Oscars so white?

Ja, es mag ein wenig naiv klingen, aber die Autorin dieser Zeilen dachte sich im Vorfeld zu dieser Ausgabe tatsächlich: „Was ist eigentlich dran an dem damaligen Hashtag „OscarsSoWhite“ ?“.


Kurz zur Erläuterung: 2015 gab die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wie jedes Jahr ihre Nominierten bekannt und wie bereits im Vorjahr, fand sich unter den Nominierten in den Schauspielkategorien nicht eine schwarze Person wieder. Die Wogen schlugen hoch, viele namhafte Filmschaffende, darunter ganz vorne dabei Spike Lee, äußersten sich öffentlich äußerst kritisch zu dem Thema und ein Hashtag schrieb Mediengeschichte.

Ich persönlich verfolge die Oscars durchaus mit mildem Interesse, schlage mir zwar nicht die Nacht um die Ohren, blicke aber am nächsten Morgen doch recht gespannt auf die Newsseite meines Vertrauens, um herauszufinden, wer denn nun den Goldjungen mit nach Hause nehmen konnte. Mit der Geschichte des Preises habe ich mich bisher allerdings noch nie wirklich auseinandergesetzt, weshalb ich auch zu der 2015 aufgekommenen Debatte nur wenig sagen konnte.

Gefühlt hat sich seitdem tatsächlich einiges in der Academy getan, doch ist dem wirklich so? Und wie sah es vorher aus? Dieser Artikel versucht mit Hilfe einiger Zahlen, Fakten und ein paar Gedanken meinerseits ein wenig Klarheit zu schaffen. Wie viele Schwarze wurden bisher in der Geschichte der Oscars nominiert? Wie viele haben am Ende auch wirklich einen gewonnen? Und wie sind diese Zahlen einzuordnen?

Der Übersicht halber fangen wir doch am besten mal mit ein paar Zahlen an:

  • Die Oscars wurden zum ersten Mal im Jahr 1929 verliehen.
  • Natürlich gibt es jedes Jahr Anpassungen, aber Pi mal Daumen werden pro Jahr Auszeichnungen in 20 bis 30 Kategorien vergeben.
  • In dieser Zeit wurde mehr als 2900 Filmschaffenden die Ehre zu Teil, für einen Oscar nominiert worden zu sein – lediglich 173 Personen davon waren Schwarze.
  • Diese 173 Personen wurden knapp über 200 Mal in den unterschiedlichsten Kategorien nominiert.
  • Weit über die Hälfte dieser knapp über 200 Nominierungen geschah im 21. Jahrhundert.
  • 79 der knapp über 200 Nominierungen waren für eine der „Big Five“-Kategorien (also Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin oder Bestes Drehbuch).
  • 52 Mal ging dann schließlich einer der Goldjungen an einen Schwarzen.
  • Von diesen 52 waren 10 Spezial- oder Ehrenpreise.
  • Und nur 13 von den 52 waren für eine der „Big Five“-Kategorien.
  • Außerdem wurden 32 der 52 Oscars im 21. Jahrhundert verliehen.

Und hier noch ein paar „Rekorde“:

  • Hattie McDaniel war die erste schwarze Person überhaupt, die einen Oscar gewann. Sie wurde für ihre schauspielerische Leistung in „Vom Winde verweht“ 1939 mit dem Oscar als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.
  • Die meisten Oscarnominierungen gab es in diesem Zusammenhang bisher für Denzel Washington: ganze neun Mal war er bisher für einen Oscar nominiert.
  • Auch bei den Gewinnern ist Herr Washington ganz vorne mit dabei. Ex aequo mit Russell Williams II durfte er schon zwei Mal den Goldjungen mit nach Hause nehmen.
  • Auch Quincy Jones führt eine, allerdings eher betrübliche Liste an: Er wurde nämlich am häufigsten nominiert, ohne je gewonnen zu haben. Ganze sieben Mal durfte er hoffen, und ging am Ende doch jedes Mal mit leeren Händen nach Hause.

Ich denke, es ist unbestritten, dass die Zahlen hier doch Bände sprechen. Am meisten schockierte mich tatsächlich der gewaltige Unterschied bei den Nominierungen: 173 von über 2900, das sind nicht einmal 6%.  Gut, jetzt kann man das natürlich auch damit begründen, dass Afroamerikaner nach wie vor eine Minderheit darstellen, aber come on, nicht mal 6%, das ist schon irgendwie heftig.
Das zweite, was mir sofort ins Auge gesprungen ist: Wie viele dieser Nominierungen erst im 21. Jahrhundert waren. In den letzten 20 Jahren wurden also gleich viel (bzw sogar etwas mehr) Schwarze nominiert, als in den gut 70 Jahren davor. Da keimt doch beinahe so etwas wie Hoffnung auf, sieht man doch an dieser Zahl eigentlich schön, dass sich die Gesellschaft und auch die Academy durchaus im Wandel befinden und es Fortschritte zu verzeichnen gibt…wenn auch mit Babyschritten.

Tja, und viel mehr habe ich in diesem Zusammenhang auch gar nicht zu sagen. Ich fand es einfach mal interessant mir anhand einiger Zahlen anzuschauen, wie es denn wirklich so um die Repräsentation schwarzer Filmschaffender bei den Oscars bestellt ist. Und was man so sehen kann, hat der Preis zwar wohl noch einen weiten Weg vor sich, steuert aber scheinbar doch in die richtige Richtung.

Quellen:

 

 

3 Gedanken zu “Oscars so white?

  1. Wie groß war denn der Anteil an schwarzen Darstellern im Laufe der Jahre? Die Zahlen fehlen mir hier für eine Einordnung. Genauso bei Drehbuch, Regie, etc., wenn du explizit sagst, dass „nur“ soundso viele in den Big 5 nominiert waren.

    Du schreibst ja selbst „Gut, jetzt kann man das natürlich auch damit begründen, dass Afroamerikaner nach wie vor eine Minderheit darstellen“. An dem Punkt hätte ich mir ein paar Zahlen gewünscht, um das ganze in ein handfestes Argument zu gießen. Wäre doch interessant zu wissen, wie hoch der Anteil an schwarzen (Haupt-)Darstellern im Laufe der Jahre tatsächlich war. Subjektiv bin ich bei dir, nur in einem Debattierclub gäbe es erstmal noch keine Punkte von mir.

    Gefällt 2 Personen

    • Die Zahlen wie groß nun der Anteil schwarzer Darsteller, Regisseur etc in absoluten Zahlen war bzw ist, gab meine Quelle nicht her…außerdem habe ich danach nicht so wirklich gesucht, weil ich mich eben auf die Oscars fokussieren wollte und nicht auf die amerikanische Filmlandschaft im allgemeinen.

      Ich verstehe allerings durchaus dein Argument und deine Kritik…wollte allerdings hier auch keine wissenschaftliche Arbeit abliefern, sondern mir lediglich mal ein paar Zahlen zu dem Thema anschauen, eben weil es mich interessiert hat.

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    • Ja, da gebe ich dir recht. Die absoluten Zahlen haben natürlich nur eine begrenzte Aussagekraft und so verbreitet sich schnell einmal ein falsches Bild.
      Angenommen, in der gesamten Filmbranche arbeiten 100.000 Menschen (stark vereinfachte Zahl) und geschätzte 80 % davon sind weiße Menschen. Wenn sich jetzt die restlichen 20 % auf alle übrigen Ethnien verteilen, wäre es doch sehr seltsam, wenn grade die Filmschaffenden aus den 20 % ein so hohes Maß an Kreativität besäßen, dass Sie bei den Oscars mit den zahlenmäßig weit überlegenen weißen Regsisseueren, Darstellern, Kameraleuten etc. gleichziehen könnten.
      Damit möchte ich natürlich nicht sagen, dass es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten keine Ungerechtigkeiten – sicherlich auch ausgelöst durch rassistische Gedankenmuster – gegeben hat. Aber dieses Problem wurde in den letzten Jahren erkannt und wird seitdem sukzessive angegangen. Es wird aber sicher noch ein paar Jahre dauern, bis all die alten Zöpfe abgeschnitten sind. Geben wir uns, der Gesellschaft und natürlich der weltweiten Filmbranche einfach noch ein bisschen Zeit.

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