Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973) – Ein Klassiker?

Die Idee klang einfach und durchaus interessant: die drei Klappe!-risten schauen einen Filmklassiker, der allen noch unbekannt ist, überlegen sich danach ein paar Fragen, anhand derer wir dann individuell verschiedene Aspekte des Films bewerten und analysieren wollten. Wir konnten uns schnell auf den Mystery-Thriller  „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ aus dem Jahre 1974 von Nicolas Roeg einigen und es konnte losgehen. Aber irgendwie kam es anders.  Nach der Sichtung des Films stellte sich schnell heraus, dass wir alle eine sehr ähnliche Meinung zum vermeintlichen Meisterwerk hatten. Unsere spontanen und vielleicht an manchen Stellen auch emotionalen Gedanken möchten wir Euch natürlich nicht vorenthalten:

Mara: Der gute Steffelowski hat es in der Einleitung ja schon ganz dezent angedeutet, aber so wirklich vom Hocker reißen konnte mich dieser Klassiker eigentlich nicht. Das liegt einerseits daran, dass ich viel zu häufig das Gefühl bekommen habe, dass dem Regisseur mehr daran gelegen war, dem Zuschauer vermeintlich schockierende und verwirrende Bilder an den Kopf zu werfen (egal ob er selber oder überhaupt irgendjemand nun versteht, was das alles eigentlich bedeuten soll), als eine spannende Geschichte zu erzählen. Durch dieses Beharren auf oberflächlichen „Schock“-Momenten, trat dann ein weiterer Grund auf, der mir die Sichtung deutlich verhagelt hat: Langeweile. Der Todesstoß für einen jeden Film, der sich auch nur in die Nähe einer Form des Thriller-Genres begibt. Manchmal ist weniger dann eben doch mehr und ohne gute, durchdachte Handlung ist auch ein kunstvoll gefilmter Streifen nicht viel mehr als heiße Luft.  Wobei mich ja jetzt wirklich brennend interessieren würde, ob die Buchvorlage jene Antworten bereithält, die einem der Film schon beinahe krampfhaft verschweigen möchte.[19:23]

Stefan: Sicherlich gibt es im Netz – ganz  ohne großen Suchaufwand – viele Erklärungen und Deutungen zu finden, die mir das „Was möchte mir der Regisseur mit diesem Film sagen?“ näherbringen. Aber ich lege die Karten auf den Tisch, lasse die Hosen runter und bekenne Farbe: Ich kann mit dem Streifen nicht viel anfangen. Für mich ist „Wenn die Gondeln….“ schwerfällig inszeniert,  mäßig gut gealtert, einigermaßen wirr und nur im Ansatz gruselig. Außerdem war mir nie  ganz klar,  in welche Richtung es hier gehen sollte. Mystery, Drama, Thriller, Horror oder gar Softporno? Genaues weiß man nicht. Selbst ganz am Ende, der doch recht langen 105 Minuten,  als dann tatsächlich so etwas wie Spannung und sogar ein leichter Anflug von Grusel aufkamen, ließ mich die Schlussszene doch einigermaßen ratlos zurück.  Ein zeitloser Klassiker ist der Film für mich auf jeden Fall nicht.

Yannick: Ich bin bloß erleichtert, dass ich nicht der Einzige bin der mit dem Film so gar nichts anfangen konnte und ich nicht wieder der einzige Miesepeter sein muss. Ich verspürte durchgängig einfach nur gähnende Langeweile und fragte mich Minute für Minute, wo denn nun die Handlung überhaupt hinführt oder gar erst einsetzen würde. Bei den Ausmaßen an Langeweile hat es ein Film extrem schwer, der vermutlich vor allem auf seine Atmosphäre ausgelegt sein soll. Die kommt da natürlich so gar nicht auf.
Schließlich fällt er bei mir unter die Kategorie der Filme, bei der ich mich sowohl während, als auch nach dem Film bloß frage, ob ich etwas einfach nur nicht verstehe und ob ich irgendetwas verpasst habe. Hier setzt allerdings auch gleich mein größter Kritikpunkt ein: Schließlich scheint der Regisseur selbst irgendwelche Mehrdeutigkeiten immer wieder gezielt erwecken zu wollen, ob durch Zooms auf Gegenstände oder bestimmte Stellen oder durch total irritierende Crosscuttings. Diese manipulative Inszenierungsweise ließ sich überhaupt nicht erschließen und führte auch irgendwie zu nichts. Da ging der Film mir auf Dauer nur durch seine Inszenierung schon auf den Zeiger, weil ich irgendwann einsehen musste, dass da nicht mehr dahintersteckt. Ein Film der Versprechen macht, die er nicht einlöst. Und als am Ende dann doch endlich mal etwas passiert, ist es total willkührlich und völlig bei den Haaren herbeigezogen.


Ja, also eine bestenfalls durchwachsene Erfahrung mit einem Klassiker. Wie sieht es bei Euch aus? Kennt Ihr den Film? Wie steht Ihr dazu? Genre-Meisterwerk oder verkopftes Arthouse-Kino? Wir sind auf Eure Kommentare gespannt.

9 Gedanken zu “Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973) – Ein Klassiker?

  1. Ich mag den Film sehr, und sehr ihn jedes Mal, wenn er irgendwo läuft. Nur eine Szene verstehe ich immer noch nicht: Warum lachen die beiden Schwestern wie irre in der einen Szene?

    Was ich an dem Film mag ist, das alles nur Schein ist, selbst die zu restauriende Kirche ist ja letztendlich nicht das, was ursprünglich erwartet wurde. Das Spiel mit Schein und Wirklichkeit in dem Film ist durchaus fazinierend.

    Gefällt mir

  2. Ja, das war wirklich eine schöne Erfahrung, dass das Klappe!-Team hier einer Meinung war und mit dem Film nicht viel anfangen konnte. Das ist vermutlich auch nur die Spitze des Eisbergs. So mancher Klassiker hat vermutlich Staub angesetzt oder ist mit den heutigen Sehgewohnheiten nicht mehr kompatibel. Aber belassen wir es einfach dabei. Manchmal ist es einfach besser, nicht ganz so genau hinzusehen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.