Die „Fluch der Karibik“-Reihe oder What happened to Jack?

2003 war es so weit, ein Film, dessen Produktion mit viel Argwohn begegnet wurde, erblickte das Licht der Kinosäle und wurde zu einem phänomenalen Kassenschlager, der ganze vier Fortsetzungen nach sich ziehen sollte. Die Rede ist natürlich von „Fluch der Karibik“. Doch wie kam es eigentlich zu dem Film? Wieso der anfängliche Argwohn? Und was meine ich mit der Überschrift? Nun, lasst mich ein wenig weiter ausholen und versuchen, diese Fragen zu beantworten.

Eine Antwort auf die erste Frage zu finden, ist eigentlich relativ leicht: Disney erhoffte sich von dem Film ein hübsches Sümmchen. Dafür engagierten sie einen aufstrebenden, wenn bis dahin auch noch recht unbekannten Regisseur, Gore Verbinski sein Name, und ein paar bekannte Schauspieler, deren Namen Filminteressierten weltweit in den Ohren klingeln sollten. Die Idee für das Drehbuch steuerte dann schließlich eine äußerst beliebte Attraktion in Disneys eigenem Vergnügungspark bei.
Und hier kam dann der Argwohn mit ins Spiel. Denn während heutzutage gerne einmal behauptet wird, dass es Filme gäbe, die sich eher nach einem Vergnügungspark anfühlen, als nach „echtem Kino“, sollte dieser Film tatsächlich und ganz gewollt diese Wurzeln aufweisen. Doch das war damals eigentlich nur eine Windung in der Skepsis-Spirale. Viel schwerer wog die Tatsache, dass Piratenfilme zu dieser Zeit quasi ausgestorben waren, von der Bildfläche verschwunden. Die „Piratenbraut“ (1995), als Flop, der bereits in die Analen der Filmgeschichte eingegangen ist, wird dabei gerne als letzter Sargnagel eines Genres erwähnt, dass bereits davor zu kämpfen hatte. Die Zeit der Romantisierung dieser, historisch betrachtet eigentlich ziemlich rauen Gesellen (um es einmal höflich auszudrücken) schien ihr Ende gefunden zu haben. Doch wie oben bereits erwähnt, sollten uns Disney und Verbinski, mit der Unterstützung von Depp, Bloom, Kneigthley und vielen anderen, 2003 eindrucksvoll beweisen, wie viel Potenzial noch in diesem Gerne schlummert.

„Fluch der Karibik“ schlug ein wie eine Bombe und entpuppte sich, entgegen all der im Vorfeld herrschenden Bedenken, als ein wirklich gelungenes, unterhaltsames Abenteuer. Gerade die Figur des Jack Sparrow, den Johnny Depp als ziemlich weirden aber ebenso gewieften Piraten mit losem Mundwerk mimt, ist heutzutage Kult und hat ihren Weg in die Popkultur unserer Zeit gefunden. Und auch die Verfasserin dieser Zeilen findet heute noch gefallen an der Mär rund um eine Truhe Gold, einen Fluch und eine aufkeimende Liebe. Gerade hierin ist meiner Meinung nach ein Punkt zu finden, der mitverantwortlich für den Erfolg des ersten Teils war und ist: es gibt mehrere Hauptpersonen.
Was in den meisten Fällen eher eine Art Genickbruch darstellen würde, funktioniert in diesem Fall so wunderbar, weil alle Figuren die nötige Zeit und Einführung bekommen und ihre Motivationen, trotz selbem Ziel, gänzlich unterschiedlich ausfallen. So kann man einerseits dem gerissenen Schlitzohr, andererseits aber eben auch dem strahlenden Helden und der toughen Heldin dabei zuschauen, wie sie mal miteinander, mal gegeneinander, aber doch stetig auf ein und denselben Endpunkt hinsteuern. Dazu dann ein paar, noch heute äußerst ansehnliche, verfluchte Skelett-Piraten und einen Bösewicht, der den Guten an Charisma in nichts nachsteht, genial verkörpert durch Geoffrey Rush, und fertig ist das perfekte Rezept für eine ebenso wilde wie unterhaltsame Fahrt.

Und obwohl es wie so oft keiner Fortsetzung bedurft hätte, war nach dem Erfolg des ersten Teils schnell klar: Teil 2 wird so sicher kommen, wie das Amen in der Kirche. Wieder wurden skeptische Stimmen laut, immerhin endete Teil 1 ziemlich rund, wieso also Fäden aufnehmen, die gar nicht lose liegen gelassen wurden?!
Doch abermals sollten Zweifler weltweit eines Besseren belehrt werden, denn anstatt die bereits gesehene Story noch einmal aufzuwärmen, wandten sich die Verantwortlichen lieber einem neuen Abenteuer zu, in welches die Protagonisten nachvollziehbar verstrickt wurden. Zwar fing die Fassade hier und da schon ein wenig an zu bröckeln, gerade das ewige Liebes-Hin-und-Her fing an, die Nerven auf die Probe zu stellen, doch Bill Nighys Davy Jones stand Rushs Barbossa in nichts nach und bot den Zuschauern abermals einen Bösewicht, bei dem einem ein Schauer über den Rücken lief.

Diesmal war das Ende allerdings so gestaltet, dass eine Fortsetzung unausweichlich schien. Und tatsächlich, Teil 3 folgte, und obwohl er die Geschichte rund um Orlando Bloom und Keira Knightley zu einem teils überraschenden, aber doch recht zufriedenstellenden Ende brachte, wurde Fans schnell klar, dass sich die Macher immer mehr in ihrer erschaffenen Welt zu verlieren drohten. Die Nebenhandlungen nahmen Überhand, dutzende Charaktere wurden eingeführt, die allesamt wichtiger erschienen, als sie es im Endeffekt waren, und wirklich interessante Antagonisten wollten sich auch nicht zeigen.
Trotzdem, hätte die Geschichte hier ihr Ende gefunden, man hätte noch immer alles in allem von einer äußerst gelungenen Trilogie reden können – und von Zeit zu Zeit einen kleinen Film-Marathon veranstalten, wenn einem der Sinn nach Abenteuer und Stränden stünde. Es sollte nicht sein.

Stattdessen wurde ein weiterer Teil angekündigt, diesmal ohne Bloom und Knightley, dafür mit Publikumsliebling Jack Sparrow. Und genau hier lag einer der Hunde begraben (es gab nämlich durchaus auch noch andere), denn offensichtlich war keinem der Verantwortlichen klar, dass die Figur des smarten, zum Rumkonsum neigenden Piraten nur deswegen so gut in den Vorgängern funktioniert hatte, weil es auch noch andere Hauptcharaktere gab, die ihm Paroli boten. Als einzige Hauptfigur, und mit zu viel ungeteilter Screentime versehen, verkommt der Charakter allzu schnell zu einem wandelnden Tick auf zwei Beinen. Denn all die kleinen Absonderlichkeiten und Eigenarten, die Depp über drei Filme hinweg immer weiter ausgebaut und perfektioniert hat, werden bei zu exzessivem Einsatz schnell repetitiv und äußerst ermüdend.
Doch wie oben bereits erwähnt, hapert es bei dem vierten Teil, mit dem klingenden Beititel „Fremde Gezeiten“, noch an anderer Stelle. Da wären zum Beispiel die blassen Nebenfiguren, die nicht einmal Schauspielgrößen wie Ian McShane und Penélope Cruz mit Leben füllen können. Die erneute Überschwemmung der eigentlichen Geschichte mit irrelevanten, ins Nichts führenden Nebensträngen. Und schließlich der eigentliche Plot, bei dem es fast so scheint, als läge der Hauptperson Jack Sparrow nicht wirklich viel daran, das angestrebte Ziel auch tatsächlich zu erreichen.
Nachdem der Film dann auch sehr gemischt beim Publikum ankam und schnell wieder aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden war, hatten die Fans aber wenigstens die Hoffnung, dass Disney es damit dann aber auch wirklich mal gut sein lassen würde. Aber nix da!

Ein fünfter Teil musste her. Das neue Abenteuer brachte allerdings auch eine Art Rückbesinnung und stellte dem inzwischen schier omnipräsenten Charakter des Jack Sparrow erneut zwei Gefährten an die Seite. Wenn es einmal funktioniert hatte, wieso dann nicht noch einmal?
Die Antwort folgte auf dem Fuß: Die Macher hatten irgendwo auf dem Weg leider ihren geliebten Jack verloren. Was nämlich im fünften Teil so durch das Bild wankt und stolpert, hat wahrlich nur mehr wenig mit der schillernden Figur zu tun, die sich vor so vielen Jahren in unsere Herzen gestohlen hatte. Ein Teil davon mag sicherlich der Tatsache geschuldet sein, dass Johnny Depp wohl gerade eine schwere Zeit durchmachte und deswegen wohl öfter mal ziemlich betrunken zu den Dreharbeiten erschien. Doch das kann sicher nicht alleine Schuld an der Misere gewesen sein. Es scheint eher, dass auch die Autoren den Kern der Figur plötzlich aus den Augen verloren hätten. Denn während Jack in den Vorgängern gerne einmal planlos wirkte, zog er im Hintergrund doch stets die Fäden und hatte meistens noch ein Ass im Ärmel. Im fünften Teil scheint seine rasche Auffassungsgabe aber dann schierem Glück gewichen zu sein, weshalb er ungelenk von einer Actionszene in die nächste stolpert.
Der Bösewicht, in Form von Javier Bardems Salazar, war zwar ein kleiner Lichtblick, allerdings wirkte seine Einführung so holprig und seine folgende Charakterisierung so inexistent, dass hiermit eine weitere vielversprechende Figur vergeudet wurde. Außerdem gab es erneut zu viele Handlungsstränge, zu viele verworrene und verborgene Motivationen, zu viele Enthüllungen, zu viele repetitive Gags – einfach zu viel von allem.

Und so bleibt für mich die Frage im Raum stehen:“ What the F… happened to Jack?“ und die Hoffnung, dass Disney das Franchise nun endlich ruhen lässt – oh hoppla, ein sechster Teil ist ja schon angekündigt, na dann mal her mit dem Rum und lasst uns aufs Beste hoffen. Prost!

7 Gedanken zu “Die „Fluch der Karibik“-Reihe oder What happened to Jack?

  1. Die „Piratenbraut“… auf den hatte ich mich damals so gefreut (bin großer Piratenfan) und dann bekam man da solch einen Quark vorgesetzt. Schade drum.

    Fremde Gezeiten…. der passte wirklich nicht in die reihe. Salazar kann man doch wieder schauen.
    Was die da allerdings vorhaben mit einem neuen „Sparrow“ – Film ohne Depp und stattdessen mit einem (dem Gender – Wahn gehuldigten) weiblichen Protagonisten… das wird ein Schuss in den Ofen. Wenn überhaupt, funktioniert der Fluch der Karibik nur mit Depp als Sparrow.

    Gefällt mir

      • Das schon aber es fällt auf, dass „alteingesessene“ Helden plötzlich durch Frauen ersetzt werden und dann wundert man sich, dass es nicht ankommt. Siehe Frau Dr.Who oder die weiblichen Ghostbusters.
        Genauso wird FdK baden gehen…
        Schon freakig, dass nach über 50 Jahren die Produktionsfirma der Bondfilme klarstellen muss, dass es keinen weiblichen Bond geben wird.

        Es gibt natürlich einige weibliche Helden wie z.B. die unschlagbare Ripley 😁

        Gefällt 1 Person

  2. Ich konnte mit der Reihe -gesehen habe ich auch nur Teil 1 und 2 – nie sehr viel anfangen. Und das, was ich hier lese, macht mir auf die übrigen Sequels auch nicht wirklich Lust. Das Franchise hat sich über die Jahre so einer klassischen Cashcow entwickelt, die so lange gemolken wird, wie es eben geht.
    Schade auch für Johnny Depp, der mal ein toller Schauspieler war, über die Jahre aber immer mehr zu einem lustig verkleideten Possenreisser verkommen zu sein scheint.

    Gefällt 1 Person

  3. Erstmal muss ich klarstellen, dass Teil 3 natürlich der beste Teil der Reihe ist und ein unterschätztes Werk der Filmgeschichte 🙂 Sonst sehr schöner Artikel

    Das Franchise ist erstmal tod, aber würde mich natürlich freuen wenn es zur alter Stärke zurück findet. Wie du schon richtig schreibst, war Depp ein Hauptgrund (aber nicht der einzige!) für den Erfolg und der ist aktuell weit weg von seiner Bestform. Vielleicht versucht sich Taika Waitit mal dran wie aktuell bei jedem zweiten Fox/Disney Franchise 😀

    Gefällt mir

  4. Pingback: Wermis großer Jahresrückblick – Part 1: Klappe! – Wermi's Worte Filmblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.