Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926) – Der erste Animationsfilm der Welt

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Land, das international für seine Filmkunst hoch angesehen war. Dieses Land war Deutschland. Was sich wie der Anfang eines grimmschen Märchens anhört, ist aber tatsächich wahr. Wenn man sich über deutsche Filmklassiker unterhält und nach deutschen Filmen mit filmhistorischer Relevanz sucht, stößt man ziemlich schnell auf die altbekannten Meisterwerke wie „Nosferatu“ (1922), „Metropolis (1927) oder „M“ (1931). Was deutlich weniger Filmfans wissen ist, dass auch der älteste animierte Spielfilm aus Deutschland, genau genommen aus der Weimarer Republik, stammt. Da wir von Klappe! Das Filmmagazin unserem Bildungsautrag gerne nachkommen, beschäftigen wir uns heute mit „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, dem ältesten Animationsfilm der Welt. Lasst euch entführen in eine Welt aus 1001 Nacht.

Wie eingangs bereits erwähnt, handelt es sich bei „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ um den ältesten anmierten Langfilm der Welt. Genau genommen müsste es „den ältesten heute noch erhaltenen Animationsfilm“ heißen. Denn laut Wikipediaartikel zum Film gab es bereits vor 1926 zwei argentinische Filme dieser Art, die allerdings heute als verschollen gelten. Nur zum Vergleich: Die Disney Brüder Walt und Roy gründeten zwar bereits 1923 das „Disney Brothers Cartoon Studio“. Allerdings veröffentlichte Disney erst 1928, also zwei Jahre nach „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, den ersten animierten Mickey Maus Kurzfilm. Bis zum ersten abendfüllenden Animationsfilm, „Schneewittchen und die Sieben Zwerge“ (1937), sollte es sogar noch elf Jahre dauern. Auch wenn Dinsey (Pixar) heute als Aushängeschild des modernen und klassischen Animationsfilms gilt, muss man das leider fast vergessene Werk Lotte Reinigers als Meilenstein und Pionierarbeit in diesem Bereich anerkennen.

Im Gegensatz zu den bekannte Disneyklassikern, handelt es sich bei Reinigers Werken nicht um Zeichentrickfilme, sondern um Scherenschnitt-Silhouettenfilme. Dazu wurden die selbstentworfenen Figuren und Motive aus schwarzem Fotokarton ausgeschnitten und an den Gliedern mit Draht verbunden, um diese beweglich zu machen. Die liebe- und phantasievoll ausgeschnittenen und zurechtgebogenen Pappteilen wurden dann mittels Stop-Motion-Verfahren animiert. Dazu legte Reiniger die Figuren und die farbigen Hintergründe aus Papier auf eine Glasplatte, die von unten beleuchtet wurde. Auf diese Weise entstanden etwa 250.000 Einzelbilder, von denen letztendlich 96.000 für den finalen Film zusammengeschnitten wurden. Der eigentliche Stummfilm wurde dann mit Musik unterlegt, die von Wolfgang Zeller eigens für den Film komponiert wurde.

Inhaltlich erzählt der Film eine Geschichte, die sehr vage an die Figuren aus 1001 Nacht angelehnt ist. Bei aller technischer Finesse und filmhistorischer Bedeutsamkeit des Films, möchte ich an dieser Stelle auch ein paar Worte zur Story verlieren, die leider auf Grund ihrer Naivität und Verworrenheit eine Schwäche darstellt. Wer den Film, den es in einer grandios restaurierten Version käuflich zu erwerben gibt, lieber selbst schauen möchte, liest ab jetzt lieber nicht mehr weiter, da ich nun explizit auf den Inhalt eingehen werde. Der Film besteht insgesamt aus fünf Akten, die euch kurz mit einem Augenzwinkern zusammenfassen möchte:

1. Akt:

Der böse Zauber zaubert sich ein fliegendes Pferd und macht dem mächtigen Kalifen damit die Nase lang. Der Herrscher will das fliegende Tier um jeden Preis haben. Koste es, was es wolle. Der Zauberer tauscht das Pferd gegen Prinzessin Dinarsade, die davon nicht so begeistert ist. Dinarsades Bruder, der titelgebende Prinz Achmed, schreitet ein und pöbelt den Zauberer an. Dieser überzeugt den abenteuerlustigen Prinzen doch mal auf das fliegende Pferd zu steigen. Dieser vergisst mir nichts, dir nichts den kleinen Zwist und setzt sich auf das Pferd. Nachdem Achmed den Starthebel zieht, fliegt das Pferd mitsamt des Prinzen in die Lüfte und von dannen. Der Zauberer wird verhaftet, weil er Achmed nicht verraten hat wie er das Pferd jemals wieder zum Landen bringen kann.

2. Akt:

Achmed fliegt sehr lange durch die Luft und entdeckt erst nach einer Weile am Po des Pferdes den Landehebel, den er direkt betätigt. Sicher landet er auf einer der Zauberinseln des Königreichs Wak-Wak. Genau genommen landet er… nun ja… in einer Art Puff, wo fünf Frauen willig auf den jungen Prinzen warten. Der Prinz kennt keine falsche Scham und vergnügt sich mit den Damen. Diese bekommen jedoch alsbald Streit, weil jede Achmed für sich beanspruchen will. Achmed flieht auf seinem fliegenden Pferd auf die Nachbarinsel. Dort trifft sich jeden Abend die schöne Pari Banu mit ihren „Gespielinnen“ zum Nacktbaden im See. Der frisch aus dem Harem kommende Achmed versteckt sich im Gebüsch und schaut den Frauen beim munteren Treiben im Wasser zu und entwendet Pari Banus Federkleid, damit diese nicht fliehen kann. Als die Frauen (nackt) aus dem Wasser kommen, gibt sich Achmed zu erkennen. Da er Pari Banus Federkleid hat, kann diese nicht wegfliegen und flieht zu Fuß. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd überwältigt Achmed die immer noch nackte Pari Banu und entführt sie mit seinem Pferd nach China.

In der Zwischenzeit findet der im Kerker weilende Zauberer heraus, wo sich sein fliegendes Pferd befindet, verwandelt sich in eine Fledermaus und fliegt anch China. Dort stiehlt er Pari Banus Federkleid und lockt Achmed damit in eine Schlangengrube, wo der Prinz gegen eine riesige Schlange kämpfen muss. Der Zauber entführt die entführte Pari Banu und verkauft sie an den Kaiser von China. Immerhin gibt er ihr vorher etwas zum Anziehen. Achmed tötet in der Zwischenzeit die Monsterschlange, muss aber feststellen dass seine geliebte Pari Danu längst verschwunden ist.

3. Akt

Nachdem Pari Banu an den Kaiser verkauft wurde, weigert sie sich diesen zu heiraten. Enttäuscht reicht dieser seine Anschaffung an einen Zwerg weiter, der mit Pari Banu machen soll was er will. Welch eine Fehlinvestition.

In der Zwischenzeit kehrt der nun steinreiche Zauberer zu Achmed zurück und verschleppt diesen auf einen Zauberberg, wo er ihn mit einem schweren Felsen befestigt und ihn dort seinem Schicksal überlässt. In eben diesem Zauberberg wohnt jedoch die Erzfeindin des Zauberers, die alte Hexe. Offensichtlich wusste das der Zauberer nicht… Da beide den Zauberer nicht leiden können, verbünden sich die Hexe und Achmed miteinander und die Hexe übergibt dem Prinzen eine coole Rüstung und magische Waffen. Danach machen sich Achmed und die Hexe auf den Weg, um Pari Banu zu retten. Diese soll gerade mit dem Zwerg verheiratet werden, der sich im Gegensatz zum Kaiser irgendwie über ihr Unwillen hinwegsetzen kann. Gerade noch rechtzeitig taucht jedoch die Achmed-Hexen Allianz auf und rettet Pari Banu. Doch zu früh gefreut. In diesem Moment tauchen die Dämonen von Wak-Wak, Pari Banus Heimat, auf. Sie sind sauer, weil ihre Herrin sich von Ahmed entführen und sie alleine ließ. Sie ergreifen Pari Banu und fliegen mit ihr zurück nach Wak-Wak. Achmed tötet einige der Dämonen, verschont jedoch einen, den er dann zwingt, ihn nach Wak-Wak zu bringen. Der Dämon setzt Ahmed vor den Toren Wak-Waks ab, durch die man nur kommt, wenn man im Besitz von Aladins Wunderlampe ist.

4. Akt

Achmed macht sich also auf die Suche nach Aladin, den er auch just ein paar Meter weiter findet. Dieser wird gerade von einer Art Elefantenmonster bedroht. Achmed rette Aladin, nur um dann zu erfahren, dass die Wunderlampe nicht mehr da ist. In einem (zugegebenermaße sehr gelungenen) Rückblick bekommen wir die ultimative Aladin-Origin-Story erzählt und erfahren, dass Aladin mit Hilfe der Wunderlampe die schöne Prinzessin Dinarsade geheiratet hat. Leider hat ein böser Zauberer, den wir heute unter dem Decknamen Jafar kennen, die Wunderlampe gestohlen, worauf Aladins hergezauberter Palast mitsamt Dinarsade verschwunden ist. Achmed klärt Aladin auf, dass Dinarsades in Wirklichkeit seine Schwester ist und der böse Zauber derselbe, der ihm seit einiger Zeit das Leben schwer macht. Die Hexe taucht auf und erkundigt sich, warum die beiden Männer nichts Produktives tun, während Pari Banu in großer Gefahr schwebt. Achmed erklärt ihr, dass der Zauberer die Wunderlampe hat, die sie so dringend brauchen. Die Hexe beschließt den Zauberer herzuzaubern und ihn zum Kampf um Leben und Tod zu stellen. Aladin fragt sich insgeheim, warum sie zuvor ihn nicht einfach auch hergezaubert hat und Achmed ihn erst umständlich suchen musste. Jedenfalls tötet die Hexe den bösen Zauberer in einem spektakulären Kampf und übergibt Achmed die Wunderlampe. Jetzt aber los nach Wak-Wak.

5. Akt:

In Wak-Wak sind die Dämonen gerade dabei, Pari Banu zu töten, als gerade rechtzeitig Achmed, Aladin und die Hexe auftauchen. Sie kämpfen gegen die Dämonen und plötzlich taucht die sagenumwobene Hydra auf. Achmed schlägt ihr einen Kopf ab, doch zwei weitere wachsen nach. Dieses Spiel wiederholt sich einige male, bis die Hexe die abgeschlagenen Köpfe mithilfe der Wunderlampe magisch versiegelt, sodass nichts mehr nachwachsen kann. Auf diese Weise erledigt Achmed das Monster und die Dämonen ziehen sich zurück. Da die Wunderlampe nun wieder da ist, taucht plötzlich auch Aladins Palast auf. Achmed und Aladin treten ein und treffen Dinarsade, die gemütlich im Bett liegt. Der Palast fliegt wieder zurück in die Heimat Achmeds. Die Hexe bleibt mit der Wunderlampe zurück und versucht vielleicht im zweiten Teil damit die Weltherrschaft an sich zu reißen. Zurück in der Heimat heiratet Achmed seine Pari Banu und alle Leben glücklich bis an ihr Lebensende. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.

Auch wenn die Story in „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ ziemlich hanebüchen daher kommt, gilt es festzuhalten, dass sich der deutsche (Animations)Film absolut auf Augenhöhe mit den großen Filmindustrien der damaligen Zeit befand. Davon ist knapp 100 Jahre später quasi nichts mehr zu sehen. Wenn es heute erfolgreiche deutsche Animationsfilme gibt, orientieren diese sich eher an den erfolgreichen Mustern der amerikanischen Marktführer aus dem Hause Diney-Pixar. Natürlich gibt es generell auch heute noch sehr gute Filme und talentierte Filmschaffende aus Deutschland. Die Zeiten, in denen der deutsche Film neue Wege ging und selbst Hollywood zu ihm aufblickte, scheinen jedoch längst vobei zu sein.

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