Die neue Generation Filmklassiker

Klassiker brauchen in der Regel erst einmal Zeit, um an ihren Status zu gelangen. Wie viel Zeit dafür vergehen muss, das kann jedoch sehr unterschiedlich aufgefasst werden und letztlich ist es vermutlich bei jedem ganz individuell eine Gefühlssache. Gerade in meinem noch recht jungen Alter neige ich natürlich eher mal gerne dazu, spätere Filme bereits zu Klassikern zu zählen, an die andere vielleicht gar nicht mal denken würden. Und genau diese Sichtweise möchte ich mir zum Anlass nehmen, um euch einmal Filme vorzustellen, die meiner Meinung nach die neuesten Filmklassiker sind beziehungsweise werden dürften.

Während wir bei unserer Loveful 8 den Schlussstrich schon bei 1979 festlegten, dürfte es unbestritten nicht gerade schwerfallen, bereits Klassiker der 80er- und gar der 90er-Jahre festzumachen. Ob Indiana Jones, Blade Runner, Pulp Fiction, Forrest Gump oder Sieben. Die Auswahl ist riesig und auf viele werden sich bereits jetzt einige als Klassiker einigen können. Doch wie sieht es denn ab dem Jahr 2000 aus? Kann man für diesen Zeitraum schon Klassiker benennen? Ich sage euch: Warum denn nicht! Seit den 2000ern ist bereits ein weiteres Jahrzehnt vergangen, also liegt einiges an Zeit dazwischen, um mal ein kleines Fazit zu ziehen, welche Filme man morgen eigentlich schon als Klassiker betiteln könnte. Im Folgenden stelle ich euch einige meiner Kandidaten vor, bei den einen wird es sicher eine klare Angelegenheit sein, bei manchen werde ich aber auch durchaus mal etwas spekulieren.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten (2001)

Fangen wir doch mal mit was Leichtem an. Es dürfte doch über jeden Zweifel erhaben sein, dass die „Herr der Ringe“-Filme hier auftauchen müssen. Ob seiner erzählerischen oder eben seiner inszenatorischen Ausmaße.

Oldboy (2003)

Mit diesem Film machte das koreanische Kino wieder auf sich aufmerksam und Park Chan-wook schuf mit „Oldboy“ einen Rachethriller für die Ewigkeit.

City of God (2002)

Dieser brasilianische Gangsterfilm steht dem Hollywoodkino in nichts nach und liefert beeindruckende Schauwerte.

Memento (2000)

Quasi in Perfektion zieht dieser Mystery-Thriller seine Handlung mal von hinten nach vorne auf und sorgt damit für ein einmaliges Filmerlebnis.

The Dark Knight (2008)

Superheldenfilme können tatsächlich auch erschreckend düster und realistisch sein. Heath Ledgers Darbietung des Jokers ist dazu eine der ikonischsten dieses Jahrtausends.

Harry Potter und der Stein der Weisen (2001)

So müssen Young Adult Geschichten auf die Leinwand transportiert werden! Diese Welt der Magier bereichert das Fantasy-Genre.

Inglorious Basterds (2009)

Tarantino schreibt einfach mal Geschichte um und beeindruckt mit seinem Film wieder einmal auf allen filmischen Ebenen.

Walk the Line (2005)

Ein Biopic über einen Musiker par Excellence. Der Film über Johnny Cash macht es allen anderen vor, wie ein Film dieser Art auszusehen hat.

Brokeback Mountain (2005)

Ein starker Liebesfilm über zwei schwule Cowboys, der in Hollywood mit einigen Tabus brach.

Die fabelhafte Welt der Amélie (2001)

Der besondere Erzählstil, die markante Inszenierung und die berühmte Filmmusik machten „Amélie“ zu einem riesigen Filmhit aus Frankreich.

Pans Labyrinth (2006)

Guillermo del Toro bringt hiermit bedeutungsvolle Märchen für Erwachsene auf die Leinwand.

Findet Nemo (2003)

Ähnlich wie bei den Disney-Klassikern, kann man eigentlich auch schon von Pixar-Klassikern sprechen. Im gleichen Atemzug könnte man hierbei natürlich auch noch Filme wie bspw. „Toy Story“, „Die Unglaublichen“, „Ratatouille“, „Wall-E“ oder „Oben“ nennen.

Chihiros Reise ins Zauberland (2001)

Mit diesem Film sind Animes nun völlig im Westen angekommen und „Chihiro“ zählt mit Sicherheit zu den besten Filmen von Studio Ghibli, die durch ihre verträumte Erzählweise alle gewisses Klassikerpotential birgen.

Casino Royale (2006)

Der Startschuss für Daniel Craig als James Bond liefert gleich auch einen frischen Ansatz für Agentenfilme.

Zodiac (2007)

David Fincher perfektioniert hiermit seinen „Thriller-Look“ und hat für das Genre stets Bedeutsames beizutragen.

Children of Men (2006)

Alfonso Cuarón halt seinen dystopischen SciFi-Thriller extrem realistisch und beweist sein Ausnahmetalent für Inszenierung.

Requiem For A Dream (2000)

Selten wurde Drogensucht so vielfältig und hässlich dargestellt wie hier.

Saw (2004)

Ein Vorreiter des Torture-Horrors, der mit seinem frischen Ansatz sogar einen echt guten Film abgibt.

Kill Bill (2003)

Genres werden vermischt, zahllose Filme zitiert und zig Menschen aufgeschlitzt. Tarantino-Filme liefern immer das Potential zum Klassiker mit.

The Departed (2006)

Martin Scorsese ist im neuen Jahrtausend angekommen und holt nochmal ordentlich Anlauf. „The Departed“ ist ein Brett von einem Gangsterthriller.

Shaun of the Dead (2004)

Bevor Zombies wieder einmal cool waren durch so eine Serie wie „The Walking Dead“ waren sie zwischenzeitlich sogar witzig. Die Zombie-Komödie schlechtweg.

No Country For Old Men (2007)

Damit perfektionierten die Coen-Brüder ihre Formel und schufen einen einzigartigen Crime-Thriller.

Gladiator (2000)

Die Wiedergeburt des Sandalenfilms.

Mulholland Drive (2001)

Eins der besten Zeugnisse für David Lynchs Schaffen als unzuverlässiger Erzähler, der das Mystery-Thriller-Genre damit weitgehend prägte.


Wie zufrieden seid ihr mit meiner Auswahl? Stimmt ihr mir bei manchen Filmen so gar nicht zu und fehlt eurer Meinung ganz klar ein Film? Diskutiert gerne mit mir in den Kommentaren darüber!

8 Gedanken zu “Die neue Generation Filmklassiker

  1. Interessante Auswahl. Über das Thema hatten wir an anderer Stelle ja schon mal diskutiert.
    Wir ihr vollkommen richtig bei der L8 bemerkt, gibt es keine allgemein gültige Definition was ein Klassiker ist. Deswegen versteht jeder etwas andere darunter. FÜR MICH hat der Begriff Klassiker nur indirekt etwas mit seinem Alter zu tun. Insofern bin ich der Meinung, dass deine Liste auf jeden Fall Sinn macht. Ich finde es geht bei Klassikern vor allem darum, ob ein FIlm einen Einfluss auf nachfolgende Filme und Künstler/innen hatte. Das kann man natürlich auch vollkommen anders sehen und interpretieren. Das ist vollkommen legitim. Ich wollte dir nur zu Beginn erklären, auf welchem Boden meine Gedanken überhaupt stehen.

    Wenn ich mir unter dem Gesichtspunkt „Einfluss“ deine Liste anschaue, gibt es einige Filme, bei denen ich uneingeschränkt zustimme und andere, bei denen sich der Platz auf dieser Liste nicht erschließt.

    Beginnen wir mit der Zustimmung:
    Der Herr der Ringe
    Walk the Line
    Brokeback Mountain
    Saw
    Gladiator

    Bei anderen verstehe ich trotz der kurzen Erklärung nicht, warum diese hier auftauchen. An der Stelle möchte ich noch erwähnen, dass nicht jeder gute (oder gar geniale) Film ein Klassiker sein muss. Du schreibst oben (vollkommen zurecht), dass „Memento“ ein einmaliges Filmerlebnis ist. Das sehe ich absolut genauso. Allerdings führt das dazu, dass etwas einmaliges laut meinem Verständnis kein Klassiker ist. Ähnliches gilt für mich auch für „Inception“. Diese Filme stehen einfach für sich und bilden, wenn man denn in Schubladen denken möchte, eine Kategorie für sich.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Hier ein paar deiner Filme, bei denen ich widersprechen oder nachfragen möchte.

    Findet Nemo: Kann man sicher machen. Wie du aber selbst richtig sagst, könnte man da auch beliebig andere Filme nennen. Toy Story wäre meine Wahl, da es der erste seiner Art war und auch bis heute weitergeführt wurde. Wäre der Film gefloppt, glaube ich nicht, dass die Nachfolgerfilme produziert worden wären. Aber Toy Story ist natürlich aus den 90ern, du altes Schlitzohr.

    The Departed: Hier würde ich alleine schon widersprechen, weil es sich um ein Remake handelt, das so gut wie nichts Neues hinzufügt. Und das wenige Neue empfand ich als eher negativ.

    Die Fabelhafte Welt der Amelie
    Ich verstehe warum du den hier aufgenommen hast und stimme mit Abstrichen auch zu. Ich wollte nur anmerken, dass Erfolg, sei es kommerziell oder in Form von Preisen, meiner Meinung nach auch kein Maßstab für einen Klassiker ist.

    Children of Men
    Toller Film. Aber der hat meiner Meinung nach nichts Besonderes an sich. Vielleicht übersehe ich aber auch etwas. Kannst du mir da auf die Sprünge helfen?

    No country for old men
    Hier eigentlich genau das Gleiche.

    Zum Abschluss vielleicht noch ein paar Filme, die auf meiner Liste gelandet wären.

    Der erste Avengers-FIlm
    Moonlight
    Alice im Wunderland
    Die Planet der Affen-Reihe
    Avatar!!!
    Ghostbusters
    Keinohrhasen

    Bei den letzten beiden sei angemerkt, dass „Einfluss“ nicht immer positiv sein muss. Aber gerade „Keinohrhasen“ hat den aktuellen deutschen Film geprägt wie kaum ein anderer.

    So, das war jetzt doch mehr als ursprünglich geplant. Aber das zeigt, dass der Beitrag interessant ist, weil man darüber quatschen kann.

    Gefällt 1 Person

    • Vielleicht hätte ich doch vorher nochmal kurz und prägnant meine Auffassung eines Klassikers wiedergeben sollen 🙂 Für mich hat der Einfluss gar keine so große Rolle gespielt. Dementsprechend sucht man beispielsweise Avatar oder einen MCU-Film hier vergebens. Viel mehr war „Klassiker“ für mich stehts ein Begriff, der gleichzusetzen ist mit „Muss man gesehen haben“ oder bspw. in der Musik „Muss man gehört haben“. Es ist damit gleichzeitig ein Repräsentant seines Mediums wie auch seiner Zeit. Sie sind Meilensteine, wenn man irgendwann mal auf die Filmhistorie zurückblickt. Ist denke ich die einfachste Auffassung für den Begriff Klassiker, die allerdings natürlich viele Freiheiten lässt und natürlich deutlich mehr subjektiv ist. Besonders da die Qualität der Filme ebenfalls eine Rolle spielen. Meinen Wissensschatz in Puncto Film habe ich erst seit wenigen Jahren aufgebaut, dementsprechend bin ich immer wieder über dieselben Filmtitel gestolpert die ich nach und nach nachholen musste, um überhaupt mitsprechen zu können und dieser Beitrag spiegelt ein wenig meine Wahrnehmung dessen wieder.

      Übrigens finde ich es kein Ausschlusskriterium, wenn es sich bei etwas um ein Remake handelt. Die glorreichen Sieben ist bspw. im Prinzip auch eins, gilt allerdings als Klassiker nur um mal ein Beispiel zu nennen. Der Film ist aber ebenfalls ein gutes Beispiel dafür, dass ich hier nicht nur meine eigene Präferenz hab einfließen lassen. Ich für meinen Teil mag den Film nicht mal besonders, trotzdem ist ihm sein Stellenwert nicht abzusprechen und wenn dein Kind mal in das Alter kommt sich für mehr Filme zu interessieren und es sich fragen wird, was es schon in den 2000ern so verpasst hat, wird glaube ich The Departed ganz oben auf der Liste sein. Klar hält sich da meine Klassikerdefinition wieder sehr vage, aber ich wollte daraus auch gar nicht so eine große Wissenschaft machen.

      Mir reicht es manchmal auch schon, wenn ein Film etwas zu bieten hat, was sonst kaum ein andere zu bieten hat und das vielleicht gar perfektioniert, wie ein Memento.

      Und ich glaube die Filme bei denen dir die Erklärung nicht so gefällt, da gefielen die Filme mir nicht so besonders wie anderen 😀 Bspw. Children of Men, No Country for Old Men
      Ich glaube so eine Liste wird nie jeden zufriedenstellen.

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  2. Ja, da sehe ich auch so Einiges, was wirklich Zeug zu einem künftigen Klassiker hat. Bei anderen Filmen bin ich da eher skeptisch (z.B. Findet Nemo und Casino Royale), weil – da schließe ich mich voll Marco H an – ich hier auch den „Einfluss“ auf das jeweilige Genre, bzw. auf das Medium Film insgesamt vermisse. Da sind mir Filme wie die von dir genannten Saw und Brokeback Mountain (und noch einige andere aus der Liste) schon lieber. Vermutlich ist auch die Tendenz größer einen Film zum Klassiker zu verklären, wenn man ganz persönlich von ihm berührt war. Davon kann ich mich auch überhaupt nicht ausnehmen. So viel Objektivität hat vermutlich niemand. Man ist eben Mensch und da fallen die Entscheidungen auch immer ein wenig emotional aus. Das ist aber auch gut so.

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    • „Zodiac“ war tatsächlich nicht so mein Ding. Das liegt vermutlich daran, dass ich von einem David Fincher Film nach „Fight Club“, „Sieben“ und „The Game“ etwas völlig anderes erwartet hatte. Dennoch ist „Zodiac“, allein schon aufgrund der Besetzung sehenswert. Ob der Film es denn schafft, zum Klassiker zu mutieren, mögen Andere entscheiden.

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      • Ja, deswegen habe ich mich bislang immer ein wenig vor dem Film gesträubt… werde ihn mir aber irgendwann mal anschauen. Der scheint ja auch recht viele Fans zu haben.

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  3. Ich mag den Großteil der Filme auf Deiner Liste, von daher bin ich geneigt, Dir zuzustimmen.

    Abgesehen davon, wie gut sie sich über die Zeit halten, ist natürlich der Einfluss wichtig für den Status eines Films als Klassiker. Und hier würde ich sagen ist das Beste was man über einen Film sagen kann „oft kopiert, aber nie erreicht“. Damit würde in den 90ern etwa Pulp Fiction zum absoluten Klassiker, wenn sogar gesatndene Thriller-Regisseure von den Studios genötigt werden „Coole Dialoge“ in ihre Filme einzubauen.

    Für die Zweitausender wäre das dann sicherlich Der Herr der Ringe. Zehn jahre später hat sich der eigene Macher neu dran versucht und ist krachend gescheitert. Ich würde jetzt einfach auch nochmal Matrix zum 2000er Film ehrenhalber erklären, wegen des gigantischen Einflusses, den er in der ersten Hälfte der Dekade hatte. Haufenweise schwarze Duster und Sonnenbrillen und virtuelle Welten, aber keiner kam an ihn ran. Und damit würde ich tatsächlich auch eher die Bourne Identität zum klassiker erheben als Casino Royale. Denn letzteren gäbe es ind er Form nicht ohne Jason Bourne.

    Aber letztlich wird die Zeit entscheiden.

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