Animes – Ein Gruß aus Japan

Anime: Ein Begriff, den die meisten in unseren Breitengraden wohl mit einer fremden Kultur, großen Augen und dem früheren RTL2-Nachmittagsprogramm verbinden. Und ja, auch meine ersten Erfahrungen mit dieser fremden Zeichentrickwelt machte ich dank der Ende der 90er, Anfang der 2000er bei uns ausgestrahlten Kinderserien. Je älter ich wurde, umso deutlicher wurde mir allerdings bewusst, dass dies nur die Spitze eines wunderbar vielfältigen Eisberges war, dessen weitere Erkundung sich eindeutig lohnen sollte.

Denn eigentlich bietet einem die japanische Animationskunst so ziemlich alles, was das Herz begehren könnte. Da gibt es Kinderserien und Filme, Liebesdramen, Comig-of-Age-Komödien, Science-Fiction-Perlen, Thriller mit Gänsehautgarantie, sogar Pornographie. Es ist also ein schier unendliches Feld und lange Zeit habe ich mir überlegt, wie ich diesen Beitrag gestalten möchte. Ein kleiner geschichtlicher Überblick? Eine Streifzug durch die verschiedenen Genres? Aber schließlich habe ich gemerkt, dass ich es vor allem amüsant finde, dass viele Menschen in unserem Sprachraum nach wie vor davon ausgehen, dass Animes etwas für Kinder wären, nur weil sie gezeichnet sind.

Deswegen dachte ich mir, es wäre doch eine interessante Idee, euch hier mal ein paar Filme zu präsentieren, die auf keinen Fall für Kinderaugen geeignet sind. Wer sich übrigens dennoch gerne ein wenig über die Geschichte der Animes informieren möchte, dem kann ich den äußerst ausführlichen Wikipedia-Artikel sehr empfehlen, den ich am Ende des Beitrages verlinken werde.

Akira

Science-Fiction- und Steampunk-Elemente, gepaart mit einer ordentlich düsteren Zukunftsvision, das alles ist „Akira“, ein Animationsfilm aus dem Jahre 1988, der einer Bande von Halbstarken durch die Gassen Neo-Tokios folgt. Knallhart und blutig ist diese Welt, denn neben rivalisierenden Motorradgangs müssen sich die Freunde Kaneda und Tetsuo auch noch mit dem Militär herumschlagen, das sie entführt, um heimliche Experimente an ihnen durchzuführen. Das Ergebnis sollten eigentlich „Superkräfte“ sein, allerdings geht da leider etwas gehörig schief, was zu einem Finale führt, welches man gesehen haben muss, um es zu glauben. Noch heute fesselnd und verstörend wie eh und je.

Berserk (Trilogie)

Diesmal von Science-Fiction hinüber zum Fantasy-Genre. Dabei ist die Welt in der unser „Held“ Guts lebt, alles andere als rosig. Nicht genug, dass sich die Länder scheinbar in einem andauernden Kriegszustand befinden, in dem Guts als guter Söldner natürlich regelmäßig mitmischt, zu allem Überfluss gibt es auch noch Dämonen, die den Menschen auch nicht gerade freundlich gesinnt sind. Außerdem noch Verschwörungen, Intrigen und wohl eine der dramatischsten Liebesgeschichten aller Zeiten. Eindeutig nichts für schwache Nerven.

Evangelion (Trilogie)

Irgendwie gibt es erstaunlich viele herausragenden Science-Fiction-Animefilme, oder sie tauchen einfach nur vermehrt in dieser Liste auf, weil ich das Genre so mag. Auf jeden Fall ist auch die „Evangelion“-Reihe (egal ob nun dieser Reboot oder die originalen „Neon Genesis Evangelion“-Filme), sicherlich nicht für Kinderaugen gedacht – und das trotz jugendlichem Protagonisten und riesigen „Roboter“-Anzügen. Aber die krassen Kämpfe gegen gigantische „Monster“ sollten einen nicht blenden, denn hier geht es nicht selten äußerst dramatisch zur Sache.

Final Fantasy: Die Mächte in dir

Dieser Film bricht einmal mit der japanischen Tradition der künstlerischen Handarbeit und wurde zu 100% mit dem Computer generiert. Das Ergebnis schaut zwar an manchen Stellen allzu ungewohnt aus, aber zumindest was die Gesichtsanimationen betrifft war das hier ganz großes Kino. Die Geschichte, rund um eine Alien-Invasion und den Versuch, dieser auf unterschiedliche Art und Weise Herr zu werden, bietet zwar nichts unbedingt Neues, kann aber durch eine stimmige Atmosphäre und gelungene Actionszenen punkten.

Ghost in the Shell

Okay, hier geht es nicht nur darum, dass Kinder die gezeigte Gewalt nicht sehen sollten, also, natürlich schon auch, aber die Kleinen würden die Geschichte wohl auch einfach überhaupt nicht verstehen. Nicht einmal ich bin mir sicher, ob ich das tue…dabei habe ich zusätzlich auch noch den Manga gelesen. Denn was einem der Schöpfer hier vorsetzt, seien es nun philosophischen Fragen, technische Spielereien oder gesellschaftliche Missstände, ist gar nicht so leicht zu verarbeiten. Beeindruckend ist die Geschichte, rund um eine Spezialeinheit, einen Cyborg und ein finsteres Geheimnis dennoch allemal.

Jin-Roh

Auch Thriller funktionieren als Anime-Version ganz wunderbar, wie dieser Film, der in einer fiktiven Welt spielt, in der Deutschland den zweiten Weltkrieg gewonnen hat, hervorragend beweist. Im Zentrum der Handlung steht ein Angehöriger einer Spezialeinheit, der anfängt sein Umfeld und dessen Motive in Frage zu stellen. Gesellschaftskritisch, fesselnd, brutal und zum Nachdenken anregend, so müssen wirklich gute Politthriller sein. Und sogar das relativ offene Ende lässt sich gut dank der dadurch vermittelten Botschaft verkraften.

Die letzten Glühwürmchen

Hier nun ein Film, der einen umso mehr zu Boden wirft, eben weil er nicht in irgendeiner fernen Zukunft, fremden Welt oder alternativen Realität spielt, sondern im Hier und Jetzt – naja, eigentlich in der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Japan. Die Handlung folgt dabei zwei verwaisten Kindern, die versuchen in einem vom Krieg gebeutelten Land auf eigene Faust zu überleben. Wieso einem der Film dann allerdings das Herz in tausend kleine Stücke reißt, das müsst ihr schon selber herausfinden.

Paprika

Ein wirklich abgefahrener Fiebertraum, so lässt sich das große Finale vielleicht am besten beschreiben. Und wen wundert es, immerhin geht es in diesem Film genau darum, um die Verschmelzung von Realität und Traum, um Kontrolle und die Angst diese zu verlieren und um den Mut, sich seinen Ängsten und Gegnern zu stellen. Das ganze verpackt in geradezu vibrierende Farben und Bilder – ein Rausch, auf den man sich definitiv mal einlassen sollte.

Perfect Blue

Und auch diesen waschechte Psychothriller, bei dem einem das Blut in den Adern gefriert, möchte ich euch noch ans Herz legen. Dabei fängt man sich auch hier mit fortlaufender Handlung immer öfter an zu fragen, was denn nun eigentlich wirklich vor sich geht. Was ist real, was Einbildung und wie soll man sich als Zuschauer in diesem emotionalen Chaos zurechtfinden?! Die Geschichte mag am Ende vielleicht nicht sonderlich innovativ sein, aber dafür ist dieser dunkle Kaninchenbau so atmosphärisch inszeniert, dass er eine Sichtung auf jeden Fall wert ist.

Und das waren sie auch schon, ein paar Animes, die in den unterschiedlichsten Genres Zuhause sind und die man auf gar keinen Fall an einem gemeinsamen Fernsehnachmittag mit den Kiddies einlegen sollte.

Falls ihr noch ein paar gute Tipps habt, welche Animes man sich unbedingt einmal anschauen sollte, lasst es mich doch in den Kommentaren wissen.

Und hier noch der Link zum Wikipedia-Beitrag:
https://de.wikipedia.org/wiki/Anime

 

7 Gedanken zu “Animes – Ein Gruß aus Japan

  1. Gleich zweimal Satoshi Kon. Echt gut. Paprika und Perfect Blue sind auch echt stark. Jin-Roh muss ich irgendwann immer nochmal gucken… und Berserk auch. Da lese ich den Manga echt gerne… aber seit ich weiß, dass diese Verfilmung nur so die Vorgeschichte ankratzt, drücke ich mich ein wenig davor.

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    • Boah, das kann ich mir gut vorstellen, dasa Akira einen auf der großen Leinwand richtig umhaut…der ist auf dem kleinen TV ja schon ein wahrer Augenschmaus!

      Die beiden von dir erwähnten kenn ich leider noch nicht…sollte ich sie auf meine Watchlist setzen? 😉

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  2. Die von dir genannten Titel sind führwahr allesamt eine Empfehlung wert. In Sachen Evangelion würde ich jedoch definitiv die 26-teilige Originalserie in Kombination mit dem Film „End of Evangelion“ vorziehen. Dass du „Paprika“ und „Perfect Blue“ erwähnst, freut mich sehr, sind die Filme des großen Satoshi Kon doch heutzutage kaum noch jemandem bekannt.^^

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