Love, Antosha (2019)

  • Regie: Garret Price
  • Sujet: Anton Yelchin
  • Erzähler: Nicolas Cage
  • Genre: Dokumentation, Biografie
  • Land: USA

„When he was little, every day, he would write cards: „Dear Mommy, I love you so very much. Love, Antosha.“ There’s no gifts better than those.“, erklärt Irina Korina unter bebender Stimme, während sie zahlreiche Briefe ihres verstorbenen Sohnes Anton Yelchin für die Kamera hervorholt, die er in Kindesalter für sie gemacht hatte. Wie sich herausstellt, ist „Antosha“ die Verniedlichungsform von Anton und hinter diesem Namen steckt der Schauspieler, der 2016 im Alter von 27 Jahren starb.

Die meisten von euch werden diesen Namen vermutlich erst einmal googeln müssen und ein Bruchteil davon wird ihn dann zumindest vom Sehen her kennen, wenn auch bloß flüchtig. Anschließend werdet ihr euch sicher fragen: Warum soll ich mir eine Dokumentation angucken von einer Person, die ich nicht einmal kenne und die mich daher vielleicht auch gar nicht interessiert? Wieso verdient diese Person überhaupt eine Dokumentation und was macht sie so besonders?

Zum Einstieg werde ich zunächst einmal auf die erste Frage eingehen. Auch ich konnte nicht so viel mit Anton Yelchin verbinden. Kein Wunder, seine Filmografie liest sich nicht gerade besonders, allerdings muss man dazu auch sagen, dass der junge Mann erst am Anfang seiner Karriere stand, auch wenn diese bereits im Kindesalter begann. Eingangs kannte ich ihn auch bloß vom Sehen aus den neuen Star Trek-Filmen, die unterhaltsam sind und erfolgreich waren, aber jetzt auch nicht länger im Gedächtnis bleiben. Schließlich erfuhr ich dann am Rande mal von seinem Tod und sah ihn erst danach in anderen Filmen, namentlich „Green Room“ und „Thoroughbreds”.

Als ich also auf diese Dokumentation aufmerksam wurde, dachte ich mir nicht viel dabei und war zum einen gespannt auf die Einblicke in das Leben (samt tragischem Ableben) eines aufstrebenden Darstellers Hollywoods, der zumindest immer sympathisch wirkte, und zum anderen war ich gespannt, wie die Antwort auf die von mir oben gestellte zweite Frage lauten würde.

Die Dokumentation geht dabei ohne viel Schnickschnack chronologisch vor und fängt bei seinen Eltern an, die ein professionelles Eiskunstlaufpaar waren und ihn in Russland auf die Welt brachten. Schließlich wanderten sie, als er im Alter von 6 Monaten war, in die USA aus und verschrieben sich der Arbeit, um ihrem Sohn mehr Chancen zu ermöglichen. Bei diesem stellte sich in jungen Jahren bereits eine besonders große Leidenschaft fürs Schauspiel heraus. Dazu bekommt man unveröffentlichte Aufnahmen zu sehen, wie er bereits in Kindesalter sich selbst beim Schauspielern filmte und wie viel ungeheure Kreativität in ihm steckte.

Während schließlich die ersten Film- und Fernsehrollen im Jugendalter eintrudelten, stellten sich immer mehr Talente und Leidenschaften bei ihm heraus und umfassten neben dem Schauspiel auch noch bspw. die Musik und die Fotografie. Es wird klar, dass er vor Tatendrang nur so strotzte und seine Persönlichkeit hinterließ scheinbar bei vielen Menschen, mit denen er in Kontakt trat, schweren Eindruck. So plaudert im einen Moment Kristen Stewart aus, wie sie im Teenager-Alter zu ihm aufschaute und er sie abblitzen ließ. Oder man hört von Chris Pine, wie Yelchin ihm verstörende Fotografien zeigte, die ihm bis heute nicht aus dem Kopf gehen. Generell haben sich hier einige bekannte Leute vor die Kamera begeben, denen er in seiner Karriere begegnet ist: J. J. Abrams, Simon Pegg, Zoe Saldana, John Cho, Jennifer Lawrence, Willem Dafoe, nur um mal paar weitere zu nennen. Als Erzählstimme für die Doku hat man sogar Nicolas Cage bekommen, der Yelchins diverse Schriften verbalisiert.

Schnell wird also klar, dass es sich hierbei um eine herzerwärmende Liebeserklärung mit einem lachenden und einem weinenden Auge handelt und dass vom jungen Darsteller eine inspirierende Faszination ausgeht. Durch Yelchins Perspektive, die immer wieder eingenommen wird, kriegt man seine ungeheure Filmliebe mit, man erfährt von Inspirationsquellen und dabei sticht eine besonders hervor: die Liebe zu seiner Mutter. Überhaupt ist der Stellenwert der Familie in seinem Leben beeindruckend und seine Verbundenheit zu ihr etwas Besonderes.

Während das alles wirklich das Herz erfüllt, erfährt man dann allerdings von einer seltenen angeborenen Autoimmunerkrankung, die bei Yelchin zu Atemproblemen führen und er im Kampf dagegen auch beim Schauspiel über seine Grenzen hinausgeht. Und am Ende… stirbt er sehr jung trotz erfolgreichem Kampf gegen die Krankheit an einem ominösen Unfall auf seinem Hof. Manche Dinge kann man sich echt nicht ausdenken, dementsprechend auch schon eine Geschichte, die einen mitnimmt.

Und was nimmt man am Schluss mit? Anton Yelchin hat sein kurze Lebensspanne voll ausgelebt und auch wenn man ihn nicht kannte, zeigt die Doku eine inspirierende Persönlichkeit im Umgang mit Familie, mit einer Krankheit, mit Kreativität, mit Kunst, mit viel Filmliebe, wie er gerade erst in Hollywood mit seinem Talent Fuß fassen konnte und wie er viele seiner Mitmenschen faszinieren und begeistern konnte. Damit wäre auch für mich meine zweite Frage geklärt.

Der Film ist aktuell übrigens kostenlos in Amazon Prime enthalten und wer noch einen kleinen Eindruck der Dokumentation benötigt, für den habe ich auch nochmal den Trailer herausgesucht:

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