Eine kurze Geschichte des Films

Natürlich ist die Filmkunst, so wie jede Kunstform, im ständigen Wandel, bekommt stets neue Facetten und wird beflügelt von Innovationen, die auf dem bereits Bestehenden aufbauen. Es ist somit ein stetiger Prozess, an dem viele Schaffende beteiligt sind. Dennoch gibt es auch hier ein paar wirklich große Sprüngen, die herausstechen und federführend bei der Weiterentwicklung des Mediums waren. Ein ausführlicher Einblick in die Filmgeschichte würde natürlich den Rahmen eines solchen Beitrages deutlich sprengen, dennoch möchte ich versuchen hier einen kurzen Überblick über drei der bedeutendsten Entwicklungen zu geben, ohne die Filme nicht das wären, was sie heute sind .

Wie die Bilder laufen lernten

Wunder oh Wunder, möchte man etwas zum Thema Filmgeschichte schreiben, kommt man natürlich nicht umhin, sich mit jenen Menschen zu beschäftigen, die das Medium quasi erst erschaffen haben. Beschäftigt man sich mit dieser frühen Zeit des Films wird einem eines schnell klar: Die Geschichte des Films hängt eng zusammen mit der Geschichte der Fotographie (was für eine Überraschung).

Hier gab es bereits im 18 Jahrhundert Bestrebungen durch auf Glasplatten gezeichnete und anschließend auf eine Wand projizierte Bilderabfolgen so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. Der Durchbruch kam dann allerdings erst im 19 Jahrhundert, als die Entwicklung der Fotographie so richtig in Fahrt kam. Der erste Name, der dann tatsächlich für den Film von großer Bedeutung war, lautet Eadweard Muybridge. Muybride gelang es 1878 eine Serie von Fotographien eines galoppierenden Pferdes anzufertigen und diese dann, mit Hilfe des dafür entwickelten Abspielgeräts namens Zoopraxiskop, in ausreichender Geschwindigkeit hintereinander abzuspielen. Das Ergebnis dieses ersten Feldversuchs kann man noch heute bestaunen.

Nachdem es in den folgenden Jahren gelang, die Belichtungszeit immer weiter zu reduzieren, wurde es möglich immer mehr Bilder hintereinander aufzunehmen, womit die Geburtsstunde der Kinematographie eingeläutet wurde. Das entsprechende Abspielgerät steuerte im Jahre 1891 dann niemand geringeres als Thomas Alva Edison bei. Das Kinetoskop konnte bereits 15 Bilder pro Sekunde abspielen, die auch damals schon auf Nitrozellulose gebannt wurden.

Als tatsächliche Geburtsstunde des Mediums Film wird von einigen allerdings ein anderes Datum genannt: der 28.12.1895. An diesem Tag präsentierten die Brüder Lumière in einem Saal des Grand Café in Paris eine Auswahl an Kurzfilmen, die sie mit ihrer neue Erfindung, dem Cinématopraphe aufgenommen hatten. Dieses Gerät revolutionierte das Medium dahingehend, dass es Aufnahme-, Kopier- und Abspielgerät in einem war, was eine immense Erleichterung darstellte. Dennoch sahen die Lumières noch nicht das volle Potenzial dieses neuen Mediums, nutzten sie ihre Kameras am Anfang doch lediglich zu dokumentarischen Zwecken.

Erst der Magier und Illusionist Georges Méliès erkannte die schier unendlichen Möglichkeiten dieser neuen Technologie, fing an fiktive Geschichten zu erzählen und das ganze mit Special Effects zu würzen. Gaukelnder Schnitt, Überblendungen, Stop-Motion – all dieser Techniken bediente sich dieser Visionär bereits Ende des 19ten, Anfang des 20ten Jahrhunderts. Wer einmal sehen möchte, welch großartigen Ideen dieser Mann bereits damals auf Film bannte, sollte sich einmal auf YouTube „Die Reise zum Mond“ von 1902 anschauen.

Auch wenn als erster erzählender Langspielfilm „Soldiers of the cross“ aus Australien gilt, ist der nächste wichtige Name in diesem Beitrag, der eines Engländers: George Albert Smith. Dieser zeigte in seinem Film „The Little Doctor“ von 1901 eine Katze in Nahaufnahme und legte so den Grundstein für das, was man heutzutage als „Bildsprache“ bezeichnet.

Die Grundlagen waren also allesamt gegeben: die nötige Technik war vorhanden, man wusste um das schier grenzenlose erzählerische Potenzial, kannte schon einige Spezialeffekte und wusste um die Macht der Bildsprache…doch trotz der beeindruckenden Bilder auf der Leinwand, hörte man doch stets nur irgendeine Musik dazu spielen.

Wie die Bilder sprechen lernten

Auch wenn es bereits Ende des 19ten und Anfang des 20ten Jahrhunderts erste Bestrebungen gab, eine passende Tonspur zum Film aufzunehmen – zum Beispiel kombinierte William Dickinson, der Chef-Ingenieur Edisons, 1895 den Kinematographen mit dem Phonographen – so waren diese Bestrebungen noch von wenig Erfolg gekrönt, da es nicht gelingen wollte, Bild- und Tonspur synchron ablaufen zu lassen.

Zwar bedienten sich die ersten Tonfilme (so wie auch „The Jazz Singer“ von 1927, der von vielen als Beginn der Tonfilmzeit betrachtet wird) dem sogenannten Nadeltonverfahren, bei dem der Filmprojektor mit einem Plattenspieler verbunden wurde, um eine halbwegs zumutbare Synchronität zu erzeugen, allerdings wurde dieses Verfahren bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts durch das sogenannte Lichttonverfahren abgelöst. Als Erfinder dieses Verfahrens, bei dem die Tonspur neben den Bildern auf den Film aufgebracht wird, wodurch das Problem der Synchronität quasi gelöst wurde, gilt der Pole Józef Tykociński-Tykociner. Dieses Verfahren wurde schließlich in den 1950ern durch das Magnettonverfahren erweitert und ergänzt.

Heutzutage wird häufig eine Kombination der beiden Verfahren angewandt, die es einem außerdem erlaubt, anstelle des zunächst nur verfügbaren Monosounds, mehrere Tonkanäle zu produzieren, um so einen Stereosound zu erzeugen.

Nachdem die technischen Voraussetzungen gegeben waren, wurde den Filmschaffenden eines allerdings sehr schnell klar: Einfach nur ein Mikrophon irgendwo hinzustellen und mitlaufen zu lassen, reicht nicht aus, um ein überzeugendes Klangerlebnis zu erzeugen. Einerseits hatte (und hat) man immer wieder mit Umgebungsgeräuschen zu kämpfen (nicht umsonst sagt man: „Der größte Feind des Tonmeisters ist der Wind“), zu Beginn konnte bereits die expressive Schauspielkunst zu großen Problemen führen, da bei zu deutlichen Bewegungen weg vom Mikrophon natürlich die Aufnahme plötzlich sehr leise wurde (wunderbar veranschaulicht in dem Film „Singin‘ in the Rain“), Geräusche ließen sich überhaupt schwer einfangen (Hufgetrappel, Schritte auf knirschendem Eis, eine deftige Ohrfeige – all das gab erstaunlich wenig Klang her) und was sollte man mit jenen Geräuschen machen, die real gar nicht existierten (wie hört sich ein Lichtschwert oder ein T-Rex denn bitteschön an?). So entstand im Laufe der Zeit eine wahre Klangwelt, bestehen aus Dialogen, Effekten und Filmmusik, die erst in ihrer Gesamtheit das ergeben, was wir heute als Filmsound kennen. Wer sich hier mal etwas genauer informieren möchte, dem kann ich nur wärmstens die Doku „Making Waves“ empfehlen, die zur Zeit in der ARTE-Mediathek abrufbar ist.

Wie die Bilder binär wurden

Ja, auch wenn es manche von euch vielleicht nicht so gerne hören, aber auch die Computeranimation stellt eine der bahnbrechenden Entwicklung der Filmgeschichte dar. Denn bereits in Filmen, die heutzutage bereits zu den Filmklassiker zählen, kam CGI zum Einsatz. Dabei ist die Technologie allerdings trotzdem noch immer ziemlich jung, was die immer noch auftretenden kleineren oder größeren Schönheitsfehler erklärt.

Die Wurzeln der digitalen Bilder liegen dabei an einem Ort, mit dem man vielleicht auf den ersten Blick gar nicht gerechnet hätte: im Flugverkehr. Hier wurde bereits Mitte der 1970er damit begonnen, Flugsimulatoren mit computerbasierten Bilder zu füttern. 1977 schaffte die Technik es dann aber schließlich raus aus den Universitäten und Forschungslaboren auf die große Leinwand.

Einer der ersten CGI-Effekte der Filmgeschichte ist zum Beispiel in „Star Wars“ zu finden – hier entstand der zerstörerische Todesstern doch tatsächlich zu 100 Prozent im Computer. Auch „Tron“ vermittelte dem Zuschauer 1982 schon eine gute Vorstellung davon, was dank der Hilfe computergenerierter Bilder in Zukunft so alles möglich sein würde (immerhin befand man sich im Film ja selber in einem Computerprogramm – das nenn ich mal meta). Ganz allgemein, nahmen vor allem Science-Fiction- und Abenteuerfilme wie „Star Trek 2“, „Treminator 2“ oder „Jurassic Park“ hier immer schon eine Vorreiterrolle ein. Den nächsten großen Sprung wagte allerdings das Animationsstudio Pixar, welches 1995 mit „Toy Story“ den ersten vollständig in einem Computer entstandenen Film in die Kinos brachte.

Doch hier hörte die Entwicklung natürlich noch nicht auf. Beständig wird daran getüftelt, das bereits Vorhandene noch zu verbessern, Neues zu programmieren und immer realistischere computergenerierte Bilder zu erschaffen. Das hat dazu geführt, dass es heutzutage kaum einen Film gibt, der nicht zumindest ein paar CGI-Szenen beinhaltet (und sei es nur ein nachträglich eingefügter Hintergrund). Und sogar alteingesessen Kultregisseure, die mit Science Fiction eigentlich nichts am Hut haben, scheinen immer mehr auf den Geschmack zu kommen, immerhin unterzog zuletzt auch ein Martin Scorsese in seinem Film „The Irishman“ seine Hauptdarsteller einer digitalen Verjüngungskur.

Und damit sind wir auch schon am Ende meines kleinen Exkurses, der, wie oben bereits erwähnt, natürlich lediglich einen oberflächlichen Einblick in die spannende Geschichte des Mediums Film darstellt.

Quellen:

 

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