Das Film-Dreieck (6) – Sportfilme

Sportlich, sportlich … In diesem Monat treten wir mit harten Bandagen gegeneinander an und sind in jedem Fall auf einen K.O. aus. Oder versucht da ein Mitglied aus dem Klappe!-Team einen Kollegen aufs Glatteis zu führen? Steigt mit uns in den Ring oder werdet Steuermann in unserer Bobmannschaft. Filme, die für den einen olympisches Gold wert sind, taugen für den anderen nicht einmal als Trostpreis bei der Kindertombola. Aber egal, auch beim Film-Dreieck gilt die Regel “Dabei sein ist alles”. Viel Vergnügen beim Wettstreit der Sportfilme um die Gunst der Redaktionsmitglieder. Welcher Film gehört für Euch aufs Siegertreppchen und welcher in die Kreisliga? Bitte aber auch in den Kommentaren sportlich fair bleiben.

Von Ainu für Wermi: Cool Runnings – Dabei sein ist alles(1993)

Ainu:  Jeder kennt sie und hat selber ein paar von ihnen in petto, sollte mal einer danach fragen: Filme aus der Kindheit, die man sich auch als Erwachsener immer noch gerne anschaut, die einem einfach nach wie vor dieses wohlig warme Gefühl bescheren, wenn man so durch die Kanäle zappt und sie zufällig irgendwo entdeckt. Mir geht es so mit “Cool Runnings”. Und nachdem Kollege Wermi beim letzten Klappe-Meeting mal wieder allzu deutlich heraushängen lassen musste, dass er um so vieles jünger ist als der Rest unserer kleinen Truppe, dass er nicht einmal diesen Film kennt, musste ich die Gelegenheit natürlich gleich nutzen. Und Wermi, was sagst du nun zu dem Film… 

Wermi: Also zugegeben, ich habe von dem Film nur flüchtig etwas gehört und kam mit ihm noch nie in Berührung. Ich wusste nicht einmal worum es geht, aber zumindest konnte ich ihn bei so typischen Disney Familienfilmen einordnen. Meine Erwartung war ziemlich gering und ich war mir sicher, dass es einer dieser Filme ist, mit dem man Spaß hat, wenn man sein Hirn ausschaltet. Und siehe da, diese Taktik ging auch ganz gut auf. Denn „Cool Runnings“ trieft nur so vor kindlicher Naivität und Pathos, doch kommt es hierbei immer darauf an, wie gut man sich darauf einlassen kann. Immerhin macht der Film keinen Hehl daraus, dass er nicht besonders tiefsinnig sein möchte, in erster Linie möchte er einfach nur unterhalten und einem ein gutes Gefühl bescheren. Das hat für mich dann auch gut funktioniert, besonders durch die überzogenen Hauptfiguren die für charmante Dialoge sorgen. Alles in allem sicherlich kein Meilenstein der Filmgeschichte und es entgeht einem auch nichts, wenn man ihn nicht kennt, doch für einen herzlichen Sonntagnachmittag sorgt er allemal.

Von Steffelowski für Ainu: Southpaw (2015)

Steffelowski:  Mittelmäßige Boxerfilme gibt es wie Sand am Meer und die meisten von ihnen laufen nach der gleichen Formel ab: junger, talentierter Boxer aus armen Verhältnissen erkämpft sich durch verbissenes Training den Meistertitel. Bei „Southpaw“ wird die übliche Story variiert, genauer gesagt setzt da an, wo viele andere Streifen dieses Genres enden. Außerdem werden hier nicht nur gut choreografierte Faustkämpfe aneinandergereiht, sondern auch dem Zwischenmenschlichem wird viel Platz eingeräumt, was den Darstellern die Chance gibt, zu zeigen, was sie können. Ja, liebe Ainu, hat Dich der Film so umgehauen wie mich, oder war er für Dich  eher ein laues Lüftchen? Ring frei für Ainu…

Ainu: Tja lieber Steffelowski, ich hatte bei diesem Format ja bisher nicht immer das größte Glück mit der Filmauswahl aber dieses Mal muss ich mich wirklich bei dir bedanken, denn obwohl “Southpaw” bereits seit einiger Zeit in meinem Regal stand, wanderte er bisher noch nie in den Player – ein Umstand, den man tatsächlich nur als Versäumnis bezeichnen kann, ob des fesselnden, berührenden Spektakels, dass einem hier geboten wird. “Spektakel” auf der einen Seite wegen der wuchtig und mitreißend inszenierten Kämpfe, aber auch wegen eines so famos aufspielenden Gyllenhaals, dass man sich ernsthaft fragen muss, wie es dafür nicht zumindest eine Oscarnominierung geben konnte. Doch wie oben bereits geschrieben, bietet der Film eben nicht nur beeindruckende Schauwerte, sondern auch ein paar emotionale linke Haken, die einen doch ein wenig in den Seilen hängen lassen – und erneut fragt man sich, wie es für diese beeindruckende Leistung keinen Oscar geben konnte. Mein Fazit: Einer der besten Sportfilme, die ich seit langem gesehen habe. Ich habe mitgefiebert, mitgeblutet, mitgeschwitzt und am Ende sogar ein Tränchen verdrücken müssen…so muss das sein!

Von Wermi für Steffelowski: A Prayer before Dawn – Das letzte Gebet  (2017)

Wermi: Als die Wahl für Steffelowski auf „A Prayer before Dawn“ fiel, wollte ich ihn noch vorwarnen, dass der Film ziemlich harter Tobak ist und ein wahrhafter Schlag in die Magengrube, damit er weiß was auf ihn zukommt. Da war es aber schon zu spät und mein werter Kollege hatte den Film bereits eingeschoben. Als ich ihn mir damals nämlich selber angemacht hatte, war ich ähnlich unvorbereitet und wurde regelrecht durchgerüttelt, wie selten von einem Film. Der Film macht etwas mit einem, dementsprechend bin ich gespannt, was er nun mit Steffelowski macht.

Steffelowski: Lieber Wermi, wenn Du mich mit Deiner Filmauswahl daran erinnern wolltest, dass es durchaus sinnvoll ist, ein rechtschaffenes Leben zu führen, hast Du Deine Mission vollends erfüllt. Nach „A Prayer before Dawn“, das verspreche ich Dir, werde ich alles dafür tun, um niemals im Gefängnis zu landen, bestenfalls als Besucher. Ja, „A Prayer …“, war eine wirklich intensive Filmerfahrung für mich. und die Bilder und Charaktere wirkten schon noch einige Zeit nach. Zur Handlung: Der junge Billy Moore landet wegen Drogenschmuggels in einem thailändischen Gefängnis. Ohne die Sprache zu sprechen, ohne Geld und ohne Beziehungen wird Billy von jetzt auf gleich von einer Parallelwelt verschluckt, wie sie verstörender kaum sein könnte. Unter den rein männlichen Insassen herrscht rund um die Uhr nichts anderes als die rohe Gewalt. Es gibt klar hierarchisch organisierte Gangs, die sich untereinander brutal bekämpfen und die übrigen Häftlinge schonungslos unterdrücken, schikanieren und missbrauchen. Dies alles unter den Augen oder auch der Mitwirkung des Wachpersonals, das in Sachen Brutalität und Menschenverachtung den Insassen in nichts nachsteht. Mit seiner hellen Haut und seinem nicht tätowierten Körper, wirkt Billy wie ein Fremdkörper in diesem Kosmos aus Gewalt und Erniedrigung. Als Billy eines Tages entdeckt, dass es im Camp eine Art Trainingslager für Muay Thai Kämpfer gibt, gelingt es ihm, in das Team aufgenommen zu werden. Auch wenn er anfangs nicht ernst genommen wird, arbeitet Billy hart an sich und schafft es letztlich, in die Wettkampfmannschaft  aufgenommen zu werden. Allerdings wird sein Leben dadurch nicht leichter, denn bereits bei seinem ersten Turnier, muss Billy nicht nur um den Sieg, sondern auch um sein Leben kämpfen.

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Story geht wirklich unter die Haut, genau wie die Tätowiernadeln, die im Film gern und häufig zum Einsatz kommen. Die Bilder wirken schon beinahe dokumentarisch, was sicher auch daran liegt, dass hier ganz überwiegend Laiendarsteller, vorzugsweise echte Ex-Insassen des echten Gefängnisses, zum Einsatz kommen. Und um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, noch tiefer in das Geschehen einzutauchen, wird meist in der Landessprache Thai gesprochen. Mitunter ein wenig französisch oder englisch, nur im Ausnahmefall gibt es Untertitel. So fühlt es sich an, als wäre man ebenfalls einer der Häftlinge, der alles das aushalten muss, was auch Billy zu ertragen hat. Ein Film wie ein verbotener Tiefschlaf. 

Ein Gedanke zu “Das Film-Dreieck (6) – Sportfilme

  1. Pingback: Die 8 besten Sportfilme | Klappe!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..