Original vs Remake: „Das Omen“ – Teufelsbrut²

Was macht man, wenn sich unter den 20 Lieblingsfilmen des werten Kollegen Steffelowski ein Horrorklassiker befindet, den man nicht nur sowieso schon seit längerem einmal sehen wollte, sondern der auch 3 Jahrzehnte später ein Remake spendiert bekommen hat, das tatsächlich ganz gut angekommen ist? Genau, man macht sich auf den Weg in die Bibliothek, leiht sich die dort verfügbare Collectors Edition aus (die zum Glück gleich beide Werke beinhaltet), kuschelt sich gemütlich auf die heimische Couch und schaut beide Filme innerhalb von 24 Stunden – immerhin sollten die Erinnerungen an den einen noch möglichst frisch sein, will man tatsächlich einen Vergleich ziehen. Ganz in der Tradition meines werten Kollegen Ma-Go, werde ich die beiden Kontrahenten deswegen hier nun in unterschiedlichen Kategorien gegeneinander antreten lassen, um am Ende als Schiedsrichterin das unumstößliche Endergebnis bekannt zu geben. In diesem Sinne – are you ready to rumble…

Handlung:

Achja, was wäre ein Film ohne sie? Gar nichts – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Klar, es muss nicht immer komplexer Mindfuck sein, aber eines ist unbestritten, ein guter Film braucht in den allermeisten Fällen auch eine gute Handlung (oder zumindest eine annehmbare). Denn seien wir uns einmal ehrlich, die wenigsten Werke, die man dem Horrorgenre zurechnet, würden in puncto Kreativität auch nur einen Blumenstrauß gewinnen. Wieso das die Fans des gepflegten Grusels so wenig stört? Nun ja, weil die eigentliche Story in diesem speziellen Fall tatsächlich eher zweitrangig ist. Aber eben trotzdem nicht unbedeutend. „Das Omen“ aus den 70ern macht insofern alles richtig, als es alle Checkpoints bietet, die sich der Horrorenthusiast, heute wie damals, wünscht: Eine unheimliche, böse Entität (in diesem Fall Satans Brut höchstpersönlich), ein paar schreckliche Morde, eine einzige, etwas umständliche Methode, wie man dem ganzen Einhalt gebieten kann und natürlich ein Ende, das einem den berühmten letzten Schlag in die Magengrube versetzt, ob der angedeuteten Zukunft. Das alles beinhaltet natürlich auch das Remake aus den 2000er Jahren, kein Wunder, immerhin hält es sich schon beinahe minutiös an das Original, weswegen es auch in diesem Punkt nur den Kürzeren ziehen kann, da die Handlung nun einmal von diesem geklaut ist. Der erste Punkt geht somit ganz klar ans Original.

Darsteller:

Bei diesem Punkt bin ich tatsächlich ein wenig zwiegespalten, gibt es doch in beiden Versionen wirklich tolle Performances zu bewundern. Auch wenn beide Kinderdarsteller in meinen Augen lediglich einen soliden Job machen (da habe ich schon deutlich besser Darbietung von Kindern gesehen), präferiere ich doch das diabolische Lächeln Harvey Spencer Stephens aus dem Original. Bei der weiblichen Hauptrolle hat dafür für mich eindeutig Julia Stiles aus dem Remake die Nase vorne, da sie für mich ein wenig mehr Nuancen in ihr Spiel einfließen lässt. Die Nebenfiguren halten sich dafür wieder ziemlich die Waage. Sowohl Billy Whitelaw als auch Mia Farrow machen einen ausgezeichneten Job als böses Kindermädchen. Auch David Warner und David Thewlis mimen beide äußerst gekonnt den auf der Abschussliste stehenden Reporter. Das Zünglein an der Waage ist somit der männliche Hauptdarsteller – also Gregory Peck gegen Liev Schreiber. Und auch wenn Schreiber sein möglichstes tut, kann er am Ende doch nicht mit Peck mithalten, der hier wunderbar die innere Zerrissenheit der Figur zum Vorschein bringt, der ständig zwischen seinen väterlichen Gefühlen und den nicht zu ignorierenden Tatsachen hin und her schwankt. Somit holt Peck mit einem gekonnten rechten Hacken auch diesen Punkt für das Original.

(Schock-)Effekte:

Auch hier war es für mich gar nicht so leicht einen Sieger in dieser Kategorie zu küren, haben doch beide Filme ihre Vor-, aber eben auch ihre Nachteile. Ein Beispiel gefällig. Nehmen wir einmal den Tod des Pfarrers vor der Kirche – in beiden Fällen ein wahrlich grausiges Bild, welches einem hier geboten wird. Während das Endresultat im Remake allerdings noch ein wenig schauerlicher ist, hat das Original den Weg dorthin eleganter gehandhabt, da sich das Remake hier leider auf eher mäßiges CGI verließ. Dafür schaut die Enthauptung eines anderen Charakters im Original leider eher etwas lächerlich aus (was vor allem dem eindeutig falschen Kopf geschuldet ist), während hier das Remake einen wirklich tollen Job macht. Ausschlaggebend waren für mich schließlich zwei Szenen. Wenn man von Hunden attackiert wird, ist eine ganze Meute einfach um einiges furchteinflössender, als nur zwei Exemplare, wie es beim Remake der Fall war – Realismus hin oder her. Außerdem störten mich beim Remake die eindeutigen Anleihen an die „Final Destination“-Reihe, wenn es um die Inszenierung mancher Todesfälle ging. Ja, hier wie da hat ab und an eindeutig der Teufel seine Finger im Spiel, trotzdem erinnerten die in Zeitlupe ablaufenden Verkettungen hier einfach zu sehr an das bereits erwähnte Franchise und wirkten deswegen eher wie platte Kopien und nicht sonderlich kreativ. Somit geht auch dieser Punkt an das Original.

Eindruck: 

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zu meinem Eindruck, die beiden Filme betreffend, loswerden – auch wenn der Ausgang des Kampfes ja bereits mehr als deutlich ist. Wie oben bereits erwähnt, habe ich die beiden Streithähne für diese Ausgabe zum ersten Mal kennen gelernt und ich muss euch gestehen, es wird wohl zu keinem zweiten Date kommen. Das liegt einerseits natürlich an der Tatsache, dass das Horrorgenre ganz allgemein nicht zu meinen Favoriten zählt (nur selten wissen mich Filme dieses Genres wirklich von sich zu überzeugen, geschweige denn noch echt zu schocken), andererseits aber auch daran, dass ich sowohl das Original, als auch das Remake als gleichermaßen belanglos empfand. Versteht mich nicht falsch, ich bereue es nicht, die beiden Filme gesehen zu haben, und ich fühlte mich auch durchaus während der Sichtungen ganz gut unterhalten, aber gleichzeitig war da auch nichts, was in mir den Wunsch geweckt hätte, die Werke abermals zu schauen. Der sprichwörtliche Funke wollte einfach nicht überspringen. So teilen sich die beiden Kontrahenten in dieser Kategorie den Punkt, denn sie sind beide für mich gleich auf, wenn es um den Eindruck geht, den sie bei mit hinterlassen haben.

Das Endergebnis ist somit ziemlich deutlich und wohl auch eher wenig überraschend, hat doch das Original mit einem Punktestand von 3,5 zu 0,5 das Remake in die Seile befördert. Der Verlierer muss sich somit zwar ganz klar geschlagen geben, kann sich aber wenigstens damit trösten, eine wirklich gelungene Kopie zu sein – aber eben auch nicht mehr.

3 Gedanken zu “Original vs Remake: „Das Omen“ – Teufelsbrut²

  1. Erstaunlich, dass dich die Filme so einigermaßen kalt gelassen haben. Als ich vor vielen Jahren das Original im Kino sah, hat es mich förmlich weggeblasen. Schon die Musik empfand ich als so intensiv und so einflößend, dass ich im Kinosessel förmlich zusammengesunken bin. Der Score bereitet mir auch heute noch eine solide Gänsehaut 🥺

    Gefällt 2 Personen

    • Ich kann es nicht erklären, aber irgendwie geht es mir mit vielen Horrorfilmen so, auch mit den Klassikern. Ich bin oft eher schockiert, verstört oder schreck mich halt bei einem Jump Scare, aber das ich mich wirklich gefürchtet hätte, das kam schon wirklich lange nicht mehr vor. Mir ist außerdem aufgefallen, dass ich viel intensiver auf Sci-Fi-Horror reagier, als auf Dämonen- oder Slasher-Zeugs 🤷

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    • Uhh motiviert mich dann doch, dem vielleicht mal eine Chance zu geben 😀 Jerry Goldsmith ist neben John Williams ebenfalls einer der großen Komponisten seiner Zeit
      Allerdings hat mich der Stil von Richard Donner bisher immer alles andere als angesprochen

      Gefällt 1 Person

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