Arrival (2016)

  • Originaltitel: Arrival
  • Regie: Denis Villeneuve
  • Schauspieler: Amy Adams, Jeremy Renner
  • Genre: Science-Fiction, Alien-Invasion, Drama
  • Land: USA

Wählt man als Genrebezeichnung den Begriff „Science-Fiction“, schürt das sofort gewisse Erwartungen, zumeist an futuristische Technologien, abgefahrene Raumschiffe und große Explosionen, vorzugsweise im All. Setzt man dann noch den Zusatz „Alien-Invasion“ dahinter, feuern die Neuronen wie verrückt und sofort werden Bilder von abscheulichen Kreaturen, einem explodierenden Weißen Haus und Schlachten um das Überleben der Menschheit vor das innere Auge projiziert. Doch heute soll es hier nicht um so einen Science-Fiction-Film gehen, denn der heute hier zu besprechende Film tritt aus der Masse seiner Genre-Kollegen hervor, wie ein Truthahn aus einem Stall voll Hühnern.

Und das liegt vor allem an einem: der Geschichte. Hier sind die Aliens keine nach Vernichtung strebenden Wüstlinge, sondern äußerst passive Akteure, die zunächst nichts anderes machen, als einfach nur auf der Erde zu landen. Hier greift das Militär einmal nicht sofort zu den Waffen und treibt es gar bis zum nuklearen Fall-Out, sondern versucht mit Hilfe von Wissenschaftlern zunächst einmal in Kontakt mit den Außerirdischen zu gelangen. Und hier sind eben nicht strahlende Heldenfiguren, die sich durch schier ausweglose Situationen kämpfen, die Protagonisten, sondern eine Linguistin und ein Physiker, die alles Menschenmögliche probieren, um für ein gegenseitiges Verständnis zu sorgen.

Es ist schon beinahe ein Wunder, dass ein Film dieses Genres, der so gänzlich auf Action verzichtet, dennoch zu den intensivsten und spannendsten filmischen Erfahrungen gehört, die ich in den letzten 10 Jahren erleben durfte. Danke eines bei der ersten Sichtung noch ziemlich unerwartet kommenden Twists und einer emotional sehr dichten Erzählweise, eignet sich der Film außerdem hervorragend für mehrfache Sichtungen, denn mit jedem Durchgang fällt einem wieder etwas Neues auf.

Die schier unendlich scheinende Sogwirkung, welche der Film auf mich ausübt, rührt aber nicht nur von der einzigartigen Geschichte, sondern auch von der überwältigenden Bildsprache. Allein die Gestaltung des Raumschiffinneren hätte dem Film locker den Oscar für das beste Szenenbild einbringen müssen. Wobei nicht nur die Ausstattung hier hervorgehoben werden muss, denn auch Kamera, Schnitt und Regie tragen dazu bei, dass sich viele Bilder unvergesslich ins Gedächtnis brennen. Entsättigt, entschleunigt, mit einem Hauch von Melancholie – so lässt sich die erzeugte Atmosphäre wohl ganz gut beschreiben.

Wer übrigens Interesse daran hat zu verstehen, weshalb einem auch der Soundtrack, diese Mischung aus tiefen, undefinierbar erscheinenden Klängen, untermalt mit mehrstimmigen melodiösen Silbengesängen, einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will und mit Jóhann Jóhannsson wirklich einer der ganz großen Visionäre unserer Zeit leider viel zu früh verstorben ist, der sollte sich das Bonusmaterial auf der Blu-Ray um nichts in der Welt entgehen lassen.

Aber wie heißt es immer so schön, die beste Geschichte bringt nichts, wenn die Schauspieler nicht abliefern. Und, was soll ich sagen, hier liefert wirklich jeder einzelne sein Bestes ab. Dass Amy Adams in ihrer Rolle als im wahrsten Sinne des Wortes verständnisvolle Linguistin brilliert, dürfte wohl, gedenk ihrer früheren Auftritte in Filme wie American Hustle, The Master oder Glaubensfrage, kaum jemanden ernsthaft überraschen. Aber gerade mit Jeremy Renner taucht doch ein Name auf, den viele Stimmen im Vorfeld der Veröffentlichung des Films eher als eigentümliche Wahl sahen, immerhin war er zu jener Zeit vor allem durch seine Rolle als Hawkeye im Marvel Cinematic Universe bekannt. Die skeptischen Stimmen verstummten allerdings mit Erscheinen des Films, da Renner mit dieser Rolle sehr eindrucksvoll bewies, dass er seine zwei bisherigen Oscar-Nominierungen durchaus verdient hatte. Bei zwei solch gelungenen Darbietungen wundert es auch nicht, dass sich selbst die eingeflochtene Liebesgeschichte vollkommen homogen, natürlich und ungekünstelt anfühlt. Und selbst die Nebenrollen, besetzt mit Namen wie Forest Whitaker und Michael Stuhlbarg, sind mehr als bloße Stichwortgeber, sondern fühlen sich essentiell für den Verlauf der Geschichte an.

Doch es ist nicht bloß die inszenatorische, schauspielerische und musikalische Finesse, welche den Film als Kandidaten für unsere „Filmothek“ auszeichnet, sondern auch die beachtenswerte Einbindung der Sapir-Whorf Hypothese, welche besagt, dass unsere Sprache unser Denken und unsere Wahrnehmung der Realität beeinflusst, und das damit einhergehende klare Plädoyer für mehr Toleranz und Verständnis gegenüber Fremden, egal wie fremd sie auch sein mögen. Gerade in heutigen Zeiten eine Botschaft, die von so vielen wie möglich gesehen werden sollte.

Nach dieser regelrechten Lobeshymne, möchte ich mit ein paar Worten enden, die wohl kaum jemanden überraschen dürften: Schaut dieses filmische Meisterwerk!

 

16 Gedanken zu “Arrival (2016)

    • Ja, der Film ist einfach großartig! Ich habe mich beim Durchforsten der letzten 10 Jahre auch sehr gefreut, wie viele hervorragende Filme so erschienen sind…in den nächsten Tagen wir auf meinem Blog eh auch noch dazu eine Top-Liste erscheinen 😉

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  1. Kann bloß zustimmen, ein absolutes Meisterwerk. Du hast es in den ersten beiden Absätzen auch nochmal super auf den Punkt gebracht, was diesen Film so besonders, so originell macht und ihn von anderen seines Genres absetzen lässt. Ich wüsste auch so spontan nichts, was ich an dem Film anders machen würde.
    Danke für den Tipp mit dem Bonusmaterial zur Filmmusik!

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Die 8 besten Science-Fiction-Filme | Klappe!

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