist herum und wollen alle restlichen Überlebenden töten) und gerade in Kriegen wird immer wieder sehr deutlich wie grausam sich die Menschen gegenüber anderen Menschen verhalten können. Ich bin mir also nicht sicher, ob nicht doch einige zu den Waffen greifen würden, wenn da plötzlich tausende Zombies durch die Straße rennen würden, die versuchen einen aufzufressen, erst recht, wenn die staatlichen Systeme bereits zusammen gebrochen sind…also nicht, dass ich davon ausgehen würde, dass das jemals passieren wird, aber wenn, dann weiß ich nicht, ob sich die meisten wirklich so viel anders verhalten würden, als in vielen der Filme…

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      • Und selbst in der jetztigen Lage zeigt sich ein gewisser Egoismus. Den Kampf um die medizinische Schutzausrüstung gewinnen sicher nicht die Länder aus der sog. Dritten Welt. Industrienationen wie wir werben Pflegepersonal ab, damit unsere Krankenhäuser nicht zusammenbrechen. Was mit den Kranknhäusern in Mexiko etc passiert, interessiert erst mal niemanden. Insofern muss ich dem optimistischen Filmlichter leider auch widersprechen.

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      • Du hast natürlich Recht und hält die derzeitige Situation an/wird schlimmer, dann brechen irgendwann auch die menschlichen Stützpfeiler weg.

        Im Zombiefilm ist jedoch genau der, der von Anfang an jeden in den Kopf schießt und sich in seiner Burg einmauert derjenige, der korrekt handelt. Da liegt mein Problem. Es ist ein Genre wie gemacht für diese Leute vor allem in den USA, die Waffen horten und einen Bunker im Garten haben. Wobei ich natürlich direkt zugebe, dass sich auch viele Filme exakt mit diesem Thema kritisch auseinandersetzen.

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  2. Ich bin der Meinung, dass das Genre des Zombie Films sich inzwischen ziemlich totgelaufen hat. Interessantes, geschweige denn Innovatives, hat es da, von einigen Ausnahmen abgesehen, in den letzen Jahren, nicht mehr gegeben.
    Spätestens wenn ein Genre damit anfängt, sich selbst zu parodieren, ist der Zenit mehr als überschritten. Beispielhaft sei hier der Italo-Western genannt.
    Ich bin also guter Hoffnung, dass irgendwann in der Hölle wieder mehr Platz ist, damit die Toten auch tot bleiben. Leider dauert der Prozess der Selbst-Persiflage schon eine ganze Weile an . Aber irgendwann bleibt der Sargdeckel hoffentlich mal eine Weile geschlossen. Gegen eine Rückkehr der lebenden Toten (Gibt’s den Film nicht sogar schon) hätte ich nichts einzuwenden. Aber doch bitte nach einer ausgiebigen kreativen Pause.

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    • Nachdem ich nicht so viele Zombiefilme in meinem Leben gesehen habe, was mir unsere Ausgabe hier deutlich vor Augen geführt hat, könnte ich nicht behaupten, dass sich das Subgenre für mich persönlich schon totgelaufen hätte, sondern es ist eher so, dass ich das darüber befindliche Horrorgenre allgemein in den meisten Fällen als zu ausgelutscht und repetitiv empfinde, wodurch natürlich auch viele Zombiefilme auf mich wie ein eher langweiliges Klischeefeuerwerk wirken. Ich glaube aber, dass es, ähnlich wie beim Horrorgenre, weniger darauf ankäme eine zeitliche Pause einzulegen, sondern einfach ein paar kreative Köpfe sich mal wieder an das Genre wagen müssten, wie zB im Horrorbereich gerade Ari Aster ein wenig frischen Wind in die Bude bringt.

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  3. Sehr schöner historischer Überblick. Beim Lesen kam mir der Gedanke, dass der Schwung hin zur Infektion als Grund für Zombieepidemien in der (Angst vor der) Globalisierung begründet liegt, die ja auch ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich Corona derzeit so rasch verbreitet.
    Interessant aber, dass du Resident Evil erwähnst. Die Spiele, auf denen die Filme basieren, entstanden ja schon Ende der 90er und da war ein genetisch modifizierter Virus die Ursache. Waren die Games also vielleicht der Film generell voraus, was das anbelangt?

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    • Mit der Angst vor der Globalisierung hast du sicher einen wichtigen Punkt angeschnitten wieso es plötzlich hin zu den Infizierten ging. Ob da die Gaming-Szene jetzt allerdings früher dran war bzw wie sich diese beiden Medien gegenseitig befeuert haben, kann ich dir jetzt gar nicht sagen, hab nicht in diese Richtung recherchiert und leider auch nie einen Resident Evil Teil gespielt 🤷.

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  4. Schöner Überblick. Ist schon echt erstaunlich, dass der Zombie in der Unterhaltung einfach nicht tot zu kriegen ist. Gerade im Serienbereich ja auch.

    Als kleine Serienempfehlung dazu will ich hier nur mal die koreanische Netflix-Serie „Kingdom“ erwähnen. Die ist mal erfrischend anders

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    • Ja, Serien und Videospiele sind natürlich auch Medien, wo der Zombie gern sein Unwesen treibt. Von „Kingdom“ hab ich schon mal durch einen Freund gehört…die Serie befindet sich also schon auf der Watchlist…wie so vieles andere auch 😅

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  5. Ich bin ein Zombie Fan und kenne zumindest die Klassiker. Infizierung, wer weiß, ob es so etwas nicht doch geben könnte. Wissen wir das Nein. In Kürze werde ich auch ein kurzen Bericht dazu schreiben und in absehbarer Zeit auch ein verlängerten. Forschte was tun sie, das ist eine gute Frage. Es gibt auch Fanatische unter ihnen. Die grundlegend nach etwas forschen und manchmal geht es schief. Und dann haben wir den Salat. Niemand ist in der Lage genau zu wissen was wie geschaffen wird am Ende wenn etwas passiert. Ist es Niemand gewesen.🙂👍🌹G.Michael.

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    • Das stimmt natürlich, die Zukunft ist ungewiss und was da wirklich so in den Laboren der Welt alles im Vorborgenen schlummert, will man sowieso lieber nicht so genau wissen. Allerdings glaube ich ich weniger, dass es wirklich eine Art „Zombie“ – Virus wäre, der uns dahinrafft, sondern wohl eher etwas unspektakuläreres…so oder so, ist es wohl das beste, die Zeit, die wir haben, so gut wie möglich zu genießen 😉.

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  6. Pingback: 28 Days Later (2002) | Klappe!

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