Eine Kategorisierung der Liebesfilme

Seit Anbeginn der Filmgeschichte spielten Liebesfilme immer schon eine große Rolle und waren stets eine sichere Bank, um die Menschen scharenweise in die Kinos zu locken. Ob Straßenfeger „Vom Winde verweht“, „Casablanca“, „Dirty Dancing“, „Titanic“ oder gar heutzutage ein „Your Name“.

Sie alle nehmen sich seit nunmehr über 100 Jahren dem Thema Liebe auf verschiedene Art und Weise an. Im Folgenden werde ich versuchen, eine Kategorisierung vorzunehmen, wie unterschiedlich Filme sich der Thematik annehmen können und welche Facetten der Liebesfilm alle anbietet.

Die verbotene Liebe

Ein wahrer Klassiker der Liebesfilmgattung. Das wohl berühmteste Liebespaar Romeo & Julia fällt unter diese Kategorie und im Laufe der Filmgeschichte wurde sich dieser Konstellation mehrfach bedient. Kein Wunder, so schreibt sich die Dramaturgie von selbst und folgt immer derselben Formel, bei der sich die Autoren nur fragen müssen, ob es ein Happy End gibt oder es in einer Tragödie mündet (siehe Romeo & Julia). Besonders beliebt bei dieser Herangehensweise an Liebesfilme ist natürlich auch, sich mit sozialen Missständen auseinander zu setzen.

So gerät der arme Herumtreiber Jack in „Titanic“ an die reiche Rose, die an einen wohlhabenden Mann verheiratet werden soll, um ihr Familienvermögen zu sichern. Der Titelheld in „Aladdin“ lebt auf der Straße und verliebt sich hoffnungslos in Prinzessin Jasmin, die hoch oben im Palast lebt. Die siebzehnjährige Arzttochter „Baby“ in „Dirty Dancing“ verliebt sich in den scheinbar anstandslosen Tanzlehrer Johnny Castle. Oder eben in gewohnter „Romeo & Julia“-Manier verlieben sich Tony und Maria in „West Side Story“ vor dem Hintergrund eines Bandenkriegs ineinander, bei dem es heißt entweder New Yorker oder Puerto-Ricaner zu sein.

Es ist einfach das perfekte Setting für Liebesfilme, um den Zuschauer auf seine Seite zu schlagen und ihn für die Liebe, die nicht existieren darf, brennen zu lassen. Zudem hatte das Filmpublikum schon immer ein Herz für Außenseiter.

Die erste große/wahre Liebe

Essentiell hierfür wird schließlich die Leidenschaft, die in diesen Filmen in den Mittelpunkt gerückt wird. Das erste Mal jemanden wirklich intensiv lieben, wow, was für ein Gefühl! Die einen fühlen sich von diesen Filmen angesprochen, weil sie immer noch auf die große Liebe warten, wiederum andere haben sie gerade hinter sich und üben Trauerbewältigung mit dieser Art Filmen aus. Oder man ist eben schon etwas älter und erinnert sich gerne an die naive Jugend zurück.

In der Fantasie hält die erste große Liebe ewig und man findet immer wieder zueinander zurück, wie in „The Notebook“.

Oft spielen diese Filme aber auch damit, dass wirklich jeder einmal die große Liebe findet, sogar die ganz Introvertierten. Diese „Weirdos“ dürfen sich meist zwei Stunden während eines Films dumm stellen, um in der letzten Szene zu merken, dass ihr Crush tatsächlich auf sie abfährt oder dass sich ihre große Liebe die ganze Zeit vor ihrer Nase befunden hat (ich glaube hier sollte jedem relativ schnell wahllos ein Film einfallen).

Zudem kann sich die eigene Leidenschaft zum ersten Mal vollkommen entfalten, was uns zu unserer nächsten Kategorie bringt:

Die Erforschung der eigenen Sexualität

Oft ist es dann wie in Filmen dargestellt die erste richtig leidenschaftliche Liebe, die einem erst die eigene Sexualität vor Augen führt und wodurch man sich selber erst so richtig kennenlernt. Großartiges Beispiel hierfür ist „Blau ist eine warme Farbe“, bei der diese Leidenschaft durch die expliziten Bilder verstärkt zum Thema gemacht wird und der Film Adèle bei ihrer Findungsphase ihrer eigenen Identität begleitet. Sogar noch extremer wird es in „Nymphomaniac“, wo das Ganze allerdings bereits in eine krankhafte Richtung geht und in einer Sexsucht mündet. Am Ende des zweiteiligen Films sticht eigentlich wieder einmal als einzig Positives nur die einzige wahre Liebe im Leben der Hauptfigur hervor, die sie mit Shia Laboeufs Figur hatte.
Ob einfach Fantasien auszuleben, die eigene sexuelle Gesinnung in Frage zu stellen oder um herauszufinden, was der eigene Körper will – diese Filme brechen wichtigerweise mit den Tabus und bringen uns vielleicht sogar etwas über uns selber bei.

Liebe als Gedankenkonstrukt

Manche Filme beschäftigen sich gar mit der Frage, was Liebe überhaupt ist und was sie ausmacht. Wie funktioniert sie, was beeinflusst sie und was genau steckt hinter der Liebe?

Kein Film hat das abstrakte Gebilde der Liebe vermutlich derart auseinandergenommen wie „Vertigo“ von Alfred Hitchcock. All diese Fragen nimmt sich dieser Film zur Brust und lässt einen plötzlich mit ganz anderen Augen darauf schauen. Sind wir vielleicht nur in die Idee verliebt, dass so etwas wie Liebe existiert? Verlieben wir uns wirklich in einen Menschen oder bloß in das Bild, dass wir auf ihn projizieren? Über diesen Film ließe sich vermutlich ein ganzes Buch schreiben.

Bis heute beschäftigen sich Filme damit, wo Liebe anfängt und wo sie aufhört. „Her“ beschäftigt sich bspw. mit den hochspannenden Fragen, was eine gesunde Beziehung ausmacht und wie Liebe aussehen muss, um einen Menschen vollkommen zu erfüllen. Könnte man einzig mit der Stimme einer künstlichen Intelligenz glücklich werden?

Hochzeit

Für viele ein einschneidendes (manchmal auch zwei-/drei-/vierschneidendes) Erlebnis, das besonders in Filmen stets romantisiert wird. Ob die perfekte Hochzeit oder eine, bei der alles schief geht, ob vollzogene oder abgesagte Hochzeit, ob „Ja, ich will.“ oder „Nein, ich habe mit dem Priester geschlafen.“. Der Bund der Ehe hält so einiges für die Liebe bereit, was jüngst „Palm Springs“ in diversen Szenarios durchgespielt hat, und egal welches Ergebnis die Hochzeit hatte, am Ende weiß jeder Beteiligte, was sein Herz wirklich begehrt. Daher ist natürlich dieser heilige Treueschwur ein wichtiges Element der Liebesfilme.

Trennung

Hachja Trennungsfilme, auch sie muss es geben. Doch halt, wollen die einem wirklich erzählen, dass Trennungen zum Leben dazu gehören und auch Gutes mit sich führen?

Wo ist mein Happy End, bei der sie am Ende doch wieder zusammenkommen und sich versöhnen? Oh Moment mal, scheinbar gibt es auch hier in ganz anderer Form Happy Ends. Joel möchte in „Vergiss mein nicht!“ nach seiner Trennung von Clementine an seinen Erinnerungen mit ihr festhalten und sie aufbewahren? „(500) Days of Summer“ erzählt mir ernsthaft, dass man manchmal nicht zu besessen von der Vorstellung sein sollte, dass ein bestimmtes Mädchen die Frau fürs Leben ist und dass einem dadurch vielleicht die wahre Frau fürs Leben durch die Lappen gehen könnte? „Marriage Story“, DER Scheidungsfilm der letzten Jahre endet trotz grausamer Darstellung eines Scheidungskrieges auf einer positiven Note?
Okay, das ist ja mal der allergrößte Quatsch und völlig realitätsfern, vergesst Trennungsfilme und kloppt sie in die Tonne. Ich kauer‘ mich lieber zurück alleine auf‘s Bett und schaue mir in „Twilight“ an, wie Bella von Edward gebissen wird um für den Rest ihres Lebens als Vampire zusammen zu bleiben.

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