Das Erwachsenwerden im Sommer

Wenn man sich die Liste an Sommerfilmen mal genauer anschaut, dann sticht einem bei genauerer Betrachtung besonders eine Thematik ins Auge: Coming of Age. Das bedeutet soviel wie Heranwachsen/Erwachsenwerden und es handelt sich hierbei meist um Jugendfilme bzw. Filme über Jugendliche und die Jugend. Aber woran liegt das?

Untersucht man die Filme auf inhaltlicher Ebene, lässt sich hierfür ein ganz einfacher Hauptgrund finden, nämlich die Sommerferien. Diese stehen für viel Freizeit, die man mit Freunden nutzt, für Befreiung von schulischen Verpflichtungen, für Familienurlaub oder für einen Ferienjob. Außerdem gibt es für Jugendliche vor und nach den Ferien zwei bedeutende Ereignisse: einmal der Abschluss eines Schuljahres und dann natürlich der Beginn eines neuen. Das bietet ebenfalls weitere Möglichkeiten für die Handlung, oft gibt es bei Schuljahresende einen Schulabschluss und der Start ins nächste Schuljahr bedeutet Abschied von alten Freunden, wenn man fortan an eine andere Schule geht.

Im Grunde bietet der Sommer damit eine hervorragende Grundlage für zahlreiche Coming-of-Age-Geschichten, die ich euch im Folgenden gerne anhand von einigen Filmbeispielen vorstellen möchte.

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu, die Noten oder gar ein Schulabschluss stehen an und das Ganze wird natürlich gebührend mit Abschlussbällen und -partys gefeiert. So auch in folgenden Filmen:

Footloose (1984)

In der spießigen Kleinstadt Bomont sind Rockmusik, Alkohol und Tanzen verboten. Dies sehen einige Jugendliche jedoch nicht ein und setzen sich für die Organisation eines Abschlussballes ein. Der Film setzt sich mit der rebellischen Jugend auseinander, die immer wieder in Konflikt mit den Erwachsenen tritt und sich nicht nur gegen diese auflehnt, sondern auch lernt für die eigenen Interessen einzustehen.

Confusion – Sommer der Ausgeflippten (Dazed and Confused, 1993)

Jetzt wird es sogar noch ein wenig wilder, denn wir nehmen eine Zeitkapsel in die 70er. In den Vororten von Austin drehen die Jugendlichen wie jedes Jahr gegen Ende des Schuljahres durch und vollziehen demütigende, traditionelle Initiationsriten an den neu ankommenden Schülern des folgenden Schuljahres. Partys mit Alkohol und Marihuana dürfen dabei natürlich auch nicht fehlen und die Jugend ist hier von der Gesellschaft total losgelöst und agiert ohne richtiges Korrektiv.

Dope (2015)

Malcolm ist ein intelligenter, afroamerikanischer Nerd, der aus einem recht harten Viertel kommt. Als der Abschluss vor der Tür steht und er sich sogar mit einer Bewerbung für Harvard beschäftigt, gerät er aber leider in eine missliche Lage, in der er plötzlich eine große Menge Ecstasy am Hals hat und diese gewinnbringend loswerden muss. Während dieser Ausnahmesituation macht der eigentlich gutmütige Junge einige Lektionen fürs Leben und trifft eigene Entscheidungen (bei denen er stets in den Abgrund zu rutschen droht), die ihn zu sich selbst finden lassen.

Eighth Grade (2018)

Zu sich selbst möchte auch die junge Kayla finden, allerdings fällt ihr das sehr schwer. Obwohl sie in ihren Vlogs auf Youtube versucht Tipps zu geben wie man das Selbstbewusstsein steigert, ist sie ein ziemlich unsicheres, unbeholfenes Mädchen. Auch ihr Schulabschluss lässt nicht mehr lange auf sich warten, sie versucht daher die restliche Zeit an ihrer Schule irgendwie zu überstehen und erlebt allerlei unangenehmer Teenager-Situationen. Dabei tut der Film richtig weh, während sie sich durch die Pubertät quält, sich zum ersten Mal mit Sexualität beschäftigt (und einen Blowjob an einer Banane übt) oder ganz einfach nach einer Zugehörigkeit sucht. Außerdem wurde selten die Auswirkung von Social Media auf Jugendliche so authentisch thematisiert wie hier.

Booksmart (2019)

Statt zu viel Zeit mit Teenager-Problemen zu vergeuden, haben die besten Freundinnen Molly und Amy alles in ihre Schulleistungen gesteckt. Als sie einen Tag vor ihrer Abschlussfeier stehen, merken sie, dass sie vielleicht doch mal ein wenig ihr Leben als Teenager auskosten sollten und versuchen alles Versäumte in einer einzigen Nacht nachzuholen. Diese stellt sich jedoch als große Probe für ihre Freundschaft heraus, denn hinter allem steht die Angst davor, nach dem Abschluss getrennte Wege zu gehen, da sie danach verschiedene Colleges besuchen. Im Grunde eine sehr ähnliche Thematik wie in Superbad, den ich euch allerdings in den Filmtipps vorstelle und der hiermit nur kurz erwähnt sei.

Bevor wir uns aber nun vollkommen in die Sommerferien stürzen, möchte ich auch kurz noch Stand by Me, Die Reifeprüfung und Call Me By Your Name erwähnen, die allesamt in unseren Loveful 8 zu finden sind und sonst ebenfalls ihren Platz bei den noch folgenden Filmen verdient hätten.

The Kings of Summer (2013)

Die beiden Freunde Joe und Patrick haben allmählich ihre Eltern satt und reißen schließlich mit einem weiteren Freund während der Sommerferien aus. An einem entlegenen Platz im Wald beginnen sie, ihre eigene Holzhütte zu errichten und wollen dort fortan leben, während ihre Eltern sie bei der Polizei schon als vermisst melden. Die Jungs versuchen damit der Kontrolle ihrer Familien zu entgehen und lösen sich von jeglichen Sorgen. Ihr Leben in ihrem Waldhüttchen besteht aus absoluter Freiheit, die sie jedoch schon bald auf Probleme treffen lässt, denen sie nicht länger entfliehen können.

Ganz weit hinten (The Way, Way Back, 2013)

Abstand von der Familie benötigt auch Duncan. Das Problem ist bloß, dass er sich mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und seiner Stiefschwester auf dem Weg in den Sommerurlaub befindet. Der extrem nach innen gekehrte Junge flüchtet sich schließlich in den nahegelegenen Wasserpark und fängt dort an zu arbeiten, um der Patchwork-Familie aus dem Weg zu gehen. Dabei wird er unter die Fittiche vom Manager des Parks genommen, der fortan eine Art Vaterfigur für ihn ist und ihm das Umgehen mit Verantwortung beibringt und sein Selbstbewusstsein steigert.

Dirty Dancing (1987)

Ebenfalls in den Sommerurlaub mit der Familie geht es für Baby. Hier ist anfangs aber noch alles in Harmonie, schließlich ist sie Daddys Liebling. Als Baby sich jedoch mit dem Tänzer Johnny Castle einlässt, verliert sie die Gunst ihres geliebten und hoch angesehenen Vaters, in dessen Augen der junge Mann nicht gut genug für seine Tochter ist. Für sie heißt es nun, für ihre erste große Liebe einzustehen und einen eigenen Willen zu entwickeln, der nicht immer nur die Interessen ihrer Eltern verfolgt.

 

Damit habt ihr hoffentlich einen kleinen Überblick darüber, wie vielseitig das Thema Coming of Age in Zusammenhang mit dem Sommer ist und welche tragende Rolle er beim Heranreifenden von Film-Teenagern spielt.

9 Gedanken zu “Das Erwachsenwerden im Sommer

  1. Ich kenne zu dem Thema noch „Pauline am Strand“, ein französischer Film aus dem Jahr 1983, den es aktuell auch in der Arte Mediathek gibt.
    https://www.arte.tv/de/videos/023522-000-A/pauline-am-strand/

    Und dann noch den ebenfalls französischen Film Ava (2017), der bei ein paar Filmfestivals, darunter auch Cannes, nominiert war und ausgezeichnet wurde.

    Beide Filme sind speziell, im Hinblick auf das Erwachsen werden aber auf jeden Fall interessant.

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Reminder Ausgabe 8: Sommer, Sonne, Todesfälle | Klappe!

  3. Pingback: Wermis großer Jahresrückblick – Part 1: Klappe! – Wermi's Worte Filmblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.