Die Alien-Reihe: Von Meisterwerk bis Müll

Eine gewagte Überschrift, ich weiß. Denn was ich so mitbekommen habe, hat jeder Teil der Reihe seine Anhänger und Verteidiger. Trotzdem kann man eines nicht von der Hand weisen: Bei kaum einer anderen Filmreihe unterscheiden sich die einzelnen Filme teilweise so dramatisch voneinander was Inszenierung und Aufbau betrifft, wie bei dieser. Von beengter Horrorperle, zu düsterem Actionkracher, zu abgedrehtem Zukunftsshit und bildgewaltiger Sinnsuche ist alles vertreten, was das Sci-Fi-Genre zu bieten hat. Und da ich erst vor Kurzem den dritten Film der Reihe zum ersten Mal gesehen habe (die übrigen waren mir alle bereits bekannt) und sich Teil 2 unter Steffelowskis Lieblingsfilmen wiederfand, dachte ich mir, hier und jetzt wäre eine hervorragende Gelegenheit euch einmal durch diese außergewöhnliche Film-Reihe zu führen. Folgt mir also zu unerforschten Planeten und unentdeckten Spezies.

Und weil es hier auch ordentlich zugeht, fangen wir gleich mal mit jenem Film an, der alles ins Rollen gebracht hat. Wir schrieben das Jahr 1979, als ein Mann namens Ridley Scott, damals in der Filmwelt noch ziemlich unbekannt, sich anschickte der Welt einen Film zu präsentieren, der das Science-Fiction-Genre gehörig durchrütteln sollte.
Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, wie „Alien“ vom deutschen Verleih zusätzlich betitel wurde, stellte eine fiese, beklemmende und beängstigende Variante eines Kammerspiels im Weltraum dar. Auf engstem Raum muss die Crew eines Raumfrachters hier mit einem Spitzenprädator erster Güte Katz und Maus spielen – bis am Ende nur mehr eine steht. Ja, ihr verlest euch nicht, es ist tatsächlich eine Frau, die als einzige dem Alien zu entkommen vermag.
Mit der Figur der Ellen Louise Ripley schuf Scott damals eine der wohl ikonischsten Heldinnen der Filmgeschichte, die es in dem ansonsten eher männerdominierten Genre ganz schön krachen ließ, ohne dabei ihre Weiblichkeit einzubüßen und einen auf Terminator machen zu müssen.
Da die Handlung soweit in sich abgeschlossen ist, rechnete zur damaligen Zeit eigentlich niemand so wirklich mit einer Fortsetzung und es wäre wohl bei der einen Filmperle geblieben, hätte sich nicht jener Mann, der gerade mit seinem ersten größeren Spielfilm, „Terminator“, für Aufsehen gesorgt hatte, dem ganzen angenommen. Die Rede ist natürlich von James Cameron.

Diesem war allerdings keineswegs daran gelegen, Scotts Film einfach nochmal zu drehen, weshalb er auch alles auf den Kopf stellte. Die Hauptfigur behielt er zwar, kein Wunder, wer gibt schon freiwillig so einen guten Charakter auf,  die enge des Raumschiffs wurde dafür gegen eine größere Basis auf einem Planeten eingetauscht und deutlich mehr Waffen und Action in den Mix geworfen.
Der Horror blieb natürlich nach wie vor erhalten, was bei dem schaurig genialen Design des Aliens, übrigens ein Werk des schweizer Künstlers H.R. Giger, wenig verwundert, aber durch die deutlich nach oben korrigierte Anzahl der Biester, ebenso wie durch die effektivere Bewaffnung auf menschlicher Seite, fuhr einem das Spektakel irgendwie weniger in Mark und Bein. Es fühlte sich plötzlich alles eher nach großem Action-Spektakel, denn nach kleiner Horrorperle an.
Trotzdem kann man dem Film seine Wirkung nicht absprechen. Denn auch wenn die Figuren wegsterben wie die Fliegen, und diese sich trotz militärischer Ausbildung auch noch viel zu oft, viel zu dämlich verhalten, fiebert man doch bis zur letzten Minute mit. Vielleicht auch weil Cameron als zusätzlichen emotionalen Ankerpunkt noch ein Kind mit in die Gleichung eingesetzt hat.
Auch hier hätte es einer Fortsetzung wohl nicht bedurft, ist doch die Handlung durchaus ausreichend abgeschlossen. Doch wie das nun einmal so ist, das Studio hatte mitbekommen, dass sie hier eine Kuh hatte, die noch Milch gibt – und so war ein dritter Teil unausweichlich.

Über die Produktionshölle, in der sich dieser dann befand, samt etlichen Wechseln im Regiestuhl, könnte man einen eigenen Artikel verfassen (hier möchte ich euch das YouTube-Video von Behaind ans Herz legen, welcher den langen Leidensweg schön aufschlüsselt und mit Bildern unterlegt). Am Ende durfte dann ein Mann seine Debüt mit diesem Film geben, der in dieser Ausgabe mit einem seiner anderen Werke in unserer Filmothek vertreten ist: David Fincher. Fincher selber ist, nach etlichen Quellen, mit Alien 3 ziemlich unzufrieden. Einerseits verständlich, immerhin wurde er als kompletter Neuling in ein Projekt geschleudert, bei dem schon so viele Hände im Spiel gewesen waren, dass man gar nicht mehr sagen konnte, wo die Idee des einen anfing und die des anderen endete. Manche Sets waren schon gebaut, manche Einstellungen schon gedreht, das Drehbuch wurde immer wieder überworfen.
Mit all diesem Hintergrundwissen erstaunt es dann direkt, dass der Film am Ende gar nicht so eine Katastrophe geworden ist, wie man es vermuten würde. Klar, hier handelt es sich auf gar keinen Fall um ein Meisterwerk, aber trotzdem muss man Fincher zugute halten, dass sich das Endresultat, trotz all der involvierten Köche, wie ein zusammenhängender, kohärenter Film anfühlt.
Handlungstechnisch orientiert sich das Ganze zwar ein wenig zu offensichtlich an seinem Vorgänger, und negiert mit seinem Anfang dabei auch gleich ein paar der emotionalen Höhepunkte von diesem, aber gerade das Ende bietet dann einen ebenso passenden wie heroischen Abschluss für die inzwischen ziemlich toughe Heldin. Oder zumindest dachten die Zuschauer, dass es ein gelungener Abschied von Ripley sein würde – das Studio sah dies allerdings nicht so. Immerhin gab die Kuh noch immer Milch.

Nur blöd, dass man den Verantwortlichen Autoren dieses Finale genehmigt hatte. Wobei, eigentlich auch kein Problem. Immerhin befinden wir uns in der Zukunft, im Weltraum. Also schnell her mit einem wahnwitzigen Plot über Klone, Mensch-Alien-Hybride, verrückte Wissenschaftler, einen Raumkreuzer und eine Crew, die am Ende einmal mehr ums nackte Überleben kämpfen muss.  Obwohl es auch hier sicherlich genügend Fans da draußen gibt, und man zumindest das Produktionsdesign loben muss, stellt dieser Film für mich den Tiefpunkt der Reihe dar.
Ripley wird plötzlich zur badass Motherfu**, die sich durch die Gegend schnüffelt, von der restlichen Crew bleibt einem kaum jemand im Gedächtnis und das Design des Hybriden ruft am Ende dann doch eher Gelächter als Angst beim Zuschauer hervor. Und trotzdem fand man auch hier ein halbwegs rundes Ende, weshalb es wohl niemand gestört hätte, wenn man das Franchise mit diesem Teil in den verdienten Ruhestand geschickt hätte.

Aber nein. 2012 fand Ridley Scott, ja genau, der Typ vom aller ersten Teil, dass er gerne mal wieder so einen richtigen Science-Fiction-Augenschmaus auf die Kinoleinwand zaubern möchte. Wieso also nicht die Vorgeschichte zu Alien machen. Dankbar sprang das Produktionsstudio natürlich auf – vielleicht war ja inzwischen genügend Zeit verstrichen, um das Franchise nach 15 Jahren Pause wiederbeleben zu können.
Meiner Meinung nach, ist hier aber eine der größten Schwächen des Films versteckt. Gäbe es nämlich diesen Zusammenhang nicht, dann wäre „Prometheus“ als eigenständige, bildgewaltige Sinnsuche auf einem fremden Planeten vermutlich um einiges besser aufgenommen worden – immerhin hat der Film, abseits der Franchiseverknüpfungen, einiges zu bieten.
So allerdings musste nicht nur früher oder später auf Biegen und Brechen die Kurve hin zum Franchise gekratzt werden, sondern es musste auch die lore der bereits bestehenden Teile mit bedacht werden (was wohl nicht wirklich bedacht wurde).
Der Film war allerdings trotzdem recht erfolgreich an den Kinokassen, was natürlich zwangsläufig eines bedeuten musste…ihr wisst es sicher schon: Eine Fortsetzung musste her.

Diesmal sollte aber wirklich eine Brücke zwischen dem „Prometheus“-Universum und dem „Alien“-Universum geschlagen werden, alle Fans sollten zufriedengestellt werden, ein schier unmöglicher Spagat wurde versprochen – der am Ende jedoch nicht glückte. „Alien: Covenant“ (ah, nun also endlich wieder das Alien im Titel, um den Zuschauern gleich mal deutlich zu machen, wohin die Reise gehen soll) war, wie man so schön sagt, weder Fisch noch Fleisch, versuchte die Konzepte und Ideen aus „Prometheus“ realtiv zügig und ein wenig lieblos abzuarbeiten und aufzulösen, um sich dann in seiner zweiten Hälfte fast wie eine unausgereifte Kopie des ersten Teils anzufühlen. So wirklich zusammenpassen wollte das Ganze allerdings zu keiner Sekunde. Nicht einmal der große „Twist“ am Ende, konnte so wirklich schockieren, roch man den Braten doch bereits eine Meile gegen den Wind. Da half dann auch die visuelle Imposanz des Spektakels nur wenig, um diesen misslungenen Hybriden vor der Bedeutungslosigkeit zu retten.

Trotzdem scheint Scott nach wie vor offen für einen weiteren Teil zu sein (offensichtlich war Alien: Covenant sowieso als Auftakt einer Trilogie gedacht gewesen). Wie wahrscheinlich dies allerdings in Anbetracht der Fox-Übernahme durch Disney wirklich ist, steht wohl in den Sternen.

 

11 Gedanken zu “Die Alien-Reihe: Von Meisterwerk bis Müll

  1. Witzigerweise hat mir der Dritte irgendwie besser gefallen als der waffenstarrende zweite Teil.
    Als riesiger Alien – Fan hat mich das auch geärgert, dass bei Covenant die zweite Hälfe des Films eher wie eine Kopie vom Original aussah…
    Letztendlich steht alles im Regal lieb nebeneinander. Inkl. Alien, dem Chestburster, einem Facehugger und eine Menge Alien – Legofiguren 🙂

    Gefällt 3 Personen

  2. Liebe Mara, großartiger Artikel. Sehr interessant und äußerst detailreich. Klasse. Immer, wenn ich den ersten Teil sehe, stelle ich fest, wie unendlich gut, wenn man mal von den Frisuren absieht, der gealtert ist. Der wirkt so gar nicht wie aus den 1970er-Jahren. Zu Teil 2 ist wohl alles gesagt worden. Den dritten Teil musste ich mir ein Stück weit erarbeiten. Mit jedem neuen Sehen gefällt er mir besser, reicht allerdings nicht an 1 und 2 heran. Teil 4 war für mich der absolute Tiefpunkt der Reihe. Der nervte mich nur. Prometheus und Conveanant gefallen mir jeweils für sich betrachtet auch gut, gehen aber jeweils andere Wege, weswegen ich beide immer losgelöst von den ersten 4 Teilen betrachte.

    Gefällt 2 Personen

    • Danke für die lobenden Worte 😊.
      Was Teil 4 betrifft, stimme ich dir voll und ganz zu…der war wirklich der Tiefpunkt. Prometheus mag ich für sich genommen und trenn den meistens auch von den übrigen, aber bei Covenant sind sie dann schon wieder so tief ins Alien-Universum getaucht, dass ich den tatsächlich eher zu den Alien-Filmen zähl…wobei ich ihn auch abseits davon recht enttäuschend fand (nur visuell war er wirklich ein tolles Erlebnis).

      Gefällt 1 Person

  3. Da muss ich dann auch mal mein Säureblut oder Senf dazugeben:

    Alien ist großartig unebrührbar ud ein Klassiker. Der beste der Reihe.

    Aliens: James Cameron beweist, dass er ein cleverer Bursche ist. Mit der Wandlung zum quasi-Kriegsfilm und dem Herausheben von Ripleys Mutterrolle (ein bisschen wie er später den Terminator in dessen zweiten Teil zur Vaterfigur macht) schafft er etwas gefühlt völlig Neues seinem Stil entsprechendes, was Vergleiche mit dem Original umgeht.

    Alien 3 fühlt sich dann mehr wie eine Fortsetzung des Ersten an. Ich mochte ihn immer ganz gern, im Assembly Cut find ich ihn richtig gut.

    Ressurection. Ich mag Jeunet. Ich mag auch hier seinen verqueren Blick auf das Franchise. Ich mag die Charakterköpfe die er besetzt. Aber das Buch… das Buch war nicht zu retten.

    Prometheus. Jede zweite Einstellung würd sich als Metal-Albumcover eignen. Die Geschichte ist überfrachtet und hätte vermutlich im Blade Runner Universum besser funktioniert.

    Covenant: nicht Fisch nicht Fleich trifft es. Die Engineers (und Noomi Rapaces Charakter in einer beinahe dreisten Szene) werden „entsorgt“, die Xenomorphs sind da. Und doch fühlt es sich an als wolle man Öl und Wasser mischen. Das es gelegentlich wie ein billiger Slasher wirkt ist fast tragisch.

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