Schurke oder Gurke? Bond-Bösewichte im Klappe-Check

Darth Vader, Hans Landa, Scar oder Hannibal Lecter.  Antagonisten, die Filmgeschichte geschrieben haben. Wenn wir einmal ehrlich sind, sind es doch oft gerade die Widersacher des strahlenden Helden, die uns anziehen und die einen Film erst so wirklich interessant machen. Denn wer mag schon Charaktere, denen immer alles gelingt, die immer integer für die gute Sache stehen oder für das Empire kämpfen und am Schluss auch noch das Love Interest abbekommen? Langweilig. Um einiges faszinierender sind da die Fehlbaren, die Verführten, die vom Wege Abgekommenen. Die, die sich alles erlauben, keine Rücksicht nehmen müssen und die von allen gefürchtet werden. In den James Bond-Filmen gab es eine Unzahl von bösen Gestalten. Aber wie böse sind sie wirklich? Wie viel Superschurke mit Anspruch auf Weltherrschaft steckt tatsächlich in Ihnen? Oder taugen sie bestenfalls für den „Omatrick“? Agentin Ainu und ich legen mal bei einigen „Baddies“ das Schurko-Meter an:

  • Ähnlich lieb wie die Namensgeber aus dem Disney-Abenteuer von 1942 gehen Bambi und Klopfer aus „Diamantenfieber“ (1971), die beiden geschmeidigen „Kampf-Amazonen“, zu Werke. Als Bond von ihnen angegriffen wird (warum, erschließt sich mir als Zuschauer nicht wirklich) versuchen sie ihn mit einigen müden Flickflacks und etwas Karategedöns unschädlich zu machen. Das sieht schlapp aus, ist es auch. Bond hat keine Probleme, mit den beiden fertig zu werden. Eher eine gymnastische Übung, als ein Kampf. So nicht, meine Damen. 2/10 Punkten auf dem Schurko-Meter.
  • Er war der erste, aber nicht der beste Gegenspieler von Bond. Aber dennoch ist Dr. Julius(!) No in „James Bond – 007 jagt Dr. No.“ (1962) quasi zum Archetyp des genialen, aber leider größenwahnsinnigen Superschurken mit körperlicher Versehrtheit im (Agenten)Film geworden. Dutzendfach in anderen Spionagepossen kopiert und parodiert (z. B. „Kentucky Fried Movie“ oder den Austin Powers-Filmen), aber in der Diabolik noch immer unerreicht. Heute würde man mit der Darstellung eines solchen Charakters allerdings auch einen riesigen Shitstorm (Stichwort „Yellowfacing“) auslösen. Ja, der Mann hatte es wahrlich in den (nicht vorhandenen) Händen, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Leider wird Dr. No kurz vor dem Erreichen seiner Pläne wie ein Beutel Reis in heißem Wasser gekocht. Schade. Als Trostpflaster gibt es 8/10 Punkten auf dem Schurko-Meter.   
  • Ein guter Schurke macht noch lange keinen guten Bond. Film Nr. 9 „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (1974) ist sicherlich kein Glanzlicht der Serie. Anders der Schurke. Francisco Scaramanga ist einer der wenigen Bond-Bösewichte, der eine Historie hat, die erklärt, warum er zum Killer und zum Gangsterboss wurde. Das macht die Figur für mich menschlicher und nicht so entrückt, wie z.B. den in diesem Beitrag ebenfalls auftauchenden Ernst Stavro Blofeld. Außerdem spielt „Dracula“ Christopher Lee den Scaramanga so cool und distinguiert, gleichzeitig aber auch abgrundtief böse, dass es einem eine Gänsehaut beschert. Auch wenn er in Sachen Anspruch auf die Weltherrschaft eher kleine Brötchen backt – ihm reicht eine Monopolstellung in der Solarindustrie – für mich der beeindruckendste Bond-Widersacher bisher:  9/10 Punkten auf dem Schurko-Meter.
  • Deutsche Schauspieler bzw. Schauspielerinnen tauchten mit schöner Regelmäßigkeit in der Bond-Reihe auf. Schon im zweiten Abenteuer unseres Superagenten „Liebesgrüße aus Moskau“ versuchte Lotte Lenya als Rosa Klebb, Bond mal so richtig kräftig vors Schienbein zu treten. Aber mit Gert Fröbe als Auric „Goldfinger“ (1964) wurden die Bond-Schurken gesellschaftsfähig. Goldfinger war kein durchgedrehter Wissenschaftler oder größenwahnsinniger Sonderling, sondern ein kultivierter Geschäftsmann mit Zugang zu den höheren Kreisen und Kontakten bis in die obersten Etagen der Politik. Ein Gentleman mit Atombombe im Kofferraum, der noch mal „schnell zur Bank“ muss. Daraus wird nichts, stattdessen Vorspielen im Harfenquintett. Hierfür, und für die beste Darstellung eines Superschurken in Knickerbockers, gibt es 8/10 Punkten auf dem Schurko-Meter
  • Klein, still und tödlich. Das ist nicht etwa die Beschreibung einer asiatischen Wüstenschlange, sondern die eines koreanischen Killers und Golfcaddies.  Oddjob aus „Goldfinger“ (1964) ist dessen Butler und ausführendes Organ, wenn es darum geht, den Hut (mit Stahlkrempe) zu ziehen. Chapeau, ein gelungener Auftritt. Einen loyaleren Mitarbeiter kann sich Goldfinger auch wirklich nicht wünschen, zumal Oddjob bis zum Schluss unter Strom steht und wirklich für seinen Job brennt. Das wird mit 6/10 Punkten auf dem Schurko-Meter gewürdigt. 
  • Ein Bondgirl, das zur Schurkin mutiert? Das kommt tatsächlich gar nicht so selten vor. Im Fall von Elektra King aus „Die Welt ist nicht genug“ (1999) ist es aber doch etwas anderes, denn wo die Kandidatinnen vor ihr meist als Handlangerinnen der Schurken ein unrühmliches Ende fanden, da war King selbst die Strippenzieherin. Gut, dem lauernden Schurken-Tot, diesmal sogar durch Bond höchstpersönlich, konnte sie dadurch nicht entgehen, und auch in der B-Note gibt es ein paar Abzüge, alleine schon weil sie den ältesten Fehler überhaupt begangen hat – ihren Plan erst einmal brühwarm zu erzählen, anstatt dem Widersacher einfach eine Kugel in den Kopf zu jagen – aber zumindest hat sie den toughen Geheimagenten vor ihrem Ableben ganz schön ins Schwitzen gebracht und das schafft auch nicht jede/-r. Dafür gibt es 7/10 Punkten auf dem Schurko-Meter
  • Während für King nicht einmal die Welt genug wäre, gibt sich der nächste Schurke Dr. Kananga/Mr.Big aus „Leben und sterben lassen“ (1973) mit kleineren Brötchen zufrieden – wobei eine quasi Monopolstellung auf dem Drogenmarkt der USA bringt sicher auch einiges ein. Der Wg dorthin ist allerdings schon arg kompliziert. Dafür macht seine Behausung auf der fiktiven Insel San Monique ganz schön was her, und einen glaubwürdigen Alias kann sich auch nicht jeder aufbauen. Wäre da nicht sein unrühmlich lächerliches Ende, welches beim Zuschauer ob der visuellen Darstellung nichts anderes als Erheiterung auslöst, wären vielleicht sogar mehr Punkt drinnen gewesen, so gibt es noch immer gute 6/10 Punkten auf dem Schurko-Meter
  • Kommen wir nun aber zu einem wahren Schwergewicht der Reihe, dem oben bereits erwähnten Ernst Stavro Blofeld. Als Leiter der Untergrundorganisation „SPECTRE“, die quasi als Gegenentwurf zum MI6 gesehen werden kann, trat Blofeld bisher in ganzen 7 Filmen auf die eine oder andere Art in Erscheinung und wurde dabei bereits von 6 unterschiedlichen Schauspielern verkörpert. Dank seines unverwechselbaren Aussehens und seines Hanges zu weißen Perserkatzen, weiß der Zuschauer aber immer sofort, wer einem da vom Fernseher aus entgegenblickt, egal welcher Mime die Rolle gerade verkörpert. Durch die Ermordung von Bonds Frau in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (1969) avancierte er außerdem damals zum persönlichen Erzfeind und auch in der Neuauflage mit Craig erfährt man in „SPECTRE“ (2015), dass hier eigentlich Blofeld hinter all dem Ungemach der vorherigen Teile steckt. Für so viel Beharrlichkeit und die Extraportion Stil kombiniert mit schurkischem Talent gibt es 8 von 10 Punkten auf dem Schurko-Meter.  
  • Kommen wir zur Abwechslung mal zu einem, der zwar nie die Fäden in der Hand hielt, dank seiner einzigartigen Erscheinung aber dennoch einem jeden Zuschauer sofort im Gedächtnis bleibt – die Rede ist natürlich von Beißer. Mit seinen 2, 18 Metern Körpergröße und seinem glänzend Stahlgebiss, lehrte er nicht nur Bond das Fürchten. Dies dürfte wohl auch der Grund dafür sein, dass er seinen ersten Auftritt in „Der Spion, der mich liebte“ (1977) überleben durfte (einer der wenigen Handlanger der Reihe, dem diese Ehre bisher zu Teil wurde), um dann in „Moonraker“ (1979) sogar den Tag retten zu dürfen. So etwas gehört natürlich entsprechend honoriert, weshalb es auch diesmal 8/10 Punkten auf dem Schurko-Meter gibt. 
  • Last but not least (oder etwa doch?), nehmen wir uns mal einen der aktuellen Bösewichte zur Brust: Le Chiffre. Mit „Casino Royale“ (2006) wurde die Reihe sozusagen rebooted, etwas modernisiert und vor allem wieder ein wenig auf den Boden zurückgeholt. Zu diesen Bemühungen passte der für bondsche Verhältnisse eher unaufgeregte Plot des ersten Romans von Ian Fleming ganz hervorragend. Okay, ein bisschen mehr Action musste man dann doch in den Film packen, weshalb gerade der Anfang und das Ende massiv von der Buchvorlage abweichen, trotzdem bleibt der Kern der Geschichte derselbe – und so auch der Schurke. Und obwohl Mads Mikkelsen hier wirklich sein ganzes Talent unter Beweis stellt, wirkt der von ihm dargestellte Schurke trotzdem ziemlich handzahm. Das liegt vor allem daran, dass sich der eigentliche Bösewicht hier in einer äußerst defensiven Haltung befindet. Es geht ihm nämlich nicht um die Weltherrschaft, sondern lediglich um seine eigene Haut. Das lässt ihn, gerade im Gegensatz zu so manch anderem Schurken auf dieser Liste, ziemlich schwach wirken. Vor einer allzu niedrigen Wertung rettet ihn da nur sein spürbare Enthusiasmus als er Bond mal buchstäblich bei den Eiern hat. So gibt es doch noch 4/10 Punkten auf dem Schurko-Meter

Das ist sie also, unsere kleine, illustre Aufstellung von Bond-Schurken. Ist euer persönliche Liebling mit dabei? Wie würdet ihr die hier genannten Kandidaten so einstufen? Wer sind eure Tops und Flops? Lasst es uns doch in den Kommentaren wissen. 

 

5 Gedanken zu “Schurke oder Gurke? Bond-Bösewichte im Klappe-Check

  1. Als ich nach einer Antwort für den Klappe Auf Beitrag nach dem fiesesten Schurken gesucht habe, ist mir zugegebenermaßen zunächst mal so wirklich keiner eingefallen, der besonders hervorsticht. Ein wenig mehr Tiefe würde ich mir da schon von den Gegenspielern wünschen oder zumindest, dass man ihre Bedrohung ernst nimmt. Das Gefühl hatte ich nämlich eher selten

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