10 Jahre Kinogeschichte(n) – Wir blicken zurück

Ein Jahrzehnt – beinahe einschüchternd klingen diese Worte in den meisten Ohren. Kein Wunder, immerhin verdeutlichen sie mit einem Schlag, dass gerade schon wieder 10 Jahre des eigenen Lebens so mir nichts dir nichts hinter einem liegen. Da hilft es meist, sich kurz zurück zu besinnen, und plötzlich stellt man fest, dass das Verstreichen der Zeit auch seine positiven Seiten hat, denn wie hätte man sonst all die neuen Erfahrungen sammeln sollen?! Okay, vielleicht waren nicht alle davon gut, und manches hätte man sich gar sparen können, aber dennoch, der Blick zurück enthüllt wie viel in 10 Jahren so passieren kann. So ist der Ausklang des aktuellen Jahrzehntes natürlich für uns hier bei „Klappe! – Das Filmmagazin“ der perfekte Aufhänger, um die Entwicklungen im Bereich Kino, Film und Heimmedien etwas unter die Lupe zu nehmen.

Die Maus im Raum

Fangen wir deswegen doch am besten gleich mal mit jenem Thema an, welches Cineasten rund um den Globus zur Zeit so sehr beschäftigt, wie wohl kaum ein anderes: Disney und der fortschreitende Ausbau seiner Monopolstellung.
Hier mögen viele den schärfsten Kritikern einen Hang zur Theatralik und Schwarzmalerei vorwerfen, allerdings muss man ganz klar sagen, dass man die Entwicklungen der letzten 10 Jahre auch nicht einfach schulterzuckend ignorieren kann. Man schaue sich nur einmal die weltweiten Jahrescharts an: während im Jahr 2010 gerade einmal vier der zehn umsatzstärksten Filme aus dem Hause Disney und Konsorten kamen, belegt Disney in diesem Jahr mit Stand Anfang November die ersten sechs Plätze – und das zu einem Zeitpunkt wo Filme wie Die Eiskönigin 2 und der neueste Star Wars Teil noch gar nicht erschienen sind.
Doch nicht nur aus den Einspielergebnissen lässt sich die immer größer werdende Vormachtstellung Disneys herauslesen, noch deutlicher wird es, wenn man das ganze mal in Form des Marktanteils des Unternehmens an den Kinokartenumsätzen betrachtet: hier lagen die sechs größten amerikanischen Studios im Jahr 2010 noch alle halbwegs gleich auf mit einem Marktanteil zwischen 10-15% (Disney war damals lediglich auf Platz 4 mit 13,6 %). Doch im Jahr 2016 zog Disney der Konkurrenz dann plötzlich mit 26,3 Prozent Marktanteil davon (Warner Bros schaffte auf Platz 2 gerade einmal 16,7%) und steigerte sich im Jahr 2019 bereits in den ersten 4 Monaten auf einen Marktanteil von 33,9 %.  Die Gründe für diese Vormachtstellung sind vielseitig und nur schwer auf einen Nenner zu bringen. Was allerdings sicherlich eine große Rolle dabei spielen dürfte, ist Disneys Tendenz zum „Shoppingwahn“, immerhin haben sie kürzlich erst 20th Century Fox für ein hübsches Sümmchen eingekauft. Dadurch befindet sich nun nicht nur ein Spieler weniger auf dem Feld, sondern so ganz nebenbei bringt dieser Deal Disney auch noch ein paar schöne Lizenzen, wie jene für das X-Men Franchise, ein. Wenn man sich die weiteren profitablen Marken vor Augen führt, die sich das Haus der Maus bereits vor einigen Jahren gesichert hat, wie Pixar, Marvel Studios und Lucasfilms, verwundert es schon weniger, dass der Marktanteil des Konzerns stetig wächst.
Wo wir schon einmal den Namen Marvel hier erwähnt hat, bietet sich gleich einmal eine schöne Überleitung an…

Die Ära der Filmuniversen

Auch wenn sie heute kaum mehr aus der Kinolandschaft wegzudenken sind, muss man sagen, dass Filmuniversen nicht immer so beliebt bei Filmschaffenden und Studios waren. Die vereinzelten Filmreihen, die zum Teil bereits einige Jährchen auf dem Buckel haben einmal ausgenommen, ich sage nur „James Bond“, wurde der Begriff des filmischen Universums im heutigen Sinne erst mit dem Erstarken des Marvel Cinematic Universe (= MCU) etabliert. Denn hier wurde deutlicher als jemals zuvor eine Verschränkung zwischen Film und Serie bemerkbar, in dem Sinne, dass man die einzelnen Filme inzwischen nicht mehr losgelöst voreinander betrachten kann, wenn man die Zusammenhänge wirklich verstehen will.  Dass diese neue Art des Filmemachens beim Publikum offenbar ziemlich gut ankommt, beweist nicht nur die Tatsache, dass das MCU derzeit das profitabelste Kino-Franchise ist, sondern auch die zahlreichen Versuche der Konkurrenz an diesen Trend anzuknüpfen. Prominentestes Beispiel hierfür dürfte wohl der DC – Verlag sein, der in Zusammenarbeit mit Warner Bros versucht, sein eigenes Filmuniversum aus dem Boden zu stampfen, das DC Extended Universe, mit bisher eher bescheidenem Erfolg. Oder Universal, die eigentlich bereits in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts die Idee des Filmuniversums mit den Cross-Overn zwischen ihren legendären Monstern geschaffen hatten, die Etablierung eines abermaligen Monsterverse aber eindrucksvoll in den Sand setzten.
Doch nicht nur die moderne Art des Filmuniversums erfreute sich in den letzten 10 Jahren immer größerer Beliebtheit, auch Reboots, Remakes, Sequels und Prequels überschwemmen in den letzten Jahren geradezu den Markt. Ein Trend, der zwar keineswegs neu für Hollywood ist, aber zur Zeit, ob der schieren Masse solcher Filme, trotzdem anfängt unangenehm aufzufallen. Kaum einer der größeren Studiofilme kann, beziehungsweise darf, heute noch für sich alleine stehen, scheinbar alles, was auch nur ein wenig Gewinn einspielt, bekommt zumindest eine Fortsetzung oder wird gleich von Anfang an als Trilogie geplant – ob das nun in Anbetracht der zu erzählenden Geschichte Sinn macht oder nicht. Nun gut, dieser Trend hat natürlich nicht nur schlechte Seiten, immerhin freut sich doch jeder Filmfan darüber, noch mehr über lieb gewonnene Charaktere oder faszinierende Welten zu erfahren. Trotzdem wünscht man sich, gerade mit Blick darauf, dass immer wieder sehr spannende Projekte von größeren Studios abgelehnt werden, weil sie nicht lukrativ oder franchisefreundlich genug wirken, und so in der Finanzierungshölle landen, doch wieder etwas mehr Mut zum Risiko bei den Big Playern. Denn auch wenn die Angst vor dem neuen Spieler am Markt namens „Streaming“ berechtigterweise groß ist, sollten die Filmstudios nicht vergessen, dass die große Leinwand immer noch ein Erlebnis bietet, welches schwer zu toppen ist. Und damit hätten wir auch schon das nächste Fass hier aufgemacht…

Das legale Streaming erobert die heimischen Bildschirme

Auch wenn die diversen Vorläufer des heutigen Internets bereits in den 70ern und 80ern existierten, hielt diese wegweisende Technologie erst mit den 90ern Einzug in die privaten Haushalte weltweit. Und während zu Beginn die Möglichkeiten noch sehr begrenzt waren, wuchs der Datenverkehr kontinuierlich an. Der weitere technologische Fortschritt ermöglichte schließlich eine höhere Geschwindigkeit beim Austausch von Datenpaketen, was zur Folge hatte, dass das Online-Streamen von Inhalten immer stabiler und in immer besserer Qualität möglich war. Eine neue Vertriebsmöglichkeit für Medieninhalte war geboren und noch ehe die größeren Firmen hinterher kommen konnten mit ihren Angeboten, hatten sich bereits etliche Seiten etabliert, die Filme und Serien gratis zum Streamen anboten. Dass man sich dabei zu Beginn noch in einer Grauzone und später eindeutig in der Illegalität bewegte, schien erst einmal nur wenige Konsumenten zu interessieren – immerhin gab es keine echte Alternative, wenn man den Kinogang scheute und nicht seine Wohnung mit DVDs vollräumen wollte. Dieses Vorgehen blieb natürlich von der Industrie nicht unbemerkt und schon bald machten die legalen Anbieter ihre ersten Schritte in Richtung Online-Streaming. Mitte des Jahrzehnts ging es dann auch in Europa richtig zur Sache: 2014 betrat Netflix mit seinem Monatsabo-System die Bildfläche, im selben Jahr zog Amazon nach und erweiterte sein Prime-Angebot um inkludierte Medieninhalte. Plötzlich konnte man gegen eine relativ geringe Gebühr Filme und Serien schauen, wann immer man wollte, ganz ohne Werbeunterbrechung. Zusätzlich begannen die Streamingdienste sich Inhalte exklusiv zu sichern beziehungsweise gleich selber zu produzieren, wodurch immer mehr Abonnenten gewonnen werden konnten. Dass das System aufgeht, beweist auch die Tatsache, dass immer mehr Online-Streaming-Anbieter auftauchen und ihr Stück vom Kuchen abhaben wollen. Maxdome ist ein gutes Beispiel für ein deutsches Unternehmen, welches zunächst lediglich zum Zwecke von Sportübertragungen gegründet wurde und sehr schnell auf den Film- und Serien-Streaming-Zug aufgesprungen ist. Die derzeitigen Entwicklungen machen mehr als deutlich, dass die Streaming-Anbieter den Markt nachhaltig verändert haben und klassische Fernsehsender (und hier vor allem die privaten Sender) mit ihrem System der Werbeunterbrechungen immer mehr ins Hintertreffen geraten. Mit welchen Strategien sich die privaten Fernsehsender in Zukunft wieder am Markt positionieren können, bleibt offen, allerdings scheint der Trend hin zum Streamen und damit weg vom herkömmlichen Fernsehen noch lange nicht gebrochen. Doch nicht nur die Art wie wir Medien heutzutage konsumieren hat sich verändert, auch auf technischer Seite gab es sowohl im Kino- als auch im Heimmarkt einige spannende Entwicklungen…

3D, HFR, 4D, IMAX, 4K – ich versteh nur Bahnhof?!

Keine Sorge, wem bei dem oberen Salat aus Buchstaben und Zahlen bereits jetzt schon der Kopf schwirrt, den kann ich beruhigen, denn der nächste Absatz ist genau dafür da, um euch Lesern diese Begriffe ein wenig näher zu bringen. Fangen wir doch gleich mal mit dem wohl geläufigsten Begriff an: 3D.
Wer nun meint, dass diese Technik, bei der dem Zuschauer dank aufwendiger Kameratechnik und passender Brillen ein dreidimensionaler Effekt auf einer zweidimensionalen Projektionsfläche vorgegaukelt wird, eine Erfindung des 21. Jahrhunderts wäre, der hat sich nur ganz knapp um ein Jahrhundert vertan. Die ersten Kurzfilme mit dreidimensionalem Effekt wurden nämlich bereits in den 1890ern vorgeführt. Eine erste Blütezeit erlebte die Technik dann in den 1950er Jahre, bevor das Interesse daran wieder zum Erliegen kam. Eigentlich erst Anfang der 2010 nahm der 3D-Hypetrain langsam wieder Fahrt auf, nicht zuletzt aufgrund des immensen Erfolgs des Films „Avatar“ von James Cameron. Für diesen Film wurden damals extra spezielle Kameras entwickelt, wodurch ein bisher noch nicht gekanntes Ergebnis möglich wurde. Diese und andere technologische Entwicklungen im Bereich der Computertechnik, vor allem auch die Entwicklung der digitalen Kinokamera, kamen den Filmstudios gerade recht, brauchte man doch einen neuen spektakulären Aufhänger, um die Leute in die Kinosäle zu locken. Seitdem werden quasi alle größeren Produktionen entweder (mal besser, mal schlechter) in 3D konvertiert oder überhaupt gleich mit den neuen Kameras gedreht, sodass die Zuschauer zeitweise sogar gar nicht anders können, als den Film in seiner 3D-Variante zu schauen.
Nachdem allerdings keine technische Neuerung auf ewig die Massen anzulocken vermag, tüfteln Studios, Filmemacher und Kinobetreiber gleichermaßen an neuen Ideen.
4D schien hier der nächste logische Schritt zu sein, um die Immersion beim Zuschauer noch zu verstärken. Wenn man ehrlich ist, muss man allerdings sagen, dass diese Technologie noch fest in den Kinderschuhen steckt und zur Zeit eher ablenkend als unterstützend wirkt.
Dann vielleicht doch lieber weiter an dem Konzept HFR (= High Frame Rate) schrauben. Auch dieses Verfahren ist eigentlich nur die Wiederentdeckung eines bereits in den 60er und 70er Jahren des 20 Jahrhunderts erprobten Verfahrens, bei dem Anstelle der üblichen 24 Bilder pro Sekunde ein vielfaches davon abgespielt wird. So wurde der erste Teil der „Hobbit“-Trilogie zum Beispiel originär mit 48 Bildern pro Sekunde abgespielt, der dritte Teil dann sogar schon mit 60, und der dieses Jahr gestartet „Gemini Man“ hatte gar eine Bildrate von 120 Bildern pro Sekunde. Durch diese zusätzlichen Bilder soll eine klarere Farbwiedergabe und größere Tiefenschärfe erzeugt werden, was vor allem auch in Kombination mit einem 3D-Effekt für spektakulär realistische Bilder sorgen soll. Größtes Problem: für eine solch schnelle Bildwiedergabe sind eigene Projektoren von Nöten, die bisher nur eine handvoll Kinos besitzen, weswegen die meisten Besucher weltweit mit den gängigen 24 Bildern pro Sekunde abgespeist werden.
Dann vielleicht doch lieber die Immersion durch die Leinwand selber vergrößern – hier ist IMAX das Zauberwort. Dabei handelt es sich eigentlich lediglich um eine größere, meist etwas gekrümmte Leinwand, die im besten Fall das gesamte Blickfeld des Zuschauers abdecken soll. Gepaart mit dem 3D-Effekt können hier vor allem Dokumentationen wie „Unser Planet“ zu einem wahren Augenschmaus werden. Allerdings  muss man auch hier sagen, dass der Effekt bei typischen Blockbustern doch eher gering ausfällt, vor allem da viele Kinos sich zwar höhere und breitere Leinwände zugelegt haben, diese aber nicht gekrümmt sind, wodurch keine optimales Ergebnis möglich ist.
Doch nicht nur im Kinobereich hat sich etwas getan, auch bei den Produkten für das heimischen Wohnzimmer haben die Produzenten und Entwickler die letzten 10 Jahre über nicht geschlafen.
Zunächst einmal hat die 3D-Technologie auch hier Einzug gehalten in Form von 3D-fähigen TV-Geräten und BluRay-Playern, samt zugehörigen Blu-rays. Diese Technik scheint allerdings von einer weiteren Neuerung langsam aber sicher abgelöst zu werden: dem 4K. Dieser Begriff bezeichnet dabei eine höhere Bildauflösung auf den jeweiligen Fernsehgeräten, die allerdings je nach Anbieter variieren kann und kaum jemals den im Namen versteckten 4000 Bildpunkten in der Horizontalen entspricht. Hier muss man allerdings anmerken, dass eine höhere Auflösung zwar immer für ein schärferes Bild sorgt, ob diese Technologie im Heimkinomarkt allerdings wirklich von Nöten ist, bleibt stark zu bezweifeln, da nicht einmal im Kino eine Auflösung in 4K gegeben ist und somit ein gravierender Mehrwert auf einem vergleichsweise kleinen Bildschirm in Frage gestellt werden kann. Die Industrie scheint hier allerdings anderer Meinung zu sein, da aktuell gemunkelt wird, dass bereits 8K und sogar 16K in den Startlöchern stehen soll.

Und das war er auch schon, unser (nicht ganz so) kurzer Streifzug durch die letzten 10 Jahre Kinogeschichte. Hiermit möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Lesern, die es wirklich bis zum letzten Absatz geschafft haben, ganz herzlich bedanken. Ich hoffe wir lesen uns auch beim nächsten Mal wieder, wenn wir das nächste Thema für euch „ausleuchten“.

 

17 Gedanken zu “10 Jahre Kinogeschichte(n) – Wir blicken zurück

  1. Hi. Interessanter Artikel, bei dem es kein Problem war, bis zum Ende durchzuhalten.😂
    Bei dem Begriff 4D hätte ich mir noch einen Halbsatz zur Erklärung für solch sparsame Kinobesucher wie mich gewünscht. Ich vermute das ist das wo die Sitze vibrieren… 🤔
    Aber sonst hast du einen schönen Rundumschlag gelandet. 😘

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    • Hey, danke, hab mich bemüht trotz der Länge und dem teilweise recht technischen Themen nicht zu trocken zu werden 😅.
      Genau, bei 4D bewegen sich die Sitze mit, es werden teilweise (meist) passende Düfte versprüht, und es gibt sogar Wasser und Nebeneffekte. Ich war von meinen bisherigen 4D Erlebnisse allerdings nicht sehr angetan weil mich das ganze Tamtam eher abgelenkt hat und dadurch die Immersion eher gesunken denn gestiegen ist 😅.

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  2. Ich weiß, dass die Autorin das MCU liegt. Aber mir geht das ganze Universumagedöns so auf den Nerv. Jeder Film sollte meiner Meinung nach, erstmal für sich funktionieren. Auch wenn er Teil eines Universums oder einer Filmreihe ist. Wenn ich sehe, was demnächst aus dem Hause Marvel kommen soll, glaube ich, dass wir langsam am Punkt sind, wo es eine Übersättigung gibt, der Erfolg von „Joker“ (über den ich froh bin, obwohl ich den Film nicht gut finde) ist da auch ein Indikator für.
    Das ganze Technikgedöns ist doch nur Spielerei. In Deutschland gibt es vielleicht acht IMAX Säle und in Österreich einen oder zwei in Wien.

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    • Ich sehe das einfach ein bisschen anders – wie jede andere Kunstform auch, entwickeln sich auch in der Filmkunst immer wieder neue Strömungen und Genres und Marvel hat mit seinem Filmuniversum einfach insofern etwas Neues gewagt, als sie erzählerische Elemente von Serien mit dem Format Filmreihe verknüpft haben. Ebenso wie zum Beispiel die x-te Folge „Friends“ für mich funktionieren kann, ohne dass ich alle vorherigen Folgen gesehen habe, und ich mich in diesem Fall auch nie darüber beschweren würde, dass ich nicht jeden Gag verstehe weil ich eben die womöglich dutzenden Folgen davor nicht gesehen habe, kann ich auch jedem Film des MCU für sich genommen etwas abgewinnen und meinen Spaß mit ihm haben, auch ohne die anderen gesehen zu haben, werde halt aber nicht jeden Gag und jede Anspielung verstehen. Bestes Beispiel dafür ist eine Freundin von mir, die kannte vielleicht 5 Filme des MCU, war dann letztes Jahr mit mir im Double Feature zu Infinity War und Endgame und war von beiden Filmen sehr begeistert, auch wenn sie nicht jeden Zusammenhang verstand.

      Ich muss ja gestehen, dass ich IMAX bisher jedes Mal ziemlich enttäuscht hat – es gab bei uns einmal den Werbeslogan „IMAX is believing“ und ich dachte mir immer wieder „Jap, ist so wie bei einem Placebo…da muss man schon an einen Mehrwert glauben, um ihn wirklich sehen zu können“ 😉
      Und auch 4D hat mich bisher immer eher vom Geschehen abgelenkt, als mich noch tiefer hineinzuziehen. Das lag vielleicht auch daran, dass das eine Mal die „Heldin“ im Film gerade durch den Dreck gelaufen ist und die Kinobetreiber sich dachten, zu dieser Szenerie würde hervorragend Kirschduft passen.

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      • Hatte diese Antwort ein wenig vergessen, aber wollte da noch mal meinen Senf dazugeben. Ich finde ja auch, dass die MCU Filme im großen und ganzen auch alleine stehen. Daran scheitert es bei mir nicht, ich finde sie halt größtenteils mittelmäßig bis schwach und eine handvoll finde ich richtig gut (GotG 1/2, Homecoming, Winter Soldier, Infinity War, Doctor Strange). Wenn sie das jetzt aber noch enger verzahnen, bin ich endgültig raus, so bin ich jetzt bei einigen noch dabei, werde mir aber einiges davon schenken.

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        • Aso, das ist dann natürlich was anderes, wenn einem die Filme nicht gefallen, dann gefallen sie einem halt nicht. Das muss ja auch nicht sein, Geschmäcker sind da verschiedene. Ich mein halt nur, dass man ihnen schwer Vorwürfe machen kann, dass sie so in einander verzahnt sind, weil das ja genau das ist, was das Studio erreichen wollte…das wäre eben so, als wollte man Serienschöpfern vorwerfen, dass man die ganze Serie sehen muss, um alle Zusammenhänge zu verstehen…auf die Idee würde ja auch keiner kommen 😉.

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          • Der Unterschied ist, eine Serie erscheint in Staffeln und auch da hat man als Seriengucker den Anspruch, dass die Staffeln so funktionieren, dass man weiterguckt, wenn die neue Staffel kommt.
            Mein Unverständnis über diese neue Form könnte auch an meiner schwindenden Serienbegeisterung liegen.

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            • Naja, es ist halt der Versuch etwas neues in der Filmlandschaft zu wagen, dass durchaus als Verzahnung von Ideen aus dem Film- und Serienbereich gesehen werden kann. Ob einem dann die einzelnen „Staffeln“ oder „Episoden“ so gut gefallen, dass man weiterschaut, ist dann natürlich wie gesagt Geschmackssache. Auch dass dieses Experiment nicht jedem gefällt ist völlig in Ordnung aber ich erleb halt immer auch viele Stimmen, die das ganze nur ablehnen weil es halt mal was neues ist, was die Grenzen des klassischen Filmverständnisse versucht weiter aufzubrechen, und nachdem ich solche Versuche in jeder Kunstform schätze, verteidige ich halt meist die Idee dahinter. Wie gesagt, das heißt nicht, dass ich jetzt finde, dass jeder die Filme mögen muss oder überhaupt schauen muss, aber einfach nur etwas ablehnen weil es halt mit Konventionen bricht, ist eine Haltung, die ich halt immer nur schwer nachvollziehen kann.
              Das waren jetzt übrigens vor allem allgemeine Gedanken, die sich nicht auf dich beziehen 😉

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  3. „Jeder Film sollte meiner Meinung nach, erstmal für sich funktionieren. Auch wenn er Teil eines Universums oder einer Filmreihe ist.“

    Schön gesagt. Das ist eine Sache, die wie ich finde Star Wars ganz ordentlich macht. Ich habe gesehen, dass du Episode 8 auch mochtest. Der funktioniert z.B. für mich sowohl als Teil der Reihe als auch als Einzelfilm.

    Trotzdem bleibt festzuhalten, dass die letzten zehn Jahre schon so etwas wie die Dekade der Universen war und das auf jeden Fall hängen bleiben wird.

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    • Spannend, dass du gerade Episode 8 von Star Wars erwähnst…der funktioniert für mich nämlich auch sehr gut als Einzelfilm aber dafür so gar nicht innerhalb der geschaffenen Trilogie. Wenn man alle 3 Filme mal zeitnah zueinander schaut, merkt man recht deutlich, dass Johnson kein Interesse daran hatte, den zweiten Teil einer Reihe zu machen, denn alle aufgebrachten Handlungsfäden werden von ihm entweder gekappt oder restlos verknotet, weshalb der Anfang von Episode 9 dann zu Beginn so viel Exposition bietet, um wieder irgendein Mysterium zu haben, dass man auflösen könnte.

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      • „der funktioniert für mich nämlich auch sehr gut als Einzelfilm aber dafür so gar nicht innerhalb der geschaffenen Trilogie. Wenn man alle 3 Filme mal zeitnah zueinander schaut, merkt man recht deutlich, dass Johnson kein Interesse daran hatte, den zweiten Teil einer Reihe zu machen“

        Das kann durchaus sein. Allerdings habe ich genau das nicht gemacht. Episode 7 ist schon eine ganze Weile her und Ep 9 habe ich noch nicht gesehen.

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          • Ja das hatte ich gemeint. Er funktioniert als Einzelfilm, was mir in der Regel wichtiger ist. Wie Episode 8 in die Reihe passt, weiß ich natürlich nicht. Ich kann mich aber auch an keine liegen gelassenen Fäden erinnern. Wie gesagt, ist schon eine Weile her

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            • Das war ja das Problem, dass er keine Fäden liegen gelassen hat…stell dir mal vor, du sollst an einen Film anschließen, der eigentlich alles selber schon soweit abgeschlossen hat, dass du erst wieder neue Mysterien aufmachen musst, damit du einen narrativen Bogen hast…kannst dir mal so vorstellen als wäre beim zweiten Herrn der Ringe plötzlich gesagt worden „Frodo, du bist doch nicht der Auserwählte, den Ring lass ma einfach mal im Wald bei Frau Galadriel und damit auch gut“…dann hätte man sich auch schwer getan, noch einen stimmigen dritten Teil zu machen 😉

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    • Ja ich finde Star Wars 8 sehr gut, der beste SW Film seit The Empire Strikes Back, weil der mal einen neuen Spin gibt und gleichzeitig die Vibes der ersten beiden aufkommen lässt und Luke Skywalker endlich einen interessanten Charakter Arc über einen Film gibt und dann noch die Cantono Bait Nummer, die Marke Rian Johnson ist. Ich bin mir auch sehr sicher, dass der in zehn Jahren als bester Film der neuen Trilogie gelten wird.

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  4. Wow, da hat jemand echt viel Arbeit hineingesteckt, toller Überblick Ainu!
    Was mir dann doch echt bei den prägenden Einschnitten des letzten Jahrzehnts auffällt ist, dass keine Entwicklung wirklich positiv ist. Der Universen-Wahn, diese vorgegaukelten technischen Neuerungen, die Streaming-Plattformen… alles für mich irgend Fluch und Segen zugleich. Und naja, dass Kino bald nur noch aus entweder Disney oder Arthouse besteht, muss ich wohl nicht nochmal betonen, dass ich das eher als Fluch betrachte.
    Generell wird man im Moment einfach regelrecht mit allem überflutet und diejenigen, die davon massig profitieren, hoffen einfach darauf, dass ihr Publikum das alles nicht weiter hinterfragt und einfach dankbar weiter konsumiert.
    Spannender finde ich eigentlich vielmehr, welche Entwicklungen sich daraus in diesem Jahrzehnt ergeben, ob auch vom Publikum ein Verlangen nach einem „New“-New Hollywood ausgehen wird.
    Ich für meinen Teil hoffe ja, dass wieder weggegangen wird davon, tausend Mal etwas zu remaken, rebooten und etliche Sequels, Prequels und Filmuniversen zu drehen und dass der Profit der Filmindustrie in der Hinsicht abnimmt und wieder individuelle Filmemacher das Vertrauen geschenkt bekommen, wie das bei einem Nolan oder einem Villeneuve der Fall ist. Derzeit werden mir diese individuellen Fähigkeiten doch zu sehr dem großen Profit untergeordnet.

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    • Ich seh das ganze zwar weniger kritisch, ganz einfach weil die Zeit in anderen Kunstrichtungen bereits bewiesen hat, dass sich all diese „Blasen“ am Ende wieder selbst regulieren und immer mal etwas populär wird, bis die Leute übersättigt sind und wieder etwas anderes an die Spitze tritt…so ist es in der Musik, der Malerei, der Literatur, also wieso sollte die Filmkunst eine Ausnahme sein. Aber trotzdem denke auch ich, dass das nächste Jahrzehnt in dieser Hinsicht wohl besonders spannend sein wird. Mal schauen, was da noch so auf uns zukommt. Was die Technik betrifft, konnte mich bisher eigentlich nur 3D soweit überzeugen, dass es mir die 1,50€ mehr wert ist, die ich für mein Kinoticket bezahlen muss. 4D ist hingegen für mich bis jetzt die größte Enttäuschung bei den technischen Neuerungen…war jetzt 2 mal in so einer Vorstellung und beide Male hat mich das Geschaukel, die unpassenden Gerüche und das Wasser in meinem Gesicht total vom Film abgelenkt und nicht noch tiefer rein gezogen.

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