Sieben (1995)

  • Originaltitel: Se7en
  • Regie: David Fincher
  • Schauspieler: Brad Pitt, Morgan Freeman, Kevin Spacey, Gwyneth Paltrow
  • Genre: Thriller, Crime
  • Land: USA

Es gibt sie zuhauf (vor allem im Horror-/Thrillerbereich): Filme mit religiösem Touch. Manche davon sind zu regelrechten Genre-Klassikern avanciert, wie zum Beispiel „Das Omen“, zu dem es in dieser Ausgabe einen Beitrag unter der Rubrik „Original vs Remake“ gibt, andere kann man sich auch heute noch ganz gut zwischendurch anschauen, wie „End of Days“, und wieder andere erlangten mit der Zeit Kultstatus, wie „Dogma“. Die allermeisten versinken allerdings schnell wieder in der Vergessenheit. Die genannten Beispiel zeigen bereits, dass das Thema Religion auf äußerst unterschiedliche Art und Weise angepackt und in eine Handlung eingearbeitet werden kann. Dass trotzdem die meisten dieser Filme sehr schnell wieder in Vergessenheit geraten, liegt wohl einerseits daran, dass die Masse irgendwann übersättigt scheint, andererseits sicherlich aber auch daran, dass die kreativen Möglichkeiten nur allzu selten wirklich genutzt werden.

Diesen Vorwurf kann man Regisseur David Fincher und Drehbuchautor Andrew Kevin Walker nun wirklich nicht machen – weshalb „Sieben“ auch nicht in der Versenkung verschwunden ist, sondern als moderner Klassiker in die Filmgeschichte einging. Denn wie konsequent, kreativ und gekonnt sie hier das Thema Religion in ihre Geschichte, rund um einen mysteriösen Serienmörder verwoben haben, offenbart sich dem Zuschauer, ebenso wie den ermittelnden Detectives, erst nach und nach.
Für besagte Ermittler holte man sich außerdem noch zwei absolute Meister ihres Fachs ins Boot: Brad Pitt, als ehrgeizigen, aufbrausenden Neuling, und Morgan Freeman, als knapp vor der Pensionierung stehenden, besonnen Ruhepol. Ja klar, diese Kombination hört sich nun doch recht vertraut, gar generisch an, aber was soll man sagen, sie funktioniert halt auch einfach so unglaublich gut. Und auch wenn es nicht die kreativste Paarung ist, so wird sie hier doch in Perfektion inszeniert. Das hat natürlich auch viel mit Finchers allgemeinem Gespür für Inszenierung zu tun.
Fincher zählt nämlich zu jenen Regisseuren, bei denen man das Gefühl hat, dass hinter absolut jedem Gegenstand ein Gedanken steckt. Nichts scheint dem Zufall überlassen. Hier sieht man noch wahre Bildkompositionen. Das fängt bei der Farbgestaltung an, setzt sich in der Kameraeinstellung fort, beinhaltet Kostüm- und Setdesign und natürlich die Wahl des Drehorts. Kaum kam einem das Leben jemals trostloser vor, als wenn man gemeinsam mit Pitt und Freeman durch diese dreckigen, regennassen Straßen irrt, stets auf der Suche nach dem alles entscheidenden Hinweis. Selbst die Bücherei, Hort des Wissens, wirkt düster und bedrohlich, was in Anbetracht der dort zu Tage geförderten Informationen nur wenig überrascht. Der gleißende Sonnenschein, wenn man den Täter schließlich endlich dingfest gemacht hat, entpuppt sich am Ende als verdorrter, harter Boden. So geht großes Kino.
Doch wo wir gerade beim Täter waren, auch hierfür konnte man einen Schauspieler verpflichten, der zwar heutzutage in Ungnade gefallen ist, damals aber zu der absoluten A-Liga Hollywoods zählte und einfach ein wirklich hervorragender Schauspieler war: die Rede ist von Kevin Spacey. Denn obwohl er eigentlich kaum Screentime hat, zählt sein John Doe wohl zu den denkwürdigsten Schurken der Filmgeschichte – ein Psychopath, den keiner so schnell vergessen kann.

Hier fällt mir gerade auf, dass ich eigentlich noch gar nicht so richtig erzählt habe, worum es in dem Film eigentlich geht. Und das obwohl ich doch oben bereits die Handlung so hoch gelobt habe. Doch stellt sich mir nun die Frage: Will ich es euch eigentlich verraten?
Jeder von euch, der den Film bereits gesehen hat, weiß, was Sache ist, denn diesen Plot vergisst man einfach nicht. All jene unter euch, die den Film noch nicht kennen, könnten natürlich Google, Wikipedia und Co. bemühen, oder sich einfach bei der nächsten Gelegenheit vor den Fernseher begeben und  einen der besten Thriller aller Zeiten so genießen, wie sich das die Verantwortlichen damals vermutlich gewünscht haben, ohne zu viel Vorwissen.

Von diesem Gedanken irgendwie gefesselt (wie gerne würde ich selber noch einmal die gebannte Faszination während der ersten Sichtung durchleben können), möchte ich deswegen auch an dieser Stelle enden, mich nicht weiter in Lobeshymnen ergehen, denn es dürfte wohl ausreichend klargestellt worden sein, dass ich den Film grandios finde, und euch stattdessen lieber hier mit einer Empfehlung verlassen: Schaut euch diesen Film an!

4 Gedanken zu “Sieben (1995)

  1. Ja, es gibt wirklich nicht viele Filme, die mich so sehr beeindruckt haben wie „Sieben“. Allein schon die Titelsequenz ist ein eigenständiges Kunstwerk und war ich dieser Form bis dahin noch nicht im Kino zu sehen. Dutzendfach (meist schlecht) in anderen Filmen kopiert.

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  2. Habe ihn ja vor paar Tagen mit meinem Mitbewohner geschaut, der ihn noch nicht kannte und er war total geflasht 😀 Und überraschenderweise hatte ich bis auf das Finale gar nicht mehr so viel präsent, daher war das auch nochmal ein angenehmer Rewatch. Interessant finde ich wie du die Religion in den Vordergrund rückst, so sehr ihr Faktor hier einem auch unter die Nase gerieben wird, habe ich das gar nicht so stark wahrgenommen (gut vl weil ich auch extrem unreligiös bin), sondern viel mehr darauf geachtet, wie krass dieser Film eigentlich „Thriller-Regeln“ aufbricht

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