Wir schauen zusammen „Der Babadook“ (2014)

Als wir uns diesen Monat das Thema ausgesucht haben, sind wir alle ziemlich schnell auf „Der Babadook“ gestoßen, der sich bei uns allen seit Längerem auf der Watchlist befand. „Endlich wieder ein Horrorfilm mit atmosphärischem Grusel, dramatischer Tiefe und ohne die leidigen Jumpscares“ – hieß es von allen Seiten. Wie viel an der Aussage dran ist, wie uns der Film letztlich gefallen hat und wie gut er sich überhaupt der Monsterthematik bedient, das alles erfahrt ihr hier in unserem neuen Gemeinschaftsbeitrag nach einer kurzen Inhaltsangabe und dem Filmtrailer:

Sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes hat die alleinerziehende Mutter Amelia den Verlust immer noch nicht ganz überwunden. Erschwerend kommt hinzu, dass ihr Sohn nicht gerade das leichteste Kind ist und außerdem ständig Albträume von Monstern hat. Eines Tages findet er dann auch noch ein merkwürdiges Buch mit dem Titel „Mister Babadook“, aus dem ihm seine Mutter zunächst einmal vorliest. Wie sich herausstellt, soll das Buch das titelgebende Monster freilassen, sobald man erst einen Blick hineingeworfen hat. Schließlich wird die Familie in den darauffolgenden Tagen von immer verstörenderen Ereignissen geplagt.

Enthalten in: Amazon Prime, Sky Ticket

Trailer:

Damit eröffnen wir unsere Nachbesprechung:

Wie hat dir der Film insgesamt gefallen? Welche Erwartungen hattest du und wurden sie erfüllt?

Ainu: Prinzipiell hat mir der Film ganz gut gefallen. Dank einer guten Rezension, die ich damals bereits bei Erscheinen des Films gesehen hatte, wusste ich, dass ich mich weniger auf ein klassisches Creature Feature, denn auf einen psychologischen Horrortrip einstellen muss – und genau das habe ich dann auch bekommen. Hier und da wurden einem die Metaphern zwar ein wenig zu gewaltsam aufs Auge gedrückt, aber gerade die Hauptdarstellerin macht einen so grandiosen Job, dass man eigentlich die gesamte Laufzeit über am Mitfiebern ist.

Steffelowski: Ich habe „Der Babadook“ in zwei Etappen geschaut. Beim ersten Anlauf habe ich nach ca. 30 Minuten entnervt aufgegeben. Dieses Kind. Einfach schrecklich. War er evtl. der Babadook? Das kostete Nerven . Erst durch das gute Zureden meiner Team-Kollegen habe ich mich dann an eine zweite Sichtung gewagt und war letztlich zwar nicht vollauf begeistert, aber doch sehr positiv überrascht und durchaus angetan.

Wermi: Bei mir überwiegt ganz leicht das Positive. Erwartungen an eine gruselige Atmosphäre wurden ab der zweiten Hälfte erfüllt, allerdings ging auch für mich zuvor der Horror dieses Films zunächst einmal von diesem unerträglichen Kind aus, das war wirklich zu viel des Guten. Außerdem muss man echt etwas dran bleiben, da der Film sich relativ langsam entfaltet und leider konnte er mich wegen dieses Tempos nie so richtig ganz kriegen. Bei einem Horrorfilm, der sich von dem eigentlichen Familiendrama nährt, hätte ich mir eben etwas mehr gewünscht, von den Figuren mitgerissen zu werden (ähnlich wie das „Hereditary“ schafft).

Was ist dir bei dem Film besonders aufgefallen? Wo hatte der Film seine Stärken? Wo seine Schwächen?

Ainu: Hoppala, jetzt hab ich das mit den Stärken und Schwächen eigentlich schon in der letzten Antwort vorweggenommen. Denn die eindeutige Stärke des Film ist Essie Davis als heillos überforderte alleinerziehende Mutter. Eine weitere Stärke sehe ich in der Tatsache, dass die Verantwortlichen sehr sparsam damit sind, was vom titelgebenden Monster der Zuschauer zu sehen bekommt…hier wird wirklich noch gekonnter Grusel statt billiger Jump Scares groß geschrieben. Die für mich größte Schwäche sehe ich darin, dass der Film einem einfach in zu vielen Szenen überdeutlich vermitteln will, dass es sich bei dem Monster um ein Sinnbild für die schlechte psychische Verfassung der Mutter handelt. Das hätte der Zuschauer sicher auch ohne die ganzen Hiebe mit dem Zaunpfahl mitbekommen.

Steffelowski: Der Film ist anfangs sehr ruhig, beinahe träge erzählt und wirkt eher wie ein Sozialdrama aus der englischen Unterschicht. Die Spannung baut sich langsam auf, hält dafür aber lange durch, wenn auch vieles ziemlich vorhersehbar ist. Zumindest für alle, die nicht den ersten Film dieser Art sehen. Schwach war in meinen Augen das finale Aufeinandertreffen zwischen dem Babadook und der Mutter. Hier ließ  sich der Eindringling zu einfach unschädlich machen, was auch sehr unlogisch war. Und wer möchte schon ein solches Wesen in seinem Keller beheimaten?

Wermi: Klare Stärke ist für mich das starke Schauspiel der Mutter und die dichte Atmosphäre, die sich genau davon nährt, das Monster eben nicht zu zeigen. Was mich aber nie so recht mit dem Film warm werden ließ, waren jedoch die dünn skizzierten Hauptfiguren, die mir stets zu unglaubwürdig waren und es mir daher verwehrt blieb, mich in sie hinein zu fühlen. Genau da wurde eine Menge Potential liegen gelassen, mehr aus dem Gruselhorror zu generieren.

Inwieweit wird “Der Babadook” der Bezeichnung Monsterfilm gerecht und wie gut passt er zu unserem aktuellen Thema?

Ainu: Es kommt sich natürlich immer sehr darauf an, wie man Monsterfilm nun definiert, aber nachdem wir das Thema eh großzügiger gefasst haben, würde ich schon sagen, dass der Streifen ganz gut in unsere Ausgabe passt. Klar, man darf sich jetzt kein Gekloppe wie bei Godzilla, oder zerstückelte Leichen a la Alien erwarten, aber das Monster, welches im Dunkeln lauert, nimmt schon einen sehr großen Raum innerhalb der Geschichte ein und auch wenn es lediglich ein Sinnbild ist, weiß es doch ganz schön kranken Mist mit der Familie aufzuführen.

Steffelowski:  Der Begriff Monsterfilm würde mir hier nicht als erstes in den Sinn kommen. Meine Einordnung des Films erfolgt ganz klar in das Genre der Geister-/Grusel oder „Haunted House“-Filme. Ich würde eher an Klassiker wie „Schloss des Schreckens“, „Bis das Blut gefriert“ oder aus neuerer Zeit „The Conjuring“ oder „Insidious“ denken. Vor diesem Hintergrund hat sich der Babadook sozusagen in unsere Ausgabe eingeschlichen, wie das Babadooks eben so machen.

Wermi: Für mich wäre hier Monsterfilm ebenfalls nicht unbedingt die erste Assoziation, doch letztlich handelt es sich beim Babadook immer noch um ein klassisches Schrankmonster. Zum Monsterfilm hätte es meiner Meinung nach aber dennoch ein wenig mehr „Creature Feature“ gebraucht.

Bei welcher Art von Horrorfilmen würdest du „Der Babadook“ einordnen? Worin macht er seinen Horror aus und wie bewertest du ihn unter dem Aspekt des Horrorgenres?

Ainu: So eindeutig lässt sich das zwar schwer sagen, aber der Film ist eindeutig auf die psychologischen Abgründe ausgelegt und weniger auf das Monster an und für sich. Was verständlich ist, wenn man das Monster eben eher als Metapher sieht und weniger als tatsächlich Kreatur, die es zu vernichten gilt.

Steffelowski: Siehe vorherige Frage

Wermi: Gerne hätte ich ihn bei einem Film wie „Hereditary“ eingeordnet, wo der Großteil des Horror vom Familiendrama ausgeht, doch wird das hier leider gar nicht so sehr ausgespielt und stattdessen haben wir es hier eher mit einer Spukgeschichte zu tun, die bloß als Metapher für das Familiendrama stehen soll.

Spoilerwarnung: Jetzt geht es ins Detail – Was hat dich besonders bewegt und was möchtest du nochmal inhaltlich diskutieren?

Ainu: Gerade das Ende fand ich wirklich sehr stark weil es das zuvor Gezeigte auf einen logischen Punkt gebracht hat – es geht nicht darum, das Monster, welches in unserem Keller lebt, zu vernichten, sondern darum zu lernen mit ihm umzugehen und zu leben. 

Steffelowski: Besonders beeindruckt haben mich die Szenen, in denen die Mutter immer mehr vom Wahnsinn befallen wird, und sie sich immer aggressiver gegenüber ihrem Sohn verhält. Das ist toll gespielt und hat bei mir wirklich für eine ordentliche Gänsehaut gesorgt. Die Szenen erinnerten an „Rosemarys Baby“ oder „Der Exorzist“.

Wermi: Also für mich war ganz klar der Titelgeber der Star, den man nie zu sehen bekommt. Jede Szene, in der der Babadook präsent ist, stellten sich bei mir alle Nackenhaare auf. Gerade zu Anfang, wenn man noch gar nicht so recht weiß, wie er sich zu zeigen gibt und was er vor hat. Als er dann aber bloß die Gestalt des verstorbenen Mannes annimmt, hat mich das dann immer aus den Gruselmomenten rausgeworfen. Da wurde Atmosphäre dann für Drama aufgegeben, die der Film jedes Mal aufs Neue mit Gewalt einbringen wollte und was bei mir eh schon nicht so recht funktioniert hatte.

Was hättest du dir von dem Film noch gewünscht?

Ainu: Ganz zu Beginn des Films hätte ich vielleicht noch gesagt, einen weniger nervigen Jungen-Charakter. Aber ich muss sagen, im Verlauf des Films wird deutlich, warum der Charakter so aufgebaut ist und was dahinter steckt, insofern ist seine Verschrobenheit essentieller Bestandteil des Films. 

Steffelowski: Den „Showdown“ hätte ich mir etwas fesselnder und spannender erhofft. Das war dann doch sehr zahm und wenig fesselnd. Natürlich hätte ein Actionfeuerwerk auch nicht zur übrigen Tonalität des Films gepasst, aber ein wenig mehr Dramatik wäre schon schön gewesen.  

Wermi: Hier stimme ich Steffelowski zu, auch ich hätte mir krassere Bilder vom Showdown erhofft. Nachdem der Film die ganze Zeit darauf aufbaut, den Babadook nicht zu zeigen und ihn bloß anzudeuten, hätte ich mir zumindest gen Ende ein paar einprägsame Szenen gewünscht, in dem sich die Kreatur auch visuell ins Gedächtnis einbrennen kann.

Würdest du den Film weiterempfehlen?

Ainu: Nicht uneingeschränkt…aber wenn ich wüsste, dass jemand auf psychologischen Horror mit ein wenig Mindfuck, einer Prise Charakterstudie und großartigen Schauspielern steht, dann auf jeden Fall.

Steffelowski: Ja, klare Empfehlung. Wer klassische  Gruselstimmung mag und  sich nicht von (anfangs) anstrengenden Kindern abschrecken lässt und dann auch noch genügsam in Sachen Action ist, sollte sich „Der Babadook“ auf keinen Fall entgehen lassen.

Wermi: Man sollte nicht zu viel Erwartung haben und sich auf den richtigen Film einstellen. Erst dann würde ich ihn vorsichtig empfehlen, denn ich kann zumindest verstehen, wenn er anderen besser gefällt als mir.


Jetzt seid ihr wie immer gefragt, in die Diskussion einzusteigen! Kennt ihr den Film und falls ja, was ist eure Meinung zum Film? Wo stimmt ihr unseren Redakteuren zu und welche Aussagen haltet ihr für Quatsch? Falls ihr ihn nicht kennt, habt ihr nun Interesse daran ihn euch anzuschauen? Teilt es uns in den Kommentaren mit!

4 Gedanken zu “Wir schauen zusammen „Der Babadook“ (2014)

  1. „Kennt ihr den Film und falls ja, was ist eure Meinung zum Film?“

    Ich kenne den Film und halte ihn nach wie vor für einen der besten Horrorfilme der letzten Dekade. Vielleicht sogar eines längeren Zeitraums. Jedenfalls mag ich ihn sehr.
    Als „Monster-Film“ hätte ich ihn, wie mein Kumpel Steffelowski, nicht eingestuft. Aber was soll’s? Einen guten Film kann man sich auch abseits des Themas anschauen.

    Gefällt 1 Person

    • Na, als besten Horrorfilm der letzten xy Jahre würde ich den Film sicher nicht durchwinken. Aber dafür ist das Genre Horrorfilm auch zu schwer zu fassen, mit all seinen Unter- und Sub-Genres. Ist „Der Exorzist“ besser als „Helloween“, oder „ Saw“ besser als „Rosmarys Baby“? Alle Filme haben ihre Reize, sprechen doch aber auch ein jeweils anderes Klientel an. Kaum eine Filmgattung ist so facettenreich wie das Genres des Horrorfilms. Wie beschrieben, ist „Der Babadook“ für mich kein Meisterwerk, aber dennoch gute Unterhaltung mit eingen soliden Gruselmomenten. Gruß vom Kumpel 😊

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      • Bist du aber wieder zickig heute.

        „Ist „Der Exorzist“ besser als „Helloween“, oder „ Saw“ besser als „Rosmarys Baby“? Alle Filme haben ihre Reize, sprechen doch aber auch ein jeweils anderes Klientel an.“

        Sagte er und veröffentlichte eine Liste der acht besten Monster-Filme aller Zeiten.

        Ich weiß natürlich was du meinst. Dennoch hat natürlich jeder so seine persönliche Favoriten. Was ich oben sagen wollte war, dass ich mich an nur wenige Horrorfilme der letzten Jahre erinnern kann, mit denen ich mehr Spaß hatte.

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        • Ich kanns auch verstehen
          Bei mir steht er dafür zu sehr im Schatten von Hereditary, der diese drama elemente viel besser eingebracht und intensiv ausgespielt hat, die haben für mich hier kaum funktioniert
          Aber ich sehe auch, wie schön es sein kann, wenn ein Horrorfilm sich endlich mal auf seine Atmosphäre verlässt und nicht zur Schreckshow wird
          Aber inhaltlich und visuell wurde mir das Potential nicht genug ausgeschöpft, mir ist da innerhalb kürzester Zeit so gut wie gar nichts mehr hängen geblieben vom Film, da fehlte mir das letzte Etwas
          Dich wiederum wird er ab nem gewissen Punkt wahrscheinlich gezündet haben, der Punkt der bei mir leider nicht erreicht wurde

          Gefällt 1 Person

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