Der Mann mit der Todeskralle (1973)

  • Originaltitel: Enter the Dragon
  • Regie: Robert Clouse
  • Schauspieler: Bruce Lee, John Saxon, Jim Kelly
  • Genre: Martial Arts, Thriller
  • Land: USA

Was haben Asterix und Bruce Lee gemeinsam? Beide sind nicht groß, kämpfen stets für das Gute und gehen dafür kaum einer Prügelei aus dem Weg, selbst wenn sie im Grunde ihres Herzens zutiefst friedfertig sind. Für mich ergab sich ein Zusammentreffen der beiden Kämpfer eher zufällig.

Als junger Spund war ich zum Geburtstag eines Klassenkameraden eingeladen. Mit einigen weiteren Freunden (Mädchen existierten damals in unserer Welt nur ganz am Rande) zogen wir los, um im nahe gelegenen Programmkino einen vergnüglichen Filmnachmittag zu verleben. Mein Vorschlag, „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ zu schauen, fand wenig Anklang. Die Auswahl des Films oblag natürlich dem Geburtstagskind, das sich für „Asterix erobert Rom“ entschied. Naja, ich war halt schon damals jemand, der eine härtere Gangart bevorzugte. Also, „au revoir“ Godzilla und „salut“ kleiner Gallier.

Kaum hatten wir Platz genommen, verdunkelte sich der Kinosaal und die Vorschauen auf das Programm der kommenden Wochen begannen. Und gleich der erste Trailer sollte mir einen Film bescheren, der mich vollkommen umgehauen hat. So wie es eben nur ein echter Meister seines Fachs versteht, und dieser Meister hieß Bruce Lee und der Film, der für mich zur Quintessenz der Filme wurde, in denen es um Kampfkunst geht, hieß „Der Mann mit der Todeskralle“. Einen martialischeren Filmtitel hat es seither wohl nicht wieder gegeben. Es dauerte dann zwar noch einige Zeit, bis ich dann wirklich die Chance hatte, den Film zu sehen, aber meine inzwischen immer weiter gestiegenen Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Nicht beim ersten, nicht beim dritten und auch nicht beim zehnten Mal.

Doch genug des Schwelgens in (sicherlich romantisch verklärten) Erinnerungen. Kommen wir zurück ins Hier und Jetzt und werfen einen etwas weniger romantischen Blick auf den Film. Nachdem Bruce Lee mit seinen vorherigen drei Filmen („The Big Boss“, „Fist of Fury“ und „The Way of the Dragon“) in Asien alle Kassenrekorde brach und auch in den USA durch sein Rolle als „Kato“ in der TV-Serie „The Green Hornet“ einige Bekanntheit erreicht hatte, war die Zeit reif, dass auch Hollywood sich seinen Anteil an der aus Hongkong herüber schwappenden „Eastern-Welle“ sicherte. So begannen im Februar 1973 die Dreharbeiten zum ersten „West-meets-East-Crossover-Martial-Arts-Movie“. So ganz vertraute man jedoch noch nicht auf Lees Zugkraft an den westlichen Kinokassen, sodass man noch einige US-Charaktere in die Handlung einbaute. Neben John Saxon, einem Star der bestenfalls 2. Reihe, aber immerhin mit einem schwarzen Gürtel im Karate, erhielt auch der schwarze Karate-Champion Jim Kelly eine durchaus tragende Rolle. Mit Kelly wurde gleichzeitig auch noch das Publikum angesprochen, das in die Filme der sogenannten „Blaxploitation-Welle“ strömte. In diesem Film-Subgenre, fand das seit Anfang der 1970er-Jahre erstarkte Selbstbewusstsein der schwarzen US-Bürger seinen künstlerischen Ausdruck. Meist handelte es sich hierbei um schnell und billig, aber sehr stilprägend, produzierte Actionreißer.

Die Handlung der „Todeskralle“ entleiht sich das Grundgerüst vieler James Bond Filme: Ein despotischer Schurke lebt mit einer Art Privatarmee auf einer abgelegenen Insel und stellt dort Drogen her, mit denen er den Weltmarkt überschwemmen will. Lee mischt sich anlässlich eines auf der Insel stattfinden Martial-Arts-Wettbewerbes unter die Teilnehmer und versucht dem Schurken Han das Handwerk zu legen. So dünn die Handlung auch ist, so spektakulär ist die Umsetzung. Zu Beginn wird sogar versucht, so etwas wie eine Charakterzeichnung der drei Hauptakteure Lee (B. Lee), Roper (Saxon) und Williams (Kelly) einzubauen. Das gelingt hier, wo der Fokus ganz sicher nicht auf tiefschürfenden Erläuterungen und Motivationen der Protagonisten liegt, erstaunlich gut, indem die Gründe für die Turnierteilnahme der drei Hauptdarsteller in kurzen Flashbacks gezeigt werden.

Kernstück des Films sind natürlich die perfekt choreographierten und absolut mitreißenden Kampfszenen, die bis heute beeindrucken. Bereits der erste Kampf Lees lässt erahnen, welche Dynamik und Schlagkraft in diesem Mann stecken. Kein Netz, kein doppelter Boden. Lee ist Lee, Double und Stuntman in einem. You get what you see. Und wenn im weiteren Verlauf der Handlung Lee in den unterirdischen Labors der Insel gleichzeitig gegen Dutzende von Gegnern kämpft, weiß man, dass hier ein wirklicher Künstler am Werk ist. Ob mit Händen, Füßen, Stöcken oder Nunchakus (asiatiche Waffe, bei der 2 Holzstücke mit einer Kette verbunden sind, womit auf den Gegner eingedroschen wird), Lee ist unbesiegbar. Kleiner Funfact: wer bei diesen Szenen genau aufpasst, kann auch den jungen Jackie Chan erkennen, der sich von Lee verprügeln lassen muss.

Höhepunkt des Films ist der Zweikampf zwischen Lee und Han, der seine „Todeskralle“ (die seine amputierte Hand ersetzt) zum Einsatz bringt und seinem Gegner damit schwer zu schaffen macht. Dieser Kampf in einem großen Spiegelkabinett zeigt sicher mit das Beste, was das Genre je zu bieten hatte. Nicht umsonst ließen sich andere Filme (u.a. „Kentucky Fried Movie“, „Der Mann mit dem goldenen Colt“) hiervon in Teilen inspirieren. Auch Saxon und Kelly machen ihre Sache gut. Nicht so elegant und beweglich wie Lee, dafür aber ehrlich erarbeitet.

Nicht zu vergessen ist die Musik. Komponist Lalo Schifrin (u.a. Mission Impossible, Bullit, Dirty Harry) gelingt hier ein perfektes Crossover zwischen traditionellen chinesischen Klängen und moderner westlicher Musik. Kein Wunder, dass die LP mit dem Soundtrack heute ein begehrtes und teures Sammlerstücke ist. Zum Reinhören empfehle ich das Main Theme.

Sehr tragisch, dass Lee seinen größten Filmerfolg nicht mehr selbst erleben durfte. Er verstarb wenige Wochen vor dem US-Filmstart, (vermutlich) an einem Gehirnschlag.

Für mich ein ganz großer Film, der alles – und sogar noch etwas mehr – bietet, was ich von einem Martial-Arts-Film erwarte. Merci, Monsieur Asterix.

12 Gedanken zu “Der Mann mit der Todeskralle (1973)

  1. Für mich stellt sich vor allem die Frage, was für Trailer damals vor einem Asterixfilm liefen. 😉 Heutzutage wird da ja meist genrezugehörig ausgewählt. Und abgesehen vom ‚andere verkloppen‘ Kontext gibt es da sonst wahrscheinlich keine Gemeinsamkeiten zwischen Asterix und einem Bruce Lee Film. 😀

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  2. Habe tatsächlich noch nie einen Bruce Lee Film gesehen, um das aber mal nachzuholen habe ich schon seit Längerem Enter the Dragon rumliegen 🙂 Das hier gibt auf jeden Fall einen Anreiz, diese Lücke zu schließen, auch wenn mir immer noch die Berührungspunkte zu ihm und dem Genre fehlen

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, das ist ein wirklich guter Film, wenn auch sicherlich kein klassischer Eastern. Ich würde sagen, es ist mehr ein James-Bond-trifft-Kung-Fu-Film.
      Was für dich persönlich noch interessant sein könnte ist der Score von Lalo Schifrin. Die Musik ist ein toller Mix aus traditioneller chemischer und amerikanischer 70`s-Funky-Music.
      Also, angegucken, gut finden und Rückmeldung geben. Demnächst haben wir ja wohl vermutlich alle (leider) mehr Zeit zum Filmegucken.

      Gefällt 1 Person

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