The Man who killed Don Quixote (2018)

  • Originaltitel: The Man Who Killed Don Quixote
  • Regie: Terry Gilliam
  • Schauspieler: Jonathan Pryce, Adam Driver
  • Genre: Tragikomödie, Buchadaption
  • Land: Spanien, Frankreich, Belgien, Portugal

Nanu, was ist denn das? Findet sich etwa schon wieder ein Film von Terry Gilliam in unsere Filmothek? Ja, ihr seht ganz richtig. Denn was für mich „12 Monkeys“ für das Sci-Fi-Genre ist, ist „The Man who killed Don Quixote“ für unser diesmonatiges Thema, das man wohl auch ganz gut mit „Filme über das Filmemachen“ umschreiben könnte – nämlich eine wahrlich einzigartige Genreperle, die einen entweder vollkommen in seinen Bann zieht, oder gänzlich kalt lässt. Wobei das Wort „Genreperle“ hier bereits ein wenig irreführend sein kann, denn Gilliam schaut mit seinem jüngsten Werk, das erst im Jahr 2018 doch noch das Licht der Kinos erblicken durfte, weit über den Genre-Rand hinaus und erlaubt sich dabei einen wilden Mix aus Komödie, Satire, Gesellschaftskritik, Tragödie, Buchadaption, garniert mit einer Prise Märchen.

Dass Gilliams Neuinterpretation des „Ritters von der traurigen Gestalt“ überhaupt jemals auf Film gebannt werden konnte, grenzt, wie oben bereits angedeutet, nahezu an ein Wunder. Zum ersten Mal versuchte Gilliam sein Glück in den späten 90ern, wobei das Projekt hier bereits nach wenigen Drehtagen eingestellt werden musste – wer von euch nun gern mehr darüber erfahren würde, wie es zu dem Drehabbruch kam, dem kann ich die Dokumentation „Lost in La Mancha“ ans Herz legen.
Anfang der 2000er folgte dann der nächste Versuch, der allerdings schon an der Finanzierung scheiterte, sodass das Projekt erneut auf Eis gelegt werden musste.
Und selbst der dritte Versuch, der schließlich nach einigen Jahren zu jenem fertigen Film werden sollte, glich einer Produktionshölle (samt Tod des eigentlich angedachten Hauptdarstellers).
Es kostete Gilliam somit ganze 20 Jahre, einiges an Geduld und wahrscheinlich noch mehr an Überzeugungskraft, um sein Herzensprojekt doch noch zu einem Abschluss bringen zu können.

Doch worum geht es eigentlich in dem Film? Was an der Geschichte vermochte den Kultregisseur so zu fesseln, dass er trotz all der Widrigkeiten immer am Ball blieb?
Nun ja, kurz zusammengefasst handelt es sich, wie oben bereits erwähnt, um eine Art Neuinterpretation des Klassikers „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes. In der Buchvorlage geht es um einen Mann, der nicht mehr zwischen Realität und Phantasie zu unterscheiden vermag und sich selbst als edlen Ritter sieht, der Abenteuer besteht und Ungeheuer bezwingt – der berühmte Kampf gegen die Windmühlen fand sogar in unseren allgemeinen Sprachgebrauch Eingang.
Gilliam nimmt nun diese Prämisse und erweitert sie um eine zusätzliche Ebene. Jonathan Pryce mimt den vermeintlichen Ritter, der aber nicht von ungefähr auf die sich manifestierende Idee kommt, sondern im Regiedebüt des jungen Nachwuchsregisseurs Toby Grisoni (gespielt von Adam Driver) eben Don Quixote verkörpern soll. Von dieser ersten Rolle kann sich der Laiendarsteller in weiterer Folge nicht mehr lösen, was Grisoni aber erst Jahre später herausfindet, als er zufällig erneut in der Gegend einen Werbefilm drehen will und deswegen jenes Dorf, in dem er damals seinen Film gedreht hat, noch einmal besucht. Als Grisoni auf den nach wie vor als Don Quixote auftretenden Dorfbewohner trifft, beginnt eine gemeinsame Reise voller skurriler Begegnungen, absurder Situationen und großer Abenteuer.

Ihr seht also bereits anhand der Inhaltsbeschreibung: Dieser Film hat es in sich. Um sich wirklich in seiner vollen Pracht entfalten zu können, verlangt er dabei eure volle Aufmerksamkeit, eine Menge Einfühlungsvermögen und ein klein wenig Hang zur Phantasie. Denn obwohl Drivers Charakter selbst oft genug bemerkt, wie surreal das Geschehen doch anmutet, taucht doch auch er, gemeinsam mit dem Zuschauer, immer tiefer in die erdachte Welt des Ritters mit ein. Und dieses Abtauchen, dieses sich Hingeben und Vereinnahmen lassen, ist einfach nur wundervoll mit anzusehen, und zwar vor allem aufgrund des hervorragenden Drehbuchs, der grandiosen Schauspieler und der atemberaubenden Kulisse.

Über das Drehbuch habe ich ja bereits oben schon ein wenig geschwärmt, deswegen lasst mich an dieser Stelle kurz über die beiden Hauptdarsteller sprechen, die den Film scheinbar kinderleicht auf ihren Schultern tragen. Adam Driver als gestresster Regisseur, der sich lieber in ein fiktives Abenteuer stürzt, als an seinem derzeitigen Projekt weiterzuarbeiten, legte hier wieder einmal eine großartige Performance hin, die einmal mehr verdeutlicht, weshalb er zur Zeit zu den gefragtesten Schauspielern Hollywoods zählt. Doch trotz dieser meisterhaften Performance ist Jonathan Pryce der wahre Stern dieses Films, der alles andere noch ein wenig zu überstrahlen vermag – nie werde ich der Academy verzeihen können, dass Pryce für diese Performance nicht einen wohlverdienten Oscar kassiert hat, ja noch nicht einmal nominiert war!

Doch nicht nur Drehbuch, Inszenierung und Schauspieler liefern hier auf ganzer Länge ab, auch die Set- und Kostümdesigner machen allesamt einen beachtlichen Job und helfen so dabei wunderbare Bilder zu kreieren, die einem noch lange nach der Sichtung im Gedächtnis bleiben. Alleine ein fingierter Ball in einer Burg bietet bereits mehr Highlights, als so manche 08/15-Stangenware über die gesamte Laufzeit hinweg.

Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass vielleicht auch all jene unter euch, die ansonsten eher weniger mit Gilliam anfangen können, einen Blick riskieren sollten, denn obwohl sich viele seiner Stilmittel natürlich hier wiederfinden, schlägt Gilliam doch recht rührende, beinahe schon versöhnliche Töne an, kehrt der trostlosen Dystopie ein wenig den Rücken, und entführt den Zuschauer lieber in eine Geschichte, die wohl kaum bittersüßer sein könnte.

2 Gedanken zu “The Man who killed Don Quixote (2018)

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