Ein Plädoyer für das deutsche Kino: 20 (sehr) gute deutsche Filme

Meine Damen und Herren,

wir verhandeln heute den Fall „Deutscher Film“ gegen „Das Publikum“. Dem angeklagten deutschen Film wird gemeinhin zur Last gelegt, sein Publikum mit immer gleichen Schweiger-Schweighöfer-Aufgüssen anzuwidern und durch böswillige Einfallslosigkeit zu belästigen. Eine Verurteilung zur Höchststrafe, eine unwiderrufliche Verbannung ins Abendprogramm auf RTL2, scheint aufgrund der erdrückenden Beweislast unausweichlich. Trotzdem soll an dieser Stelle auch mal eine Lanze für das deutsche Kino gebrochen werden, das sich fraglos in der Vergangenheit einiger verurteilenswerter und geschmackloser Untaten schuldig gemacht hat. Aber ist deswegen alles schlecht? Mitnichten. Jeder hat eine Chance auf Resozialisation verdient. In diesem Plädoyer sollen der Anklage 20 Beispiele aufgezeigt werden, die eindeutig beweisen, dass der Angeklagte Reue zeigt und durchaus auch gute Taten vollbringen kann. Hier sind 20 deutsche Filme aus den Jahren 2010 bis 2019, die auf jeden Fall eine Sichtung wert sind.

24 Wochen

(Anne Zohra Berrached, Drama; 2016)

Bei „24 Wochen“ handelt es sich um den bemerkenswerten Debütfilm der Regisseurin Anne Zohra Berrached. Auch wenn Julia Jentsch und Bjarne Mädel in den Hauptrollen die Last des Themas nicht immer problemlos tragen können, ist „24 Wochen“ unter dem Strich ein aufreibendes Drama um eine Abtreibung und die damit einhergehenden sozialen, ethischen, emotionalen und religiösen Grundfragen.

25 km/h

(Markus Goller, Roadmovie; 2018)

Nach dem Tod ihres Vaters sehen sich die zwei Brüder Christian und Georg (Lars Eidinger und Bjarne Mädel) zum ersten mal seit 30 Jahren wieder. Beim Schwelgen in den Kindheitserinnerungen erinnern sie sich an ihr jugendliches Vorhaben, mit den alten Mopeds ein mal quer durch Deutschland an die Ostsee zu fahren. Nach dem Motto „Jetzt oder nie“ schwingen die beiden Brüder sich auf die Maschinen und begeben sich auf eine Reise, auf der sie wieder zueinander und zu sich selbst finden. 

3 Tage in Quiberon

(Emily Atef, Biopic; 2018)

„3 Tage in Quiberon“ ist ein audiovisuell sehr ansprechendes Biopic über die Schauspielerin Romy Schneider. Wie der Titel bereits erahnen lässt, konzentriert sich der Film auf drei Tage aus der letzten Lebensphase der Schauspielerin. Alles was davor passiert ist, erfährt der Zuschauer quasi nebenbei in den (grob) nachgestellten Interviewszenen. Der Film zeichnet, ein grobes (und im übrigen sehr umstrittenes) Porträt einer Frau, die nicht nur die großartige Schauspielerin sein wollte, die sie eben war, sondern eben auch ein Mensch.

Aus dem Nichts

(Fatih Akin, Thriller/Drama; 2018)

In „Aus dem Nichts“ spielt Diane Krüger in Topform eine Frau, deren Ehemann und Sohn bei einem Terroranschlag getötet werden. Der Film unterteilt sich in drei Kapitel, die gekonnt die drei Sub-Genres Trauerbewältigungs-Drama, Justiz-Thriller und Rache-Thriller miteinander verbindet. Ein sehr verstörender und gleichzeitig sehr aktueller Film, der den Zuschauer auch nach dem Abspann noch eine Weile beschäftigt.

Ballon

(Michael Herbig, Thriller; 2018)

Der Film behandelt die Flucht zweier Familien aus der DDR nach Westdeutschland im Jahr 1979. Die Grenze überquerten die Flüchtlinge mit einem selbstgebauten Heißluftballon in einer berühmt gewordenen Fluchtaktion. Auch wenn das Thema in der deutschen Filmlandschaft vielleicht etwas überrepräsentiert, ist „Ballon“ ein spannender Flucht-Thriller.

Das Hotelzimmer

(Rudi Gaul, Thriller; 2014)

Zwei Menschen. Ein Zimmer. Ein Interview, das vollkommen aus dem Ruder läuft. „Das Hotelzimmer“ ist ein über weite Strecken packendes Kammerspiel, das gegen Ende ein wenig ungeschickt über die eigenen Beine stolpert. Dennoch ein deutscher Genre-Film, den man sich durchaus anschauen kann.

Das schönste Paar

(Sven Taddicken, Drama; 2018)

Das Pärchen Malte und Liv werden im Urlaub von Jugendlichen überfallen. Malte wird niedergeschlagen und Liv vor seinen Augen vergewaltigt. Zurück im Alltag versucht das Paar das Trauma zu überwinden. Dies gelingt einigermaßen, bis sie zufällig auf einen ihrer Peiniger treffen. Der Film ist wahrlich keine leichte Kost und verlangt dem Zuschauer einiges an emotionaler Spannung ab.

Der Hauptmann

(Robert Schwentke, Kriegs-Biopic; 2017)

Ganz ohne einen Film über Nazis oder den Zweiten Weltkrieg kommt natürlich diese Liste nicht aus. „Der Hauptmann“ handelt von der wahren Geschichte des Kriegsverbrechers Willi Herold, der Gegen Ende des Krieges die Uniform eines Hauptmanns findet, sich als solcher ausgibt und in der Folge als „Der Henker vom Emsland“ bekannt wurde.

Der Medicus

(Philipp Stölzl, Historienfilm/Abenteuer; 2013)

Na gut, dieser Film passt nicht zu 100% zum Thema dieser Ausgabe. Immerhin wurde er in englischer Sprache gedreht und ist damit kein deutschsprachiger Film. Auch die international erfolgreichen Darsteller wie Ben Kingsley oder Stellan Skarsgard lassen nicht unbedingt darauf schließen, dass es sich bei der Verfilmung des Weltbestsellers aus dem Jahr 1986 um einen deutschen Film handelt. Tatsächlich wurde „Der Medicus“ jedoch größtenteils in Deutschland gedreht, ausschließlich mit deutschen Fördermitteln finanziert und von überwiegend deutschen Beteiligten verwirklicht. Manchmal ist es ein gutes Zeichen, wenn man einem Film nicht anmerkt, dass es sich um ein deutsches Produkt handelt…

Der Nachtmahr

(Achim Bornhak, Mystery-Drama; 2015)

Die 17-jährige Tina kämpft mit psychischen Problemen und Alpträumen. Als sie eines Tages von einer wilden Sommerparty heimkommt, begegnet sie einer entstellten Kreatur. Der Film bewegt sich irgendwo zwischen einer rohen Version von „E.T.“, Coming-of-Age-Drama, Horror und Mystery und zeigt, welch außergewöhnliche Filme entstehen können, wenn mal ein deutscher Regisseur freie Hand hat und seine Vision durchsetzen kann.

Der Vorname

(Sönke Wortmann, Komödie; 2018)

Bei einem abendlichen Dinner verkündet Thomas, dass sein in Kürze auf die Welt kommender Sohn den schmucken Vornamen Adolf bekommen soll und tritt damit einen chaotischen Abend voller Enthüllungen los. Bei dem Film handelt es sich um ein Remake des französischen Films „Le Prenom“ (2012), bei dem sich wiederum um die Adaption eines Theaterstücks aus dem Jahr 2010 handelt. Ja, Kreativität geht anders. Aber wenn man diese Zusatzinfos ausblendet, ist „Der Vorname“ für sich genommen ein über weite Strecken lustiger und unterhaltsamer Film.

Im Schmerz geboren

(Florian Schwarz, Krimi; 2014)

Da es die aufmerksame Leserschaft ohnehin herausbekommen wird, gebe ich zu, dass es sich bei diesem Film tatsächlich um die 920. Folge der allseits beliebten „Tatort“-Reihe handelt. Hin und wieder gibt es Tatorte, bei denen die Macher/innen ein wenig experimentieren dürfen. „Im Schmerz geboren“ ist eines dieser Exemplare, die mit dem gewohnten Stil der Kultreihe so gut wie nichts zu tun haben. Ein bisschen Tarantino, ein wenig Leone, ein Erzähler, der die vierte Wand durchbricht und viel antikes Drama machen den Film möglicherweise zu einem der unbeliebtesten Tatorte, aber zu einem der sehenswertesten deutschen Filme, die ich kenne.

Jack

(Edward Berger, Drama; 2014)

Jack ist zehn Jahre alt und lebt mit seiner jungen Mutter und seinem kleinen Bruder in Berlin. Jacks Mutter vernachlässigt ihre Kinder, sodass Jack sehr früh lernen muss, eigenständig zu sein und fürsich und seinen Bruder zu sorgen. Eines Tages brennt Jacks Mutter mit ihrer neuen Flamme durch und lässt ihre Kinder zurück. Hungrig und alleine irren die beiden Jungen durch die Stadt, um ihre Mutter zu suchen. „Jack“ ist auf jeden Fall ein sehenswerter Film, da er nicht nur die Probleme des (deutschen) Jugendamts aufzeigt, sondern auch das Verhalten der Erwachsenen kritisch beleuchtet.

Oh Boy

(Jan-Ole Gerster, Komödie/Drama; 2012)

Wenn es nur um Filmpreise ginge, wäre „Oh Boy“ einer der erfolgreichsten deutschen Filme der letzen Jahre. Tatsächlich ist die schwarz-weiß gefilmte und mit Jazzmusik unterlegte Tragikomödie dem breiten Publikum weitestgehend unbekannt. Tom Schilling spielt einen Ex-Studenten, der sich nach einem Sinn im Leben suchend einen Tag und eine Nacht durch Berlin treiben lässt und dabei verschiedenen Menschen begegnet. Der Film ist an einigen Stellen amüsant, an anderen eher nachdenklich und melancholisch. Für mich einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre.

Stereo

(Maximilian Erlenwein, Thriller; 2014)

In „Stereo“ spielt Jürgen Vogel einen Mann, dessen Leben gerade wunderbar verläuft. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als ein mysteriöser Moritz Bleibtreu auftaucht, den nur Vogel sehen und hören kann. Mehr soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Außer dass der Film dank der zwei starken Hauptdarsteller ungemein packend ist.

Styx

(Wolfgang Fischer, Drama; 2018)

Rike ist eine Notärztin und in ihrem Urlaub alleine mit ihrer Yacht Asa auf einem Törn im Atlantik. Nach einem schweren Sturm entdeckt sie in der Nähe ihres Bootes ein schwer überladenes anderes Schiff in Seenot. Wie sich herausstellt befinden sich an Bord über hundert afrikanische Flüchtlinge, die zu ertrinken drohen. Rikes Versuche, Hilfe zu organisieren erweisen sich jedoch als ausgesrochen schwierig. Der Film behandelt ein nach wie vor brandaktuelles Thema und ist alleine schon deswegen auf jeden Fall sehenswert.

Systemsprenger

(Nora Fingscheidt, Drama; 2019)

Benni hat Probleme. Benni passt nirgendwo rein. Benni ist ein sog. „Systemsprenger“. Nachdem nun genüsslich über den Kollegen von der Kinotagesstätte abgelästert wurde, wenden wir uns nun dem grandiosen, wenngleich schwer verdaulichen, Film von Nora Fingerscheidt zu. Darin geht es um die 9-jährige Benni, die auf Grund ihrer emotionalen Verhaltensauffälligkeiten durch diverse Pflegefamilien, psychiatrische Einrichtungen und Therapiemaßnahmen gereicht wird. Dabei verzichtet der Film erfreulicherweise darauf, einem der beteiligten Rädchen im System den schwarzen Peter zuzuschieben und zeichnet ein erschreckend realistisches Bild aus dem Alltag der Sozialarbeiter und Behörden.

Transfer

(Damir Lukacevic, Sci-Fi; 2010)

In der nahen Zukunft ist es möglich, das Bewusstsein eines Menschen in einen fremden Körper zu übertragen. Das ältere Ehepaar Herrmann und Anna nimmt diesen Service in Anspruch und kauft sich die Körper der beiden jungen Afrikaner Apolain und Sarah. Das Konzept des Bewusstseintransfers ist im Science Fiction Genre sicherlich nicht neu. Trotzdem gelingt es Damir Lukacevic in seinem Film einige spannende Konflikte zwischen den Protagonisten und einige moralische Fragen beim Zuschauer aufzuwerfen.

Victoria

(Sebastian Schipper, Krimi/Drama/Romanze; 2015)

Die in Berlin lebende Spanierin Victoria lernt eine Gruppe echter Berliner Jungs kennen und freundet sich mit ihnen an. Gemeinsam ziehen die neuen Freunde durch die Nacht und finden sich unerwartet in mitten eines Banküberfalls wieder. Die Story des Films ist zugegebenermaßen relativ dünn. Dass „Victoria“ dennoch packend ist, liegt zum einen an den authentischen Figuren aber natürlich vor allem an der herausragenden Kameraarbeit. Immerhin handelt es sich bei dem Film um eine einzige, ungeschnittene 140-minütige Einstellung.

Who am I – Kein System ist sicher

(Baran bo Odar, Thriller; 2014)

Ja, der Film hat ein paar offensichtliche Schwächen. Trotzdem ist der Thriller über eine Hackergruppe ein spannender Mix aus verschiedenen Ideen, die man zwar aus diversen Hollywood-Produktionen bereits kennt, sie jedoch nicht in einem (deutschen) Film vereint erwarten würde. Acuh wenn der Film insgesamt eher kontrovers aufgenommen wurde, gehört er für mich zu den guten deutschen Genrefilmen.

Damit möchte ich mein Plädoyer für den deutschen Film abschließen. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die 20 Filme umfassende Liste durchaus noch weitergeführt werden könnte. Filme wie „Toni Erdman“ (2016), „Das schönste Mädchen der Welt“ (2018), „Nebel im August“ (2016), „Der Goldene Handschuh“ (2019), „Gundermann“ (2018), „Tschick“ (2016) oder die umstrittenen „Werk ohne Autor“ (2018) und „Touch me not“ (2018) wurden vom Publikum größtenteils positiv aufgenommen und/oder waren international im Gespräch. Der deutsche Film hat somit in den letzten Jahren deutlich mehr Sehenswertes produziert als es allgemein bekannt ist. Es liegt nun auch am Publikum, diesen Werken eine Chance zu geben. Mein Mandant trägt reuevoll die Konsequenzen für seine Verfehlungen, die ihm zur Last gelegt werden. Die Verteidigung hofft nur, das hohe Gericht in seinem finalen Urteil etwas milder gestimmt zu haben. Vielen Dank.

68 Gedanken zu “Ein Plädoyer für das deutsche Kino: 20 (sehr) gute deutsche Filme

  1. Pingback: Klappe Auf: Der deutsche Film und sein Image | Klappe!

  2. Bis auf „Im Schmerz geboren“ kann ich dir bei keiner einzigen Empfehlung zustimmen, zumindest bei den Filmen, welche ich sah.

    3 Tage in Quiberon

    Hat mich gelangweilt. Ich bin jetzt nicht so der Romy-Schneider-Fan, und kenne ihre Geschichte nur in groben Zügen. (Ihr Leiden an Sissi, Alain Delon, der tragische Tod ihres Sohnes.) Der Film hat mir gar gesagt. Wenn man Lust hat, einer kaputten Person zuzusehen, hat der Film was.

    Aus dem Nichts

    Akin ist in meinen Augen gnadenlos überbewertet. „Die Fremde“ hat mich begeistert, alle anderen Filme haben mich abgestoßen. Alles ein möglichst asoziales Millieu, in „Aus dem Nichts“ schmeißen alle, vom Blag bis zum Rechtsanwalt, mit Fäkalsprache um sich, auch so ein Akin-Kennzeichen. Ich hatte deswegen noch nicht einmal Mitleid mit den Opfern, weil sie mich im Vorfeld schon abgestoßen haben.

    Systemsprenger

    Habe ich abgebrochen. Warum ich einem einem durchgeknallten Blag zusehen soll, welches sich durch den Film kreischt, hat sich mir nicht erschlossen. Zumals der Betreuer selbst ein Gewaltproblem hat, und dem Bauern, dessen Hund die Göre verletzt hat, diese auch androhte. Zwei Abgefuckte unter sich.

    Im Schmerz geboren

    Absolut genial, der wahrscheinlich der beste Tatort, der je gedreht wurde, auch wenn ich nicht zu den Sonntagsabendguckern gehöre. Den sollte man sich auf Youtube wirklich gönnen.

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        • Nee, Experte bin ich auch nicht. Dafür sind es auch zu viele Folgen inzwischen. Aber grad die ganz alten Sachen, z.B. mit Kommissaren Haferkamp, Trimmel, Finke sind gut. Die werden ab und an mal in den Dritten wiederholt. Auch die Schimanki-Tatorte waren oftmals gut inszeniert.

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          • Bis auf Schimanski sagen mir die Namen nichts. Die Münchner habe ich eine zeitlang gerne gesehen, bis eine Folge kam, in dem ein Verblutender durch halb München rennt und die beiden hinter ihm her, um ihn zu retten.

            Den Murmeltier-Tatort habe ich gesehen, weil er 500 Meter von mir entfernt gedreht wurde, und das Filmteam den halben Stadtteil terrorisierte. Warauf lautstark die Absetzung des Bürgermeisters gefordert wurde, und hier nie wieder ein Tatort gedreht wurde. Und die waren sonst immer ein paar Tage im Jahr hier.

            Den habe ich aber abgebrochen, das Interessanteste war zu sehen, wie es hier ausgesehen hat, bevor das Einkaufszentrum und der Kirchturm abgerissen worden sind.

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            • Es war auch extrem verantwortungslos vom Filmteam, hier gefakte Polizei- und Krankenwagen über Feier- und drehfreie Tage hier stehen zu lassen. Bei den Polizeiwagen konnte man es noch am F- statt WI-Kennzeichen erkennen, ein Austauschen der Kennzeichen hätte auch keinen Kriminellen / Terroristen aufgehalten. Das war gerade die Zeit, in der versucht wurde, einen Terroranschlag in Deutschland mithilfe eines Krankenwagens durchzuführen.

              Die Dreharbeiten waren die Hölle für die Bewohner des Stadtteils. Teilweise 10-15 Minuten rote Ampeln in beide Richtungen, damit das Filmteam sich verwirklichen konnte.

              Wir wurden von der Security aufgefordert, auf der Straße zu flüstern. Worauf das Filmteam erleben konnte, wie laut ich schreien kann. Sie haben ständig geglaubt, sie könnten den Bürgern Anweisungen geben und man konnte sehen, wie die Laune des Regisseures bis zum Bediener der Straßenampeln deutlich sank, wenn sie meiner ansichtig wurden. (Was ich genoß.)

              Postwagen wurden die ersten Tage weggeschickt, dabei wusste sie genau, dass sie in einem Einkaufszentrum und neben einer Post drehen. Sollen wir doch für zwei Monate auf Packete und Briefe verzichten… . Danach gingen die Security-Leute in die Postwagen und haben die einfach ausgeladen, was den Straftatbestand des unbefugten Betretens erfüllte. Der Paketmensch hatte dann die Aufgabe, die Pakete ausfindig zu machen, welche er wieder mitnehmen und einladen musste. Das ging täglich so.

              Ich habe Strafanzeige wegen Nötigung gegen das Filmteam gestellt, nachdem sie mir gedroht hatten, weil ich mein Auto an einer ihnen nicht genehmen, juristisch aber vollkommen korrekten Stelle geparkt hatte. Worauf der Ortsbeirat dem Bürgermeister bedrängte, und Rabatz im Stadtparalament macht. So ganz nebenbei erfuhr ich, dass sich der Ortsbeirat vor Beschwerden nicht mehr retten konnte.

              Turkur – eine perfekte graue Maus. Er könnte Geheimagent werden, von allen Gruppen und Leuten die rumstanden, sah man ihn als letztes. Sowas Uncharismatisches kann man sich agr nicht vorstellen.

              Der HR, das waren, und sind wahrschenlich immer noch, Proleten und Herrenmenschen in einem. Von diesen Dreharbeiten hat sich das Ansehen des HR bei mir nie wieder erholt.

              Wenn es wenigstens noch ein guter Tatort geworden wäre, aber im Netz waren alle (zurecht) nur am lästern.

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    • Nur weil „Die Fremde“ in der Türkei und Berlin spielt, heißt das nicht, dass Fatih Akin der Regisseur ist.
      Davon abgesehen mutmaße ich, dass du bei der Verteilung des Einkommens der Eltern ein klein wenig mehr Glück als viele andere hierzulande hattest, wenn dich ein „asoziales Milieu“ so sehr abstößt, dass es dir egal ist, wenn Menschen durch eine Bombenexplosion ums Leben kommen.

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      • „Nur weil „Die Fremde“ in der Türkei und Berlin spielt, heißt das nicht, dass Fatih Akin der Regisseur ist.“

        Oh, dann habe ich mich geirrt.

        „wenn dich ein „asoziales Milieu“ so sehr abstößt, dass es dir egal ist, wenn Menschen durch eine Bombenexplosion ums Leben kommen.“

        Bei dem Tod von dem Blag habe ich nur gedacht:“Gut, dass du weg bist.“ Allein, wie es sich vorher benommen hat, und die Mutter grinsend dabei stand…einfach abstoßend. Akin hat leider immer so abgefuckes Volk in seinen Filmen.
        Mich stoßen solche Leute ab, ich kann und will mit ihnen nichts anfangen. Und damit sind Akin-Filme für mich nicht relevant.

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          • “ es gibt auch im richtigen Leben Menschen, die du als „abgefucktes Volk“ bezeichnen würdest.“

            Ja, habe ich in der Nachwohnung mit einem Vokabular, bei dem „Sie sind ein Schwein, ein ganz großes Schwein, Sie sind scheiße, ganz große Scheiße.“ zum normalen Tonfall gehört. Und würden diese älteren Herrschaften eines schönen Covid-19 sterben, dann hätte die Pandemie wenigistens etwas Gutes gehabt. Wahrscheinlich wären eine ganze Menge Leute erleichtert, denn sie liegen mit allen Nachbarn und Hundebesitzen über Kreuz. Toleranz wächst mit der Distanz.

            Aber als ich den Film sah, waren die noch nicht hier. Ich habe solche akintyptischen Asozialen instinktiv mein ganz Leben lang abgelehnt. Einfache Leute ok, aber vulgär und ordinär – raus aus meinem Leben und auch (im Film) aus meinem Wohnzimmer.

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            • „Bei dem Tod von dem Blag habe ich nur gedacht: Gut, dass du weg bist.“
              „Mich stoßen solche Leute ab, ich kann und will mit ihnen nichts anfangen“
              „Der HR, das waren, und sind wahrschenlich immer noch, Proleten und Herrenmenschen in einem“
              „Worauf das Filmteam erleben konnte, wie laut ich schreien kann“
              „Zwei Abgefuckte unter sich“
              „Ich hatte deswegen noch nicht einmal Mitleid mit den Opfern“
              „ich habe inzwischen keine Lust mehr, mich mit dem Elend der Welt zu beschäftigen“

              Einerseits ganz interessant, dass die eher linksgrüne Bubble hier durchbrochen wird, anderseits empfinde ich dein Aussagen sehr grenzwertig. Und die stoßen nicht von der Seite an die Grenze, die ich noch tolerieren würde. Deswegen habe ich extra nachgefragt, ob du dich nur auf den Film beziehst (wer hat sich nicht bei Krieg der Welten gewünscht, Dakota Fenning würde endlich die Klappe halten – allerdings ging es in dem Film im Gegensatz zu Systemsprenger gerade nicht um ein schreiendes Kind als Hauptplotpunkt).
              Es ist stets gut, die eigenen Vorurteile zu kennen, allerdings bin ich kein großer Freund davon, diese in Filmkritiken hinein zu nehmen. Am Ende sagt es nichts über den Film aus und dafür umso mehr über die Person, die die Kritik geschrieben hat.

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              • „Am Ende sagt es nichts über den Film aus und dafür umso mehr über die Person, die die Kritik geschrieben hat.“

                Bei jeder Film- und Buchbesprechung bringt man sich selbst mit, mal mehr, mal weniger. Das sollte jedem Leser und Schreiber von Bewertungen klar sein.

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                • Klar, tut man das. Nur, wenn die eigene Kritik davon lebt, dass man sich in seiner eigenen Wahrnehmung der Welt stört, dann sollte man sich in meinen Augen überlegen, ob das Schreiben von Filmkritiken das richtige für einen ist. Es hängt dann zu stark davon ab, wie viele Leute eine ähnliche Sichtweise haben, wie man selbst. Dementsprechend sinkt auch die Zielgruppe der möglichen Leser.
                  Wenn sich ein Kritikenschreiber darauf beschränkt, einen Film abgebrochen zu haben, weil er nicht zur eigenen Wahrnehmung der Welt passt, für den ist die Kritik dann gedacht? Einzig für den Autor selbst, um genau diese Wahrnehmung in die Welt hinaus zu tragen und sich seinen Ärger von der Seele zu schreiben. Für den Leser bringt das allenfalls dann einen Mehrwert, wenn der zugehörige Artikel amüsant geschrieben ist. Aber auch dann nur aus Unterhaltungszwecken. Über den Film lernt man leider nichts. Nur über den Autor selbst. Und dieses „nur“ sollte nicht das Ziel einer Filmkritik sein. Ein mal mehr, mal weniger, ist nicht nur zu verkraften, sondern das Ziel. Ein „zu viel“ oder gar ein „nur“ hingegen nicht.
                  Andererseits wird sich die Leserschaft schon danach ausrichten, ob sie mehr davon lesen will oder nicht.

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                  • Ich schreibe Buch- und Filmkritiken, um für mich das Werk noch einmal nach dem Lesen / Sehen einzuordnen und vielleicht noch mal nachzusehen, wie die Erfahrungen mitdem Autor waren und sich der Kauf des neuesten Werkes lohnt.

                    Wer fundierte Kritiken sucht, war und ist bei mir falsch. Das kann ich auch gar nicht liefern, weil mir das literatur- und filmtheoretische Wissen fehlt. Ich werde auch nie die große Schreiberin sein.

                    Wer einfach mal auf Filme, die vielleicht ein wenig unbekannter sind aufmerksam gemacht werden möchte, umso mehr.

                    Um Ruhm, Ehre oder hohe Zugriffszahlen ging es bei mir nie.

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              • „„Der HR, das waren, und sind wahrschenlich immer noch, Proleten und Herrenmenschen in einem“
                „Worauf das Filmteam erleben konnte, wie laut ich schreien kann““

                Ich wünsche dir sehr, dass bei dir mal in der Nähe mal über Wochen gedreht.
                Dann kannst mal erleben, was das für widerwärtige Typen, denen man den Proll schon ansieht, aber trotzdem meinen, sie könnten bestimmen, wie und ob auf der Straße geredet und was die Einheimischen zu tun haben. Wäre interessant, wie du dir bei dem Spiel Kolonialherr – Eingeborener, wobei du der letztere bist, vorkommst und wie du dich dann verhälst. Zumal der Wirkungskreis immer mehr ausgeweitet wird.
                Die vom HR haben nichts geachtet, nicht das Bedürfnis der Bevölkerung Post loszuschicken oder zu empfangen, weswegen die Wagen die ersten Tage weggeschickt wurden. Als sie zähneknirschend einsehen mussten, dass sie neben einer Posstelle drehen, hat die Security Tag für Tag des Straftatbestand des unbefugten Betretens begangen hat, und der Paketbote musste die ungefragt abgeladenen Pakete teilweise wieder einladen.
                Ich möchte DICH sehen, wenn dir nicht behördlichen Leuten das Parken verboten werden soll, und du von denen genötigt wirst. Ohne Sachgrund, den konnten sie außer „das macht man nicht“ auch nicht liefern.

                Oder wenn DU bei einer Eisdiele in einer Schlange stehst, und Mr. HR angewalzt kommt und meint, er wäre nun als erster dran. Was dazu führte, dass sich der Mann meiner Spanischlehrerin fast mit ihm prügelte.
                Das war auch der, den ich handtaschenschwingend durch den halben Ort gejagt habe und Strafanzeige gestellte.

                Mache die Erfahrung, dass dich ein paar Gestalten in abrissener Kleidung als Bimbo, und mehr bist du für diese Leute nicht, ich habe diesen rassistschen Begriff in diesem Fall bewusst gewählt, rumkommandieren zu lassen, wenn sie schon in deinen Stadtteil einfallen. Die lassen die Bevölkerung spüren, dass sie nur lästiger Dreck ist, das kannst du mir glauben.

                Bevor du diese Erfahrung nicht gemacht hast, hast du kein Recht, dich über meine Erfahrungen mit Filmteams zu mockieren.

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                • Ich glaube nicht, dass da wo der Gute wohnt jemals gedreht wird. Außer vielleicht in einem schlechten Bond oder so.

                  Ich komme direkt aus einer waschechten Tatort-Stadt. Hier wird also regelmäßig gedreht und ich habe noch nie negative Erfahrungen mit den Teams gemacht. Tut jetzt wenig zur Sache, ich weiß. Wollte ich nur mal loswerden.

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                • Da du keine Ahnung hast, was ich in meinem Leben für Erfahrungen gemacht habe, brauchen wir diese Diskussion nicht zu führen.

                  Zudem ging es mir bei den Aussagen nicht darum, deine Erfahrungen in Frage zu stellen, bzw. abzuwerten. Mir ging es bei dem ersten Zitat um deine Wortwahl von wegen Proleten und Herrenmenschen. Dass Filmteams nicht so angenehm sein können, bezweifelt niemand. Interessanter wäre für mich, ob deine Strafanzeige irgendetwas gebracht hat.
                  Und das zweite Zitat habe ich aus demselben Grund herausgewählt, wie auch Ma-Go schon bemerkte: sich einerseits über ein schreiendes Kind aufregen und dann selbst anfangen zu schreien, wenn einem etwas nicht passt, sieht auf den ersten Blick nach Doppelmoral aus.

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        • Puh.. jetzt muss ich echt aufpassen, dass die Sidkussion hier nicht in eine falsche Richtung läuft. Schließlich soll es auf dieser Seite um Filme gehen.

          Also der Reihe nach:

          Ich kann gut verstehen, dass dir viele der genannten Filme nicht zusagen. Viele in meinem Bekanntenkreis (und dazu zählen auch Teile unserer Redaktion) können mit den meisten deutschen Produktionen auch nichts anfangen. Deine Erklärungen halte ich jedoch für ausgesprochen fragwürdig.

          „Akin hat leider immer so abgefuckes Volk in seinen Filmen. Mich stoßen solche Leute ab, ich kann und will mit ihnen nichts anfangen.“

          Vielleicht ist genau das das Problem in diesem Land, wenn Leute wie du das „abgefuckte Volk“ unter uns und deren Probleme abstoßend empfinden. Vielleicht ändert sich für diese Leute deswegen nichts. Fäkalsprache hin oder her, wenn eine Frau ihren Mann und ihren kleinen Sohn bei einem Bombenanschlag verliert, ist das eine Tragödie. Egal wie Assi die Familie gewesen sein mag.

          „Bei dem Tod von dem Blag habe ich nur gedacht:“Gut, dass du weg bist.““

          Sorry, aber das finde ich geschmacklos. Ich weiß, jeder darf frei sagen was er/sie möchte. Und du hast damit niemanden beleidigt oder ähnliches. Das heißt aber trotzdem nicht, dass das Recht alles sagen zu dürfen, Pietät und Menschlichkeit ausschließen.

          „Warum ich einem einem durchgeknallten Blag zusehen soll, welches sich durch den Film kreischt, hat sich mir nicht erschlossen“

          Erstens ist das meines Erachtens nicht die Botschaft des Films. Zweitens wirkt diese Aussage ein bisschen merkwürdig, wenn du oben erzählst, dass du dem Filmteam gezeigt hast, wie laut du schreien kannst. Wenn Benni im Film emotional überfordert ist ist, brüllt sie rum. Was bei dir der Grund für das Rumschreien ist, weiß ich nicht. Systemsprenger ist harter Stoff, keine Frage und ich kann absolut verstehen, dass viele den Film abbrechen oder gar nicht erst anfangen. Ich persönlich finde aber, dass Filme manchmal auch die Realität abbilden müssen. Und das macht Systemsprenger, zumindest meiner eigenen Erfahrung nach, sehr gut. Dazu zeigt er allgemein gesehen, dass es einfach Fälle und Situationen gibt, in denen das bestehende System, egal ob politisch, sozial oder technisch, nicht mehr funktionieren kann, ohne dass daran jemand Schuld trägt oder böse Absicht dahinter steckt.

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          • „Fäkalsprache hin oder her, wenn eine Frau ihren Mann und ihren kleinen Sohn bei einem Bombenanschlag verliert, ist das eine Tragödie. Egal wie Assi die Familie gewesen sein mag. “

            Wenn ich in Film oder Literatur mit den Figuren mitleiden soll, dann ist es eine Grundvorraussetzung, dass sie mir halbwegs sympathisch sind. Und wenn ich schon in den ersten Filmminuten denken: „Junge, du bist einfach nur schrecklich.“ dann nimmt der Film mich nicht mehr mit. Der Anwalt der Familie hatte ja auch so eine Fäkalsprache drauf. Der Film hat es auf keiner Ebene geschafft, mich zu berühren oder abzuholen. Im Gegenteil, er hat mich pernament weggestoßen.

            „Ich persönlich finde aber, dass Filme manchmal auch die Realität abbilden müssen. “

            Das stimmt sicherlich. Aber ich habe inzwischen keine Lust mehr, mich mit dem Elend der Welt zu beschäftigen. Was nicht bedeutet, dass ich sozialkritische Filme per se ablehne.
            Das ist ja auch das Problem mit deutschen Filmen, Tiefgang bedeutet bei ihnen immer, an sich selbst und der Welt leiden. Und der Rest sind Krimis und Komödien.

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            • „Wenn ich in Film oder Literatur mit den Figuren mitleiden soll, dann ist es eine Grundvorraussetzung, dass sie mir halbwegs sympathisch sind.“

              Da stimme ich dir zu. Es gibt aber einen Unterschied zwischen gleichgültigem nicht mitleiden können und einem schadenfrohen „Zum Glück bist du weg“

              „Aber ich habe inzwischen keine Lust mehr, mich mit dem Elend der Welt zu beschäftigen.“

              Gut das sehe ich grundsätzlich anders. Aber das ist ein anderes Thema. Was ich mich frage ist, wenn ein Film wie Interstellar oder Der weiße Hai zu unrealistisch ist, ist er schlecht. Wenn der Film zu realitätsnah ist, wie Systemsprenger oder Aus dem Nichts, willst du auch nichts damit zu tun haben. Wie muss denn ein Film sein, damit du ihn magst?

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              • “ Wie muss denn ein Film sein, damit du ihn magst? “

                Das ist von Film zu Film verschieden.

                Aber nur, um noch mal meine Einstellung zu verdeutlichen: Es gibt einen britischen Regisseur, der sich mit Sozialkritik beschäftigt, Ken Irgendwas, glaube ich. Ich habe mal mal einen Film von ihm über einen arbeitlosen Mann gesehen, der am britischen Arbeitsamt gescheitert ist, weil sie trotz schwerer Krankheit immer Bewerbungsnachweise haben wollten. Das war ein guter Film, den ich nur empfehlen kann, wenn ich den Titel noch wüsste.

                Akins Figuren und Millieu sind dagegen nur abstoßend asozial. Und deswegen bin ich auch nicht mehr bereit, seine Filme zu sehen.

                „Da stimme ich dir zu. Es gibt aber einen Unterschied zwischen gleichgültigem nicht mitleiden können und einem schadenfrohen „Zum Glück bist du weg““

                Der Junge war mir schon ersten Filmminuten auf herzlichste abstoßend, und die Mutter, die grinsend daneben stand, während er mit Fäkalsprache um sich warf, gleich mit. Alle Figuren in dem Film waren einfach schrecklich.

                „„Aber ich habe inzwischen keine Lust mehr, mich mit dem Elend der Welt zu beschäftigen.“

                Gut das sehe ich grundsätzlich anders.“

                Dann hast du den Kopf frei und nicht genug eigene Probleme.
                Wenn du gestresst bist oder müde, dann willst du dich einfach nur noch unterhalten lassen. Ganz davon absehen wird kein Leben besser, wenn du den Schmutz in dein Leben lässt. Und deins so ganz nebenbei auch nicht. Ich kann an dem Leid der Welt nichts ändern, und dementsprechend schiebe ich es weg.

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          • „Zweitens wirkt diese Aussage ein bisschen merkwürdig, wenn du oben erzählst, dass du dem Filmteam gezeigt hast, wie laut du schreien kannst. “

            Ja, um denen ganz klar zu zeigen, dass sie keine Macht über das Geschehen auf em Bürgersteig haben, und schon gar nicht über nicht. Und vor allem nicht solche Vollprolls wie die vom HR, die meinen, sie wären Herrenmenschen. Wie die beim Dreh rumgelaufen sind, so zieht man sich maximal zur Gartenarbeit an.

            Das war eine Ausnahme, denn schreien liegt mir fern. Ich verachte Kreischen, welche keine Kontrolle über sich selbst haben, denn Kontrolle über sich selbst haben, unterscheidet den Menschen vom Tier. Proleten schreien und kreischen (besinnungslos), wer etwas auf sich hält, tut es nicht.

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            • Wenn die Welt einfach so schwarz weiß wäre wie in deinen Kommentaren angedeutet, wäre vemutlich vieles einfacher. Ist sie allerdings nicht und ich finde Filme besonders dann spannend, wenn sie sich mit den Grautönen der Welt beschäftigt, da man sich auch selbst länger mit ihnen auseinandersetzen muss. Einfach zu sagen, etwas ist schwarz und das andere ist weiß, es gäbe nur ein richtig und ein falsch halte ich für problematisch.

              Genauso sehr würde ich anzweifeln, dass dann alle Babys, Kinder, Leute mit traumatischen Erlebnissen, mit Krankheiten oder eine Benni aus Systemsprenger als Beispiel dann scheinbar keine Menschen sein sollen, sondern Tiere. Manche wissen noch nicht wie sie sich auszudrücken haben und benötigen die notwendige Erziehung und Aufmerksamkeit, andere können gar nicht anders und brauchen Hilfe und Unterstützung. Dem einfach den Rücken zu kehren wäre fadenscheinig, da man vielleicht selber oder andere aus dem eigenen Umfeld in derartige Situationen geraten können und man dann über Hilfe froh wäre. Falls nicht, hat man einfach Glück und sollte froh drum sein.
              All das lässt sich im Übrigen auch darauf übertragen, falls Menschen sich nur mit Fäkalsprache ausdrücken können oder aus prekären Lebensumfelden kommen. Einfach den Rücken zukehren ist keine Lösung, sich in den Austausch zu begeben und die notwendige Hilfe anzubieten schon eher.

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              • Ich kenne genug Kreischen in meinem Leben, mein Vater, Fremde, Nachbarn. Ich bin, was das angeht, verbraucht. Ich habe für solche Leute keine Nerven mehr, weder im Film noch in der Realität.

                Es stößt mich ab, ich sehe solche Leute an, in denke:“ Du hast eine Selbstbeherrschung wie ein Tier.“ Ein Hund bellt, wenn er wütend ist, aber ein Mensch muss das nicht. Ein Mensch hat die Fähigkeit an sich zu arbeiten, nur sehen das die meisten nicht ein, und ziehen sich auf die Position „Ich bin halt so.“ zurück.

                Nein, man muss nicht so sein, ich habe auch mal zum Aufbrausen geneigt. Aber weil ich dieses Verhalten ablehne, möchte ich das bei mir dreimal nicht. Mich bringt null aus der Ruhe. Ich sehe die Leute an, dann wissen sie auch so Bescheid. Oder auch nicht, dann lasse ich mir gar nichts anmerken.

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                • Wobei es eine Spezialität des deutschen Films ist, Arme als asozial hinzustellen und ihnen die Würde zu nehmen. Man achte mal darauf, wie Hartz 4 – Empfänger immer dargestellt werden: Rauchend, ungepfegt und saufend. Ich habe noch nie einen gesitteten Hartz 4 – Empfänger in einem Film gesehen.
                  Akin agiert in einer sehr schlechten Tradition, und setzt noch eins drauf.

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  3. Schön, dass hier auch mal eine Lanze für die Tatort-Reihe gebrochen wird. Da sind immer wieder mal gute Sachen dabei. War schon immer so. Aber leider ist das Allermeiste nach dem Mord-Ermittlung-Festnahme Muster gemacht. Da fällt es schwer, die wenigen Perlen ausfindig zu machen. Das sind immer die Folge, wo eine gute Hälfte der Zuschauer zu Rosamunde Pilcher umschaltet, nachdem sie sich beim zuständingen ARD-Sender beschweren, was ihnen da wieder zugemutet wird. Die meisten wollen halt diese beiden Vögel aus Münster sehen.

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    • Vielen Dank. Möchtest du noch ein paar Filme ergänzen? Dann immer her damit. Ich war beim erstellen der Liste auch überrascht, wie viele Filme mir eingefallen sind. Ich glaube in der engeren Auswahl standen 31 oder 32 Filme. Plus ein paar, die ich glaube, dass sie gut sind, sie aber noch nicht gesehen habe.

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  4. Spontan aus 2010-2019 fallen mir ein: Das Schweigende Klassenzimmer, Tschick, Der Junge Muss an die Frische Luft, Als Hitler das Rosa Kaninchen Stahl, Gut Gegen Nordwind und Das Schönste Mädchen der Welt hast du ja auch noch genannt. Dieses Jahr kamen noch Kokon und Kahlschlag ins Kino, die wurden aber beide 2018 gedreht.

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    • Jepp. Das waren auch ein paar der Kategorie „wahscheinlich gut – aber nicht gesehen“. Das rosa Kaninchen und das schönste Mädchen der Welt habe ich sogar jeweils aus gesundheitlichen Gründen im Kino verpasst. Das eine war der Überraschungsfilm beim Open Air Kino letztes Jahr, der andere hatte ich meine Schwiegermutter zu eingeladen.

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