Musikdokus und Konzertfilme – eine andere Art von „Musikfilmen“

Wer den Begriff „Musikfilm“ in den Mund nimmt, oder irgendwo liest, der denkt zumeist als erstes an Musicals, dann vielleicht noch an Biopics von Musikern oder Bands, auf jeden Fall gehen die Gedanken eher in die Welt der (wenn auch teils an die Realität angelehnten) Fiktion. Was schade ist, denn neben dieser Welt der Erfindung gibt es zwei weitere filmische Welten, die sich musikinteressierte Cineasten nicht entgehen lassen sollten: Dokumentationen und Konzertfilme. Obwohl sich beides manchmal überschneidet, bieten diese beiden Bereiche doch zwei sehr unterschiedliche Seherfahrungen, weshalb ich sie hier auch getrennt behandeln möchte (auch wenn sie dann doch in einen gemeinsamen Artikel gepackt wurden).

Fangen wir dabei doch gleich mal mit den Musik- bzw Band-Dokumentationen an. Hier lässt sich der Mehrwert für Fan und Zuschauer nämlich relativ leicht erkennen. Wer einmal mehr über die Entstehungsgeschichte hinter einem Album, oder den Aufstieg (und Fall) der ein oder anderen Musiklegende wissen möchte, der kommt früher oder später nicht um eine gute Dokumentation herum. Seien es nun die immer wieder erstaunlich wertig produzierten Beiträge der öffentlich-rechtlichen Sender – speziell ARTE hat in diesem Bereich wirklich einige ganz besondere Schmankerln zu bieten – der beherzte Griff in die richtige Rubrik eines gut sortierten DVD-Regals oder die Bonusmaterialien, die sich immer wieder auf Special Editions verschiedener Alben finden lassen, alle versuchen sie ein und dasselbe: den Zuschauern einen kleinen Blick hinter den Vorhang zu gewähren. Dabei tut sich ab und an der ein oder andere Abgrund auf, ebenso oft kann man aber auch Teil einer Welt werden, die wohl kaum schillernder, abgedrehter und einzigartiger sein könnte, als jene der Musik. Wie bei jedem anderen Genre auch, gibt es natürlich auch hier bessere und schlechtere, oder sagen wir vielleicht lieber interessantere und weniger interessante Kandidaten. Weil dem so ist, und ich in der letzten Zeit überraschend viele Filme aus diesem Bereich gesehen habe, möchte ich euch hier noch kurz ein paar Genrevertreter nennen, die meiner Meinung nach einen Blick wert sind:

  • „Wer 4 sind“: Selbst wenn man mit Hip Hop so überhaupt nichts am Hut hat, hat man als Einwohner des deutschen Sprachraums trotzdem ziemlich sicher schon einmal von den „Fantastischen Vier“ gehört. Die vier sympathischen „Jungs“ sind seit den 90ern nicht mehr aus der deutschen Musikszene wegzudenken, was schon mal eine Leistung ist, bedenkt man nur die Flut an neuen Musikern, die jedes Jahr ihr Glück auf dem sowieso schon überfüllten Markt versuchen. Um diese Ausdauer, und die vier Herren an und für sich, einmal gebührend zu würdigen, spendierte ihnen Regisseur Thomas Schwendemann 2019 ein Porträt, das es wirklich schafft, unter die Haut zu gehen.
  • „Blue Note Records: Beyond the Notes“: Hier geht es nicht um einen bestimmten Musiker, sondern um ein Label, dass ein paar der größten Jazz-Legenden aller Zeiten unter Vertrag hatte – und ein paar der legendärsten Alben aller Zeiten produzierte. Euch sagt der Name „Blue Note Records“ nichts, ihr interessiert euch so gar nicht für Jazz, kein Problem, solange ihr euch für Musik und den Entstehungsprozess dahinter interessiert, wird euch diese Dokumentation trotzdem gefallen. Denn wie gesagt, hier geht es nicht nur um einen bekannten Jazz-Musiker, hier geben sich quasi alle die Klinke in die Hand und gewähren einem so faszinierende Einblicke.
  • „Fyre“: Und schließlich noch eine ganz andere Kerbe, denn in „Fyre“ geht es eigentlich gar nicht um Musik, sondern um ein riesiges Festival, das es am Ende nie geben sollte. Gut, ich gebe es zu, als Musikfilm kann man das nun eigentlich wirklich nicht mehr bezeichnen, aber ich fand die Geschichte hinter diesem riesigen Betrug einfach so faszinierend, dass ich euch den Film nicht vorenthalten wollte. Wer einmal miterleben möchte, wie man ein Event aber mal so richtig in den Sand setzt, der sollte sich das hier wirklich nicht entgehen lassen.

Während, wie oben bereits beschrieben, der Mehrwert von Dokumentationen für den Zuschauer relativ leicht greifbar ist, scheint dies bei Konzertfilmen so eine Sache zu sein. Warum sollte man sich einen Live-Auftritt auf dem heimischen Fernseher anschauen? Im Kino, okay, da sieht man es vielleicht noch eher ein, aber so oder so, das echte Live-Feeling wird man auf gar keinen Fall auf seinem Hintern sitzend auf eine Projektion blickend haben. Und ja, ich kann dem auch nichts entgegensetzen, obwohl es eine Live-Show ist, ist es doch auch eine Aufzeichnung und man wird nie dasselbe Erlebnis haben, wie wenn man mit den hundert anderen Leuten, die man da im Video sieht, vor der Bühne gestanden wäre. Hättet ihr mich vor zwei Jahren gefragt, wie viele Konzertfilme ich so in meinem Leben gesehen habe, ich hätte sie leicht an einer Hand abzählen können. Doch dann sollte alles anders kommen. „Live“ war abgesagt. Es gab keine Konzerte mehr, die man live erleben konnte und so wich man notgedrungen eben auf das Zweitbeste aus: das Heimkino und das Internet. Und obwohl es quasi nur ein mitgeschnittener Auftritt ist, gibt es tatsächlich auch hier qualitative Unterschiede, weswegen ich euch wie oben auch, einfach ein paar Filme nennen möchte, mit denen man einen Abend lang seinen Spaß haben kann (auch wenn die Konzertsäle inzwischen zum Glück größtenteils schon wieder geöffnet haben):

  • Scopions Live in 3D: Zugegeben, hier wird die Erfahrung natürlich immens gesteigert, wenn man einen 3D-fähigen Player und Fernseher hat. Aber auch wenn dem nicht so sein sollte, liefern die Scorpions hier einfach ein wirklich gutes Konzert ab, das einen irgendwie in seinen Bann zu zieht und zum Mitwippen bringt – und das kommt von jemandem, der eigentlich gar nicht so viel mit der Musik dieser Band anfangen kann.
  • Pink Floyd Live at Pompeii: Was für eine Band, was für eine Kulisse, was für eine Show. Wenn die Sonne hinter dem Amphitheater untergeht, die ersten Klänge von David Gilmours Gitarre erklingen und die Lightshow beginnt, dann weiß man: Verdammt, da wär ich gern dabei gewesen! Tja, wie wir oben schon festgestellt haben, diese Chance ist vertan, deswegen begnügt man sich halt mit den Videoaufnahmen – und was für welchen.
  • Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival 2019: Neben Solokonzerten gibt es natürlich auch Mitschnitte bei Festivals. Hier hat mir die DVD zum „Crossroads“ besonders gut gefallen – okay, zugegeben, vielleicht auch  weil ich die Musiker ziemlich klasse fand. Aber auch abseits der musikalischen Präferenzen verbreitet der Film dank gut gelaunter Moderatoren und Musiker einfach gute Laune durch und durch. Dazu noch ein paar Nahaufnahmen von Claptons Händen wie sie aus seiner Gitarre ein paar wundervolle Töne zaubern, und schon ist das Fanherz glücklich.

So, solltet ihr jetzt das nächste Mal Lust auf einen Musikfilm haben, aber nicht das hundertste Musical schauen wollen, habt ihr ja jetzt ein paar Alternativen, die den Blick vielleicht lohnen könnten…also viel Spaß beim Schauen!

Ein Gedanke zu “Musikdokus und Konzertfilme – eine andere Art von „Musikfilmen“

  1. Die Musikdokus von Arte kann man wirklich jedem empfehlen, vorallem weil sie die Leute auch über Youtube erreichen und so nicht in den Mediatheken versauern müssen.
    Konzerte dagegen hab ich schon vor der Pandemie geschaut. Entweder inszenierte wir Rolling Stones „Shine a Light“ von Scorsese oder „Celebration Day“ von Led Zeppelin. Oder für Festivalgänger ist es ganz interessant die Auftritte irgendwann später ohne tausende Menschen um einen herum zu sehen 😁

    Gefällt 3 Personen

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