Filmtipps Juli 2021

In den letzten Jahren stand der französische Film in der Hauptsache für leichte Komödien mit einem Hauch von Sozialkritik, in denen es häufig um das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturkreisen geht. Dabei zählt Frankreich schon seit vielen Jahren zu den ganz großen Filmnationen, von wo aus so manch wichtiger Impuls (Stichwort “Nouvelle Vague”) für das Filmschaffen insgesamt ausging. Mit einer guten Flasche Beaujolais haben wir das Angebot der gängigen Streaming Portale durchforstet und einige echte Höhepunkte des französischen Films  für Euch zusammengestellt. Viel Spaß. Habt Ihr eigene Empfehlungen? Voilà, ab in die Kommentare damit 🙂

Ainu empfiehlt: 

Intrige (2019)

  • Regie: Roman Polanski 
  • Genre: Drama, Based on a true story
  • Darsteller: Jean Dujardin, Louis Garrel
  • Zurzeit verfügbar bei: Amazon Prime

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich vor dem Film eigentlich keine Ahnung davon hatte, was es mit der Dreyfus-Affäre wirklich auf sich hat. Klar, man hatte den Namen schon einmal gehört, aber was für ein Justizskandal dahinter lauert, war mir nicht bewusst. Wem von euch es jetzt ähnlich geht, dem kann ich nur dieses spannend inszenierte, hervorragend gespielte Drama wärmstens empfehlen. Die über zwei Stunden Laufzeit mögen sich zwar zunächst ein bisschen lang anhören, vergehen aber dank einem hohen Tempo und einer beinahe schon unglaublichen Geschichte wie im Flug. Man kann ja von Polanski halten, was man will, aber eines kann man ihm einfach nicht absprechen: Der Mann macht wirklich gute Filme.    

Ruby & Quentin

  • Regie: Francis Veber 
  • Genre: Komödie
  • Darsteller: Jean Reno, Gérard Depardieu 
  • Zurzeit verfügbar bei: Amazon Prime

Es gibt so Komödien, die kriegen einen einfach irgendwie. Obwohl sie weder besonders kreativ, noch besonders überraschend wären. So ist es mir mit dieser ergangen. Viele der Gags kann man bereits erahnen, auch der Fortgang der Geschichte entwickelt sich sehr erwartbar. Und doch lache ich mich immer wieder schlapp, wenn ich den Film schaue. Vielleicht liegt es ja an der Paarung Reno und Depardieu, die beide einmal mehr hier ihr großes komödiantisches Talent unter Beweis stellen – denn obwohl man die Witze teilweise voraussieht, zünden sie doch erstaunlich oft. Vielleicht ist es aber auch die gekonnte Mischung aus Komödie und Action, die mich so anspricht. Ich kann es euch nicht sagen, was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ich habe jedes Mal wieder meinen Spaß mit dem Killer und der Klette (so der deutsche Beititel).   

Steffelowski empfiehlt:

Monsieur Chocolat (2016)

  • Regie: Roschdy Zem  
  • Genre: Drama
  • Darsteller: Omar Sy, James Thiérrée, Clotilde Heme 
  • Zurzeit verfügbar bei: Amazon Prime  

Der Film wurde für das deutsche Kino leider nicht oder nur sehr sparsam beworben. Schade, denn eine Sichtung lohnt sich auf jeden Fall. Omar Sy („Ziemlich beste Freunde“) spielt hier einen ehemaligen Sklaven, der sich im Frankreich des auslaufenden 19. Jahrhunderts bei einem Wanderzirkus mit Auftritten als „Wilder Kannibale“ verdingt. Zufällig trifft er auf den Clown Footit und beide bilden ein Duo, bei dem der Schwarze, umbenannt in Chocolat, alles falsch macht und von dem Weißen dafür gemaßregelt und mit Schlägen und Tritten „erzogen“ wird. Die Nummer hat Erfolg  und das ungleiche Duo schafft es bis in die Pariser Gesellschaft. Chocolat muss aber schnell erkennen, dass er für den Ruhm einen hohen persönlichen Preis zahlen muss. Unterhaltung mit Tiefgang.

Rififi (1955)

  • Regie: Jules Dassin  
  • Genre: Heist-Movie, Thriller 
  • Darsteller: Jean Servais, Carl Möhner Robert Manuel 
  • Zurzeit verfügbar bei:  Amazon Prime 

Wer Filme wie  „Oceans Eleven“ mag, der sollte auch „Rififi“ gesehen haben. Dieser gehört in das Genre des „Heist-Movie“. In diesen geht es – anders als im herkömmlichen  Krimi – hauptsächlich um die minutiöse Planung und Durchführung eines Einbruchs oder Raubes,  z.B. in eine Bank oder ein Museum, die nach dem neusten Stand der Technik gesichert sind. Um ein Mastermind scharen sich mehrere  Spezialisten, die versuchen, die Sicherungen auszutricksen und an das große Geld zu gelangen.  All das bietet „Rififi“ in Reinkultur. Allein die Durchführung des Verbrechens, der Einbruch in ein Juweliergeschäft, nimmt beinahe ein Drittel der gesamten Laufzeit des Films in Anspruch. Das ganze ohne Dialoge, ohne Musik. Stilprägend und auch heute noch absolut spannend. Das Schwarzweiß des Films passt zur  beklemmenden Atmosphäre.

Wermi empfiehlt:

Alles außer gewöhnlich (2019)

  • Originaltitel: Hors Normes
  • Regie: Éric Toledano, Olivier Nakache
  • Genre: Sozialdrama/Komödie
  • Darsteller: Vincent Kassel, Reda Kateb
  • Zurzeit verfügbar bei: Amazon Prime

Da ich „Ziemlich Beste Freunde“ zu meinen Lieblingsfilmen zähle, wurde ich gleich hellhörig, als dieselben Macher im vorletzten Jahr einen neuen Film herausbrachten. Natürlich wird es „Alles außer gewöhnlich“ nicht einfach haben, wenn man ihn mit dem Kassenschlager vergleicht, dennoch merkt man ihm doch ein wenig die Handschrift seiner Macher an. Die Comedy-Elemente wurden hierbei im Vergleich zwar etwas heruntergefahren, dafür appellieren sie an ein ähnliches Menschlichkeitsgefühl und haben eindeutig das Herz am rechten Fleck. Feel-Good-Atmosphäre kommt aus dem Grund ebenfalls auf, wenn auch nur begrenzt, da der Film deutlich mehr ernste Töne trifft und eine deutliche Kritik am französischen Gesundheitssystem ausübt. Gleichzeitig trägt einen der charismatische Vincent Cassel durch den Film, sodass das Sozialdrama auch nicht zu schwerfällig daherkommt und auch nicht die französische Leichtigkeit vermissen lässt. Auch hier wird wieder die wahre Geschichte von zwei Männern erzählt, die hier dieses Mal das Gesundheitssystem überlisten und nehmen autistische junge Menschen in Paris bei sich zur Pflege auf, die sonst nirgendwo unterkommen würden, da der Staat keinerlei Lösung für die besonders schwierigen Fälle hat außer sie wegzusperren.

Der Geschmack von Rost und Knochen

  • Regie: Jacques Audiard
  • Genre: Drama, Romance
  • Darsteller: Matthias Schoenaerts, Marion Cotillard
  • Zurzeit verfügbar bei: Amazon Prime, Sky Ticket

Dieser Film ist eine ganz außergewöhnliche Liebesgeschichte, die allerdings alles andere als leichte Kost ist. Das liegt ganz besonders an den beiden Hauptfiguren, die beide auf ihre Weise nicht ganz einfach sind. Der erst junge Vater Ali hat zum Beispiel keinen festen Job und wohnt ohne richtige Bleibe bei seiner Schwester, die ihre Familie nur knapp über Wasser halten kann. Darüber hinaus ist er seinen noch jungen Sohn teilweise recht grob und geht lieber seiner Vorliebe für Quickies und illegalen Straßenkämpfen nach. Irgendwann bringt ihn das Schicksal jedoch mit der ehemaligen Schwertwal-Trainerin Stéphanie zusammen, die bei einem tragischen Unfall durch einen ihrer Orca beide Unterschenkel verliert und fortan mit den Folgen körperlich wie auch psychisch zu kämpfen hat. Wie dieses ungleiche Paar schließlich zusammenfindet und sich gegenseitig hilft, den Weg zurück ins Leben zu finden ist absolut sehenswert und dürfte so manches Herz nicht unberührt lassen.

2 Gedanken zu “Filmtipps Juli 2021

  1. Der Titel „Der Killer und die Klette“ hätte mich von vornherein schon mal abgeschreckt. Der Fluch der deutschen Titelgebung. Warum schreibt eigentlich darüber nicht mal jemand einen Blog-Beitrsg? Wie so häufig, verstecken sich hinter solchen wirklich gruseligen Wortschöpfunge, gute Filme. Was ich hier quasi als Teaser gelesen habe, macht jeden Fall Lust auf den Film 😏

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  2. Oh yeah, Rififi!

    Ich glaube, meine liebste Zeit des französischen Films ist der poetische Realismus der 30er. Filme von Jean Renoir oder Marcel Carne. Die Große Illusion, Hafen im Nebel oder Der Tag bricht an. Hm, die haben alle Jean Gabin in der Hauptrolle, der schon mit eben 30 zerknittert wie Zeitung vom letzten Dienstag aussah…

    Les Yeux sans Visage ist ein viel zu wenig gesehener, einflussreicher und immer noch gruseliger Horror.

    Leos Carax ist auf die bestmögliche Art verrückt. Siehe Holy Motors (2012) (findet das Les Yeux sans Visage Easter Egg!) und hoffentlich Annette, demnächst im Kino.

    Und, um was halbwegs aktuelles zu bringen, Julia Ducournaus Raw und Celine Sciammas Porträt einer jungen Frau in Flammen. Am besten im sehr merkwürdigen Doppelpack… vielleicht auch nicht.

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