Aufgewärmtes schmeckt selten besser – Remakes made in USA

Ausländische Filme, gemeint sind hier nicht-englischsprachige Streifen, haben es in den USA meist sehr schwer in die Kinos zu kommen oder, selbst wenn dies gelingt, von der breiten Masse der amerikanischen Kinogänger überhaupt wahrgenommen zu werden. Das liegt nicht etwa an einem Mangel an Originalität oder Qualität, sondern ganz einfach daran, dass der US-Kinomarkt so groß und vielfältig ist, dass Produktionen aus dem Ausland von vielen irgendwie als überflüssig angesehen werden. Hinzu kommt natürlich das Problem mit den Fremdsprachen. Ein Amerikaner hat es einfach nicht nötig, sich mit der Linguistik anderer Länder zu befassen. Es gibt kaum etwas zu lesen und zu verstehen, was nicht in englischer Sprache zu bekommen ist. So bleiben ausländische Filme meist den kulturell interessierten Eliten (ich hasse dieses Wort) an der Ost- oder Westküste vorbehalten, die entweder die Originalsprache des Films verstehen und/oder bereit sind, Untertitel in Kauf zu nehmen. Etwas, was für Amerikaner viel ungewohnter ist als für uns. So etwas wie die Synchronfassung eines ausländischen Films ist den USA übrigens eher die Ausnahme.

Aber natürlich haben die amerikanischen Filmfirmen den weltweiten Kinomarkt ständig im Blick und werden sofort hellhörig, wenn ein ausländischer Film irgendwo in der Welt ordentlich Kasse macht. Nach einem kurzen Check auf Tauglichkeit für den US-Markt werden die Rechte gekauft, oftmals der Regisseur des Originals gleich mit. Dieser rechnet sich dann natürlich Chancen auf eine große Karriere aus und ist dann allzu gern auch bereit, gewisse Zugeständnisse an seine kreative Freiheit hinzunehmen. Dies führt dann nicht selten dazu, dass das Remake viel geglätteter und stromlinienförmiger in den US-Kinos anläuft, als die ursprüngliche Fassung.

Hier ein paar wenige Beispiele von Filmen, die ihren Ursprung außerhalb der USA hatten (Die Remakes konnten mal mehr, mal weniger mit den Originalen mithalten):

Original (deutscher Titel) /Land
US-Remake (deutscher Titel)
Honig im Kopf (2014)/DeutschlandHoney in the Head (2018)
[REC] (2007)/SpanienQuarantäne (2008)
Funny Games (1999)/ÖsterreichFunny Games US (2007)
Die Sieben Samurai (1954)/JapanDie glorreichen Sieben (1960)
Oldboy (2003)/SüdkoreaOldboy (2013)

Besonders Filme aus Frankreich zeigen sich immer wieder als begehrtes Objekt für Neuverfilmungen, die den US-Kinomarkt erobern sollen. Natürlich kommt  es auch hier nicht selten vor, dass der Regisseur seinen eigenen Film noch einmal dreht und in einigen Fällen auch der/die französische HauptdarstellerIn mit an Bord ist. Selbst wenn die Remakes durchaus Geld einspielen und auch schon mal ein Kassenschlager dabei ist (z.B. „True Lies“ oder „Noch drei Männer, noch ein Baby“), blieben die allermeisten Filme bisher jedoch filmisch und künstlerisch hinter ihren Vorbildern zurück. Die folgende Übersicht zeigt einen bescheidenen Ausschnitt von französischen Filmen, die in den USA recycelt wurden:

F-Original (deutscher Titel)
US-Remake (deutscher Titel)
Lohn der Angst (1953)Atemlos vor Angst (1977)
Außer Atem (1960)Atemlos (1983)
Oscar (1967)Oscar – Vom Regen in die Traufe (1991)
Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh (1972)Der Verrückte mit dem Geigenkasten (1985)
Das Spielzeug (1976)Der Spielgefährte (1982)
Ein Käfig voller Narren (1978)The Birdcage – Ein Paradies für schräge Vögel (1996)
Die Rückkehr des Martin Guerre (1982)Sommersby (1993)
Drei Männer und ein Baby (1985)Noch drei Männer, noch ein Baby (1987)
Der Joker und der Jackpot (1991)True Lies (1994)
Mein Vater der Held (1991)Daddy Cool (1994)
Taxi (1998)New York Taxi (2004)
Dinner für Spinner (1998)Dinner für Spinner (2010)
Martyrs (2008)Martyrs (2015)
Ziemlich beste Freunde (2011)Mein bester & Ich (2017)

Ganz klar, eine vollkommen lückenhafte Zusammenstellung von Filmen, die bei dieser Thematik in Frage kämen. Wer Spaß und Zeit hat, kann in den Kommentaren noch weitere Beispiele benennen. Und überhaupt, wie steht ihr zum Thema Remakes? Kreative Ergänzung oder überflüssige Zweitverwertung?

3 Gedanken zu “Aufgewärmtes schmeckt selten besser – Remakes made in USA

  1. Pingback: Filmvergleich (6): „Ziemlich Beste Freunde“ (2011) vs. „Mein Bester & Ich“ (2017) | Klappe!

  2. Dem Grundtenor des Beitrags stimme ich natürlich unumwunden zu. Erwähne aber (mal wieder hier in den kommentaren, wenn ich mich recht erinnere), dass Atemlos vor Angst genauso gut ist, wie Lohn der ANgst. Und Lohn der Angst ist hervorragend!

    Und ich habe nicht gewusst, dass True Lies ein Remake ist, huh…

    PS: sollte ich jemals Spike Lee treffen, werde ich ihn, nachdem ich fertig mit Fanboyen bin, als erstes fragen: warum das Oldboy Remake? Aber ich schätze die Antwort ist simpel: auch ein Herr Lee braucht mal Geld.

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    • Richtig, die Qualität von „Lohn der Angst“ bzw. dem Remake „Atemlos vor Angst“ haben wir hier schon mal gemeinsam gefeiert. Ich hoffe, dass die DVD/Blu-Ray-Verkäufe seitdem durch die Decke gegangen sind. „Atemlos….“ würde ich es sehr gönnen, wenn er endlich mal die verdiente Anerkennung erfahren würde.

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