Cannon Films – Die Trashschmiede

Als die israelische (!) Teenie-Sexkomödie „Eis am Stiel“ in die Kinos kam, war sie nicht nur ein großer finanzieller Erfolg, die diverse Fortsetzungen nach sich zog, sondern kam durchaus auch bei den Kritikern gut an und schaffte es,  neben einer  Golden Globe Nominierung und einigen anderen Preisen,  auch eine Beinahe-Nominierung als bester fremdsprachiger Film bei den Oscars zu erhalten.- Nicht schlecht für eine oft recht derbe und zotige Sex-Schmonzette, in der es hauptsächlich darum ging, das drei Teenager (die genretypisch äußerlich natürlich 10 Jahre älter aussahen) ausgiebig daran arbeiten, ihren Erfahrungsschatz in Sachen sexueller Abenteuer zu vergrößern. Auch wenn der Film durchaus ernstere Töne anschlägt, war es  doch ganz überwiegend leicht zu konsumierende Unterhaltung für Heranwachsende oder junge Erwachsene.

Die Masterminds hinter der „Eis am Stiel“-Reihe waren die Cousins Menahem Golan und Yoram Globus, die als Produzenten einen ausgeprägten Riecher für schnell und billig produzierte B- und C-Filme hatten. Aber um das ganz große Geld zu machen, war Israel nicht das richtige Land. Hierzu kamen natürlich nur die Vereinigten Staaten infrage. Ende der 1970er-Jahre machten sich also die beiden Cousins auf, um in den USA ein Filmstudio aus der Taufe zu heben und der Branche das Fürchten zu lehren.

In den USA angekommen kaufte man kurzerhand die  finanziell angeschlagene Filmfirma Cannon Films auf, benannte sie in Cannon Group um und der Eroberungszug Hollywoods konnte beginnen. Man wollte und konnte im Hause Cannon keine großen finanziellen oder künstlerischen Risiken eingehen und setzte auf filmische Konfektionsware, die schnell und billig zu produzieren war und die sich gut vermarkten ließ. Die Arbeitsteilung war dabei klar geregelt: Golan, der auch als Regisseur einige Erfahrungen hatte, kümmerte sich um die filmischen und künstlerischen Belange, während Yoram Globus für die Finanzen verantwortlich war.  

Um möglichst viele Filme in kurzer Zeit produzieren und in den Verleih bringen zu können, verkaufte Cannon die weltweiten  TV- und Verleihrechte der von ihnen produzierten Filme, während sich diese noch in der Herstellungs-  oder sogar erst noch in der Drehbuchphase befanden. Mit dem so eingenommenen Geld wurden dann neue Filmprojekte aus der Taufe gehoben. Den Verantwortlichen war bei ihrer Strategie durchaus bewusst, dass den meisten Produktionen im Kino  schnell die Luft ausgehen würde, dafür aber mit der damals noch boomenden (Direct to) Video-Auswertung  eine Menge Geld zu verdienen war. So nahm der Cannon-Zug Fahrt auf und war vorerst nicht zu stoppen.

Die Filme aus dem Hause Cannon tummelten sich meist im Bereich des Actionfilms, wobei man sich als Hauptdarsteller durchaus klingender Namen bedienen konnte: Roger Moore, Chuck Norris, Charles Bronson und viele andere. Diese hatten zwar meist den Höhepunkt ihrer Karriere schon eine ganze Weile hinter sich, besaßen aber noch genug Zugkraft bei den Zuschauern, um diese mit  schnell und günstig produzierten  Quasi-Fortsetzungen ihre ehemaligen Erfolgsfilme, in die Kinos oder vor den heimischen Fernseher zu locken. Beste Beispiele  hierfür waren  die „Death Wish“-Reihe („Ein Mann sieht rot“) mit Charles Bronson oder die „Missing in Action“-Filme mit Chuck Norris. Weiter gab es unzählige Ausflüge in viele andere Filmgenres, mit denen sich zu dieser Zeit  leicht Geld verdienen ließ

Horror: „Das Haus der langen Schatten“. „Texas Chainsaw Massacre 2“

Sci-Fi: „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“, „Invasion vom Mars“

Barbarenfilme: „Gor“, „Die Barbaren“

Thriller: „Verfluchtes Amsterdam“, „52-Pick Up“

Komödie: ‚Mannequin‘, Nicht jetzt, Liebling“

Abenteuer: „Ouatermain“, „“Quatermain II“.

Auch wenn es durchaus schon mal Ausrutscher, sprich gute Filme wie „Express in die Hölle“ oder „Highlander – Es kann nur einen geben“ gab, waren die Cannon-Produktionen ganz überwiegend bestenfalls Hausmannskost. Sie spielten jedoch immer genug Geld ein, um neue Projekte zu finanzieren, darunter dann durchaus schon einmal anspruchsvollere Werke wie das Drama „Ein Schrei in der Dunkelheit“ mit Meryl Streep oder die Bukowski-Verfilmung „Barfly“ mit Mickey Rourke und Faye Dunaway. Diese Ausflüge in die etwas anspruchsvollere Unterhaltung blieben jedoch die Ausnahme und konnten bei  den Zuschauern nicht wirklich punkten. Stattdessen schaffte man es, einen DER Actionhelden der 1980er-Jahre, Sylvester Stallone, für zwei Filme („Over the Top“ und „Die City Cobra“) unter Vertrag zu nehmen. Auf beide Filme schaut „Rocky“ heute sicherlich nicht mehr mit allzu viel Stolz zurück.

So schnell wie der Erfolg sich für Cannon Films eingestellt hatte,  so schnell war er  auch schon wieder vorbei. Als sich gegen  Ende der 1980er-Jahre die Sehgewohnheiten des Publikums mehr in Richtung hochwertiger gemachten Blockbustern wandelten und die Jugendschützer weltweit ein kritisches Auge auf den Videomarkt warfen, wurde die Luft für den vorübergehenden Musterschüler der Branche plötzlich sehr eng. Hinzu kamen dann auch noch einige unglücklich verlaufene Geschäfte bei verschiedenen Firmenkäufen. 1994 wurde Cannon dann vollständig aufgelöst. Die beiden Firmengründer Menahem Golan und Yoram Globus zerstritten sich heillos und sprachen einige Jahre lang kein Wort miteinander. Beide gaben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern ihrer Firma.  Sie  gingen getrennte Wege, blieben aber der Filmbranche treu.  Golan starb 2014, Globus produziert bis heute Filme.

Sicherlich haben die Werke der Firma  Cannon die Filmwelt nicht nachhaltig beeinflussen oder sogar verändern können. Aber ohne das Gespann Golan/Globus hätte es so wunderbare Trashperlen wie „Masters of the Universe“, „America 30000“ oder „Alienkiller“ nie gegeben. Und für deren Existenz bin ich noch heute sehr dankbar.

5 Gedanken zu “Cannon Films – Die Trashschmiede

  1. Danke für die Erwähnung von Express in die Hölle! Ein toller Film! Aber Highlander ist doch aus der Zeit als die EMI im Filmgeschäft war, oder spinn ich? Und den wunderbaren (ich mag ihn, okay…) Amsterdamned (von Flodder Regisseur Dick Maas) haben sie nur in den USA verlegt.

    Bemerkenswert ist, dass sie die ersten waren, die Lizenzen für Marvel-Realfilme hatten. Spätestens seit Mitte der 80er. Aus ihrem Spider-Man ist nix mehr geworden und Captain America war… peinlich.

    Dringend empfohlen sei die Doku ‚Electric Boogaloo‘. Einerseits unterhaltsam, andererseits gelegentlich erschreckend. Etwa wenn Marina Sirtis beschreibt, wie mit ihr umgegangen wurde. Die Macher haben übrigens auch Golan und Globus um Interviews gebeten. Die haben abgelehnt und jeder für sich schnell billige Dokus über Cannon produziert.

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    • Captain America würde ich wirklich gern mal sehen. Hm, Amsterdamned habe ich damals noch auf VHS gesehen. Ich meine der Film hieß hier bei uns Verfluchtes Amsterdam….Und ja…Den gibt es sogar bei Prime zu streamen. Die 2,99 EUR sind gut investiertes Geld. Der Film ist wirklich gut und vielleicht eine echte Entdeckung.

      Gefällt 1 Person

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