„Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ – Der ungeliebte Bond

  • Regie: Peter Hunt
  • Schauspieler: George Lazenby, Diana Rigg, Telly Savalas
  • Genre: Spionagethriller
  • Land: England

Mit „Das wäre dem anderen nie passiert“ war grundsätzlich die perfekte Brücke geschlagen. Abgang Sean Connery, Auftritt George Lazenby.  Aber so einfach war es dann leider nicht. Nachdem „Ur-Bond“ Connery (vorübergehend) den Dienst quittiert hatte, stellte es sich als enorm schwierig heraus einen geeigneten Nachfolger zu finden. Die Figur des James Bond hatte sich über die Jahre zu einer Art eierlegenden Wollmilchsau entwickelt. Nicht nur die Filme wurden von Mal zu Mal erfolgreicher und die Premieren hatten sich zu riesigen Events entwickelt; auch das Geschäft mit allen Arten von Merchandise war, spätestens seit „Goldfinger“ (1964), zu einem überaus einträglichen Business geworden, bestenfalls noch vergleichbar mit dem Verkauf von Beatles-Fanartikeln in den 1960er-Jahren. Eine solche Geldquelle wollten die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman nur ungern versiegen lassen. So wurden 1967 in einem weltweiten Casting beinahe 400 Schauspieler auf ihre Geheimdienst-Tauglichkeit hin geprüft. Darunter sogar die späteren Bond-Darsteller Roger Moore und Timothy Dalton. Ihre Zeit war allerdings noch nicht gekommen. Auch Adam West, bekannt aus der „Batman“ TV-Serie nahm an der größten Talentsuche teil, seit David O. Selznick nach der „Scarlett“ für „Vom Winde verweht“ gesucht hatte.  Das Rennen machte dann allerdings aber der, als Schauspieler vollkommen unerfahrene, Australier George Lazenby. Bisher nur in einigen TV-Werbespots aufgetreten, fühlte sich der selbstbewusste Lazenby jedoch durchaus zu Höherem berufen. Er machte sich also auf den Weg nach England und schaffte es mit einigen Tricks tatsächlich bis in die Endrunde der letzten 5 Kandidaten, darunter sogar der Niederländer Hans de Vries, der allerdings sogar für Wikipedia ein Rätsel ist. Hier überzeugte Lazenby vor allem dadurch, dass er in einer geprobten Kampfszene dem Stuntman den Kiefer brach. Da auch die Liebesszenen in Ordnung waren und hierbei offenbar alle Knochen ganz blieben, wurde sofort ein Vertrag über sieben (!) Filme mit Lazenby geschlossen.  Der König ist tot, lang lebe der König.

Die Produzenten und Regisseur Peter Hunt hatten erkannt, dass der Ausstieg Connerys, bei allem finanziellen Risiko, auch die Chance bot, Ihren Superagenten an den geänderten Zeitgeist anzupassen. Die, insbesondere in den USA und Groß Britannien, aufkeimende Emanzipationswelle änderte auch das Frauenbild vielerorts. Frauen waren jetzt selbstbewusster, kämpferischer und wussten was sie wollten. Das Macho-Gehabe eines Sean Connery schien inzwischen ein wenig fehl am Platze und veraltet. Also, warum ihn nicht gleich ganz zähmen und in den Hafen der Ehe einlaufen lassen? Als Dompteurin wurde daher keine geringe als „Emma Peel“ aus der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ (The Avengers), Dame Diana Rigg (leider vor kurzem verstorben) in den Bond-Circus aufgenommen. Eine echte Powerfrau und durchaus erprobte Kämpferin. Bis sie zur Giftmörderin in „Game of Thrones „werden sollte, war es allerdings noch ein weiter Weg.

Man wollte also vieles neu machen, ohne jedoch die Fans der Serie zu sehr vor den Kopf zu stoßen. Ein neuer, modernerer Bond sollte es sein, ohne aber auf zu viel, was den etablierten Charakter ausmachte, verzichten zu müssen. Und das mit einen Hauptdarsteller, der keinerlei Erfahrung als Schauspieler hatte und somit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung bedurft hätte und einem Regisseur, der hautsächlich lediglich für den Schnitt der vorherigen fünf Bond-Filme verantwortlich war. Keine guten Grundvoraussetzungen.    

Die Story des Films ist schnell erzählt: Bond schleicht sich als Wappenforscher getarnt in das, auf einem Berggipfel in der Schweiz gelegene, Labor seines Erzfeindes Blofeld (Telly Savalas) ein, um diesen endgültig zur Strecke zu bringen.  Dieser wiederum hegt den gewohnt perfiden Plan. Er erpresst die Vereinten Nationen damit, tödliche Bakterien überall auf der Welt zu verbreiten, wenn man ihm keine Generalamnestie gewährt. Natürlich gelingt es Bond am Ende den Plan zu vereiteln und Blofeld auszuschalten. Zumindest bis zu „Diamantenfieber“. Zweiter Handlungsstrang ist die Liebesbeziehung zu, Tracy (D. Rigg), der Tochter eines portugiesischen Gangsterbosses, dessen Kontakte Bond ausnutzt, um in Nähe Blofelds zu gelangen. Nachdem Blofeld vermeintlich besiegt ist, heiratet Bond tatsächlich Tracy und einem Eheglück mit mindestens 6 Kindern steht scheinbar nichts mehr im Wege. Allerdings verübt der entkommene Blofeld einen weiteren Anschlag auf Bond, bei dem allerdings die frisch gebackene Braut getötet wird. Bond bleibt allein zurück.

Die Geschichte bietet grundsätzlich viele Möglichkeiten für gute Action und durchaus auch emotionale Momente. Lazenby gibt auch sein Bestes, um in beiden Segmenten zu überzeugen. Mit einigermaßen Erfolg, wenn man seine mangelnde Erfahrung mit in die Waagschale wirft. Problem war nur, dass er auf der einen Seite einen neuen Bond spielen sollte, auf der anderen Seite aber an jede Szene so herangehen sollte, wie Connery es getan hätte. So befand sich Lazenby ständig im Zwiespalt., was dann auch der Zuschauer im fertigen Film durchaus spürt und so den neuen Charakter nicht wirklich für sich annehmen kann.

Die Action-Szenen des Films sind erstaunlich unterschiedlich in ihrer Qualität und Umsetzung. Die anfängliche Keilerei am Strand ist merkwürdig geschnitten und die Bilder laufen in erhöhter Geschwindigkeit auf der Leinwand ab. Das wirkt vollkommen unecht und wirklich schlecht getrickst, ebenso die Rückprojektionen. Ganz anders die von Willy Bogner jr. gefilmten Ski-Szenen. Das ist rasant gefilmt, wirkt realistisch und äußerst temporeich. Das ist wirklich innovativ und neu. Hierzu sollte in den folgenden Jahren auch noch einiges mehr (z. B. „Der Spion, der mich liebte“, „In tödlicher Mission“) folgen. Einziges Manko, auch hier, die Rückprojektionen in einigen Einstellungen. Ansonsten sind die Szenen im Schnee ganz sicher ein Höhepunkt des Films, wenn nicht sogar in der gesamten Bond-Reihe. Auch der Angriff auf Blofelds Bergfestung ist gut gelungen und macht Spaß. Da sah eine ähnliche Szene im Nachfolger, „Diamantenfieber“ schon wesentlich schwächer aus.

Das Einzige was mich an „Im Geheimdienst…“ immer massiv stört, ist die interne Logik an einigen Stellen.  Damit ist nicht gemeint, dass Waffen nicht nachgeladen werden müssen, nie jemand zum Klo muss oder Erschossene keine Einschusslöcher haben. Ich meine die Logik innerhalb des Bond-Universums.  Zum Beispiel ist es völlig unerklärlich, warum Blofeld, als er im Film das erste Mal mit Bond zusammentrifft, ihn nicht erkennt, obwohl Sie sich im Film davor („Man lebt nur zweimal“) bereits gegenüberstanden. Außerdem bekämpfen Sie sich schon ein paar Jahre. Da mutet es seltsam an, dass Blofeld offenbar noch nie auch nur ein Foto von Bond gesehen hat.  Nun ließe sich natürlich argumentieren, dass der Hauptdarsteller gewechselt hat und Blofelds Fauxpas damit entschuldigt wäre, aber der Film greift diesen Faden, z.B. mit einer Gesichtsoperation Bonds, nicht auf. Das Äußere des Agenten ist also immer noch identisch mit dem aus den vorherigen Filmen. So etwas stört mich. Nicht nur bei Bond.

Während der Dreharbeiten kam es unter den Beteiligten immer wieder zu Spannungen und Reibereien. Auslöser hierzu war meistens der Hauptdarsteller. George Lazenby, per se schon mit einem sehr gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet, versuchte seine Unzufriedenheit über mangelndes Coaching am Set, mit Arroganz und Überheblichkeit zu kompensieren, was dazu führte, dass er sich ständig mit dem Regisseur und Co-Star Diana Rigg anlegte und so manchen Streit vom Zaun brach. Letztlich war die gesamte Crew froh, als die letzte Klappe gefallen war und nach der Postproduktion doch ein sehr brauchbarer Film herausgekommen war. Lazenby aber war so frustriert, dass er sich die Haare wachsen und einen Vollbart stehen ließ und sich – nachdem man ihn seitens des Studios um ein Bond-gemäßes Äußeres gebeten hatte – weigerte, den Film in den USA zu bewerben. Dies führte zu schlechter Presse und allerlei Gerüchten, die dem Image des Films ganz sicher nicht guttaten. Und wie in solchen Fällen üblich, verselbständigen sich Dinge und richten weiteren Schaden an. Finanziell gab  es allerdings wenig zu bemängeln: sein Budget von rd. 8 Mio. US-Dollar spielte der Film 10-fach wieder ein und kann somit als veritabler Erfolg verbucht werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ zu Unrecht ein so schlechter Ruf vorauseilt. Sicherlich ist Lazenby als Bond nicht jedermanns/-frau Geschmack, aber als Nachfolger von Agenten-Ikone Sean Connery hätte es auch ein Roger Moore oder Daniel Craig nicht leicht gehabt. Und dafür, dass er als Schauspielnovize in seiner ersten Filmrolle gleich einen der bekanntesten Leinwandcharaktere überhaupt zu Schultern hatte, hat er einen guten Job abgeliefert. Auch der Film insgesamt ist durchaus sehenswert. Einen James Bond mit Tränen in den Augen gibt es halt nicht alle Tage zu sehen. Ich empfehle, die kommenden kalten Tage dazu zu nutzen, dem Film eine zweite oder auch erste Chance zu geben. Er passt wunderbar in die Winter-/Weihnachtszeit. Erstaunlich, dass er gar nicht im November-Filmrätsel auftauchte.

 

Ein Gedanke zu “„Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ – Der ungeliebte Bond

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