Filmtipps Januar 2021

Wer soll denn da den Überblick behalten? Das vielfältige Angebot  an selbst produzierten Filmen der gängigen Streaminganbieter wächst ständig und lässt vermeintlich keine Wünsche offen. Aber die Quantität steht häufig nicht im richtigen Verhältnis zur Qualität der Produktionen. Der Einsatz der “Suche”- Funktion ist für den Nutzer oft mühsam, zeitaufwendig und führt in der Regel nicht zum gewünschten Erfolg. Auch die anhand des Nutzerprofils und unter Anwendung der hinterlegten Algorithmen ermittelten Programmvorschläge, entsprechen häufig genug nicht im Geringsten den tatsächlichen Interessen des Zuschauers. Die verwegenen Drei aus dem Klappe!-Team haben die Weihnachtsfeiertage genutzt, um einige Highlights von Netflix & Co zu herauszuarbeiten, die es sicherlich wert sind, einmal näher betrachtet zu werden. 

Ainu empfiehlt: 

Apostle

  • Regie: Gareth Evans
  • Genre: Horror, Thriller
  • Darsteller: Dan Stevens, Kristine Froseth, Michael Sheen
  • Zurzeit verfügbar bei: Netflix

Man stelle sich ein Familiendrama in schaurig schönem Setting vor, welches in einen beunruhigenden Thriller samt Sekte und einsamer Insel umschlägt und schließlich zum waschechten mindfuck Horror mutiert, der seinem Publikum eine finale Erklärung tatsächlich am Ende schuldig bleibt. Wer sich von dieser Beschreibung angesprochen fühlt, der sollte hier ganz dringend mal einen Blick riskieren.  

Outlaw King

  • Regie: David Mackenzie 
  • Genre: Drama, Historiendrama, Biopic
  • Darsteller: Chris Pine, Florence Pugh, James Douglas
  • Zurzeit verfügbar bei: Netflix

Wer schon immer dachte, dass “Braveheart” eigentlich schon ein bisschen zu dick aufgetragen hat, sich aber für die damalige Zeit interessiert, der sollte “Outlaw King” auf jeden Fall ein Chance geben. Etwas geerdeter wird hier die Geschichte von Robert the Bruce, hinter einer beeindruckenden Kulisse und mit tollen Kostümen verziert, erzählt. Fans von period pieces kommen hier wirklich voll auf ihre Kosten, immerhin bietet der Kampf zwischen England und Schottland alles, was das Herz begehrt: Blut, Schweiß und Intrigen.   

Steffelowski empfiehlt:

Der Sanitäter 

  • Regie:Carles Torras 
  • Genre: Krimi, Psychothriller 
  • Darsteller:Mario Casas und Déborah François.
  • Zurzeit verfügbar bei: Netflix 

Ein Film, der sicherlich im großen Angebot der Netflix-Eigenproduktionen gern einmal untergeht. Ich bin auch nur durch Zufall auf ihn gestoßen oder meine Algorithmen hatten einen guten Tag. Rettungssanitäter Ángel sitzt nach einem schweren Unfall nach einem Einsatzes im Rollstuhl. Seiner Beziehung, in der es bereits vorher nicht zum Besten stand, versetzt die neue Lebenssituation einen weiteren heftigen Schlag. Ángel wird zunehmend reizbarer und beginnt grundlos mit seiner Freundin Vane zu streiten und ihr  Affären mit anderen Männern vorzuwerfen. Es dauert nicht lange, bis ein Mord geschieht und auch Vane um ihr Leben fürchten muss. Kleiner, aber feiner Thriller aus Spanien, der jeden sofort in seinen Bann ziehen dürfte.

Hillybilly Elegy 

  • Regie: Ron Howard
  • Genre: Drama 
  • Darsteller: Amy Adams, Glenn Close  
  • Zurzeit verfügbar bei: Netflix 

Netflix versucht sich mit schöner Regelmäßigkeit und durchaus zunehmender Qualität auch an anspruchsvolleren Eigenproduktionen, die nicht unbedingt das Mainstream Klientel ansprechen. Mit der Verfilmung des autobiografischen Romans von J.D Vance unter der Regie von Ron Howard ist dem Streaming Anbieter ein Film gelungen, der durchaus das Potenzial für die eine oder andere Oscar-Nominierung hätte. Das Aufwachsen J.D’s im Umfeld der „White Trash Community“, der Welt der vom sozialen Aufstieg abgeschnittenen Stahlarbeiter in Ohio, wird anhand eindrucksvoller Bilder und beeindruckender Charaktere (kaum zu erkennen, Glenn Close) eindringlich dargestellt. Durch Unterstützung seiner Großmutter gelingt es J.D. zwar,  ein Jurastudium in Yale zu absolvieren und so – zumindest nach außen hin –  den Aufstieg zu schaffen und sich von seiner Herkunft zu lösen. Im Inneren bleibt J.D. jedoch seinen Wurzeln und seiner Familie eng verbunden, was zu einigen Gewissenskonflikten und Problemen ganz praktischer Natur führt

Wermi empfiehlt:

Ich habe meinen Körper verloren

  • Regie: Jérémy Clapin
  • Genre: Drama, Fantasy, Animation
  • Zurzeit verfügbar bei: Netflix

So einen Animationsfilm sieht man nicht alle Tage. “J’ai perdu mon corps” (wie er im Original heißt) stammt aus Frankreich und trotz Oscar-Nominierung kennen den vermutlich immer noch zu wenig Leute. Dieser Animationsfilm hat es nämlich in sich, ist total originell und definitiv an ein erwachsenes Publikum gerichtet. Es geht immerhin um eine abgetrennte Hand, die sich auf die Suche nach ihrem Körper macht. Ja, der Inhalt mag auf den ersten Blick sehr befremdlich und vielleicht gar abschreckend wirken, dennoch möchte ich euch anhalten, dieser Perle eine Chance zu geben. In Wahrheit steckt hier hinter eine echt berührende Geschichte, denn in Flashbacks lernt man den Menschen kennen, dem die Hand gehört hat und wie es überhaupt dazu kam, dass er seine Hand verlor. Noch dazu ist es wirklich bemerkenswert, wie der Film es schafft innerhalb kürzester Zeit etwas Abstraktem wie einer Hand so etwas wie Charakter zu verleihen und ihr Leben einzuhauchen, wodurch der Zuschauer gar mit ihr mitfühlen kann.

The Night Comes For Us

  • Regie: Timo Tjahjanto
  • Genre: Action, Thriller
  • Darsteller: Joe Taslim, Iko Uwais
  • Zurzeit verfügbar bei: Netflix

Eins vorweg: Der Film wird nichts für jeden sein. Wer eine Story sucht und Probleme mit Gewaltdarstellung hat, ist hier völlig falsch. Denn erstens, so etwas wie eine Geschichte sucht man hier vergebens, sie ist aber auch total nebensächlich. Und zweitens, habe ich glaube ich noch nie einen so brutalen Film gesehen. Sind alle Leser soweit ausgestiegen, denen das nicht zusagt, verspreche ich denjenigen, die hellhörig dran geblieben sind eins: Auf euch wartet das reinste Kampf-Action-Fest! In “The Raid”-Manier gibt es hier auf die Fresse in einer Explizitheit, wie ich sie noch nicht erlebt habe und bei ‘nem Bierchen kann die handgemachte, toll choreographierte und angenehm gefilmte Action schließlich abgefeiert werden, was das Zeug hält.

Die Wütenden – Les Misérables

  • Regie: Ladj Ly
  • Genre: Drama, Milieu-Studie, Krimi-Thriller
  • Darsteller: Damien Bonnard
  • Zurzeit verfügbar bei: Amazon

Halt! Einen Film gibt es noch, allerdings ist dies keine Streamingproduktion wie die anderen, sondern ich habe ihn hier noch aufnehmen wollen, da es sich tatsächlich um einen Kinostart 2020 handelt, den man auch bereits streamen kann.
Im Film geht es um einen Polizisten, der sich in ein Banlieue von Paris versetzen ließ und dort recht schnell mit seiner neuen Arbeit vertraut gemacht wird, die sich fortan mit viel Gewalt und Menschen aus schwierigen Verhältnissen auseinandersetzt. Als sie bei einem Einsatz einen Jugendlichen unabsichtlich verletzen, droht die angeheizte Situation vor Ort zu eskalieren und mündet in einem fulminanten Finale, das einen mit offenem Mund und aufgewirbelten Gefühlen zurücklässt.

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