Léon – Der Profi (1994)

  • Originaltitel: Léon
  • Regie: Luc Besson
  • Schauspieler: Jean Reno, Natalie Portman, Gary Oldman
  • Genre: Action, Thriller, Drama
  • Land: Frankreich

Zunächst ist alles dunkel. Ein letzter Mann steht noch. Der Schweiß rinnt ihm vor Panik über sein Gesicht. Dann aus dem Hintergrund ein Messer und zwei runde Brillengläser. Cooler kann man seinen schweigsamen Protagonisten, seines Zeichen Mann fürs Grobe, wohl nicht einführen. Jean Reno übernimmt die Rolle des wortkargen Killers mit weichem Kern. Ihm zur Seite steht Natalie Portman als Nachbarstochter in Nöten. Ihre Verwicklung in die folgenden Geschehnisse ist übrigens nicht weniger dramatisch. Auf der Seite der Guten hätten wir es damit: ein introvertierter Mann in Schwarz und ein junges Mädchen, das auf Rache sinnt. Den Schurken, in Form eines korrupten Polizisten mimt Gray Oldman, der mit dieser Performance endgültig seinen Rang als Oberfiesling erster Güte zementiert hatte.

Ich persönlich kehre immer wieder gerne zurück zu dieser Geschichte und habe den Film inzwischen sicher schon weit über 10 Mal gesehen. Dabei ist es weniger die gekonnt inszenierte Action, die den Rewatch allerdings auch wert ist, sondern die Charaktere, die einem einfach sofort ans Herz wachsen. Das rührt von einem Drehbuch, welches sehr genau versteht, seine Figuren dreidimensional und greifbar zu zeichnen. Niemand ist bloßes Abziehbild, reduziertes Klischee. Jeder hat seine Ecken und Kanten.
Auch die behandelten Themen sind auf den ersten Blick so universell, dass man meinen könnte, sie schon hunderte Male gesehen zu haben – hat man auch, aber eben nicht so. Hier geht es um Freundschaft, um Lektionen, die es zu lernen gilt, darum, dass Rache eigentlich nie eine gute Lösung ist. Die Idee des Menschen als einsame Insel wird hier gefühlvoll dekonstruiert.
Die Tatsache, dass es sich dabei um zwei verlorene Seelen mit gewaltigem Altersunterschied handelt, trug dem Film immer wieder einmal Pädophilie-Vorwürfe ein. Eine Sichtweise auf das Gezeigte, die ich auch nach aufmerksamer Betrachtung des Films nicht nachvollziehen kann und die wohl nur Menschen einnehmen können, welche den Film nicht gesehen, oder beim Schauen ganz fest die Augen verschlossen hatten. Denn auch wenn die heranwachsende Mathilda sich in ihren Retter verguckt, übrigens eine aus rein psychologischer Sicht ganz normale Reaktion, würde ich die Gefühle, welche Léon entwickelt, als väterlich bezeichnen. Hier spürt man nach anfänglicher Reserviertheit echte Sorge um ihre Zukunft. Eine Konstellation, die schließlich im ultimativen Showdown und Opfer endet – und Zuschauer mit einem schlagenden Herzen zwangsweise dazu bringt, wenn schon nicht laut loszuheulen, so doch zumindest eine Träne verdrücken zu müssen.

Ein Film also, dem das seltene Kunststück gelingt, eine sehr emotionale, tragische, zuweilen zutiefst traurige, auf der anderen Seite aber auch auf seltsame Weise hoffnungsvolle Geschichte zu erzählen, und diese mit dem Genre Actionfilm zu „tarnen“. Tarnen deswegen unter Anführungszeichen weil hier nicht der Anschein entstehen soll, der Film würde sich nicht im Actiongenre Zuhause fühlen – das tut er nämlich durchaus. Wie oben bereits beschrieben, macht der Film bereits mit seiner ersten Einstellung, einer Actionszene wie aus dem Lehrbuch, deutlich, worauf man sich als Zuschauer einlässt. So folgt eine legendäre Actionsequenz auf die nächste, dabei aber nie zum Selbstzweck verkommend, sondern stets die Geschichte vorantreibend und ausbauend.

Ein großartiges Stück Filmgeschichte, das Luc Besson hier geschaffen hat, und einer der Gründe, weshalb ich nach wie vor jedes Mal mit freudiger Erwartung ins Kino renne, sobald ein neuer Streifen von ihm läuft, und das obwohl ich gerade in den letzten Jahren nach solchen Vorstellungen immer wieder ernüchtert den Kinosaal verlassen habe. Tja, man kann halt nicht jedes Mal den Nagel auf den Kopf treffen. Ich freue mich eher darüber, dass Besson dieses Kunststück überhaupt dieses eine Mal gelungen ist – immerhin kann ich so immer wieder die Disc in den Player legen und mich dieses Meisterwerks erfreuen.

3 Gedanken zu “Léon – Der Profi (1994)

  1. Besson wollte übrigens, dass auch auf Leons Seite romantische Gefühle für Mathilda entwickelt. Portmans Eltern und Reno sagten aber „auf gar keinen Fall!“. So wurde er, wie Du sagst väterlicher aber gleichzeitig auch ein wenig kindlicher. Aber ja, wie Du kann ich davon auch nichts mehr entdecken. Gott sei Dank, ich weiß nicht, ob ich den ursprünglichen Film hätte sehen wollen.

    Oldman durfte, glaube ich, selten so ungehemmt und unterhaltsam overacten wie hier und in Das 5te Element! „Eeeveryooonnnne!!!!1!!!“

    Gefällt 1 Person

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