Jenseits der Alpen gibt es nicht nur „Sissi“: 10 österreichische Filme, die man sich nicht entgehen lassen sollte

Vielleicht ist es vielen unserer Leser und Leserinnen gar nicht so bewusst, aber in unserem kleinen Team befindet sich tatsächlich ein waschechte Österreicherin. Eine Österreicherin, die mehr als schockiert war, als ihre werten Kollegen beim Zusammensuchen der Kandidaten für unsere diesmonatige Loveful 8 nicht einmal die kultigsten Filme aus dem kleinen Nachbarstaat zu kennen schienen. Das kann ich natürlich nicht einfach so im Raum stehen lassen, weshalb ich euch in diesem Beitrag gerne 10 Filme vorstellen möchte, die ich jedem Filminteressierten wärmstens empfehlen kann – also quasi so etwas wie meine persönliche Top 10 österreichischer Filme.

Muttertag (1993):

In Österreich absoluter Kult, in Deutschland kaum bekannt. Diese beinharte und bitterböse Komödie aus den 90ern versammelt nicht nur das damalige „Who is Who“ der österreichischen Filmlandschaft, sondern gewährt auch einen entwaffnenden Blick auf die wahren Freuden des Muttertags. Überspitzt – na klar – aber wie jede wirklich herausragende Komödie dabei durchaus mit einem Körnchen Wahrheit versehen. Wer noch ausführlicher wissen möchte, weshalb ich mich jeden Muttertag immer wieder vor dem Fernseher einfinde, um diesen Film zu sehen, der sollte mal in unserer Filmothek vorbeischauen.

Indien (1993):

Auch wenn man es vielleicht kaum glauben mag, aber die Österreicher können nicht nur beinharte Komödien produzieren, sondern auch sehr gefühlvolle und nachdenkliche. Klar, der typische „Schmäh“ darf dabei natürlich nicht gänzlich fehlen und auch ein wenig wiener Grant ist nie verkehrt, aber eigentlich handelt es sich bei „Indien“ um einen wunderbaren Film über den Wert von Freundschaft, verpackt in einen der besten Roadmovies, den ich je gesehen habe.

Wanted (1999):

Wo wir gerade bei gefühlvollen Filmen mit komödiantischen Elemente sind, reden wir doch am besten kurz über „Wanted“. Denn dieser Film, rund um einen Chirurgen, der sich nach einem Todesfall aus der Realität zurückzieht, ist wunderschön und zutiefst traurig zugleich, schafft es philosophische Anklänge zu liefern, die tatsächlich zum Nachdenken anregen, und wartet mit einem Ende auf, bei dem die Tränen in den Augen sicher nicht ausbleiben werden.

Komm, süßer Tod (2000):

„Jetzt ist schon wieder was passiert“ – alle Krimis von Wolf Haas fangen immer mit diesem Satz an, und folgerichtig somit auch die Verfilmungen. Vier Filme umfasst der sogenannte „Brenner-Zyklus“ inzwischen und „Komm, süßer Tod“ bildete damals im Jahre 2000 den Auftakt. Dabei gibt Josef Hader den ehemaligen, vom Leben immer wieder aufs Neue in den Dreck geworfenen Polizisten Brenner so überzeugend, dass man sich keinen anderen in der Rolle vorstellen kann.

Die Klavierspielerin (2001):

Elfriede Jelinek, ein Name, der selbst Lesemuffeln inzwischen zumindest ein leises Klingeln in den Ohren bescheren sollte. Hart, unbarmherzig, verstörend und doch faszinierend sind ihre Werke. Genauso ist auch der Film „Die Klavierspielerin“ aus dem Jahr 2001 mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle und Michael Haneke auf dem Regiestuhl. Eine verkorkstere Mutter-Tochter-Beziehung wird man wohl nicht so schnell finden.

Die Wand (2012):

Doch nicht nur Jelinek bekam eine herausragende Adaption eines ihrer Werke spendiert. Auch Marlen Haushofers Roman „Die Wand“, in dem es um eine Frau geht, die eines Tages auf einer abgelegenen Almhütte erwacht und sich von einer unsichtbaren Wand umgeben vorfindet, wurde 2012 erfolgreich für die Leinwand adaptiert. Die österreichisch-deutsche Koproduktion besticht durch ihre hervorragende Hauptdarstellerin, Martina Gedeck, und die fesselnde Inszenierung.

Licht (2017): 

Hier handelt es sich um die Verfilmung eines Romans, welcher auf wahren Begebenheiten beruht und die beinahe Heilung der blinden, österreichischen Klavierspielerin Maria Theresia Paradis, durch den Heiler Franz Mesmer beleuchtet. Ein Film, der, trotz seiner opulenten Kostüme und prächtigen Drehorte, immerhin spielt das Ganze während der Zeit des Rokoko in Wien, auf tragische Weise offenlegt, wie Ansehen und gesellschaftliche Stellung leider manchmal über das Glück eines Kindes gestellt werden – damals ebenso wie heute.

Cops (2018):

Wer nach einem Cop-Drama sucht, das tief in die Seele seiner Protagonisten blicken lässt, der muss nicht unbedingt über den großen Teich schauen, denn 2018 lieferte Stefan A. Lukacs einen wahrlich beeindruckenden Kandidaten dieses Genres ab. Authentisch, gefühlvoll und mit so einer Wucht versehen, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als gebannt dem Geschehen zu folgen.

Murer – Anatomie eines Prozesses (2018): 

Ja, es gibt auch österreichische Produktionen, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Verbrechen beschäftigen, wenn auch deutlich weniger als in Deutschland. „Murer“ spielt dabei nicht zur NS-Zeit, sondern zeigt quasi die „Nachwirkungen“, in Form eines Prozesses, der in den 60er Jahren gegen Franz Murer, während seiner Zeit bei der NSDAP auch als der „Schlächter von Wilna“ bekannt, in Graz geführt wurde. Die Geschichte nahm damals allerdings ein ebenso unbegreifliches wie schockierendes Ende, weshalb man sich bereits vor Sichtung des Films wappnen sollte, denn trotz der nüchternen Inszenierung ist man mehr als einmal versucht, vor Ekel und Wut durch den Bildschirm zu krachen.

Serien-Special: 

Nanu? Was soll denn das? Wo ist denn der 10te Film? Lasst mich erklären: Auch wenn wir hier eigentlich ein Filmmagazin sind, gibt es in Österreich doch einige Serien, die einen solchen Kultstatus erlangt haben und so stark in der hiesigen Medienwelt verankert sind, dass ich es mir nicht nehmen lassen wollte, euch ein paar dieser besonderen Perlen hier zu präsentieren.
Fangen wir dabei gleich mal an mit der Sketch-Show schlechthin: „Tohuwabohu“. In dieser, in den 90ern produzierten Serie ist der Name Programm. Wild wie wahllos werden dem Zuschauer Einspieler, Gags und Sketche vor die Nase geworfen, die manchmal nur aus einem Wort bestehen. Skurril, abgedreht und mit einer guten Prise österreichischem Schmäh, stellt hier jede Episode einen Angriff auf die Lachmuskeln dar.
Wer eher auf Krimis steht, der sollte einmal bei „Kottan ermittelt“ oder „Kommissar Rex“ reinschauen. Während erstere Serie eher was für Erwachsene ist, die den dort gezeigten Humor wohl eher zu schätzen wissen, ist zweitere tatsächlich familientauglich (ich mein, immerhin ist der titelgebende Kommissar ein deutscher Schäferhund).
Und last but not least sei hier noch die wohl beste Bürokratenserie aller Zeiten erwähnt: „MA 2412“. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es in den Büros der österreichischen Verwaltung tatsächlich so zugeht, der sollte sich diese Sitcom auf keinen Fall entgehen lassen.

Und das war es auch schon von meiner Seite aus – bleibt mir nur mehr, euch viel Spaß beim Filme und Serien schauen zu wünschen!

 

28 Gedanken zu “Jenseits der Alpen gibt es nicht nur „Sissi“: 10 österreichische Filme, die man sich nicht entgehen lassen sollte

  1. Also da muss ich mich jetzt aber mal beschweren. Wo ist denn „Das finstere Tal“? Oder zählt der nicht, weil es eine österreichisch/deutsche Produktion ist?
    Ich mag deutsche Filme nicht aber dieser „Sergio Leone“ – Alpenwestern hat mich in seinen Bann gezogen.

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  2. Die Filme aus der Liste kenne ich auch nicht. Aber an „Kottan ermittelt“ erinnere mich noch vage. Da wechselte ständig der Hauptdarsteller und die Folgen waren alle ziemlich chaotisch und wirkten – im positiven Sinne – improvisiert. Ein bisschen auch wie Monty Python. Dafür war das deutsche Publikum damals noch nicht wirklich reif. Der Bayrische Rundfunk ist mindestens ein Mal mitten der Sendung aus der Übertragung ausgestiegen und in Bayern sah man dann das Testbild

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    • Ja, der Hauptdarsteller hat am Anfang tatsächlich ein paar Mal gewechselt…wobei die überwiegenden Zeit (14 von 19 Folgen) Lukas Resetarits in die Rolle des Kottan geschlüpft ist, weshalb ihn noch heute viele Österreicher mit dieser Rolle identifizieren. Aber schönes Hintergrundwissen zu einer Zeit, wo die Fernsehanstalten noch beliebig das Programm abgedreht haben, wenn sie meinten, dass es ihnen jetzt reicht…kam hier eigentlich nicht so wirklich vor, da nach dem Hauptabendprogramm nochmal kurz Nachrichten gekommen sind und dann erst das Testbild…zumindest soweit ich mich erinnern kann, war da noch ziemlich jung 😅

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  3. „Wanted – um einen Chirurgen, der sich nach einem Todesfall aus der Realität zurückzieht“

    Der konnte doch auch Kugeln um die Ecke biegen und Angelina Jolie war auch da, oder? 😉

    Ich würde noch den Sekundenkleber-Werbespot ‚Ich seh, ich seh‘ und den Alpenwestern (Alpern?) ‚Das finstere Tal‘ ergänzen.

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    • Knapp daneben…ist aber immer blöd, wenn Filme gleich heißen. Das ließ mich lange Zeit glauben, dass „Muttertag“, also der Film, den ich hier auch in der Mediathek besprochen habe, bei euch auf dem Index wäre…dabei ist das irgendein Slasher, der nur zufällig gleich heißt 😂

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