Klappe-Porträt (3): Ein Mann wie Caine anderer

Mit fallen nicht viele Schauspieler ein,  die titelgebend in einem Popsong vorkommen. Aber der Song der britische Ska-Bad „Madness“ aus dem Jahr 1984 heißt schlicht und einfach „Michael Caine“ und Caine höchstselbst sagt hierauf ein paar lediglich den Satz „My name is Michael Caine.“. Mehr Understatement geht wohl kaum. Diese Zurückhaltung passt auch perfekt zum Michael Caine selbst. In Großbritannien, spätestens seit „Alfie“ (1964) ein absoluter Superstar, und bis heute dort noch immer einer der beliebtesten Darsteller, hat es Caine in den mittlerweile mehr als 60 Jahren seiner facettenreichen Karriere international nicht geschafft -vielleicht aber auch gar nicht gewollt – in den Olymp der ganz Großen vom Schlage eines Sean Connery, Al Pacino oder Robert De Niro aufzusteigen. Das mag mit der – freundlich ausgedrückt – nicht immer glücklichen Hand bei der Auswahl seiner Rollen zu tun haben. Vielleicht fehlte auch der EINE Film, der auch nach Jahrzehnten noch in aller Munde ist. Kein „Goldfinger“, kein „Taxi Driver“. Michael Caine ist einer der Schauspieler, den jeder in mindestens  einem Film schon einmal gesehen hat, aber wenn es um den Namen geht, stößt man bei vielen noch auf verlegenes Achselzucken.  

Michael Caine, der mit richtigem Namen Maurice Joseph Micklewhite (Inspiration für den Künstlernamen war der Film „Die Caine war ich Schicksal“)  heißt,  wurde am 14.03.1933 geboren und wuchs im Londoner Stadtteil Sothwark auf, einer Gegend, in der man arm blieb, weil die eigenen Eltern arm waren, wie deren Eltern zuvor. In Southwark waren in jenen Tagen die Fisch-Großhändler der Stadt angesiedelt, die die Wochenmärkte Londons sowie den Rest des Landes mit ihrer fangfrischen Ware belieferten. Michaels Vater, Mr. Micklewhite Senior, musste in einer  der großen Markthallen für schmales Geld schuften, um seine Frau und die 3 Söhne einigermaßen durchzubringen. Für Michael schien der weitere Lebensweg bereits sehr früh vorbestimmt zu sein.  Aber manchmal konnte das Leben dem Schicksal ein Schnippchen schlagen. Michael wusste auf jeden Fall bereits in jungen Jahren, was er werden wollte: reich und berühmt. Und genau das konnte man erreichen, wenn man Schauspieler, genauer gesagt, Hollywoodstar wird. Clark Gable und Humphrey Bogart hatten es schließlich auch geschafft.

Bereits während seiner Schulzeit begann Caine damit, die Bretter, die die Welt bedeuten, zu erkunden und er sammelte erste Erfahrungen als Darsteller. Sein einziges Problem war allerdings der schwere Londoner Arbeiterslang, „Cockney“ genannt, der ihn sofort als Kind der Unterschicht brandmarkte. Erst ein paar Jahre später wandelte sich der Fluch zu einem Segen. Der Cockney-Akzent wurde zu Caines Markenzeichen, dass ihn auch heute noch unverwechselbar macht. Unterbrochen wurde der Aufstieg zum Glamour-Star dann allerdings ab 1952  für 2 Jahre vom Militärdienst, unter anderem absolviert in Iserlohn, NRW und Korea während des dort tobenden Krieges.

Nach Ende seiner Militärzeit nahm Caine seine Ausbildung als Schauspieler wieder auf, zunächst am Theater, später versuchte er sich auch die ersten Male im Kino. In Erinnerung blieb hiervon nichts und es sollte noch einige Jahre dauern bis dann mit „Zulu“ (1964) ein echter Kassenschlager dabei war, der dann auch Caine als Schauspier  ins Rampenlicht rückte, auch wenn es noch keine Hauptrolle war. Diese und der Durchbruch als Star folgte dann 1966 mit der „Der Verführer lässt schön grüßen“ („Alfie). Die Darstellung des naiven Hedonisten Alfie Etkins passte perfekt in die leichte Lebensweise des Swinging London und Caine verkörpert hier den Prototyp des Party Animals, dem es um nichts anderes als Spaß geht. Ein neues Sexsymbol (und dazu noch eines mit Hornbrille) war geboren. Von jetzt ab ging es Schlag auf Schlag: Caine verkörperte in mehreren Filmen Harry Palmer, einer Reihe von Agentenfilmen, die als Alternative zur James-Bond-Reihe aufgebaut werden sollte. Alle Filme kamen beim Publikum gut an und Caine konnte es sich recht schnell erlauben, bei der Annahme seiner Rollen wählerisch zu sein. Leider waren – und dies setzte sich im weiteren Verlauf seiner Karriere weiter fort; erst in den 2000er-Jahren setzte Caine mehr auf Qualität als auf Quantität – nicht alle Filme Meisterwerke und dienten wohl eher dazu, Caines Vermögen zu vergrößern. Hits wie „Charlie staubt Millionen ab“ (1969) und „Luftschlacht um England“ (1969)  standen neben Flops wie „Morgen ist ein neuer Tag“ (1966) oder „Ein dreckiger Haufen“ (1968).

Diese  ambivalente Einstellung zu (vermeintlich) guten Drehbüchern und den damit verbunden Gagenzahlungen führte dazu, das Caine schon häufiger zum Kassengift  erklärt wurde, er es aber immer wieder schaffte, in neuen Rollen zu glänzen und das Star-Karussell ein um das andere Mal wieder zu besteigen. Hier ein kleiner Überblick über die High- und Lowlights in Caines sehr wechselhaften Karriere, wobei künstlerische Qualität und finanzieller Erfolg der Filme oftmals erheblich voneinander abwichen:

TopFlop
1970er-JahreJack rechnet ab (1971)Der tödliche Schwarm (1978)               
 Mord mit kleinen Fehlern (1972)Ashanti (1979)  
 Der Mann, der König sein wollte (1975)Jagd auf die Poseidon (1979)  
1980er-JahreDressed to Kill (1980)                                           Die Hand (1981)
 Hanna und Ihre Schwestern (1986) (Oscar für Caine als bester Nebendarsteller)Flucht oder Sieg (1981)  
 Zwei hinreißend verdorbene Schurken (1986)    Der weiße Hai – Die Abrechnung (1987)
1990er-JahreDie Muppets-Weihnachtsgeschichte (1993)Auf brennendem Eis (1994)  
 Little Voice (1998) Bullseye – Der wahnsinnige Diamanten Coup  
 Gottes Werk und Teufels Beitrag (1999) (Oscar für Caine als bester Nebendarsteller)20.000 Meilen und dem Meer  
2000er-JahreDer stille Amerikaner (2002)Get Carter – Die Wahrheit tut weh (2000)
 Batman Begins (2005)          Verliebt in eine Hexe (2005)  
 Harry Brown (2008)1 Mord für 2 (2007)  

Seit den 2010er-Jahren ist es schon etwas ruhiger um Michael Caine geworden, was sicherlich dem fortgeschrittenen Alter des Schauspielers geschuldet ist sowie der Tatsache, dass der 2-fache Oscargewinner alles erreicht hat und mit all den Stars und Regisseuren zusammengearbeitet hat, die es wert waren, vor oder hinter der Kamera mit ihnen zu interagieren. Bereits seit 2005 gehört er zur Stammbesetzung in den Filmen des Regie-Genies Christopher Nolan und hat es (bei 10 + 1 Nolan-Filmen) geschafft bei acht (Ja, auch in „Dunkirch“ ist mischt er mit) Produktionen dabei zu sein. An das Aufhören denkt der Mann offenbar noch nicht…

Für mich ist Michael Caine einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler. Auch wenn er viele Filme von durchaus fragwürdiger Qualität auf dem Konto hat, werden auch diese durch ihn durchaus veredelt. Und wer seit mehr als 60 Jahren im Geschäft ist, dem sei so manch filmische Gurke verziehen.

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