Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007)

  • Originaltitel: The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford
  • Regie: Andrew Dominik
  • Genre: Drama, Western
  • Land: USA

Drei Männer, ein Zimmer. Die Kinder spielen unbeschwert im Vorgarten, doch nur wenige Meter entfernt, hinter dem Fenster, liegt eine unheilvolle Schwere in der Luft. Alle Drei scheinen zu wissen was nun passiert – auch das Publikum vor der Leinwand. Die Blicke spiegeln Angst, Wut, Zweifel, ja beinahe das gesamte Spektrum menschlicher Gefühle wieder. Dann dreht sich einer um, legt seinen Colt ab, wirft einen letzten Blick aus dem Fenster und dann: ein Schuss.

Was nun wie ein massiver Spoiler wirken könnte, ist nur das, was einem bereits des Titel verrät – übrigens kein abermaliges Verbrechen irgendeines deutschen Verleihers, sondern tatsächlich eine wortgetreue Übersetzung des originalen englischen Titels. Ebenso sperrig und lang wie dieser, ist auch der zugehörige Film. Dies ist kein Western nach Schema F, auch wenn einige der klassischen Elemente durchaus vorhanden sind. Kein Wunder, mit einem Namen wie Jesse James im Titel steht zumindest schon einmal fest, dass es Schießereien zuhauf geben wird. Und doch liegt hierauf keineswegs der Fokus des Films.
Getragen von musikalischen Klangwelten aus der Feder Nick Caves, dominierend dabei eindeutig die Saiteninstrumente, langen Einstellungen, gewollten Unschärfen und dem Mimenspiel der hochkarätigen Darstellerriege, wird einem hier vom Leben eines Mannes erzählt, der kaum jemandem auf der Welt vertraute – am aller wenigsten vielleicht sich selbst. Der Schuss mag das große Finale sein, der Weg dort hin aber das eigentliche Ziel.
Wer nicht hineinfindet in diese stillen Momente, die so oft mehr vermitteln, als es Worte je vermögen könnten, in diese  eigenen Charaktere, mit all ihren Widersprüchlichkeiten, in eine Inszenierung, die nicht nur aufgrund ihrer Farbpalette ein ganz eigenes Gefühl von Erdung hervorruft, für den werden es wohl ein paar der anstrengendsten zweieinhalb Stunden überhaupt werden. Wer allerdings von dem Werk in seinen Bann gezogen wird, wem die Geschichte unter die Haut geht und die grandiosen Performances der Darsteller, allen voran Brad Pitt als Jesse James, durch Mark und Bein gehen, dem wird sich dieses Filmerlebnis für immer ins Gedächtnis brennen. Unauslöschlich, als tiefsitzender, melancholischer Klang, der noch lange in einem nachhallt.

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