Warum ich das Kino liebe – meine magischsten Kinoerlebnisse

Der Duft nach Popcorn liegt in der Luft, man lässt sich gemütlich in die breiten, gut gepolsterten Sitze sinken, das Licht geht aus, der Vorhang auf und für die nächste Zeit existiert die Welt um einen herum nicht mehr. Klar, wenn man die rosarote Brille mal kurz absetzt, dann ist da plötzlich der nervige Typ, der einem die ganze Zeit von hinten gegen den Sitz tritt, die Quasselstrippe, die offensichtlich eine interne Kommentarfunktion eingebaut hat, und die handvoll Jugendliche ein paar Reihen weiter vorne, die ihr Handy offenbar keine 10 Minuten in ihrer Tasche lassen können. Das alles nervt, das alles sind legitime Gründe den Kinosaal zu meiden – aaaber, trotzdem gibt es keinen Ort, der einem auch nur annähernd ein solches Filmerlebnis bieten kann, wie eben genau dieser Kinosaal. Anstatt hier nun aber einen ellenlangen Beitrag zu schreiben, in dem ich euch alle Argumente für beziehungsweise gegen einen Kinobesuch aufzähle, will ich euch lieber an 5 ganz besonderen Erlebnissen teilhaben lassen, die mit dafür verantwortlich sind, dass kein Sesseltreter, Smombie oder Kommentator, mir jemals den Spaß am Kino vermiesen könnte.

Schatten der Wahrheit (2000)

Es war natürlich nicht mein erster Kinobesuch, aber einer der einprägsamsten meiner frühen Jugend. Ich muss so 13 Jahre alt gewesen sein, seit Kurzem war ich alt genug, dass meine Eltern mir erlaubten, alleine mit Freundinnen ins Kino in der nächsten Stadt zu gehen. Dabei handelte es sich um ein kleines Kino, das nur einen Saal hatte und dementsprechend nur einen Film pro Abend zeigte. Das im Bezirksblatt abgedruckte Kinoprogramm schrieb für besagten Abend einen Film aus, den meine Freundin und ich unbedingt sehen wollten. Nach kurzem Betteln willigten unsere Eltern schließlich ein und brachten uns zum Kino. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass sich das Programm kurzfristig geändert hatte – das kam damals tatsächlich ziemlich häufig vor. Nachdem wir aber schon einmal dort waren, brachten wir all unsere Überredungskünste auf – von Vorteil war sicherlich, dass Harrison Ford und Michelle Pfeiffer am Plakat zu sehen waren, und das Kino keine FSK-Angaben zu den Plakaten ins Schaufenster hing – und bekamen schließlich die Erlaubnis, uns diesen Film als Ersatz anzuschauen (schöne Prä-Smartphone-Welt, als man noch nicht immer und überall nachschauen konnte, um was für einen Film es sich denn eigentlich handelt). Nachdem wir außerdem den Besitzer des Kinos sehr gut kannten, stellte auch hier die FSK keine Hürde dar. Mit Popcorn und Getränken versorgt, nahmen wir also unsere Plätze hinten auf der Galerie ein, der Dinge harrend, die da kommen mochten. Zu Beginn der Vorstellung lief auch noch alles super – der Film war spannend, bot ein paar Schockmomente, aber alles hielt sich noch schön im Rahmen. Doch dann nahm das Geschehen an Fahrt auf und der „Thrill“ in „Thriller“ trat immer deutlicher zum Vorschein. Das ging schließlich so weit, dass meine Freundin und ich mit den Händen vor den Augen dasaßen und die Titelmelodie der „Biene Maja“ vor uns hin summten. Zum Glück waren wir die einzigen auf der Galerie, sonst wäre das ganz schön peinlich gewesen. Achja, eine schlaflose Nacht bescherte mir dieser Kinobesuch natürlich auch, aber trotzdem finde ich, dass diese Anekdote ein schönes Beispiel dafür ist, wie sehr einen Filme auf der großen Leinwand in ihren Bann ziehen können und wie lange einem solcher Erlebnisse im Gedächtnis bleiben.

Harry Potter und der Stein der Weisen (2001)

Selbes Kino zirka ein Jahr später. Ein rappelvoller Kinosaal – was ich in diesem Kleinstadtkino überhaupt nur an diesem einem Abend so erlebt habe. Ich saß da, gemeinsam mit einer Freundin, vier ihrer Geschwister und einem Elternteil – allesamt große Potter-Fans, alle außer mir. Ich hatte weder das Buch gelesen, noch interessierte es mich wirklich. Und tatsächlich muss ich sagen, dass die Sichtung des Films mein Interesse auch nicht wirklich wecken konnte (zwar habe ich in den folgenden Jahren auch alle anderen Filme mit Freundinnen gesehen, und über das letzte Jahr verteilt auch mal die Bücher gelesen, aber nichts davon konnte so etwas wie Fan-Liebe in mir entfachen). Es ist aber auch nicht der Film an sich, der diesen Kinomoment zu einem ganz besonderen werden ließ, sondern es war die Atmosphäre im Saal. Hunderte leuchtender Augen, die die gezeigten Bilder förmlich einsaugten, abtauchten in eine erfundene Welt, voller Zauberer und magischer Wesen, all die Menschen, die bei jeder spannenden Szene kurz nach Luft schnappten – es war wie ein Rausch, der einen mit sich trug. Ich glaube erst da wurde mir so richtig bewusst, dass andere Kinobesucher nicht bloß weitere Anwesende sind, die manchmal ziemlich nerven können, sondern dass das gemeinsame Erleben eines Films erst dadurch zu einem wirklich Erlebnis werden kann.

Herr der Ringe (Triple Feature) (2003)

Man hat es nicht immer leicht als Nesthäkchen – die Geschwister sind schon alle aus dem Haus, plötzlich steht man alleine da und sieht sich auch nur mehr selten. Umso schöner war dann dafür der Dezember des Jahres 2003, kurz vor Weihnachten. Meine 3 Geschwister und ich fanden uns in der Wohnung meines Bruders ein (meine Eltern entschuldigten mich dafür sogar für zwei Tage von der Schule), denn für den Nachmittag war etwas Großes geplant: das „Herr der Ringe“-Triple-Feature samt Mitternachtspremiere des dritten Teils. Mein Bruder hatte die Karten organisiert und wir schenkten uns allen gegenseitig zu Weihnachten diesen gemeinsamen Kinobesuch. So rüsteten wir uns also aus mit Rucksäcken vollgestopft mit Decken, Polstern, Knabbereien und Getränken und machten uns auf dem Weg zum Kino. Dort angekommen herrschte bereits reges Treiben, dutzende Zwerge, Hobbits und Elben standen in der Lobby herum, alle aufgeregt und freudig wartend. Das Kinopersonal hatte alle Hände voll zu tun, um mit dem Ausschenken von Softdrinks und dem Auffüllen der Popcorn-Eimer hinterher zu kommen (natürlich haben auch wir uns gleich mal einen solchen Eimer gegönnt, den es im Sparmenü mit zwei riesigen Getränken gab) und dann konnte es auch schon losgehen. Aufgrund des großen Andrangs gab es zwei Gruppen, die wie im Gänsemarsch zu ihren jeweiligen Sälen marschierten. Die ersten zwei Filme vergingen tatsächlich wie im Flug – die Sitze waren bequem genug, die Auswahl an Schlemmereien groß und das Geschehen auf der Leinwand fesselnd. Für den dritten Film mussten wir dann den Saal wechseln, es war kurz vor Mitternacht. Alle schienen schon ein wenig durch den Wind aber dennoch munter und gut drauf. Ein letztes Mal wurden die Vorräte an der Kinotheke aufgestockt, diesmal auch mit Wurstsemmeln und anderen Weckerln, die dort angeboten wurden, und schon konnte das epische Finale steigen. Als wir Zuschauer schließlich in die Tiefe Nacht hinausströmten, herrschte allgemeine Glückseligkeit, Menschen unterhielten sich miteinander, obwohl sie sich eigentlich nicht kannten. Und wieder in der Wohnung meines Bruder angekommen, schlief ich mit der Gewissheit ein, dass ich dieses Erlebnis nie vergessen würde.

Mamma Mia (2008)

Mal gleich eines vorweg: Ich bin wirklich kein besonders großer ABBA-Fan. Ich kann mir die Musik von ihnen zwar anhören, ohne gleich umschalten zu wollen, aber ich würde trotzdem – wie man so schön sagt –  nie eine Platte von ihnen auflegen. 2008 fand ich meinen Weg ins Kino somit nur aus einem einzigen Grund: Meine Freundinnen wollten den Film gerne sehen. Und wer mich kennt weiß, das ist für mich Grund genug mitzukommen, egal um welchen Film es sich handelt. Wir fanden uns also eines Abends in einem Kino unserer Wahl ein, gemeinsam mit einem ganzen Haufen anderen Frauen jeden Alters, besorgten uns den obligatorischen Eimer Popcorn samt Getränk und nahmen unsere Plätze in dem gut gefüllten Saal ein. Und auch hier durfte ich einmal mehr erfahren, dass es einfach Filme gibt, die funktionieren in einem überfüllten Saal mit dutzenden Enthusiasten um ein Vielfaches besser als allein zu Hause auf der Couch. Denn während man sich bei ruhigen Dramen eher absolute Stille wünscht, ist bei Musicalverfilmungen gerade das Gegenteil der Fall. Hier genießt man es, wenn das Publikum voll mitgeht, bei witzigen Szenen lauthals lacht, bei traurigen mal aufschnieft, und bei den Liedern leise (oder sogar mal lauter) mitsingt. Ich sag euch, da kommt Stimmung auf. Und egal wie dünn die Handlung am Ende auch sein mag, wie vorhersehbar das Ganze ausgeht und wie schief manche Töne der Schauspieler sein mögen, spätesten bei den End Credits schließt man sich dem Zuschauer-Chor an, einfach weil man von der überbordenden positiven Energie im Saal mitgerissen wird.

Avengers: Endgame (Mitternachtspremiere) (2019) 

Leser meines eigenen Blogs dürften es bereits wissen, allen anderen sei es hiermit gesagt: Ich bin ein wirklich großer Fan des Marvel Cinematic Universe. Dieses zusammenhängende Filmuniversum zieht mich mit jedem weiteren Film immer wieder in seinen Bann und schafft es, mich nach wie vor neugierig auf die künftigen Projekte zu machen. Ob ich allerdings noch einmal einem Film so entgegenfiebern werde, wie „Avengers: Endgame“, steht wohl in den Sternen. Man muss sich das einfach mal vorstellen: 10 Jahre und 21 Filme haben mal mehr mal weniger auf dieses epische Finale hingearbeitet, und gerade der Vorgänger „Avengers: Infinity War“ lieferte wohl einen der fiesesten Cliffhanger der Filmgeschichte. Eines war also klar, sobald „Endgame“ im Kino zu sehen sein würde, wäre ich auch schon zur Stelle. Gemeinsam mit einer Freundin war also erst einmal früher am Abend eine Sichtung von „Infinity War“ fällig (leider zeigte mein Stammkino kein Double Feature) und zur Geisterstund fanden wir uns schließlich mit vielen anderen Fans in einem komplett ausverkauften Kinosaal wieder. Bereits das Intro-Logo löste die ersten (!) kurzen Jubelrufe aus. So viele Fragen schossen mir damals durch den Kopf: Wie würden sie die „gefallenen“ Helden wieder zurückbringen? Wie sollten sie Thanos diesmal besiegen können? Würde das epische Finale tatsächlich meine Erwartungen erfüllen können? Um es gleich einmal vorweg zu sagen: Ja, das konnte es. Und trotzdem, obwohl der Film meiner Meinung nach hervorragend ist, und ich ihn seit dieser ersten Sichtung schon weitere 2 Mal im Kino und 2 Mal zu Hause angeschaut habe, hätte ich diesen Film niemals zum ersten Mal auf meinem Fernseher im heimischen Wohnzimmer erleben wollen – denn solche Filme sind einfach für die große Leinwand gemacht. Nicht nur wegen der riesigen Leinwand und dem beinahe schon ohrenbetäubenden Surround Sound, sondern auch wegen der unvergleichlichen Atmosphäre, die nur eine Ansammlung von Gleichgesinnten, die sich gemeinsam in einen Film stürzen, erzeugen kann. Da wird gemeinsam gelacht, geweint und der Atem angehalten – und das, kann man nur im Kino erleben.

 

3 Gedanken zu “Warum ich das Kino liebe – meine magischsten Kinoerlebnisse

  1. Schöne Erinnerungen an tolle Kino Momente. So etwas kann einem keiner nehmen. Das hat beim Schreiben sicherlich den einen oder anderen wohligen Schauer erzeugt😉 „Und diese Biene, die ich meine …“ Herrlich 🐝

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  2. Pingback: Wermis großer Jahresrückblick – Part 1: Klappe! – Wermi's Worte Filmblog

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