U-Boot-Filme: Eine Jungfernfahrt

Ich sach euch wie et is‘: Als wir das Thema für den September festgelegt haben, konnte ich an einer Hand abzählen, wie viele Filme ich zu dem Thema gesehen hatte. Darunter waren dann auch noch sowas wie das grauenhafte „Overboard“-Remake (der einmal in der Sneak Preview lief) und Wes Andersons „Die Tiefseetaucher“, der keinerlei Spur bei mir hinterlassen konnte.

Es wurde also schnell klar, dass da einiges an Arbeit auf mich warten würde und es auch eine gute Gelegenheit war, Klassiker wie „Das Boot“ oder „Titanic“ nachzuholen. Schiffsfilme stellen bei mir grundsätzlich eine derart große Lücke dar und ich kann es mir nur so erklären, dass ich zunächst einmal als Kind oft seekrank wurde und selbst jetzt noch ein großer Schiffs- und Meeresmuffel bin. Das Ungewisse, was sich auf See unter einem befindet, jagt mir immer noch eine Heidenangst ein und Filme regen diese Fantasie eben nur weiter an.

Daher hielt sich mein Interesse für diese Art von Filmen auch sehr in Grenzen, dennoch galt es jetzt für mich, über meinen eigenen Schatten zu springen. Skeptisch legte ich also die ersten paar Filme ein und nach und nach musste ich feststellen, dass ich doch großen Spaß mit ihnen hatte. In eine Sparte von ihnen sollte ich mich dabei ganz besonders verlieben – ihr werdet es jetzt vielleicht schon anhand des Titels erraten haben – und deshalb möchte ich euch in einem ganz persönlichen Beitrag mit auf die Reise nehmen, die ich in einer Vielzahl von U-Boot-Filmen selbst durchgemacht habe.

Also Leinen los, alle Mann von Deck, wir tauchen ab!

Unternehmen Petticoat (1959)

Unsere Reise beginnt direkt bei einem Film, der unser Thema am wohl humoristischsten behandelt. Als im zweiten Weltkrieg ein amerikanisches U-Boot an einem Pier nach einem japanischen Luftangriff schwer getroffen wird, droht es zu sinken. Schiffskapitän Sherman gibt es aber nicht so schnell auf und versucht es anschließend wieder einsatztauglich zu machen. Dazu wird ihm eine neue Crew zugeteilt. Darunter befindet sich der draufgängerische Versorgungsoffizier Holden, der nur für Ärger steht und in der folgenden U-Boot-Fahrt für allerhand Quatsch sorgt.

Mit Cary Grant und Tony Curtis wartet „Unternehmen Petticoat“ mit waschechten Hollywood-Größen auf, die mit ihren Sticheleien für eine enorm unterhaltsame Dynamik sorgen. Ich hätte eigentlich mit keinem besseren Film in unser Thema starten können, denn mit dieser Komödie war Spaß vorprogrammiert und sie machte gleich Lust auf mehr. Dabei schafft sie den schwierigen Spagat mit einer satirischen Darstellung des im Krieg vorherrschenden Chaos, ohne zu sehr in Klamauk abzudriften oder den Krieg zu verharmlosen.

The Wolf’s Call (2019)

Eine nette Überraschung sollte dann der 60 Jahre jüngere „The Wolf’s Call“ werden, der aus Frankreich stammt. Dort sehen sich das französische Jagd-U-Boot und ein talentierter Sonar-Akustiker mit einem russischen Atom-U-Boot konfrontiert, dass eine große Bedrohung darstellt und auf Sonaren kaum erkennbar ist.

Sicherlich nimmt der Film ab einem gewissen Punkt ein wenig übertriebene Ausmaße an. Wenn man sich aber drauf einlassen kann, erwartet einen schön bebilderte U-Boot-Action mit französichem Charme und kurzweiliger Unterhaltung.

Das Boot (1981)

Damit wären wir auch schon bei dem U-Boot-Film schlechthin und dafür müssen wir gerade einmal bloß nach Deutschland blicken. Ein deutsches U-Boot während des zweiten Weltkriegs macht sich auf die Jagd nach feindlichen Schiffen und bald schon muss sich die Besatzung um das eigene Überleben sorgen.

Der deutsche Klassiker hält durchaus was er verspricht, lotet er doch zahlreiche Thematiken in einem U-Boot während des Krieges voll aus. Hier leben Männer eine lange Zeit auf engstem Raum, verwahrlosen in ihrer körperlichen und geistlichen Verfassung, wo Hygiene immer kürzer kommt, geistreiche Beschäftigung rar gesät ist und die Angst vor feindlichen Angriffen groß ist, während denen man der Kontroll- und Hilflosigkeit ausgesetzt ist und nur darauf wartet, dass man stirbt oder es endlich vorbei ist. Sucht man nach einer realistischen Darstellung und einem eindringlichen Psychogramm, so ist man hier genau richtig.

Jagd auf roter Oktober (1990)

Ein wenig spektakulärer sollte es dann hier werden. Als ein russisches Atom-U-Boot sich der US-Küste nähert, scheint es so als würde ein Atomanschlag anstehen. Einzig der CIA-Agent Jack Ryan vermutet, dass die russische Besatzung überlaufen und die atomare Waffe aushändigen möchte. Daher versucht er möglichst schnell einen Gegenangriff auf die Russen abzuwenden und in Kontakt mit dem U-Boot zu treten.

Unterhaltsamer Thriller in dem viele Fronten aufeinandertreffen und in einem großen Höhepunkt gipfelt, aber ähnlich übertriebene Handlungsentwicklungen vorweist wie „The Wolf’s Call“.  

Crimson Tide (1995)

Und schon wieder steht ein Atomkrieg mit Russland kurz bevor (wie ihr vielleicht merkt ein gängiges Motiv). Dieses Mal kann dies aus einem U-Boot aus vielleicht noch verhindert werden. Allerdings prallen dort der erste Offizier und der Kapitän mit zwei völlig verschiedenen Meinungen darüber aufeinander, wie sie jetzt vorgehen sollten. Unweigerlich kommt es schon bald zu Konfrontation und unterschiedlichen Positionierungen innerhalb Crew.

Extrem spannend an „Crimson Tide“ ist, wie er den Fokus auf die Stimmung einer Schiffsbesatzung setzt, wie sie kippen und wie es zu Meutereien kommen kann. Dabei liefern sich Loyalität und Vernunft den größten Kampf und entscheiden schlussendlich über weitreichende Folgen.

20000 Meilen unter dem Meer (1954)

Damit sind wir zu guter Letzt beim ältesten Film hier angelangt. Überraschenderweise ist auch gerade dieser Disney-Klassiker nach einem Jules Vernes Roman inhaltlich komplett anders angesiedelt als jeder andere Film in diesem Beitrag. Schließlich spielt er im 19. Jahrhundert wo es U-Boote in der Form, in der wie sie kennen noch nicht gab. Als aber einige Schiffe von einer Art Seeungeheuer versenkt werden, begibt sich ein Ozeanograf und sein Conseil auf die Suche danach. Bald schon stellt sich heraus, dass es sich dabei um das fortschrittliche Unterwasserboot Nautilus handelt, das von Kapitän Nemo angeführt wird, der seine ganz eigene Agenda befolgt.

Dieser Streifen ist der wohl kreativste in meiner Filmauswahl und stellt ein passendes Ende auf unserer Reise dar. Während in den anderen Filmen wenig subtil die zerstörerischen Ausmaße des Krieges und von nuklearen Waffen verdeutlicht wurden, brodelt diese Kritik hier erst noch unter der Oberfläche des Films und wird relativ unerwartet in seine einzigartige Handlung eingewoben.

Kursk

Bevor wir wieder an den sicheren Hafen zurückkehren, muss ich aber noch diese Honorable Mention loswerden. „Kursk“ hätte hier natürlich ebenfalls super hineingepasst, allerdings war er nicht Teil meiner Recherche (ich habe ihn damals in eine OV Sneak Preview sehen dürfen). An dieser Stelle möchte ich aber darauf verweisen, dass ich ihn dafür in meinen Filmtipps vorstelle!

Und damit beende ich die Reise, die ich für diese Ausgabe auf mich genommen habe und würde jetzt gerne von euch wissen, wie ihr zu dem Thema steht und welchen U-Boot-Film ich unbedingt ebenfalls nachholen muss!

2 Gedanken zu “U-Boot-Filme: Eine Jungfernfahrt

  1. Ich würde noch ‚Black Sea‘ empfehlen. Der ist an der Kasse ziemlich untergegangen (harr harr), aber ich fand ihn gut. Jude Law und eine Bande Verzweifelter wollen während des Kaukasuskrieges, die angebliche Goldladung eines im zweiten Weltkrieg versenkten Nazi-Schiffes im schwarzen Meer mit einem alten Seelenverkäufer von Uboot heben. Erfindet das Rad nicht neu, ist aber sehr stimmungsvoll mit einigen guten Darstellungen.

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  2. Pingback: Wermis großer Jahresrückblick – Part 1: Klappe! – Wermi's Worte Filmblog

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