Die 8 besten „Originals“ von Streamingdiensten

Nach dem 2020 die Streamingdienste uns weiterhin mit neuen Filmen versorgten trotz Schließungen der Kinos und daher ein wenig als Sieger hervorgingen, wollten wir uns einmal genauer anschauen, wie viel Qualität in so genannten „Originals“ wirklich steckt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es bereits einige tolle Streamingreleases gab. Und drei Filme aus dem letzten Jahr haben es schließlich auch in unsere finale Liste geschafft!

The Ballad of Buster Scruggs (2018) – Netflix

Fast schon märchenhaft mutet dieser Episodenfilm an, der sich dem Westerngenre verschrieben hat. Sechs in sich abgeschlossene Episoden hält er darin bereit, bei denen sich jeder eine andere heraussuchen kann, die ihm am besten gefallen hat. Allein durch diese Aufmachung ist “The Ballad of Buster Scruggs” schon etwas Besonderes und der Film vollbringt das Kunststück, die Qualität von Episode zu Episode hoch zu halten. Mal witzig, mal zynisch, mal melancholisch, mal ernst – bedienen sich die Coen-Brüder auf subtile Weise einer breiten Palette an Tonalität und feiern den Western und seine Eigenheiten ab.

Beautiful Boy (2018) – Amazon

Nicht so “beautiful” wie der Titel ist tatsächlich die Thematik, mit der sich der Film befasst. Er setzt sich nämlich damit auseinander, wie schnell man als Jugendlicher auch ganz plötzlich in die Abwärtsspirale der Drogen fallen kann und stellt die schwierige Frage, wie man als liebendes Elternteil am besten damit umgehen kann. Ein sensibles Thema, dass der Film herzergreifend umsetzt, aber sicherlich alles andere als Feel-Good ist. Dennoch gibt es mit Steve Carell (endlich wieder in einer ernsten Rolle) und Timothee Chalamet zwei hingebungsvolle Darstellungen , die einen mitreißen und schließlich wird man mit einem auf seine Weise versöhnlichen Ende belohnt, aus dem man sicherlich einiges für sich selbst herausziehen kann.

The Devil All the Time (2020) – Netflix

Eine gefeierte Romanvorlage (deutscher Titel „Das Handwerk des Teufels“), mit einer großartigen Besetzung, atmosphärisch dich verfilmt Das fasst die Netflix Eigenproduktion recht treffend in einen Satz zusammen. Der Zuschauer erlebt eine sich über mehrere Jahrzehnte hinziehende Geschichte, von Kriegsheimkehrern, religiösen Fanatikern, umherreisenden Serienmördern und Predigern, die viel mehr im Schilde führen, als nur das Wort Gottes zu verkünden. Die Geschichte ist nicht durchgehend linear erzählt, schlägt immer wieder Haken und führt laufend spannende neue Charaktere in die Handlung ein. Eine Mischung aus Familiendrama, Psychothriller und Sittenbild des Amerikas der 1950er/1960er-Jahre. Mit „Spider Man“ Tom Holland, dem neuen „Batman“ Robert Pattinson und „Pennywise“ Bill Skarsgård hat „The Devil all the Time“ einen wirklich erstklassigen Cast am Start. Der Film dürfte bei den nächsten Oscars vermutlich das eine oder andere Wörtchen mitzureden haben. Aus meiner Sicht, vollkommen zu Recht

The Hater (2020) – Netflix

Mal ganz ehrlich: Wer von euch hatte von diesem Film gehört, bevor er in diese Liste geschaut hat? Nicht so schüchtern, ihr dürft euch ruhig melden. Dachte ich mir fast, dass da nicht viele die Hand heben werden. Ist aber auch kein Wunder, ich bin nämlich auch selber eher durch Zufall darüber gestolpert, als ich eine Streamingvorschau zusammenstellte. Wer nämlich nicht gezielt nach dem Film sucht, der wird ihn wohl auf Netflix auch nicht so schnell finden. Was eigentlich wirklich ein Schande ist, denn “The Hater” vom polnischen Regisseur Jan Komasa, der letztes Jahr mit “Corpus Christi” für Aufsehen in der Filmwelt sorgen konnte, ist eine äußerst sehenswerte und sehr verstörende Charakterstudie, die erstaunlich viele Parallelen zu “Joker” aufweist und dennoch ganz anders ist.  

The Irishman (2019) – Netflix 

Zugegeben, dreieinhalb Stunden, das ist schon wirklich ein ziemliches Brett. Erst recht, wenn man im Kino sitzt und die Blase wegen des riesigen Bechers Limo immer mehr zu drücken beginnt. Womit wir hier auch gleich mal einen Vorteil ausgemacht hätten, welchen das Streamen Zuhause bietet. Doch auch wenn die Pause-Taste noch so verlockend scheinen mag, würde ich dennoch empfehlen, so selten wie möglich von ihr Gebrauch zu machen. Denn auch wenn Scorsese einem mit seinem Mafia-Epos einiges an Sitzfleisch abverlangt, lohnt es sich die ganze Geschichte an einem Stück zu erleben. Nicht nur weil man so viel besser in die aufgebaute Atmosphäre eintauchen kann, sondern auch weil, einem Epos würdig, ziemlich viele Figuren auftauchen, deren Verbindungen und Anliegen man sich erst einmal merken muss (ganz zu schweigen von den Namen). 

Klaus (2019) – Netflix

Wer hätte gedacht, dass nochmal ein Film erscheint, der das Potential hat ins jährliche Weihnachtsprogramm aufgenommen zu werden. “Klaus” bringt frischen Wind in die Riege der Weihnachtsfilme und ist dazu auch noch ein hübscher Animationsfilm, der mal nicht aus dem Hause Disney stammt. Nun ja, Regisseur Sergio Pablos wirkte zuvor tatsächlich bei Filmen der Marke Disney mit, brachte hier aber seine ganz eigene Vision auf den Bildschirm und man merkt gleich, dass viel Liebe darin steckt. Sicherlich ist der Film jetzt auch nicht gerade innovativ, aber er ist ohne Frage eine absolut runde Sache.

Marriage Story (2019) – Netflix

Schon bevor er auf Netflix zu sehen war, wurde der Film von allen Seiten mit Vorschusslorbeeren überhäuft. In den Feuilleton Sektionen aller relevanten Print- und Onlinemedien war man voll des Lobes, sowohl wegen der Geschichte als auch wegen des intensiven Spiels der beiden Hauptdarsteller Adam Driver und Scarlett Johansson. Zudem wurde der Film in aller Welt mit Preisen – inkl. 6 Oscar-Nominierungen – überhäuft. Und auch wenn es beim Oscar nur für eine Statue reichte (Laura Dern als beste Nebendarstellerin), ist „Marriage Story“ ein wirklich großer Film, der dem Zuschauer aber auch einiges abverlangt. Die Geschichte von Nicole und Charlie, deren Ehe vermeintlich am Ende ist, und denen als letzter konsequenter Schritt nur die Scheidung bleibt, macht deutlich, was aus zwei Menschen werden kann, wenn Sie in die Mühlen der Gerichte und Anwälte geraten. Der Versuch des Paares, ihre Beziehung zunächst mehr oder weniger „geräuschlos“ und vernünftig zu beenden, ist schnell zum Scheitern verurteilt. Es geht dann sehr schnell nicht nur um Besitztümer, gekränkte Eitelkeiten, gegenseitige Unterstellungen und falsche Verdächtigungen. Wie so oft wird auch das gemeinsame Kind zum Spielball der jeweiligen Streitpartei. In „Marriage Story“ reiht sich eine großartig emotionale Szene an die nächste. Der Zuschauer lacht, weint, hasst, liebt und bangt mal mit Nicole, mal mit Charlie. Und wenn dann ganz am Schluss doch ein wenig Hoffnung auf eine Zukunft zu dritt aufkeimt, fällt es schwer, nicht nach dem Taschentuch zu greifen.

The Trial of the Chicago 7 (2020) – Netflix 

Aaron Sorkin mag bisher zwar eher durch seine Drehbücher aufgefallen sein, kein Wunder, diese sind immerhin zumindest immer gut, manchmal gar großartig, aber bei “The Trial of the Chicago 7” beweist er außerdem bereits zum zweiten Mal, dass er es sich auch ohne Probleme in einem Regiestuhl gemütlich machen kann. Die Mischung aus Gerichtsdrama und Politdrama ist dabei so gekonnt inszeniert, dass die Spannungskurve stets erhalten bleibt und keine Durchhänger in Sicht sind. Daneben wissen auch die Schauspieler zu überzeugen, gerade auch Sacha Baron Cohen beweist hier einmal mehr, dass er auch abseits seiner geschaffenen Kultfiguren wirklich hervorragend schauspielern kann. Doch was einem am Ende eigentlich wirklich kriegt, das ist die erzählte Geschichte, die einen unwillkürlich den Kopf schütteln lässt, ob der Absurdität des Ganzen, einem gleichzeitig aber auch die Zornesfalten ins Gesicht treibt, ob der Ungerechtigkeiten.

Wie immer danken wir an dieser Stelle für euer reges Interesse, und natürlich interessiert uns auch wieder, welche Filme ihr noch auf die Liste gesetzt hättet – oder vielleicht gerne von dieser hier entfernen würdet? Lasst es uns wie immer in den Kommentaren wissen. Unsere Wertungen für die Filme auf dieser Liste, wie auch die Filme, die es knapp nicht in unsere Top 8 geschafft haben, findet ihr hier:

Letterboxd-Liste: https://letterboxd.com/klappe_fm/list/the-loveful-8-die-besten-eigenproduktionen/

10 Gedanken zu “Die 8 besten „Originals“ von Streamingdiensten

  1. Ja, ich glaube, es sind wirklich auch die echten Highlights auf der Liste. Wie ich bei der Recherche für die Liste festgestellt habe, haben sowohl Amazon als auch Netflix wirklich jede Menge Schrott produziert. Auffällig auch, dass Netflix es in der Liste auf sieben Filme bringt, während von Amazon nur eine Produktion vertreten ist.

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