Das Film-Dreieck (8) – Die letzten 30 Jahre Film

Da fiel die Entscheidung wirklich nicht leicht. Bei einer nahezu unendlichen Auswahl an Filmen aus drei Jahrzehnten, war es nicht einfach, jeweils einen Streifen pro Dekade auszuwählen, um diesen einem Mitglied aus dem Klappe!-Team ganz besonders ans Herz zu legen. Dies natürlich meist vor dem Hintergrund, die eigene positive Meinung über den Film noch einmal bestätigt zu bekommen. Das hat in vorherigen Ausgaben nicht immer  funktioniert, was wiederum beweist, dass Geschmäcker zum Glück verschieden sind. Aber wie schaut es dieses Mal aus? Drei Filme sehr unterschiedlicher Natur stehen an, um auf Herz und Nieren geprüft zu werden. Wir haben einen Film über das Filmemachen, einen (sind es nicht eher zwei?) über nachtaktive Tiere und einen Streifen über eine kaum zu beschreibende Trauerfeier. Die perfekte Ausgangslage für dreimal Filmgenuss pur. Oder vielleicht dann doch nicht?

Von Ainu für Wermi: Sterben für Anfänger (2007)

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=W0xtS83sKGg

Ainu: Ich weiß nicht, ob das bisher überhaupt wirklich so herausgekommen ist, aber ich bin ein Fan von schwarzen Komödien. Gerne auch mal etwas brutaler, oder wie in diesem Fall ziemlich trocken. Die Briten, die wissen auch noch nach Monty Python wie der Hase läuft und wie man den Finger mit ordentlich Lachern in die Wunde legt. Ein schöner Beweis dafür ist die kleine Komödie „Sterben für Anfänger“, die hierzulande leider viel zu tief unter dem Radar geflogen ist, in Amerika dafür natürlich eines dieser unsäglichen Remakes spendiert bekommen hat, das dem Original nicht mal im Ansatz das Wasser reichen kann. Naja, auf jeden Fall dachte ich, der werte Kollege Wermi kann sicher mal was zum Lachen vertragen.  

Wermi: Gute, richtig lustige Komödien noch zu finden, die einen auch wirklich zum Lachen bringen, erachte ich als ziemlich schwierig. Humor ist dazu extrem subjektiv, daher war ich doch sehr neugierig, ob Ainus Empfehlung mich denn genauso überzeugen könnte.
Zunächst hat der Film ein wenig gebraucht, um in die Gänge zu kommen. Er bemüht sich anfangs besonders um das Setup der Handlung, die sich ganz um eine britische Familie dreht, die zu einer Beerdigung zusammenkommt, um dem plötzlich verstorbenen Familienoberhaupt die letzte Ehre zu erweisen. Als aber schließlich ein dramatisches Missgeschick auf das nächste folgt und auch noch ein großes Geheimnis ans Licht zu kommen droht, gerät die Trauerfeier völlig aus den Fugen und von dort an beginnt der eigentliche Spaß. Die absurden Situationen, die infolgedessen entstehen, befeuern die Komik des Films und haben mich gut unterhalten und sehr amüsiert. Mein Highlight war Simon, der kurz vor der Beerdigung versehentlich mit Acid zugedröhnt wurde. Abgerundet wird das Ganze dann auch noch mit einer schönen Message zum Schluss, die den Film auf einer versöhnlichen Note enden lässt.

Alles in allem ist “Sterben für Anfänger” ein rundes Erlebnis, mit einer Lauflänge von 91 Minuten auch nicht allzu lang und damit eine geglückte Empfehlung von Ainu.

Von Steffelowski für Ainu: Boogie Nights (1997)

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=YN7pcEa83dU

Steffelowski:  Wenn der Hauptcharakter eines Films den Künstlernamen Dirk Diggler trägt, kann man sich wohl denken, mit welcher Kunst hier Geld verdient wird. Wer aber einen Schmuddelfilm erwartet, in dem nur nackte Tatsachen zählen, liegt bei „Boogie Nights“ falsch. Wir haben es hier vielmehr mit einem Film zu tun, der die menschlichen Schicksale im Hardcore-Business beleuchtet. Menschen mit Sorgen, Träumen, Hoffnungen und zum Teil besonders ausgeprägten primären Geschlechtsmerkmalen. Ich hatte von diesem Film nicht wirklich viel erwartet, war dann aber total überrascht, wie mitreißend und berührend er an manchen Stellen war. Einer der Filme, die ich wirklich ins Herz geschlossen habe. Ja, liebe Mara, was sagst Du? Ist „Boogie Nights“ ein kaum enden wollender Höhepunkt oder eher ein Coitus Interruptus?       

Ainu: Meine Güte, wo soll ich bei diesem Film nur anfangen. Vielleicht bei dem was ich wusste, bevor ich ihn angeschaut habe. Eigentlich hatte ich überall nur Positives zu dem Streifen gehört. Auf Letterboxd hatte er unter meinen „Freunden“ fast ausschließlich grandiose Sternewertungen und dass Steffelowski ihn gut findet, wurde mir spätestens dann klar, als er ihn mir für das diesmonatige Filmdreieck vorgeschlagen hat. Leider muss ich sagen, dass ich nach der Sichtung doch etwas ernüchtert bin. Ja, die Schauspieler machen allesamt einen hervorragenden Job (auch Mark Wahlberg, bei dem man in letzter Zeit doch eher das Gefühl bekommt, dass er so gar keinen Bock mehr auf das Filmbusiness hat). Ja, es gibt ein paar sehr gelungene Szenen und vor allem die eingestreuten Longtakes sind absolut beeindruckend und verdienen ein hohes Maß an Anerkennung. Aber die Geschichte, tja, das ist ein anderes Thema. Nicht nur, dass mich so ziemlich alle Charaktere so kalt gelassen haben, dass mir ihr Schicksal eigentlich egal war, zusätzlich fand ich die Geschichte absolut vorhersehbar und das „Happy End“ am Schluss dann eindeutig zu viel. Vielleicht möchte der Film ja genau das, diese erzählerische Schablonenhaftigkeit aufzeigen und dadurch anprangern, für mich wurde er dadurch aber leider nur ziemlich langweilig, weil eben vorhersehbar. So landet er für mich leider auf dem Stapel „Schon gut, dass ich ihn einmal gesehen habe, aber ein zweites Mal werde ich mir wohl sparen“.  

Von Wermi für Steffelowski: Nocturnal Animals (2016)

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=-H1Ii1LjyFU

Wermi: Für Stefan habe ich mir einen Film herausgesucht, bei dem ich das Gefühl habe, dass er gerne mal übersehen oder gar übergangen wird, wenn es um die besten Filme der letzten 10 Jahre geht. Modedesigner Tom Ford beweist mit “Nocturnal Animals”, dass er auch kunstvolle Filme inszenieren kann und hat mit Amy Adams und Jake Gyllenhaal seine Hauptrollen mit wahren Hochkarätern besetzt, für die alleine es sich schon lohnt den Film anzuschauen.
Mich konnte “Nocturnal Animals” total mitreißen, was vor allem an seiner besonderen Erzählweise lag, durch die sich langsam eine tragische Geschichte entfaltet, die viel zur Interpretation einlädt. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, wieso er gerade deshalb und wegen der sehr gefühlskalt wirkenden Hauptfigur ein wenig polarisieren mag. 
Daher bin ich außerordentlich gespannt darauf, auf welcher Seite Stefan am Ende steht und ob der Film ihn emotional erreichen konnte.

Steffelowski: Lieber Yannick, vielen Dank für Deine Empfehlung. Ich muss ja zugeben, dass ich vorher so gut wie nichts über den Film wusste. Ist mir irgendwie unter dem Radar durchgerutscht. Ja, was soll ich sagen? Der Film hat mich ziemlich umgehauen. Der Plot ist genial, die filmische Umsetzung beinahe perfekt und die Atmosphäre, die das Ganze rüberbringt, hat mich so ungefähr ab der zweiten Minute komplett in ihren Bann gezogen. Die verschiedenen Handlungsstränge des Films  – zum einen die eigentliche Geschichte, zum anderen die als „Film im Film“ dargestellte Handlung des Romans, um den es geht, haben jeweils ihre eigene Ästhetik und Dramaturgie, sind letztlich aber eng miteinander verzahnt. Mich hat insbesondere die Geschichte, die der Roman erzählt, ziemlich mitgenommen. Selten habe ich in einem Film so viel – meist unterschwellige oder verbale – Gewalt mitbekommen. Die tragische Story von der Familie, die auf einem einsamen Highway von einer Gruppe Rednecks zunächst von der Straße abgedrängt wird und im weiteren Verlauf der Handlung noch viel mehr Leid erfahren muss, ging mir wirklich unter die Haut.  Dass der Inhalt des Romans direkt mit dem Leben der Hauptpersonen aus der realen Handlung und deren Schicksal zu tun hat, ahnt man natürlich von Beginn an. Aber wie bei einem Puzzle ergibt sich erst aus der Summe der (richtig angeordneten) Teile das ganze Bild. „Nocturnal Animals“ ist eine packende Achterbahnfahrt der Emotionen, die ich ganz bestimmt so schnell nicht vergessen werde.

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