Skyfall (2012)

  • Regie: Sam Mendes
  • Schauspieler: Daniel Craig, Javier Bardem, Judi Dench
  • Genre: Spionagethriller
  • Land: England, USA

„Let the sky fall…when it crumbles…we will stand tall…face it all together“ – so lautet der Refrain zum meiner Meinung nach besten Film einer Reihe, die sich bereits seit den 60er Jahren des letzten Jahrtausends großer Beliebtheit erfreut und deren 25. Teil nun doch erst 2021 in den Kinos erscheinen soll. Die Rede ist natürlich von James Bond, oder um es genauer zu sagen, von „Skyfall“.

Glaubt mir, wenn ich euch sage, niemanden überrascht es wohl mehr als mich, dass ich nach reiflicher Überlegung doch zugeben muss, dass „Skyfall“ für mich tatsächlich der beste Film der Reihe ist. Denn eigentlich hatte ich von Anfang an so meine Probleme mit dieser neuen Version des britischen Geheimagenten.
Auf der einen Seite war ich durchaus angetan von den Modernisierungstendenzen – der Kalte Krieg ist nun wirklich schon lange genug Geschichte – auf der anderen Seite gefiel mir aber die Neuorientierung der Figur nicht wirklich. Ja, auch Brosnans Darstellung war schon deutlich brutaler und tougher als die seiner Vorgänger, trotzdem kaufte man ihm den englischen Gentlemen immer noch ohne Probleme ab – vielleicht weil er rein vom Habitus her noch immer mehr nach gut trainiertem Normalo, als nach auftrainiertem Boxer aussah. Craig hingegen wirkt für mich in der Rolle wie eine amerikanisierte Version dieser Kultfigur. Als wollte man sich bei beliebten, modernen Pendants etwas abschauen, um der Figur neues Leben einzuhauchen. Größtest Vorbild dürfte in diesem Fall wohl „Bourne“ gewesen sein, denn plötzlich kann Bond nicht nur alle möglichen Martial-Arts-Moves, sondern beherrscht auch Parcours – und von seiner neuen Art Frauen zu „verführen“ (mürrisches Anstarren scheint zur Zeit echt schwer in Mode zu sein) fange ich lieber gar nicht erst an.
Ihr seht also, ich war nicht gerade glücklich mit dem Werdegang der Figur – dafür muss ich aber gestehen, dass ich umso glücklicher mit dem Werdegang einiger Filme war. Gut, „Ein Quantum Trost“ und „Spectre“ sind ziemlich zum Vergessen, aber „Casino Royal“ bewies eindrucksvoll, dass man sich tatsächlich Gedanken gemacht hatte, wie man das Franchise ins neue Jahrtausend transportieren könnte. Die teils schon irrwitzigen Plots und Gadgets wurden wieder auf ein normales Maß zurückgeschraubt, alles sollte wieder etwas geerdeter werden, und vor allem, es sollte persönlicher zugehen. Frei nach dem Motto: Lerne den Mann hinter dem Mythos kennen.

In der langen Historie von Bond-Verfilmungen findet man wohl keinen zweiten, der diesem Motto so gerecht wird wie „Skyfall“. Der Zuschauer bekommt nicht nur den Bondschen Familienwohnsitz samt Grabstätten zu sehen, sondern mit Raoul Silva auch noch einen Bösewicht spendiert, der mit Bond persönlich ein Hühnchen zu rupfen hat. Immerhin spielte er mal im selben Team, kam mit der Gleichgültigkeit, welche die Regierung, in Form von MI6-Leiterin M, ihren Agenten entgegenbringt, aber offensichtlich um einiges schlechter klar, als sein Kollege. Immer wieder eindrucksvoll im Drehbuch verdeutlicht, wenn Silva seine ehemalige Vorgesetzte als Mutter bezeichnet. Selbst die berühmten „Bondgirls“, in früheren Filmen oft im Rudel auftretend, wurden hier auf eine Frau reduziert, auch wenn diese wie so oft eher beliebig wirkt und hier auch besonders schnell mit Hilfe eines tragischen Schicksals von der Bildfläche verbannt wird. Aber gut, das ist in diesem Fall tatsächlich der Narrative geschuldet: denn hier geht es nicht um Bond, der versucht einen beliebigen Bösewicht an der Erlangung der Weltherrschaft zu hindern, hier geht es um einen Kampf Mann gegen Mann – und da würde eine Frau einfach stören (zumindest eine, die nicht als Mutterersatz herhalten kann). Zusätzlich zur eigentlichen Handlung bin ich auch ein Fan der Inszenierung und des Looks. Wenn Bond von einem Zug in die Tiefe stürzt, ein Zug durch ein altes Gewölbe donnert oder ein Anwesen des Nachts in Flammen aufgeht, dann ist das nicht nur atemberaubend anzuschauen, sondern beweist auch noch, dass hier großen Wert auf handgemachte Action gelegt wurde. Außerdem gefallen mir die verstreuten Anspielungen auf ehemalige Filme beziehungsweise der Reihe als solches, gerne auch mal unterlegt mit einem wissenden Augenzwinkern.

„Skyfall“ vereint somit für mich so viele gute Elemente zu einem so stimmigen Ganzen, dass ich immer wieder gerne gewillt bin, die kleineren Schönheitsfehler auszublenden und mich an einem wirklich gelungenen Spionage-Thriller zu erfreuen, der all das bietet, was ich mir von diesem Genre erhoffe und wünsche.

3 Gedanken zu “Skyfall (2012)

  1. Wahrscheinlich könnte man Skyfall auch aus dem ganzen Bond-Kontext ziehen und man hätte immer noch einen großartigen Film. Definitiv auch mein Favorit, auch wenn mir das abhandene Bondfeeling ebenfalls bei Craig auffällt. Der beste Film der Bondreihe, aber nicht unbedingt in der Hinsicht wofür Bond alles steht.

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