Die größten deutschen Exportschlager

In der aktuellen Ausgabe schauen wir besonders viel ins eigene Land, wie es dort um Filmschaffende und den deutschen Film steht. Aber um auch mal einen Blick darauf zu werfen, wie Deutschland derzeit international aufgestellt ist, habe ich mir angeschaut, wer dort die größten Vertreter sind. Dazu lasse ich natürlich auch meine eigene Wahrnehmung mit einfließen und habe mir nur aktuelle Beispiele herausgesucht, um den Beitrag etwas eingrenzen zu können.

Schauspieler

Die absolute Speerspitze dürfte hier klar definiert sein. Den größten Namen dabei dürfte Christoph Waltz haben. In „Inglorious Basterds“ (der hier noch öfter Erwähnung finden wird) und „Django Unchained“ mauserte er sich nicht nur zu einem von Tarantinos Lieblingen, sondern konnte für beide auch jeweils einen Oscar einheimsen. Durch sie erlang er seine weltweite Bekanntheit und hat seitdem vermutlich eher weniger Probleme damit, Filmangebote in Hollywood zu erhalten. 2015 durfte er sich schließlich als James Bond Bösewicht in „Spectre“ behaupten.

Nicht viel länger in dessen Schatten dürfte sich Daniel Brühl bewegen. Er ist derzeit der vermutlich gefragteste deutsche Darsteller in Hollywood schlechthin. In „The First Avenger: Civil War“ durfte er bereits Teil des erfolgreichen Marvel Franchises werden, verkörperte in „Rush“ die Hauptrolle des Niki Lauda und hatte ebenfalls in besagtem „Inglorious Basterds“ eine präsente Rolle. Von ihm darf man sich in Zukunft international vermutlich noch am meisten erwarten und wer weiß, vielleicht winkt dann auch mal ein Oscar.

Als weiblichen Gegenpart habe ich schließlich noch Diane Kruger auserkoren. Klar, sie war in „Inglorious Basterds“ natürlich auch mit dabei und wurde von Tarantino höchstpersönlich gewürgt. Darüber hinaus macht sie in Hollywood immer weiter Karriere und es bleibt abzuwarten, ob nicht irgendwann wieder eine populäre Rolle auf sie wartet.

Zu guter Letzt möchte ich die deutsche Speerspitze mit einer kurzen Erwähnung von Michael Fassbender abrunden. Ihn würde ich aber eher ausklammern, da der Deutsch-Ire bereits in seinem zweiten Lebensjahr Deutschland verlassen hat und in Irland aufgewachsen ist. Ansonsten wäre er natürlich direkt bei den ersten Namen zu nennen, die einem bei dem Thema einfallen. Dass er deutsch sprechen kann durften wir zumindest in „Inglorious Basterds“ ebenfalls lernen, auch wenn sein merkbarer Akzent ihm noch zum Verhängnis werden sollte.

Kommen wir nun zur „zweiten Garde“, wie ich sie jetzt mal nennen würde. Ganz vorne weg möchte ich hier Udo Kier nennen, der ein Musterbeispiel einer internationalen Karriere abliefert. Mit seinen über 250 Filmen, in denen er bereits mitgespielt hat, hat er in zahlreichen, unterschiedlichen Produktionsländer mitgewirkt. So habe ich im letzten Jahr nicht schlecht gestaunt, als ich ihn im (sehr empfehlenswerten) brasilianischen Film „Bacurau“ erkannt habe. Natürlich darf er hier auch wieder als Bösewicht ran, wofür er schließlich bekannt ist.

August Diehl komplettiert die Runde an Schauspielern die ich hier erwähne, die bei „Inglorious Basterds“ mitgewirkt haben. Er darf sowohl in den USA ran, bspw. in „Salt“, „Allied“ oder im letzten Terence Malick Film „A Hidden Life“ sogar in der Hauptrolle, ist aber auch in europäischen Produktionen gefragt. Zuletzt ist er mir in „Kursk“ positiv aufgefallen, den ich euch in den letzten Filmtipps ans Herz gelegt habe.

Ein weiterer Deutscher, der den Großteil seiner Karriere im Ausland verbringt, ist Thomas Kretschmann. Neben dem Auftritt im Marvel-Film „Avengers: Age of Ultron“, den man hier natürlich nennen muss, hatte er zuletzt sogar eine Hauptrolle in einem Film aus Südkorea mit dem Titel „A Taxi Driver“, der mich zutiefst bewegt hat und wo er mir besonders aufgefallen ist.

Damit wir auch hier die Frauen nicht außen vor lassen, habe ich mich für Alexandra Maria Lara entschieden. In „Rush“ stand sie sogar an der Seite von Daniel Brühl, im Katastrophenfilm „Geostorm“ an der von Gerard Butler. Darüber hinaus sucht sie sich immer mal wieder internationale Projekte.

Zu guter Letzt möchte ich noch einen Schauspieler erwähnen, der eine Rolle bei der Serie des letzten Jahrzehnts schlechthin ergattern konnte. Die Rede ist von Tom Wlaschiha, der in „Game of Thrones“ zu sehen war. Das konnte seiner Karriere zu einem ordentlichen Aufschub verhelfen und vielleicht hat er ja am internationalen Geschäft Blut geleckt.

Regisseure

An Regisseuren konnte ich gar nicht mal so viele herausstellen. Um die üblichen Verdächtigen wie bspw. ein Wim Wenders oder Tom Tykwer ist es doch vergleichsweise sehr ruhig geworden. Da kann man vermutlich Werner Herzog immer noch am ehesten hervorheben. Der macht weiterhin sein Ding und entdeckt auch wieder seinen Spaß daran, vermehrt vor der Kamera aufzutreten. Als bestes Beispiel dient seine Rolle aus der Serie „The Mandalorian“ aus dem letzten Jahr, die er hervorragend ausgefüllt hat.

Oscar-Liebling Florian Henckel von Donnersmarck darf natürlich auch nicht fehlen, auch wenn seine Filmografie doch recht spärlich ausfällt. Mal abwarten ob er sich nochmal auf das internationale Geschäft einlässt nach „The Tourist“.

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Roland Emmerich besteht auch weiterhin international und bleibt bei dem, was er (mehr oder weniger) kann, nämlich bei den Katastrophenfilmen. Es sei ihm vergönnt.

Abschließend komme ich zu einem Namen, der zumindest mir herzlich wenig gesagt hat und wo ich dann jedoch verblüfft seine Filmografie betrachtet habe. Die „schmückt“ sich immerhin mit Filmen wie „Stranger Than Fiction“, „James Bond: Ein Quantum Trost“, „World War Z“ und zuletzt „Christopher Robin“. Von den Filmen kann man nun halten was man will, jedoch ist klar, dass es sich hierbei auch um größere Produktionen handelt. Also kann man sich den Namen Marc Forster (nicht zu verwechseln mit dem Sänger Mark Forster) doch gleich mal hinter die Ohren schreiben.

Filmkomponisten

Er ist vermutlich der größte Vertreter Deutschlands überhaupt in Hollywood. Bei der Überschrift kann die Rede natürlich von niemand geringerem als von Hans Zimmer sein. Der unermüdliche Komponist ist eine feste Größe, zählt zu den gefragtesten Männern seines Metiers und baut sein Portfolio stetig aus. Wer einen tieferen Einblick in seine Arbeit bekommen möchte, dem sei an dieser Stelle mein Beitrag zu ihm und seiner Kooperation mit Christopher Nolan ans Herz gelegt.

Die zweite Person, die ich hier nennen möchte, arbeitete am Anfang seiner Karriere sogar mit Zimmer zusammen. Der Durchbruch für ihn war dann „Fluch der Karibik“, es handelt sich dabei um Klaus Badelt. Im letzten Jahrzehnt hat es ihn schließlich nach Frankreich verschlagen, wo er für einige Filme komponieren durfte.

Visual Effects (VFX)

Wie sich herausstellt, sind die Deutschen in Sachen Visual Effects ganz groß im Geschäft. Bestes Beispiel ist hier wieder einmal das Marvel Franchise, dass für seine Filme oft mit deutschen VFX-Firmen eng zusammenarbeitet. Rise FX und Trixter seien hier als Studios nur mal beispielhaft genannt.

Der letzte deutsche Oscarpreisträger ist im Übrigens ebenfalls ein Künstler für Spezialeffekte und hört auf den Namen Gerd Nefzer. Er war unter anderem verantwortlich für die beispiellosen Effekte in „Blade Runner 2049“.

Honorable Mention

Zum Abschluss möchte ich euch mit einer Honorable Mention entlassen. Sicherlich habe ich hier einige Filmschaffende außen vor gelassen und es gibt sicherlich noch so viele mehr, besonders auch in ganz anderen Bereichen, die ich noch gar nicht erwähnt habe. Gerne könnt ihr mich in den Kommentaren wissen lassen, wer eurer Meinung nach unbedingt hier hineingehört hätte und wen ich noch vergessen habe oder wem ich vielleicht sogar zu viel Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Stellvertretend dafür möchte ich nun noch Stefan Ciupek erwähnen. Bei ihm handelt es sich um einen faszinierenden Kameramann, der bei Produktionen wie „Slumdog Millionaire“, „Antichrist“, „127 Hours“ oder jetzt im letzten Jahr bei „Guns Akimbo“ mitgewirkt hat. Auf ihn bin ich durch ein tolles, sympathisches Interview bei Kino+ aufmerksam geworden und kann jedem das Video nur wärmstens empfehlen. Denn er plaudert dort herrlich aus dem Nähkästchen und erzählt wie es ist, mit so Leuten wie Danny Boyle oder Lars von Trier zu drehen und bei welchen interessanten Projekten er noch mitwirken durfte.

11 Gedanken zu “Die größten deutschen Exportschlager

  1. Du hast da eine nette Liste zusammengestellt.
    Auf dem ersten Blick fehlt mir jedoch Fatih Akin, der auch z. B. im Episodenfilm „New York, I Love you“ (dieser Film ist exemplarisch genannt, da er dort mit vielen anderen Größen aus Hollywood zusammen gearbeitet hat) und zahlreichen anderen Filmen gezeigt hat, was er so drauf hat.

    Gefällt 3 Personen

  2. Vielen Dank, dass du an uns gedacht hast! Ja, in der Tat haben wir im Frühjahr unsere Arbeit an Marvel’s Black Widow beendet, und nächstes Jahr kommt DC’s „The Suicide Squad“ mit unseren VFX in die Kinos. Es ist toll, einen Beitrag zu lesen, der von Deutschlands „Exporten“ erzählt, denn die meisten wissen gar nicht, dass z.B. viele Hollywood Filme ihre VFX aus Deutschland holen.
    Ganz liebe Grüße
    Sophie von TRIXTER

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo liebe Sophie! Schön dass dir der Beitrag gefallen hat. Ich dachte mir auch bei der Recherche, dass die VFX Branche in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu sehr übergangen wird und Deutschland dort ja hervorragend vertreten ist und seit Jahren gute Arbeit leistet. Daher ist ein wenig Aufmerksamkeit definitiv angebracht 🙂

      Gefällt mir

  3. Ist mal schön zu lesen, dass die Deutschen – wenn auch nicht immer in der ersten Reihe -auch international kräftig mitmischen. Klar, die Leute vor der Kamera kennt man natürlich. Dass aber auch hinter der Kamera etliche „Krauts“ aktiv sind, ist viel zu wenig bekannt bzw. wird nicht immer angemessen gewürdigt.
    Kameramann Michael Ballhaus fiele mir noch ergänzend ein 🙂
    Fun Fact: Der erste Oscar überhautpt, der in der Kategorie Bester Hauptdarsteller verliehen wurde, ging 1929 an den deutschen Schauspieler Emil Jannigs.

    Gefällt 1 Person

    • Habe ja aktuelle Aktivposten vorgestellt 🙂 Sonst hätte ich noch ewig auflisten können
      Da ist mir Michael Ballhaus natürlich aufgefallen (weiß grad nicht mehr ob bei der Recherche oder erst nach Veröffentlichung des Beitrags), allerdings ist er ja leider verstorben. Aber definitiv eine Erwähnung wert, besonders da es sowieso noch nicht lange her ist!

      Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Wermis großer Jahresrückblick – Part 1: Klappe! – Wermi's Worte Filmblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.