Takeshi Kitano (oder doch Beat Takeshi)

Die meisten von euch werden sich wohl, ebenso wie ich, noch daran erinnern: ein paar dutzend Japaner, die versuchen irgendwelche Gräben zu überqueren, von riesigen Schaumstoffdingern drangsaliert werden, sich mit überdimensionierten Spritzpistolen abschießen und das alles nur, um ein Schloss zu erstürmen. Genau, die Rede ist natürlich von „Takeshis Castle“. Wie die meisten, habe ich damals dem bunten Treiben ab und an mit einiger Erheiterung zugeschaut, ob der Skurrilität gerne einmal geschmunzelt, mir ansonsten aber nicht viel gedacht – ich war immerhin noch ein Kind.

Spulen wir einige Jahre vor. Mein Freund, inzwischen mein Mann, hat einen kleinen Faible für das asiatische Kino, ist schockiert als ich ihm mitteile, dass ich einen bestimmten japanischen Film nicht kenne und schon ist der gemeinsame Filmabend anberaumt. „Zatoichi“ steht auf dem Programm. Ein wirklich großartiger Samurai-Film, der neben ein paar meisterlichen Schwertkämpfe noch etwas zu bieten hat, das man eher selten in solchen Filmen findet: eine ganz eigene Art von Humor. Nur ein Prise davon, aber definitiv genug, um ihn deutlich aus der Masse hervorstechen zu lassen. Ihr merkt, ich war sofort begeistert von dem Streifen. Nur der Name der Regisseurs war mir nicht geläufig: Takeshi Kitano. Und dann stellte mein Mann für mich die Verbindung her. Eben jener Herr, dessen Burg es damals zu erstürmen galt, war verantwortlich für diese Version der alten japanischen Legende um den blinden Samurai.
Und so lernte ich neben dem Pseudonym Beat Takeshi, welches sich in Japan bereits einen Namen als Komiker, TV-Moderator, Schauspieler, Künstler und vieles mehr gemacht hatte, den Filmemacher Takeshi Kitano kennen. Wer einmal einen näheren Blick auf die Welt dieser zwei Herzen werfen möchte, die scheinbar in der Brust dieses talentierten Mannes schlagen, dem kann ich nur den zugehörigen Wikipedia-Artikel empfehlen. Nachdem ich persönlich allerdings kaum Berührungspunkte mit diesem Beat Takeshi habe, wollte ich das Thema des Monats nutzen, um euch einen, meiner Meinung nach, herausragenden asiatischen Regisseur vorzustellen, der leider gerne einmal außerhalb der Szene übersehen wird. Um euch den Einstieg je nach persönlichem Geschmack etwas zu erleichtern, stelle ich euch hier deswegen drei Filme vor, die allesamt sehenswert sind und wunderbar widerspiegeln wie vielseitig dieser Mann als Regisseur ist.

Fangen wir gleich mal mit jenem Film an, mit dem er im Westen seinen Durchbruch feierte und den goldenen Löwen in Venedig 1997 absahnen konnte: „Hana-Bi“. Wie so gut wie jedem Drama aus der Feder Kitanos, wohnt auch diesem eine ungeschönte Brutalität inne. Die Kämpfe, sofern es welche gibt, sind zumeist ziemlich realistisch dargestellt und schockieren dadurch umso mehr. Hier wird nicht weggeschnitten, bis hin zur Groteske übertrieben oder mit aufsehenerregenden Martial Arts Künsten gelockt. Schnörkellos, klar und beinahe schon ruhig, so sind Kitanos Werke. Wer allerdings hinter diese, für westliche Sehgewohnheiten zunächst vielleicht etwas spröde wirkende Inszenierung blickt, der wird tiefreichende Gefühlswelten erblicken, welche die Darsteller oft nur mit einem einzigen Blick oder Wort zum Ausdruck bringen. Gerade in diesem Film, der in seinem Kern eigentlich eine wunderbare, dramatische und zutiefst berührende Liebesgeschichte erzählt, zeigt sich besonders eindrucksvoll wie scheinbar mühelos Kitano hier dem Geschehen immer noch eine Schicht hinzufügt.

Der zweite Film, mit dem Fans des Samurai-Films ihre Freude haben werden, ist der oben bereits erwähnte „Zatoichi – Der blinde Samurai“.  Wie oben bereits beschrieben, handelt es sich hier um einen Film, der sich einerseits ganz deutlich an den großen Vorbildern seines Genres orientiert. Eine eher gemächliche Inszenierung mit explosiven, kurzen, gekonnt gefilmten Schwertkämpfen gemixt, dabei seiner legendären Hauptfigur ein ruhige und etwas mysteriöse Aura spendiert und doch lohnt sich auch hier ein genauerer Blick, denn immer wieder huscht ein Augenzwinkern durch das Bild. Hier und da ein kleines Späßchen, ein subtiles Spielen mit Genrekonventionen.  Klassisches trifft auf Neues, Hinterfragendes, Schmunzelndes und doch stets auch Achtendes – so geht ganz großes Kino.

Der dritte und letzte Film, den ich heute hier vorstellen möchte, entführt den Zuschauer in das klassische Yakuza-Gangster-Setting. „Brother“ bietet dabei viele altbekannte Genremerkmale, verknüpft diese aber erneut mit einem frischen Kniff. Denn zu den üblichen Untergrundsperenzchen gesellt sich eine Fish-Out-of-Water-Situation. Den Protagonisten verschlägt es, aufgrund einer Fehde, von den Straßen Japans nach Los Angeles. Obwohl nach außen hin eindeutig der geradlinigste Film, der drei hier genannten, gibt es auch hier, neben der abermals ungeschönt und brachial inszenierten Action, mehr zu entdecken, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Das Hinzufügen einer Bruderdynamik verleiht dem Ganzen außerdem einen emotionalen Ankerpunkt, der speziell am Ende des Films besonders zum Tragen kommt.

So, und das war es mal wieder von meiner Seite aus. Falls es noch nicht deutlich genug herüberkommen gekommen ist, hier noch ein kurzes abschließendes Fazit: Schaut euch Takeshi Kitanos Filme an! 😉

2 Gedanken zu “Takeshi Kitano (oder doch Beat Takeshi)

  1. Ja, Kitano ist ein toller Schauspieler und Regisseur. Dolls fand ich damals auch echt toll. Hana-Bi ist ohnehin ein Klassiker, aber überhaupt sind seine Gangster-Yakuza-Sachen wirklich sehr gut. Aber er kann halt auch sehr gut komisch sein… ich vergesse immer, wie der Film heißt, wo er mit diesem kleinen Jungen auf so eine Art Roadtrip geht. Super.

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  2. Ich mag Kitano auch sehr! Als Einsteigerfilm würde ich vielleicht noch seinen liebevoll- verschmitzten Roadmovie ‚Kikujiros Sommer‘ empfehlen. Mit einem grandiosen Soundtrack von Joe Hisaishi! Ist auch, der Name lässt es erahnen, ein wunderbarer Sommerfilm. Wobei das auf erstaunlich viele Kitanos zutrifft…

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