Unnützes Filmwissen (1): Trivia zu Nolans Filmen

Herzlich Willkommen, herzlich Willkommen – treten Sie näher, machen Sie es sich bequem und lassen Sie sich von uns in die magische Welt der Filme Christopher Nolans entführen. In diesem Beitrag werden Ihnen heute nämlich allerlei spannende Fakten, wissenswerte Besonderheiten und versteckte Easter Eggs präsentiert. Der Übersichtlichkeit halber schön gegliedert und unterteilt in folgende Kategorien:

  • Nolan und die Wissenschaft – Wie viel Science steckt wirklich in dieser Fiction?
  • Praktische Effekte oder doch lieber CGI? – Wieso nicht beides!
  • Kenne ich das nicht von irgendwo her? – Wiederkehrende Elemente und Referenzen
  • Pleiten, Pech und Pannen – Filmdrehs und ihre Tücken

Auf geht’s… schnallen Sie sich an und genießen Sie die Reise durch die nolansche Film-Trivia…

Nolan und die Wissenschaft – Wie viel Science steckt wirklich in dieser Fiction?

⇒ Fangen wir doch am besten gleich mal mit jenem Film an, bei dem Hobby-Wissenschaftler fast wie von selbst etwas genauer hinschauen: „Interstellar“. Auch wenn sich viele an dem finalen Flug durch das Schwarze Loch stören (zugegeben, so etwas wäre allein schon aufgrund der dort herrschenden Gravitation eigentlich nahezu unmöglich), so wird doch niemand bestreiten, dass das Design dieses kosmischen Phänomens einfach atemberaubend ist – und das nicht von ungefähr. Denn Nolan ließ es sich nicht nehmen, einen Computer mit den tatsächlichen wissenschaftlichen Formeln und Erkenntnissen zu speisen, um ein Computerbild zu generieren, dass einem echten Schwarzen Loch so nahe kommt, wie es unser derzeitiger Wissensstand zulässt.

⇒ Während also die Physiker durchaus ganz glücklich mit Nolans Arbeit sein dürften, haben Sprachwissenschaftler wohl eher weniger Freude. In „Batman Begins“spielt Ken Watanabe Ra’s al Ghul, der sich in ein Kloster im Himalaya zurückgezogen hat. Viele Zuschauer würden jetzt wahrscheinlich vermuten, dass die Figur dann entweder tibetanisch, nepalesisch oder japanisch (aufgrund von Watanabes Herkunft) spricht. Aufmerksame Beobachter werden aber feststellen, dass die Untertitel es als Urdu ausgeben. All jene, die dieser Sprache mächtig sind, werden aber schnell feststellen, dass auch das nicht stimmen kann, denn eigentlich spricht Watanabe hier eine Phantasiesprache, die er sich selber für die Rolle ausgedacht hat. Wieso man sich dazu entschieden hat, hier einfach nur Silben wahllos aneinander zu reihen, bleibt allerdings ein Geheimnis.

⇒ Die Zauberer weltweit dürften dafür umso mehr aus dem Häuschen gewesen sein, denn mal abgesehen von jener Version von „Der transportierte Mann“, den Hugh Jackmans Figur aufführt, sind alle Zaubertricks, die im Film „Prestige“ zu sehen sind, echte Tricks, welche über die Zeit hinweg immer wieder von namhaften Magiern aufgeführt wurden und werden. Der große Houdini war bekannt für seine Unterwasser-Entfesslungskunststücke, sowohl Senior als auch Junior Blackstone waren für den Trick bekannt, in dem sie einen Vogelkäfig in ihren Händen verschwinden ließen, und der beliebte Bühnencharakter „Chung Ling Soo“, hinter dem sich der Magier William Ellsworth Robinson verbarg, starb auf der Bühne, während er versuchte eine Kugel zu fangen.

 Praktische Effekte oder doch lieber CGI – Wieso nicht beides! 

Wenn man manche seiner Filme so sieht, mag man es kaum glauben, aber tatsächlich ist Nolan ein großer Fan praktischer Effekte und versucht tatsächlich, so viel wie möglich mit Hilfe von Stuntmen, Ingenieuren und Bühnenbildnern hinzubekommen. Auf der anderen Seite scheut er sich aber auch nicht, die praktischen Effekte durch Zuhilfenahme von CGI noch etwas aufzupeppen oder überhaupt mal etwas am Computer entstehen zu lassen.

⇒ Unzählige Beispiele für atemberaubende praktische Effekte finden sich in „Inception“. Exemplarisch möchte ich hier deswegen kurz auf eine Szene eingehen, bei der sich wohl jeder sofort denken dürfte „Wie haben sie das nur gemacht?“. Die Rede ist von dem Kampf zwischen der Figur Gordon-Levitts und einem Sicherheitsprotokoll in einem Hotelflur. Während dieses Kampfes beginnt sich der Flur als Ganzes zu drehen, was dazu führt, dass die Akteure vom Boden auf die Wände und die Decke schreiten oder auch fallen. Manch einer wird sich die Lösung hinter dieser Szene schon denken können. Genau, ein paar Meter Flur wurden einfach in einer Montagehalle in eine drehbare Metallvorrichtung gebaut. Hört sich jetzt vielleicht gar nicht so kompliziert an, ist aber eine Menge Aufwand und auch Zeit, die in die Konstruktion dieses Sets geflossen ist, um am Ende eine legendäre Szene zu erschaffen, die einem nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

⇒ Doch nicht nur „Inception“ bietet einige beeindruckende praktische Effekte. In „The Dark Knight Rises“ findet man eine Szene, die wunderbar beweist, wie harmonisch man praktische und Computereffekte miteinander verbinden kann, um am Ende eine Szene präsentieren zu können, die das Publikum in Staunen versetzt. Die besagte Szene stellt quasi den Prolog des Filmes dar und handelt davon, wie ein größeres Flugzeug ein kleineres quasi in der Luft entert. Das bedeutete einerseits, dass Nolan und Kameramann Wally Pfister sich samt Equipment in einen Helikopter setzen mussten, der dann auf genau der richtigen Höhe und mit der richtigen Geschwindigkeit neben den beiden Flugzeugen flog, andererseits aber auch, dass sich vier wagemutige Stuntmen an getrennten Seilen aus dem Heck eines der beiden Flugzeuge auf das andere abseilen mussten. Das anschließende Kippen und Abreißen der Flügel des gekaperten Flugzeugs ist dann CGI, während die Innenaufnahmen auf einem Set gedreht wurden, das, ähnlich wie in „Inception“, mit einer Metallkonstruktion umgeben war, sodass der gesamte nachgebaute Rumpf des Flugzeugs bewegt und durchgeschüttelt werden konnte.

⇒ Und auch im Vorgänger „The Dark Knight“ findet man eine Szene, bei der man sich sofort denk „Das haben die nicht wirklich gemacht?!“ Hierbei ist es weniger die komplizierte Ausführung, als viel mehr die rohe Kraft, die hinter dieser Aktion gesteckt haben muss. Denn als Batman den Joker durch die Straßen Gothams jagt, bringt er dabei einen LKW dazu einen Salto vorwärts zu machen, und weil der Regisseur des Films nun einmal Nolan heißt, bekommt der Zuschauer hier keinen CGI-animierten Truck zu sehen, sondern er wird tatsächlich Zeuge davon, wie es ausschaut, wenn sich so ein Ungetüm nach vorne hin überschlägt.

Kenne ich das nicht von irgendwo her? – Wiederkehrende Elemente und Referenzen in Nolans Werken 

Ebenso wie andere namhafte Regisseure, man denke nur an Tarantino, versteckt auch Nolan in seinen Filmen gerne einmal Anspielungen auf andere Werke oder auch auf seine eigenen – gut, bei ihm gibt es keine „Red Apple“ Zigaretten, aber ein paar Easter Eggs lassen sich trotzdem finden.

⇒ Wusstet ihr zum Beispiel, dass Joe Pantolianos Charakter aus „Memento“ und Helena Bonham Carters aus „Fight Club“ eine numerische Gemeinsamkeit besitzen?! Genau, die beiden haben nämlich dieselbe Telefonnummer.
Den Namen „Cobb“ findet man dafür gleich zweimal in Nolans eigenen Werken – einmal in „Following“ und das zweite Mal in „Inception“. Und beide Male ist der so Benannte eine Art Dieb.
Sogar ein Gegenstand lässt sich mindestens zweimal finden. Jene Uhr, die Cobb in „Following“ in einer Szene stiehlt, ist dieselbe Uhr, die man auch in „Memento“ zu sehen bekommt.

⇒ Und auch bei anderen Filmen lässt sich Nolan gerne einmal inspirieren – so kam ihm die Idee für das dritte Traumlevel in „Inception“, welches in den verschneiten Bergen spielt, durch seinen liebsten Bond-Film „Im Geheimdienst ihrer Majestät.
In „Following“ stellt sich der Hauptcharakter einmal in einer Bar mit dem Namen „Danny Lloyd“ vor – ein Hommage an Kubrick’s „Shining“, denn so heißt der Darsteller, der „Danny Torrance“ verkörperte.
„Batman Begins“ war sogar so stark von „Blade Runner“ beeinflusst, dass Nolan noch vor Drehstart die gesamte Crew zu sich nach Hause einlud, um gemeinsam den Film zu schauen. Und Rutger Hauer, welcher einen der Replikanten in „Blade Runner“ spielte, bekam sogar eine kleine Rolle.

Pleiten, Pech und Pannen – Filmdrehs und ihre Tücken 

Wer sich schon einmal „Behind the Scenes“-Material angeschaut hat, der weiß eines, es gibt kein einziges Filmset, an dem nicht auch mal etwas schief geht. Und auch Nolan und seine Crews blieben die kleineren und größeren Hoppalas nicht erspart.

⇒ In „Following“ war es die Zeit, oder besser gesagt der Mangel an ihr, der für Verzögerungen sorgte: da alle Crew-Mitglieder und Darsteller Vollzeit arbeiteten, konnte immer nur Samstags gedreht werden, weshalb die Dreharbeiten zu dem eigentlich recht kurzen Film über ein Jahr gedauert haben.

⇒ Bei „Batman Begins“ wurde dafür das futuristische Design des Batmobils zum Problem. Ein angeheiterter Autofahrer, der eines Nachts in Chicago unterwegs war, rammte das Gefährt nämlich vor lauter Panik, da er es für ein Raumschiff hielt.

⇒ Und schließlich kann einem auch schon mal die Physik einen Strich durch die Rechnung machen. Im Film „Dunkirk“ war nämlich zwar geplant, dass eines der Flugzeuge mit einer IMAX-Kamera an Bord in den Ozean stürzen sollte, allerdings hatte keiner damit gerechnet, wie schnell das Flugzeug sinken und wie lange die anschließende Bergung dauern würde. Bis das Wrack wieder an der Oberfläche war, waren sowohl Kamera als auch Filmmaterial vollkommen durchnässt, weshalb Nolan sich eines alten Tricks bedienen musste: indem er das Filmmaterial feucht hielt und es so zur Entwicklung schickte, war es nämlich tatsächlich möglich alles zu retten, bevor der Film durch das vollständige Auftrocknen unbrauchbar geworden wäre. Die so festgehaltene Szene schaffte es am Ende dann sogar in den fertigen Film.

Und das war er auch schon, unser kurzer, gemeinsamer Ausflug in die Welten Nolans. Solltet ihr auch noch spannende oder auch erheiternde Trivia zu einem Film des Regisseurs wissen, dann schreibt sie doch in die Kommentare und lasst uns daran teil haben.

 

5 Gedanken zu “Unnützes Filmwissen (1): Trivia zu Nolans Filmen

  1. Mögliche Theorie zu Ken Watanabes Ra’s al Ghul: vielleicht soll die Fantasiesprache ein kleines Foreshadowing (für Linguisten und Sprachexperten…) darauf sein, dass dieser Ra’s nicht echt ist. So perfektionistisch wie Nolan sonst ist, kann ich mir kaum vorstellen, dass er hier einfach sinnlose Silben haben wollte.

    Oder die Zeit ist einfach knapp geworden. Ist vermutlich wahrscheinlicher.

    Gefällt 3 Personen

    • Wäre natürlich eine schöne Theorie aber nachdem sie weder Nolan noch Watanabe bisher geäußert haben, glaube ich eher nicht, dass das wirklich die ursprüngliche Intention hinter der Phantasiesprache war…aber du hättest ihnen jetzt ein schönes Schlupfloch geliefert 😉

      Gefällt 2 Personen

  2. Oh und zum Thema Referenzen noch ganz wichtig: beim Überfall am Anfang von Dark Knight trägt der Joker dieselbe Maske, wie der Joker der 60er TV Serie bei einem TV Auftrit innerhalb der Serie!

    Und das Ende von Dark Knight Risies erinnert, sicherlich nicht zufällig(!), an die „sometimes you just can’t get rid of a bomb“ Szene aus dem 60er Batman Film. Wenn Nolan da was anderes sagt lügt er! Genau wie über Stühle!!!

    Gefällt 3 Personen

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