Steffelowskis vollkommen unvollständige Liste der Filmklassiker

Schaut man sich nach Filmklassikern um, kann man schnell verzweifeln. So viele Listen, so viele Meinungen. Jeder hat seine Lieblinge und seine Hassobjekte. Was dem einen lieb und teuer ist, verabscheut  der andere zutiefst. Wo anfangen, wo aufhören mit der Suche? Ist hier die IMDB der Quell der Weisheit oder vielleicht doch die Seite der TV-Spielfilm? Nichts Genaues weiß man nicht. Ich habe dann schnell davon abgesehen, in den gängigen Listen für Filmklassiker zu stöbern und einfach auf meinen eigenen Filmfundus zurückgegriffen. Hierbei war ich teils auf Erinnerungen an längst vergangene Fernseh- und Kinostunden angewiesen,  teils konnte ich aber auf den eigenen DVD/Blu-Ray-Bestand zurückgreifen. Schaut doch einfach mal rein:

Abenteuerfilm

Die Drei Musketiere (1973):  Temporeiche und mit teils skurrilem Humor versehene Verfilmung des Alexandre Dumas Stoffes von Richard Lester. Selten sah man so viele Stars in einem Film gemeinsam auf der Leinwand.

20.000 Meilen unter dem Meer (1954) : Gleich noch eine Romanverfilmung. Dieses Mal nach Jules Verne. Ein Seeungeheuer, das sich als U-Boot entpuppt, ein Riesenkrake und ein singender Kirk Douglas. Mehr braucht es nicht, um einen Abenteuerfilm aus dem Hause Disney zum Klassiker zu machen.

Drama

Kramer gegen Kramer (1979):  Schon gut 40 Jahre vor „Marriage Story“ liefern sich hier Meryl Streep und Dustin Hoffman ein zu Herzen gehendes Scheidungsdrama. Auf jeden Fall Taschentücher bereitlegen.

Das verlorene Wochenende (1945): Ein Film von Billy Wilder, den man gern einmal übersieht. Dabei ist der bedrückend inszenierte Film über einen alkoholkranken Schriftsteller, der versucht gegen seine Sucht anzukommen, ein echtes Highlight. Vier Oscars, jeweils in einer der Hauptkategorien sprechen da eine eindeutige Sprache.

Fantasyfilm (Märchenfilm)

Charlie und die Schokoladenfabrik (1971); Die Führung durch eine Süßwarenfabrik kann für garstige Kinder schon mal böse enden. Egal wie bunt und lecker die angebotenen Proben auch immer sein mögen. Für mich sogar noch besser als die Tim Burton Version von 2005.

Der Zauberer von OZ (1939): Vielleicht einer der bekanntesten Filme überhaupt und mit „Over the Rainbow“ versehen mit einem  wahrhaft unvergänglichen Filmsong veredelt. Judy Garland wurde mit dem Film zu einem absoluten Superstar und leitete damit auch ihren eigenen Abstieg ein.  

Komödie

Die Wüstensöhne (1933) Laurel und Hardy auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Karriere. Hier zeigen die beiden Komiker wirklich alles, was sie können. Temporeich, originell und eine Gagdichte, wie man sie selten erlebt hat. Selbst in Komödien.

Der Partyschreck (1968); Peter Sellers, den meisten  wohl als Inspektor Clouseau aus den Pink Panther-Filmen in Erinnerung, bringt hier als indischer Komparse eine vornehme Hollywood-Party durcheinander. Ein Slapstick Feuerwerk der ganz besonderen Art, in dem Sellers sein ganzes Genie zeigt.   

Horrorfilm

Dracula (1958) Die britische Produktionsfirma Hammer belebte Ende der 1950er-Jahre die klassischen Horror Charaktere zu neuem Leben. Mehr Farbe, mehr Blut, mehr nackte Haut. Christopher Lee als Dracula und Peter Cushing als sein Gegenspieler Professor Van Helsing sind auch heute noch absolut sehenswert.

Rosemarys Baby (1968) Zu Roman Polanski mag man stehen, wie man will. Aber mit diesem Film ist ein absolutes Genre-Meisterwerk gelungen. Die Geschichte um eine (vermeintlich?) Satanisten-Verschwörung und den Sohn des Teufels, ist ein Paradestück des subtilen Horrors.

Kriegsfilm

Das Dreckige Dutzend (1967) Zwölf Insassen eines Militärgefängnisses sollen mit Aussicht auf Strafmilderung im 2. Weltkrieg ein Himmelfahrtskommando durchführen. Ein harter Kriegsfilm, fern ab von Heldenverehrung und Pathos. Großartig gespielt und realistisch inszeniert.  

Die durch die Hölle gehen (1978):. Vielleicht kein Kriegsfilm im üblichen Sinne, aber ein Film,  der die Schrecken des Krieges und dem was er aus den Menschen machen kann, extrem spürbar macht. Die Story von drei Freunden, die voller Patriotismus in den Vietnamkrieg ziehen,  hier jedoch schwer traumatisiert werden, geht unter die Haut. DER Abräumer bei den Oscars 1979.

Martial-Arts-Film

Der Mann mit der Todeskralle (1973) Kung Fu goes James Bond. In Hollywood erkannte man schnell, dass man mit einem  Bruce Lee viel Geld verdienen konnte. Der Film ist eine gelungene Mischung aus Agententhriller und Kampfsportfilm. Lee war wirklich der „King of Kung Fu“-

 Yojimbo-Der Leibwächter (1961) Japans Regie-Ikone Akira Kurosawa liefert hier mit seinem Film über einen schweigsamen Samurai, der in ein Dorf kommt und zwei rivalisierende Banden gegeneinander ausspielt einen klassischen Western ab, in dem die Colts durch Schwerter ersetzt werden. Er nahm damit den Italo-Western vorweg. Der kam dann ein paar Jahre später, in dem Sergio Leone das Remake „Für eine Handvoll Dollar“ drehte.

Musikfilm

Tommy (1975) Bedingt durch ein traumatisches Erlebnis muss der  kleine Tommy blind, taub und stumm durchs Leben gehen. Erst sein Geschick am Flipperautomaten gibt ihm Mut und Zuversicht. Für seine Anhänger wird er zu einer Art Messias, der aber am Ende scheitern muss. Bunter, zum Teil psychedelische Rockoper, geschrieben von Pete „The Who“ Townsend. Sicherlich oft sperrig aber ein absoluter Genuss für Augen und Ohren.

Magical Mystery Tour (1967) Der einzige echte Flop, den die Beatles jemals hervorgebracht haben. Kein Drehbuch, keine Handlung, improvisierte Dialoge. Eine wild zusammengewürfelte Reisegesellschaft (u.a. mit John, Paul, George und Ringo) fährt in einem bunt angemalten Bus durch England und erlebt äußert skurrile Geschichten. Die Musik ist natürlich ein Erlebnis. Inzwischen hat der Film unter Kennern absoluten Kultstatus, was ich voll umfänglich anerkenne.  

Science-Fiction

Die Dämonischen (1956) SF-Filme der 1950er-Jahre hatten häufig den Anspruch, vor unheimlichen außerirdischen Mächten zu warnen, die stellvertretend für den Kommunismus bzw. die UdSSR standen. So auch in diesem Streifen, in dem Samen aus dem Weltall sich in die Menschen in ihrer Umgebung verwandeln und so gefühlskalte Duplikate herstellen. Spannend und durchaus gut gealtert.

Westworld  (1973) In einem Vergnügungspark der Zukunft kann der gut zahlende Gast seine Gewalt- und Sexfantasien in verschiedenen Themenwelten ausleben. Opfer dieser Exzesse sind äußerst menschlich wirkende Roboter, die zum Vergnügen der Gäste „die Einwohner“ der jeweiligen Welten sind. Eines Tages drehen die künstlichen Menschen den Spieß jedoch um. Vorlage zur gleichnamigen Serie, die inzwischen aber ein wenig den roten Faden verloren hat.  

Thriller

Der Marathon Mann (1976) Wer diesen Film gesehen hat, wird den Satz „Sind sie außer Gefahr?“ wohl nicht mehr vergessen und seinem Zahnarzt künftig mit einigem Misstrauen gegenübertreten. Ein komplexer Thriller mit Glanzleistungen von Dustin Hoffmann als arglosen Studenten und Laurence Oliver als fanatischen KZ-Arzt.

I – Wie Ikarus (1979)  In Frankreich sind einige der besten Polit-Thriller überhaupt entstanden. Der Film lehnt sich deutlich an das Attentat auf John F. Kennedy und die hierzu folgenden Ermittlungen an. Yves Montand als verbissen ermittelnder Staatsanwalt, spielt mitreißend und die Verschwörung, die er aufdeckt. stellt eine interessante Variante zu den bekannten Theorien zum Präsidentenmord dar.

Western

12 Uhr mittags (1956) Kein Film über deutsche Kantinen zur Essenszeit, sondern über Mut, Aufrichtigkeit und Moral. Marshal Kane muss sich allein einer Bande von Gesetzlosen stellen, nachdem er von allen Männern des Orts in Stich gelassen wurde. Einer der ersten Filme, die (fast) in Echtzeit gedreht wurden. John Wayne bezeichnete „12 Uhr mittags“ verächtlich als „unamerikanisch“.

Die glorreichen Sieben (1960) Die Bewohner eines kleinen mexikanischen Dorfes mieten sich sieben Revolverhelden, um sich gegen eine Verbrecherbande zu wehren, die sie schon seit Jahren regelmäßig ausplündert. Nein, ich spreche hier nicht über Kurosawas „Die Sieben Samurai“, sondern über das stromlinienförmigere, aber ebenso geniale Remake von John Sturges.

Animationsfilme

Alice im Wunderland (1951) Da war die Disney-Produktion ihrer Zeit gute 15 Jahre voraus. Aber so offen den Gebrauch und die Wirkung von Drogen zu zeigen, überforderte die Zuschauer der Zeit doch noch erheblich. Überhaupt, die gesamte Handlung ist mehr oder weniger ein einziger Trip. Damals gnadenlos gefloppt, über die Jahre zu so etwas wie einer Art „Arthouse-Cinderella“ gereift.

Fritz the Cat  (1972) Der erste Animationsfilm, der jemals mit einer FSK18-Freigabe in die deutschen Kinos kam. Frech, frivol, vulgär. Kater Fritz provoziert mit reichlich Sex, Drugs und Rock and Roll, ganz im Sinne der Studentenbewegung der „68er“. Damals Kult, heute leider fast vergessen. Dabei ein Wegbereiter des Animationsfilms für Erwachsene, außerhalb Asiens.  

Kriminalfilm

Der Dritte Mann (1949) Das auf der Zither gespielte „Harry-Lime-Thema“ ist wohl eines der bekanntesten Film-Musikstücke überhaupt. Dabei bietet auch der Film spannende Unterhaltung und toll gefilmte Bilder vom Nachkriegswien. Filmischer und dramaturgischer Höhepunkt ist eine Verfolgungsjagd in der unterirdischen Kanalisation von Wien.

Zeugin der Anklage (1952) Mindfuck gab es auch schon vor „Memento“.  Diese Verfilmung eines Agatha-Christie-Romans beginnt wie ein herkömmlicher Gerichtsfilm, wandelt sich aber schnell zu einem Thriller, in dem nichts so ist, wie es anfangs scheint. Mit z.B. Charles Laughton und Marlene Dietrich, denen man den Spaß an ihren Rollen in jeder Sekunde anmerkt, brillant besetzt. Und wieder einmal zeigt Billy Wilder, dass er viel mehr kann, als Musiker in Frauenkleider zu stecken.

Dass eine solche Liste immer lückenhaft, unvollständig und letztlich vollkommen subjektiv ist, lässt sich natürlich nicht vermeiden. Geht auch nicht anders, da ich natürlich nur Filme erwähnen kann, die ich auch selbst kenne und nicht aus der Wikipedia zusammenstelle. Ich habe versucht, die „üblichen Verdächtigen“, also z.B. „Der Pate“, „Vom Winde verweht“ oder „Spiel mir das Lied vom Tod“ in meiner Auswahl zu vermeiden und stattdessen Klassiker aus der 2. oder gar 3. Reihe vorzustellen. Ob mir das in jedem Fall gelungen ist, muss jeder für sich entscheiden. Weiter war es mir wichtig, eine möglichst große zeitliche Bandbreite mit meiner Filmauswahl abzudecken, was mir mit Werken aus 5 Jahrzehnten recht gut gelungen sein sollte. In den Kommentaren gibt es genug Platz, damit jeder seine eigenen Highlights der Filmgeschichte vorstellen kann. Ich bin gespannt.  

10 Gedanken zu “Steffelowskis vollkommen unvollständige Liste der Filmklassiker

  1. Die Aufteilung nach Genre finde ich sehr sinnvoll.

    Wenn es um Klassiker der zweiten oder dritten Reihe geht, kommen mir folgende Filme in den Sinn:

    Das Kabinett des Doktor Caligari (1920)
    Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926)
    KIng Kong und die weiße Frau (1933)
    Der Wolfsmensch (1941)
    SIngin in the rain (1952)
    Tarantula (1955)
    Night of the living dead (1968)
    Moulin Rouge (2001)

    Und sicherlich noch einige weitere, die mir spontan nicht einfallen.

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  2. Bei Abenteuerklassikern aus der zweiten reie musste ich sofort an Lohn der Angst denken. Wenn ein Film von 1953 heute noch für Schweißausbrüche sorgen kann, dann macht er was richtig.

    Übrigens, kein Klassiker, aber zu Unrecht unbekannt ist das sehr gute Remake/Neuverfilmung des zugrundeliegenden Romans namens Atemlos vor Angst von William Friedkin. Der ist vollkommen untergegegangen, weil er 1977 etwa zur selben Zeit in die Kinos kam wie dieser eine SciFi Film…

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    • Witzig, „Atemlos vor Angst“ hatte ich tatsächlich schon auf der Liste. Habe iIhrn dann doch wieder runtergekommen, weil ich annahm, dass den eh keiner kennt. So kann man sich täuschen. Der Remake lohnt vermutlich schon deshalb, weil Roy Scheider mitspielt. Auch der Soundtrack von „Tangerine Dream“ soll interessant sein. Gut, dass du den hier mal angesprochen hast. Ja, wer weiß, was gewesen wäre, wenn ein gewisser Luke S. nicht auf der Leinwand erschienen wäre.

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      • Das Remake ist hier aber so unbeliebt, dass ich mir den vor ein paar Jahren importieren musste. Hat er echt nicht verdient.

        Vor allem weil Friedkin mit French Connection und dem Exorzisten ja zwei Superhits in Reihe abgeliefert hat. Das sein nächster so vergessen wird weil er bei Erscheinen floppt ist… naja, irgendwie bezeichnend fürs Filmgeschäft.

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        • Das ist dann der Fluch des Erfolgs, an dem man bei jedem neuen Projekt gemessen wird. Damit muss man auch erst einmal umgehen können. Daher liefere ich in allen Lebensbereichen grundsätzlich nur Mittelmaß ab 🙂
          Schon sehr schade, dass Friedkin nach zwei solchen Knallern einen solchen Rückschlag kassieren musste. Man hätte ihm da schon eine etwas längere Erfolgsstory gegönnt. Leider kam danach – außer „Cruising“ vielleicht – nichts wirklich Herausragendes mehr.

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          • Ich habe letztens Peter Falks Autobiografie gelesen. Darin erzählt er, wie er und ein paar Kollgen in Friedkins Film nach Sorcerer für die erste Szene des Films in einem Laster saßen. Alle waren nervös und angespannt. Da kam Friedkin gelaufen, riss die Tür auf und rief: „Ich habe vergessen euch eure Motivation für die Szene zu geben: ich brauche einen neuen Hit!“ Alle lachten und wurden locker und die Szene lief super. Ein Hit wurde Das große Dings bei Brinks aber dennoch eher nicht…

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