Die Erfolgsformel des französischen Kinos der letzten Jahre

Von den einen geliebt, von den anderen mittlerweile bereits belächelt. Wer kennt es nicht: Beim Blick ins Kinoprogramm fällt einem Mal wieder die x-te Komödie aus Frankreich ins Auge. Wen wundert das auch, so hat Frankreich in der letzten Zeit große Erfolge damit gefeiert. Ob „Willkommen bei den Sch’tis“, „Ziemlich Beste Freunde“ oder „Monsieur Claude und seine Töchter“, den Franzosen liegt die komödiantische Leichtigkeit einfach im Blut. Zudem lassen sich dabei ohne viel Budget extrem hohe Einspielergebnisse erwirtschaften.

Dabei besitzt der französische Film in seiner Heimat einen derart hohen Stellenwert, den sich andere Länder bloß erträumen können. Frankreich hat nicht nur ein reges Publikum in den Kinos, vor allem aber entfallen jährlich konstant 35-45% aller ihrer Kinobesuche auf französische Filme. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Marktanteil deutscher Filme im Zeitraum 2006-2015 zwischen 17% und 28%, während die jährliche Gesamtzahl an Filmbesuchen ohnehin deutlich niedriger ausfällt als in Frankreich und das sogar trotz einer geringerer Einwohnerzahl.

Wir halten also fest: Die Kinokultur in Frankreich ist ein völlig andere und das Kino hat dort einen viel höheren Status. Dazu ist es bei den Franzosen im Gesetz verankert, die Kultur des eigenen Landes stärker zu fördern und ihr eine große Präsentationsfläche zu bieten (wie das z. B. auch bei französischer Musik der Fall ist). Dementsprechend stehen den filmischen Eigenproduktionen viel größere Möglichkeiten zu Grunde. Ein gesundes Verhältnis also, zwischen gesetzlicher Kulturförderung und einem gewillten Publikum, dass die eigenen Filme annimmt. Kein Wunder also, dass das französische Kino so sehr aufblüht.

Auffällig ist dabei vor allem die Art der Filme, die die Franzosen produzieren und für die sie mittlerweile bekannt sind. Natürlich spreche ich hierbei vor allem von Komödien, wie die drei Filme, die ich bereits oben genannt habe. Sie zählen zu den erfolgreichsten Filme aller Zeiten im eigenen Land und hatten ebenfalls auf internationaler Bühne (wie auch in Deutschland) ihren Durchbruch. In Deutschland ist der erfolgreichste französische Film übrigens „Ziemlich Beste Freunde“ und ist dort auf der All-Time-Topliste nach Zuschauerzahlen auf Platz 20 und nach Umsatz sogar auf Platz 16.

Doch was zeichnet die Franzosen denn so aus? Was macht ihre Komödien so besonders, dass sie mittlerweile gar in einer Vielzahl zu uns rüberschwappen und man mittlerweile die Unterscheidung macht und man hervorhebt, wenn es sich bei einem Film um eine französische Komödie handelt?

Zum einen haben die französischen Filmemacher wenig Angst davor, über die Strenge zu schlagen. Sie besitzen ein enormes Selbstbewusstsein, das natürlich auch mal nach hinten los gehen kann, aber das im Optimalfall für eine großartige Kompromisslosigkeit sorgt. Sind bspw. die Asterix-Realverfilmungen wirklich gute Filme? Vermutlich nicht. Schlagen sie ein wenig über’s Ziel hinaus? Ein ganz klares ja. Geben sie dafür aber alles und stecken ihren ganzen Spaß und ihr Herzblut hinein? Absolut! Die Franzosen sind sich niemals zu schade, die Extra-Meile zu gehen und ziehen ihr Ding konsequent durch ohne Rücksicht auf Verluste. Dieses Selbstverständnis ist ihnen hoch anzurechnen und wenig überraschend formt dieses Umfeld auch Regisseure mit einer besonderen Handschrift wie bspw. Luc Besson oder Jean-Pierre Jeunet.

Aus diesem Selbstbewusstsein stammt schließlich auch die inhaltliche Herangehensweise an Komödien. Hier wird nicht auf Nummer sicher gegangen und es werden keine Blätter vor den Mund genommen. Ob sich nun der multikulturelle Hintergrund Frankreichs vor die Brust genommen wird, wie in „Monsieur Claude“, der sich nicht scheut einfach gleich mal mit allen Vorurteilen gegenüber Juden, Muslimen, Chinesen und Schwarzen aufzuräumen, um im Umkehrschluss den konservativen, alten, weißen Mann zu entlarven. Ob es um zwei Menschen geht, die aus komplett unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten entspringen wie in „Ziemlich Beste Freunde“, nur um festzustellen, dass der ärmliche schwarze „Kool and the Gang“-Hörer nicht unbedingt viel weniger vom Leben versteht als ein reicher, weißer Operngänger. Oder mit „Willkommen bei den Sch’tis“ einfach gleich komplette französische Regionen aufs Korn genommen werden und der Südfranzose am Ende gar nicht mehr weg möchte aus dem Norden.
Die besondere Stärke der Franzosen liegt also eindeutig darin, mit dem nötigen Augenzwinkern einfach am besten über sich selber lachen zu können und damit aber zu keiner Zeit irgendwem auf die Füße zu treten. Aus diesem Grund freu ich mich jederzeit auf jede weitere Komödie aus unserem Nachbarland und es sei jedem geraten (auch der Filmbranche hier in Deutschland), sich mal von der französischen Lockerheit eine Scheibe abzuschneiden und inspirieren zu lassen.


Quellen: In meinem Beitrag ging es mir eher weniger um eine statistische Herangehensweise, wer aber an mehr Zahlen und Statistiken interessiert ist, kann bei folgenden Links vorbeischauen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sischer_Film
https://www.insidekino.com/BO/AllTime/FAllTime.htm
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/237606/umfrage/kinoumsatz-in-frankreich-zeitreihe/

4 Gedanken zu “Die Erfolgsformel des französischen Kinos der letzten Jahre

      • Die purpurnen Flüsse, They were ten, Ad Vitam, Black Spot, Public Enemy, Hotel Beau Sejour, The Forrest, La Mante, Glace – Ein eiskalter Fund.
        Aus Luxemburg: Capitani
        Aus Belgien: 13 Gebote, The Break
        Gruselserie aus Frankreich: Marianne

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  1. Im Gegensatz zu vielen deutschen Komödien gelingt es den Franzosen meist gut, aktuelle gesellschaftliche Strömungen und Entwicklungen im eigenen Land mit leichter Hand filmisch zu verarbeiten. Da sag ich respektvoll Chapeau. Wie passend.

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