Die Musik in den Bondfilmen

Seitdem im Jahr 1962 der erste Bondfilm „Dr. No“ auf den Leinwänden der Kinos weltweit erstrahlte und nächstes Jahr bereits der 25. Film der Reihe erscheinen soll, gibt es bei stets wechselnden Darstellern der titelgebenden Hauptfigur eine Konstante, die die Filme übergreifend zusammenhält: der Moment, wenn John Barrys Main Theme ertönt. Nicht nur deswegen ist Musik ein essentieller Bestandteil der Filmreihe, wenn es um den Wiedererkennungswert geht, sondern auch wenn es darum geht Musikstars für die Titelsongs zu versammeln. Im Folgenden möchte ich euch einen Überblick über die Geschichte der Bondmusik bieten und hoffe, dass sich eure Ohren spitzen.

Die Entstehungsgeschichte des Bond-Themes

Den Anfang macht natürlich besagtes Main Theme von John Barry. Und dabei muss ich euch bereits das erste Geständnis machen: John Barry ist gar nicht der offizielle Komponist dieser Melodie, sondern ein Herr namens Monty Norman.

„Monty wer?“, fragt ihr euch jetzt sicher, aber tatsächlich wird in „Dr. No“ diese doch recht unbekannte Person als Komponist der Musik angeführt. Und tatsächlich wurde besagte Person auch für diese Arbeit zunächst angeheuert. Er komponierte allerdings keine neue Musik, sondern schlug als Theme Song ein Lied vor, das er nie veröffentlicht hatte.

Das reichte den Produzenten jedoch nicht aus und um die Musik attraktiver zu gestalten, zog man den noch jungen John Barry hinzu. Dieser nahm den Song und arrangierte ihn instrumental komplett neu. Das Ergebnis ist heutzutage weltbekannt, allerdings kam es nach einiger Zeit zu einem in der Geschichte der Filmmusik recht prominenten Urheberrechtsstreit.

Interessanterweise wurde hierfür das Stück für das Gericht tiefgehend analysiert, um festzustellen, wem die Urheberrechte zustehen. Schließlich kam man zu dem Schluss, dass das Hauptmotiv des finalen Themes Normans Komposition definitiv nachempfunden ist. Hört gerne mal hinein, der Song heißt „Bad Sign, Good Sign“. Ganz sicher überhaupt nicht was man als Vorlage erwartet, aber wenn man genau hinhört, erkennt man die Melodie, woraus das Gitarrenriff arrangiert wurde.

Und dennoch hat John Barry hier natürlich großartige Arbeit geleistet, in dem er diesen Song stark veränderte, erweiterte und eins der ikonischsten Themes der Filmgeschichte schuf (naja oder auch nicht schuf, aber ihr wisst, was ich meine). Seitdem wird seine Version in jedem einzelnen Bondfilm aufgegriffen.

Die John Barry Ära

John Barry avancierte schließlich zum Hauskomponisten und komponierte bis ins Jahr 1987 für insgesamt elf Filme der Reihe den Soundtrack. In der Zeit kam es zu drei Ausnahmen, wo andere für ihn einspringen mussten, nämlich: George Martin („Leben und sterben lassen“, 1973), Marvin Hamlisch („Der Spion, der mich liebte“, 1977) und Bill Conti („In tödlicher Mission“, 1981).

Dabei beließ Barry es nicht nur beim etablierten Main Theme, sondern erweiterte den Score stets mit weiteren Motiven und beteiligte sich schließlich an den Kompositionen der Titellieder, die ab dem zweiten Bondfilm „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) hinzukommen sollten.

Gesungen wurde der erste Bondsong der Geschichte mit viel Klasse von Matt Monro. Und was John Barry außerdem aus seinem zweiten Score machte, könnt ihr euch hier anhören: Hörbeispiel 1, Hörbeispiel 2.

In „Goldfinger“ (1964) schuf man schließlich einen der prägnanteren Lieder der ganzen Reihe mit Shirley Bassey als Sängerin, die später zu „Diamantenfieber“ (1971) und „Moonraker“ (1979) nochmals zurückkehren durfte. Mit „Goldfinger“ ließ Barry auch gleich den Titelsong weiter in den Score miteinfließen, was sich in späteren Filmen immer wieder beobachten ließ. (Hörbeispiel)

Nach Tom Jones in „Feuerball“ (1965) und Nancy Sinatra in „Man lebt nur zweimal“ (1967) war es dann 1969 in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ an der Zeit für ein wenig Veränderung. Schließlich gab es mit George Lazenby zum ersten Mal ein neues Gesicht für den 007-Agenten und das Franchise wollte ein wenig herumprobieren. Auch wenn das Main Theme erhalten blieb, schien es wie gerufen für ein weiteres, neues Theme, dass den Film schmücken sollte und es war außerdem das erste Mal seit „Dr. No“, dass es sich beim Titellied wieder um eine rein instrumentale Komposition handelte. Zweifellos ist es eins der bemerkenswertesten (wenn auch unterschätztesten) Themes, die die Reihe hervorgebracht hat und es ist das beste Beispiel für das Können von John Barry. Damit aber noch nicht genug, hielt der Film doch noch ganz unerwartet ein Lied mit dem Titel „We Have All The Time In The World“ bereit, von niemand geringerem als dem großartigen Louis Armstrong.

In „Diamantenfieber“ (1971) wurde es dann wie bereits erwähnt wieder vertraut mit Shirley Bassey und schließlich kam 1973 mit „Leben und sterben lassen“ der große Umschwung. Nicht nur wurde nun Roger Moore langfristig für die Titelrolle verpflichtet, sondern es war auch das erste Mal, dass man ohne John Barry auskommen musste. Allerdings musste man sich darum keine allzu großen Sorgen machen, schließlich bekam man als Ersatz den ehemaligen Producer der „Beatles“, George Martin. Passenderweise kam dann für den Titelsong noch Musiklegende Paul McCartney hinzu, der ihn zusammen mit seiner Frau Linda schrieb und damit einen der besten (und sogar meinen liebsten) Bondsongs aller Zeiten kreierte. Er ist so gut geschrieben, dass seine orchestralen Motive den Score perfekt ergänzen und der ideale Gegenpart zu George Martins funkiger Komposition sind, die sich mehr auf das Harlem und New Orleans der 70er-Jahre konzentriert (Hörbeispiel 1, Hörbeispiel 2).

Weiter geht’s mit Lulu als Sängerin und wieder John Barry in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (1974), bis der Komponist 1977 bei „Der Spion, der mich liebte“ schließlich wieder aussetzen musste und für ihn Marvin Hamlisch einsprang, der besonders bekannt für seinen Soundtrack zu „Der Clou“ ist. Dieser konnte dem Score auch gleich seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken und es lohnt sich definitiv genauer hineinzuhören! Denn er jongliert hier gleich mit drei unterschiedlichen Stilen. Zum einen vermischt er Funk mit Disco-Tunes und elektronischen Klängen, wie man in diesem Hörbeispiel am besten heraushören kann. Und zum anderen wechselt er diese doch recht experimentierfreudige Kompositionsweise mit neoklassischem Stil ab, den zu dieser Zeit John Williams u. a. mit Star Wars besonders populär machte. Dabei handelt es sich um das Wiederaufgreifen des Kompositionsstils vom klassischen Hollywood-Kino (oder auch „Golden Age of Hollywood“ genannt) der 30er- und 40er-Jahre, die geprägt waren von Komponisten wie Korngold („Robin Hood“) und Steiner („King Kong“). Am besten hört man diesen Kontrast zum ersten Hörbeispiel im Folgenden: Hörbeispiel 2, Hörbeispiel 3.
Achja, einen schönen Titelsong zum Film gibt es natürlich auch noch. Er stammt von Carly Simon, heißt „Nobody Does It Better“ und gehört meiner Meinung nach auch zu den besseren Titelsongs.

Vertraut geht es weiter mit Shirley Bassey in „Moonraker“ (1979), wirklich abgespaced wird im Gegensatz zum Film John Barrys Score aber nicht. Also machen wir weiter mit „In tödlicher Mission“ (1981), wo Barry wieder einmal pausierte und Platz machte für Bill Conti, der verantwortlich für die denkwürdige Filmmusik der Rocky-Reihe ist. Und was soll ich sagen, wir sind in den 80ern angekommen. Was sich zuvor bei Hamlisch zur Hälfte angedeutet hatte und noch recht experimentell klang, wird hier von Conti auf die nächste Stufe gehoben, aber hört selbst: Hörbeispiel 1, Hörbeispiel 2. Hinzu kommt ein Titelsong, der sich stilistisch stark von den bisherigen unterscheidet und von Sheena Easton stammt.

John Barry ließen die 80er scheinbar jedoch komplett kalt und für ihn ging es in gewohnter Manier weiter (Hörbeispiel). Es folgten für ihn seine letzten drei Arbeiten für die Bondreihe. Für „Octopussy“ (1983) sang Rita Coolidge, schließlich folgten Duran Duran in „Im Angesicht des Todes“ (1985), die mit ihrem einzigartigen Stil einen untypischen Bondsong herausbrachten und zu guter Letzt haben wir in „Der Hauch des Todes“ (1987) die Band a-ha, die ihrer Art der Musik einen Hauch von James Bond hinzufügten.

Post John Barry

Auf Barry folgten zunächst einmal zwei Einzelarbeiten, so durfte 1989 Michael Kamen ans Werk (u. a. bekannt für „Stirb Langsam“). Der hielt den Score für „Lizenz zum Töten“ noch recht klassisch (Hörbeispiel). Selbiges lässt sich über das Titellied von Gladys Knight sagen. Die Trompeten erinnern hier stark an „Goldfinger“.

In die selbe Kerbe schlägt wohl auch Tina Turners „GoldenEye“ (1995), auch wenn sie wie gewohnt etwas mehr Wucht mit ihrer Stimme hineinbringt. Fun Fact: Komponiert wurde der Song von Bono und The Edge, dem Frontmann und dem Gitarristen von der Band U2. Als Filmkomponist folgte Éric Serra, der durch seine Zusammenarbeit mit Luc Besson erfolgreich wurde und seine typischen 90s-Klänge in den James Bond Film übernahm. Der Score ist sehr percussionlastig und greift auch hier wieder „Goldfinger“ auf (Hörbeispiel).

Mit David Arnold sollte sich aber endlich ein Komponist für die kommenden fünf Filme gefunden haben. Bei seinem Anfang 1997 in „Der Morgen stirbt nie“ steuert Sheryl Crow den Titelsong bei. Arnolds Stil ist nichts Extravagantes, aber er bietet im Prinzip ein ganzes Repertoire an orchestraler Komposition. Er kann bedächtig und zurückgenommen, aber auch rasant und verspielt. Der Soundtrack zu diesem Film ist das beste Beispiel: Hörbeispiel 1, Hörbeispiel 2.

Ohne große Überraschungen geht’s weiter mit der Band Garbage in „Die Welt ist nicht genug“ (1999) bis 2002 der Aufschrei groß ist: Ja, es ist das Jahr in dem Madonna den Song für „Stirb an einem anderen Tag“ schrieb. Und nun ja, wie drücke ich mich da am besten aus… er ist wirklich schrecklich.

Machen wir doch lieber einfach gleich weiter mit Chris Cornell und seinem Song zu „Casino Royale“ (2006). Der kann sicherlich nicht besonders herausstechen, aber immerhin ist er zu seinem Vorgänger gut erträglich. Und warum nicht mal ein wenig Rock ins Franchise bringen, immerhin hat sich der Film auch so angefühlt, als hätte er sich dieselbe Frage gestellt. Achja, David Arnold macht auch weiterhin einen guten Job und hält seine Arbeit auf konstantem Niveau.

Nicht weniger rockig wird es übrigens in „Ein Quantum Trost“ (2008), denn dafür hat sich Alicia Keys Rockgröße Jack White zur Seite geholt, den man von den White Stripes kennt. Entweder man mag ihn oder kann nichts mit ihm anfangen, daher lässt definitiv festhalten, dass dieser Song heraussticht, ob im positiven oder negativen. Persönlich gefällt mir sein Gitarrensound gut, aber es hört dann bei seiner Stimme auf, die auch nicht sonderlich gut mit der von Alicia Keys harmoniert. Musikalisch ist dieser Song aber sicherlich unterschätzt und fügt der Bondreihe eine weitere Facette hinzu.

Kommen wir nun zu Thomas Newman, der für die folgenden zwei Bondfilme David Arnold ablösen darf. Ihn kennt man für den Score zu „American Beauty“, „Findet Nemo“ oder zuletzt zu „1917“. Er passt zur neuen Gangart von James Bond, schließlich wird etwas tiefer in die Figuren eingedrungen und da ist sein atmosphärischer, bedächtiger Kompositionsstil eine willkommene Abwechslung (Hörbeispiel). Und in „Skyfall“ (2012) kommt er nicht alleine daher, immerhin lieferte Adele den heutzutage wohl populärsten Bondsong ab. Und klar, das Lied lief rauf und runter und ist vielleicht etwas abgenutzt, trotzdem bin ich der Meinung er gehört zu den besseren Liedern und passt auch gut zum Film. Und sogar noch etwas gefühlvoller wird es in „Spectre“ (2015) beim Song von Sam Smith.

Damit wären wir auch schon im Heute und Jetzt angekommen. Mit Hans Zimmer hat „Keine Zeit zu sterben“ wohl Hollywoods aktuell größten Filmkomponisten ergattert und es bleibt abzuwarten, was so jemand noch aus der Musik herausholt. Ähnlich wie John Barry weiß er sehr wohl mit dem Einsatz der E-Gitarre umzugehen, hat hierfür sogar Johnny Marr (Gitarrist von The Smiths) an der Seite und er steht natürlich für Bombast. Als kleiner Teaser wurde bereits Hans Zimmers Interpretation des Main Themes veröffentlicht, auch wenn er noch nicht allzu viel über den Score verrät.
Auf der anderen Seite haben wir Superstar Billie Eilish, die die bisher jüngste Interpretin eines Bondsongs ist und mit ihrer Stimme einen sehr nach innen gekehrten Song präsentiert.


Gerne würde ich nun von euch hören, was eure Lieblingssongs sind, wie ihr zum neuen Lied von Billie Eilish steht und was ihr vielleicht von Hans Zimmer beim neuen Film erwartet. Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

5 Gedanken zu “Die Musik in den Bondfilmen

  1. Das Gespür für radiotaugliche Titelsongs ist ist den Bond-Machern offenbar in den 1980er-Jahren abhandenkommen. Außer „Skyfall“ von Adele ist da kaum noch etwas, dass so richtig den Charts mitmischen konnte.

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  2. Ich mag die Songs von Shirley Bassey ganz gern und Tina Turner. Von den neueren Songs kann ich eigentlich nur den von Chris Cornell und den von Adele leiden.
    Der neueste Song von Billy EIlish ist bisher noch nicht bei mir angekommen, den muss ich vermutlich noch öfter hören, um eine Meinung zu haben. Ansonsten erwarte ich mir von Zimmer einen epischen Soundtrack, den man auch später noch gut hören kann.

    Gefällt 2 Personen

    • Billie Eilishs Song muss man definitiv mehrmals hören, mir gefällt er mittlerweile echt gut und ihr zarte Stimme ist bisschen Kontrastprogramm zu Adeles kraftvollem Gesang (oder zu sonstigen Bondsongs, die eher klassischer gehalten sind und eben mit jenen Stimmen wie bspw. von Shirley Bassey oder Tina Turner ausgestattet sind).

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  3. Der neue Bondsong ist gewöhnungsbedürftig, aber ich glaube ich würde ihn immer noch relativ weit oben einsortieren, was aber auch an meiner Abneigung für die meisten Bondsongs liegt. Die sind mir oft zu kraftlos und zu dudelig. Ausnahmen gibt es natürlich und die wurden von dir positiv hervorgehoben. Der beste Bondsong ist natürlich „Live and Let Die“ und um Platz Zwei wird es eng zwischen „Skyfall“, „GoldenEye“ und „Another Way To Die“. Die Filmmusik an sich finde ich immer ganz gut, auch die letzten Scores von Newman, der aber auch noch keinen schlechten Score abgeliefert hat.

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  4. Pingback: Wermis großer Jahresrückblick – Part 1: Klappe! – Wermi's Worte Filmblog

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