Das Film-Dreieck (4) – Filme mit L

In diesem Monat war die Bandbreite an Filmen, die wir uns gegenseitig vor die Nase setzen konnten, besonders groß, da wir filmisch nicht auf ein Genre, ein Thema oder z. B. auf einen Regisseur festgelegt waren. Das einzige Auswahlkriterium war, dass der  Titel (deutsch oder original) mit einem “L” beginnen musste. Dementsprechend reicht die Bandbreite von einer Schauergeschichte, über einen klassischen Abenteuerfilm bis hin zum skandalumwitterten erotischen Drama. Also, ein Kessel Buntes, wie es bunter kaum geht. Ob wir den jeweiligen Geschmack des/der Anderen getroffen haben? Lest es am besten selbst. Anmerkungen und Ergänzungen sind wie immer in den Kommentaren mehr als erwünscht.   

Von Wermi für Steffelowski: Der Leuchtturm (2019)

Einleitung (Wermi):  Wie wir alle wissen, ist unser werter Steffelowski sehr bewandert in Filmklassikern und alten Filmen, von denen man noch nicht einmal im Entferntesten etwas gehört hat. Daher wurde er mal wieder mit einem nahezu brandneuem Film angefüttert, der bereits heiß als neuer Klassiker gehandelt wird. “Der Leuchtturm” nimmt sich zudem mit seinem ‘Look and Feel’ Filme der 1920er-Jahre zum Vorbild, ist also vielleicht unter dem Aspekt auch sehr spannend für Stefan, der ein paar von diesen Vorbildern auch kennen dürfte. Für mich ist der Film ein absolutes Erlebnis – ob er einem gefällt oder nicht und ob man mit seiner Symbolik viel anfangen kann oder nicht – und bin daher schon gespannt, wie Stefan mit den ganzen Eindrücken umgeht.

Fazit (Steffelowski): Ich hatte im Vorwege schon einiges über den Film gehört und gelesen und war daher sehr gespannt, was mich konkret erwarten würde. Und, ich muss sagen, der Film war für mich ein ziemlich hartes Stück Arbeit. Die grobe Handlung ist schnell erzählt: Zwei Männer, ein Ex-Seemann (William Defoe) und ein ehemaliger Holzfäller (Robert Pattinson). teilen sich für einen Monat den Job des Leuchtturmwärters auf einer verlassenen felsigen Insel vor der Küste Maines, auf der es ununterbrochen zu stürmen und zu regnen scheint. Von Anfang sind sich beide – von einigen Ausnahmen abgesehen – in tiefer Abneigung zugetan, was sich mit fortschreitender Dauer der Handlung  zusehends verschlimmert. Zusätzlich geplagt von unheimlichen Visionen, Alpträumen und zu viel Schnaps, verlieren die Männer nach und nach den Verstand und ein tödlicher Kampf um das Leuchtfeuer auf der oberen Plattform des Leuchtturms beginnt. Aber das, was da im Licht ist, ist ganz sicher keine Lichtgestalt. Das alles klingt nicht unbedingt nach einem Wohlfühlfilm. Ist es nicht und soll es ganz sicher auch nicht sein. Was den Film ausmacht, ist die Machart. Düster, schwermütig, mit einer konstanten Atmosphäre der Bedrohung und Gefahr gefilmt, wird der Zuschauer darauf eingestimmt, dass die Geschichte nicht gut ausgehen kann. Viele Szenen wirken wie Bilder aus einem Dokumentarfilm, der das triste Dasein von Minenarbeitern aus dem England der 1920er-Jahre beschreibt. Das harte Leben und Arbeiten auf der kargen Insel werden so beinahe körperlich spürbar. Ich konnte sofort komplett in den Film eintauchen, auch wenn sich das nicht immer angenehm anfühlte. Im Gegenteil, an einigen Stellen war es doch sehr intensiv und ich war froh, dass ich mich zuhause warm und trocken auf dem Sofa lümmeln konnte. Das Schauspiel von Dafoe (wie immer grandios) und Pattinson (hat sich schon seit einiger Zeit von seinem Twilight-Image gelöst) kommt bei einem so begrenzten Setting natürlich besonders eindringlich zur Geltung. Schon beinahe beängstigend gut. Ja, aber hat mir der Film gefallen? Schließlich soll es in diesem Feature letztlich ja darum gehen. Hm, schwierig. Der Film ist einerseits auf seine Art unterhaltsam und berührend, andererseits aber auch hässlich und in Teilen sogar wirklich abstoßend. Ganz sicher lässt sich „Der Leuchtturm“ auf vielerlei Art interpretieren und die an vielen Stellen eingestreute Symbolik (ein Leuchtturm als Metapher für einen erigierten Penis?), lädt geradezu dazu ein, in dem Film etwas fast schon Metaphysisches zu sehen. Nun, das soll jeder Zuschauer für sich entscheiden. Ich tue mich in diesem Fall mit einer Interpretation eher schwer. Für mich war „Der Leuchtturm“ eine interessante filmische Erfahrung mit Höhen, Tiefen und auch ein paar Längen. Auf ein eventuelles Sequel könnte ich aber ganz geduldig warten. Yannick, schön, dass ich mich dieser Herausforderung stellen durfte.

Von Ainu für Wermi: Lolita (1962)

Einleitung (Ainu): Es war fast ein Schock, als bei einem der virtuellen Treffen des Klappe!-Teams der Jungspund der Redaktion Farbe bekannte und etwas kleinlaut zugab, dass ihm Lolita nichts sagen würde. Klar, der Begriff an und für sich schon, aber dass sich dieser auf ein Buch von Nabokov, oder besser gesagt einen Film von Kubrick bezieht (hier wurde das Bild von Lolita als verführerische, und verführende, Minderjährige weit mehr befeuert, als in der Buchvorlage), war ihm nicht bewusst. Das erleichterte mir dann natürlich die Auswahl eines Films für dieses Format in diesem Monat extrem. Also Wermi, nachdem du diese Bildungslücke nun schließen konntest, was sagst du zu dem Film? 

Fazit (Wermi): Bisher war ich noch nie der größte Kubrick-Fan, doch mit “Lolita” nahm er sich eine brisante Thematik zur Hand, die ich über die zweieinhalb Stunden Lauflänge mit Spannung verfolgte. Es stimmt, ich hatte keinerlei Ahnung, was mich hier erwarten würde, umso faszinierender fand ich den Film, da mir seine Intentionen gänzlich unbekannt sind und ich mich seit meiner Sichtung mit ihnen beschäftige, schließlich ist er übersät von Doppeldeutigkeiten. Doch erst einmal, worum geht es? Der Hochschulprofessor Humbert ist mittleren Alters und verliebt sich in die 14-jährige Lolita. Um in ihrer Nähe zu sein, verheiratet er sich mit ihrer Mutter und als sie eines Tages bei einem Unfall stirbt, hat er Lolita für sich alleine. Sein Wunsch scheint also in Erfüllung geraten zu sein, doch ist Humbert so sehr von dem jungen Mädchen besessen, dass sich schon bald zwischen den beiden ein toxisches Verhältnis entwickelt.
Das Thema ist ja heute immer noch ein heikles, ich kann mir nur vorstellen welche Reaktionen der Film zu seiner Zeit in den 60ern ausgelöst haben muss. Dazu spielt Kubrick gekonnt mit Doppeldeutigkeiten, die ein permanenter Tanz auf einer Rasierklinge sind. Wirklich konkret wird es in dem Film nie, muss der Zuschauer doch meist selbst sich dazu denken, was denn nun zwischen Humbert und Lolita genau läuft. Und genau hierin steckt Kubricks Genialität, schließlich würde er in dem schlichten zeigen von Erotik gar irgendwelche moralisch bedenkliche Fantasien anreichern. So jedoch sehen wir das Abdriften der Hauptfigur in die wahnhafte Besessenheit in den Fokus gerückt, aus der sie keinen Rückweg findet. Das Wohlergehen von Lolita und ihrer Mutter wurde damit schon längst in den Hintergrund gerückt und die beiden Figuren haben mir echt Leid getan, da sie nur noch ausgenutzt wurden.
Ein wirklich großartiger Film, der auf jeden Fall viel Diskussionsstoff bietet und den ich erstmal richtig verarbeiten muss. Genau die richtig Art von Film also, die ich liebe. Danke dir Ainu, ohne dich wäre ich vermutlich nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, ihn mir anzuschauen.

Von Steffelowski für Ainu: Der letzte Mohikaner  (1992)

Einleitung (Steffelowski): Ich hatte schon immer eine Schwäche für Abenteuerromane und ihre Verfilmungen, besonders dann, wenn sie so gelungen sind, wie die filmische Adaption von J. F. Coopers  Roman, aus dem Jahr 1826. Auch wenn es kleinere Abweichungen gibt, hält sich die Filmhandlung ganz überwiegend an die literarische Vorlage. Das Ganze ist grandios besetzt, packend und temporeich gemacht und bietet alles, was einen klassischen Abenteuerfilm ausmacht. Genau das Richtige für einen Sonntagnachmittag auf dem Sofa. Mara, wann hast du den Film geschaut?

Fazit (Ainu): Tatsächlich war es ein Montagnachmittag (aber immerhin an einem meiner freien Tage, somit einem Sonntagnachmittag doch ebenbürtig) und trotzdem hat der Film auch hier wunderbar funktioniert und seinen vollen Charme entfalten können. Zwar sehe ich hier und da durchaus ein paar Schwachstellen – die Liebesgeschichte geht mir zu plötzlich, die ein oder andere Entscheidung ist eher schwer nachzuvollziehen – nichtsdestotrotz muss ich meinem werten Kollegen recht geben, dass einem der Film alles bietet, was man sich von einem historischen Abenteuerfilm erwartet und einem auf jeden Fall einen unterhaltsamen und spannenden Nachmittag/Abend beschert. Gerade Daniel Day Lewis beweist hier mal wieder eindrucksvoll, was für ein begnadeter Schauspieler er doch ist. Für mich also kein perfekter Film aber eindeutig mein Liebling unter den Kandidaten, die mir bisher in diesem Format so vorgeschlagen wurden. Insofern ein herzliches Dankeschön an Steffelowski für die Filmauswahl – so kann es in Zukunft ruhig weitergehen. 

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