Schiffe im Film – Eine Tour durch cineastische Gewässer

Das Thema Schifffahrt begleitet die Menschheit quasi seit Jahrtausenden. Durch Flöße, Boote und Schiffe wurden Flüsse und Ozeane zu neuen Verkehrswegen, neue Länder und Kontinente konnten entdeckt und Handel in ungeahnter Form betrieben werden. Damit dürfte es keine Überraschung sein, dass Wasserfahrzeuge in ihren verschiedensten Formen auch im Kino seit jeher das Publikum faszinieren und begeistern. Selbst wir als alte Seebären und -bärinnen waren überrascht, wie viele Filme es tatsächlich zu diesem Thema gibt und möchten euch deshalb auf eine Reise durch die Filmgeschichte nehmen. Leinen los! Setzt die Segel! Schiff Ahoi!

Abenteuerfilme:

Beginnen wir unsere kleine Tour doch direkt mit dem abenteuerlichen Teil und begeben uns zunächst in die 1950er Jahre. Neben zahlreichen Piratenfilmen, auf die in der Folge noch genauer eingegangen werden wird, gab es zu jener Zeit scheinbar ein großes Interesse an Verfilmungen literarischer Klassiker. „20 000 Meilen unter dem Meer“ (1954), „Moby Dick“ (1956) oder „Der alte Mann und das Meer“ (1958) waren allesamt finanziell erfolgreich, trotz für damalige Verhältnisse zum Teil sehr hoher Budgets.

Ebenfalls in den 1950er-Jahren erschien mit Kon-Tiki (1950) ein norwegischer Dokumentarfilm über die Kon-Tiki-Expedition von 1947 und den norwegischen Forscher Thor Heyerdahl. Dieser war seinerzeit der Meinung, dass Polynesien von Südamerika aus besiedelt wurde, was im Gegensatz zur damals etablierten wissenschaftlichen Meinung stand. Um seine These zu beweisen, startete der Forscher eine Expedition, wie sie vor 1500 Jahren tatsächlich stattgefunden haben könnte: Auf einem selbstgebauten Floß, das ausschließlich aus Materialien bestand, die den Inkas zu ihrer Zeit zur Verfügung gestanden hatten. Dieser Dokumentarfilm wurde 1952 mit dem Oscar in den Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichnet. Im Jahr 2012 wurde die legendäre Kon-Tiki-Expedition als biographisches Abenteuer-Drama ebenfalls unter dem Titel „Kon-Tiki“ (2012) verfilmt.

Manchmal packt auch gefragte Hollywood-Regisseure dieser Tage die Abenteuerlust, die sie dann in ihren Filmen ausleben. So zum Beispiel Wes Anderson, der in „Die Tiefseetaucher“ (2004) Bill Murray als Ozeanographen und Dokumentarfilmer auf eine skurrile Expedition schickt. Oder Ron Howard, der in „Im Herzen der See“ (2015) der wahren Geschichte des Walfangschiffes Essex auf den Grund geht, das von einem Pottwal versenkt wurde. Bei dem Unglück um die Essex handelt es sich um die Geschichte, die Herman Melville zu seinem Roman „Moby Dick“ inspirierte.

Untergehende Schiffe können das spannendste Abenteuer ganz schnell zum Alptraum werden. Das muss auch Robert Redford erkennen, der in „All is Lost“ (2013) auf hoher See Schiffbruch erleidet und komplett auf sich selbst gestellt ums Überleben kämpfen muss. Ein ähnliches Szenario entwirft Baltasar Kormakur in seinem Film „Die Farbe des Horizonts“ (2018), der lose auf der wahren Geschichte einer jungen Frau und ihrem Verlobten basiert, die während einer Segeltour von Tahiti nach Kalifornien in einen starken Sturm geraten und ebenfalls Schiffbruch erleiden.

Auch auf wahren Begebenheiten basiert der Film „Vor uns das Meer“ (2018), in dem Colin Firth den britische Hobby-Segler und Geschäftsmann Donald Crowhurst spielt, der trotz seiner geringen Segelerfahrung und ohne ein hochseetaugliches Boot oder die erforderlichen finanziellen Mittel zu besitzen, 1968 an einem Segelwettbewerb teilnahm, um das lukrative Preisgeld für die schnellste Weltumsegelung einzufahren.

 

Piratenfilme:

Piratenfilme können im Grunde als ein Subgenre des Abenteuerfilms gesehen werden. Es gibt jedoch so viele Vertreter dieses Subgenres, dass ein separater Blick darauf durchaus sinnvoll ist. Filme über Piraten, Freibeuter und Korsaren gibt es im Grunde bereits seit die Bilder laufen lernten. Der erste erfolgreiche Piratenfilm war der Stummfilm „Der Seeräuber“ mit Douglas Fairbanks Senior aus dem Jahr 1926. Auch Robert Louis Stevensons Roman „Die Schatzinsel“ wurde bereits 1934 zum ersten (von insgesamt fünf) mal verfilmt. Als einer der ganz großen Klassiker des Genres gilt heute „Unter Piratenflagge“ (1935) von Michael Curtiz. Und selbst der große Alfred Hitchcock unternahm 1939 mit „Riff-Piraten“ einen Ausflug in den Piratenfilm.

Seinen Höhepunkt erreichte das Genre jedoch in den 1940er und -50er Jahren. In dieser Zeit wurde beispielsweise „Der Seeräuber“ (1942) bei der Oscarverleihung 1943 mit einem Oscar in der Kategorie Beste Kamera (Farbfilm) ausgezeichnet. Zudem war der Film in den Kategorien Beste Spezialeffekte und Beste Filmmusik nominiert. In dieser Hochphase war der Piratenfilm quasi das, was der Superheldenfilm heute ist. Eine beinahe nicht mehr überschaubare Flut an, zum Großteil finanziell erfolgreichen, Filmen kam zu jener Zeit in die Kinos. Darunter Klassiker wie „Der Herr der Sieben Meere“ (1940), „Gegen alle Flaggen“ (1952) oder der „Der rote Korsar“ (1952) mit Burt Lancaster in der Hauptrolle.

Allerdings verebbte die Piratenflut spätestens in den 1960er Jahren. Zwar wurden hier und da vereinzelte Versuche unternommen, die Piraten wieder auf die Leinwand zu bringen. Die meisten davon scheiterten jedoch beim Publikum an der Kinokasse oder an beiden Fronten. Hier wäre beispielsweise Roman Polanskis „Piraten“ aus dem Jahr 1986 zu nennen. Doch spätestens als Renny Harlins „Die Piratenbraut“ im Jahr 1995 zum bis dahin größten finanziellen Flop der Filmgeschichte wurde, erlitten die Piraten endgültig Schiffbruch. Bei geschätzten Produktionskosten von etwa 100 Millionen US-Dollar spielte der Film nur knapp 10 Millionen US-Dollar wieder ein.

Keine zehn Jahre sollten vergehen, da bewies Regisseur Gore Verbinski, dass die Piraten einfach nicht totzukriegen sind und brachte mit „Fluch der Karibik“ (2003) den Auftakt einer Filmreihe in die Kinos, die insgesamt 4,5 Milliarden Dollar einspielte und von meiner Kollegin Ainu in einem eigenen Beitrag noch genauer beleuchtet wird.

 

Kriegsfilme:

Wenn man sich die aktuelle Top-250 der IMDb anschaut (Stand: September 2020), findet man dort nur einen Film, der zum Thema Schifffahrt passt. Die Rede ist von Wolfgang Petersens „Das Boot“ (1981). Der Film spielt im Zweiten Weltkrieg und schildert die Erlebnisse der Besatzung eines deutschen U-Boots im Kampfeinsatz. Petersens Film ist einer der international erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Filme überhaupt und für viele DER U-Boot-Film schlechthin. 

Ebenfalls im Zweiten Weltkrieg spielt „Die Caine war ihr Schicksal“ (1954). Darin spielt Humphrey Bogart einen neurotischen Kapitän eines Minensuchzerstörers, der zunehmend die Kontrolle über das Schiff verliert und in der Folge von seinen Offizieren aus dem Amt enthoben wird. Zurück an Land müssen sich die Meuterer vor einem Kriegsgericht verantworten.

Am 7. Mai 2020 hätte eigentlich der Film „Greyhound“ mit Tom Hanks in die Kinos kommen sollen, dessen Starttermin jedoch im Zuge der Corona-Pandemie gestrichen wurde. Stattdessen ist der Film exklusiv beim Streaming Anbieter Apple TV+ zu sehen. Im Film spielt Hanks einen Kapitän, der während des Zweiten Weltkriegs einen internationalen Konvoi aus Schiffen über den Atlantik führt und dort in eine Seeschlacht mit deutschen U-Booten gerät.  

In dem französischen Film „Das Boot der Verdammten“ (1947) sticht ein deutsches U-Boot in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in See Richtung Südamerika. An Bord eine Gruppe von Nazis und Sympathisanten. Unterwegs wird der Gruppe jedoch klar, dass der Krieg offenbar verloren ist und sie sich nicht mehr auf einer Mission sondern auf der Flucht befinden und an Land ihre gerechte Strafe auf sie wartet. 

Doch nicht nur im Zweiten Weltkrieg wurde auf Schiffen gekämpft und manövriert. In  John McTiernans „Jagd auf Roter Oktober“ (1990) spielt Sean Connery einen russischen U-Boot Kapitän, der sich mitten im Kalten Krieg auf eine eigene Mission begibt. Als das U-Boot Kurs auf die amerikanische Küste nimmt, ist nicht klar ob Russland einen überraschenden atomaren Erstschlag plant, oder ob der Kapitän und dessen Offizere überlaufen wollen.

Einen recht patriotischen Beitrag stellt der im chinesischen Bürgerkrieg 1926 spielende „Kanonenboot am Yangtse-Kiang“ (1966) dar. Hier spielt Steve McQueen einen Matrosen auf einem Kanonenboot auf dem Fluss Jangtsekiang, der in den anschwellenden Konflikt zwischen Chinesen und Amerikanern gerät.

In „Master and Commander“ (2003) begleitet der Zuschauer einen von Russell Crowe gespielten englischen Kapitän während der Napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf dessen Mission, ein französisches Schlachtschiff abzufangen und unschädlich zu machen.

 

Katastrophenfilme:

Das wahrscheinlich bekannteste Unglück in der Geschichte der Seefahrt dürfte der Untergang der sagenumwobenen Titanic sein. Kein Wunder, dass die Geschichte des seinerzeit größten Passagierschiffs der Welt bisher mehrmals in verschiedenen Formen verfilmt wurde. Bereits 1912, nur wenige Monate nach dem Unglück, erschien der deutsche Stummfilm „In Nacht und Eis„, der die Ereignisse um den Untergang der Titanic nacherzählt. 

Knapp 30 Jahre später waren es erneut deutsche Filmemacher, die sich der Katastrophe annahmen. Bei dem Film „Titanic“ (1943) handelt es sich um einen antibritischen Nazi-Propagandafilm, in dem die Handlung stark verfälscht dargestellt wird. Ein fiktiver deutscher erster Offizier erkennt als einziger die Gefahr. Doch seine Warnungen werden von den britischen Entscheidungsträgern ignoriert. Den größten Mut und Charakter während der Katastrophe zeigen natürlich die deutschen Passagiere und Besatzungsmitglieder, an erster Stelle der heldenhafte erste Offizier.

In „Der Untergang der Titanic“ (1953) geht es weniger um die eigentliche Katastrophe, als viel mehr um ein rein fiktionales Familiendrama an Bord der Titanic.

Nur fünf Jahre später erschien mit „Die letzte Nacht der Titanic“ (1958) die vielleicht beste und ziemlich sicher faktentreueste Verfilmung des Unglücks. Dieser Film wird in dieser Ausgabe noch sehr ausführlich vorgestellt.

Einige Verfilmungen und Serienformate später brachte dann James Cameron die „Titanic“ (1997) erneut auf die Leinwand. Der Film mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in den Hauptrollen avancierte mit einem weltweiten Einspielergebnis von 1,8 Milliarden Dollar und elf Oscar-Auszeichnungen zu einem der erfolgreichsten Film aller Zeiten.

Doch auch abseits der Titanic gibt es zahlreiche Filme, die diverse Schiffsunglücke thematisieren. „The Finest Hours“ (2016) schildert, auf wahren Begebenheiten beruhend, die Rettung der Besatzung eines Öltankers, der während eines heftigen Sturms in der Mitte auseinandergebrochen ist. 

Ebenfalls auf wahren Begebenheiten basiert Wolfgang Petersens „Der Sturm“ (2000), in dem George Clooney und Mark Wahlberg zwei Fischer spielen, die mit ihrem Schwertfischkutter in einen gefährlichen Jahrhundertsturm geraten.

Petersen drehte 2006 zudem mit „Poseidon“ ein Remake des Klassikers „Die Todesfahrt der Poseidon“ (1972). Sowohl im Remake als auch im Original wird der Ozeandampfer Poseidon auf hoher See von einer riesigen Welle erfasst und auf den Kopf gedreht. Eine Gruppe Überlebender kämpft darum, einen Weg von Bord zu finden.

Im Film „Kursk“ (2018) geht es um den Untergang des russischen Atom-U-Boots K-141 Kursk im Jahr 2000 und den Überlebenskampf der Seemänner, die sich im gesunkenen U-Boot noch am Leben befinden. Gleichzeitig werden die Bemühungen der Angehörigen gezeigt, Rettungsmaßnahmen für sie einzuleiten und wie sie auf widersprüchliches Verhalten des russischen Militärs und Staates antreffen.

Eine Katastrophe der anderen Art bekommt der Zuschauer im Film „Styx“ (2018) zu sehen. In der deutsch-österreichischen Koproduktion muss eine Notärztin während ihres Segelurlaubs auf dem Atlantik eine schwere Entscheidung treffen, als sie auf ein sinkendes Flüchtlingsboot trifft, auf dem Männer, Frauen und Kinder zu ertrinken drohen.

 

Sonstiges

Zum Abschluss unserer kleinen Tour werfen wir nun noch einen Blick auf ein kunterbuntes Potpourri an Filmen, die (größtenteils) auf Schiffen spielen.

Wie zum Beispiel „Das Rettungsboot“ (1943) des oben bereits erwähnten Alfred Hitchcock. Während des Zweiten Weltkriegs wird ein Schiff von einem deutschen U-Boot versenkt. Die Überlebenden des Schiffs gelangen auf eines der Rettungsboote und treiben orientierungslos auf dem offenen Meer. Als wäre das nicht schlimm genug, ziehen sie kurz darauf einen Mann aus dem Wasser, der sich Teil der zur Besatzung des ebenfalls gesunkenen deutschen U-Boots herausstellt.

Eines der am häufigsten in Filmen auftauchenden Schiffe dürfte die HMS Bounty sein. Sowohl in „Meuterei auf der Bounty“ (1935, mit Clarke Gable), als auch in „Meuterei auf der Bounty“ (1962, mit Marlon Brando) und „Die Bounty“ (1984, mit Mel Gibson) geht es um die Fahrt des britischen Handelsschiffes, das 1787 in der Südsee unterwegs war. Kapitän Bligh ist bei der Mannschaft von Anfang an unbeliebt und es passiert was der Titel der beiden früheren Filme vermuten lässt.

In „Tod auf dem Nil“ (1978) ermittelt der berühmte Detektiv Hercule Poirot während einer Dampferfahrt auf dem Nil in einem Mordfall an einer reichen amerikanischen Lady, bei dem quasi alle Passagiere irgendwie verdächtig sind.  

Knallharte 90er-Action gibt es hingegen in „Alarmstufe Rot“ (1992). Darin spielt Steven Seagal einen Ex-Navy-Seal, der auf einem alten Kriegsschiff als Koch arbeitet. Als ein paar Terroristen das Schiff übernehmen, da sie es auf die an Bord befindlichen Atomwaffen abgesehen haben, muss der Smutje aufräumen. 

Wesentlich subtiler aber nicht minder spannend geht es in dem australischen Film „Todesstille“ (1989) zu. Sam Neill und Nicole Kidman versuchen auf ihrem Segelboot einem traumatischen Erlebnis zu entkommen. Doch dann treffen sie auf einen Schiffbrüchigen und holen ihn Bord. Ob man ihm trauen kann, erweist sich jedoch schnell als unklar.

Paul Greengrass verfilmt in „Captain Phillips“ (2013) die Entführung eines amerikanischen Container-Frachtschiffes durch Piraten vor der Küste Somalias. Tom Hanks spielt den titelgebenden Kapitän des Frachters, der sich als Geisel in die Hände der Piraten begibt, um seine Besatzung zu schützen.

Richtig schaurig wird es dann vor allem im Hinblick auf die Qualität des spanischen Horrorfilms „Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ (1974). Darin suchen ein paar mumifizierte Kreaturen an Bord eines alten Segelschiffs unwissende Leute heim. 

Außerdem sollen an dieser Stelle die pornografischen Meisterwerke „Sauerei auf der Bounty„, „Spermboat Willie“ und „Penispiraten auf Rektalrandale“ nicht unerwähnt bleiben.

 

Liebe Passagiere,

wir erreichen in Kürze das Festland und verabschieden uns im Namen unserer Crew an Bord. Auch wenn auf unserer kleinen Tour über 50 Filme der verschiedensten Genres vorgestellt wurden, ist dies nur eine sehr unvollständige Übersicht an Werken zum Thema Schifffahrt. Wir bedanken uns dennoch für Ihr Interesse und hoffen, sie bald wieder an Bord begrüßen zu dürfen.

 

 

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