Last Action Hero (1993): Über den Zauber des Kinos

„Last Action Hero“ ist sicherlich nicht der bekannteste, geschweige denn der beste, Film mit Arnold Schwarzenegger. Tatsächlich zählt der Film sogar zu den finanziell größten Flops des Schauspielers. Nichtsdestotrotz setzt „Last Action Hero“ eine sehr interessante Prämisse clever um und zeigt auf einer unterhaltsamen Meta-Ebene die Stärken und Schwächen des Kinos wie kaum ein anderer Film. Somit passt „Last Action Hero“ zum Thema dieser Ausgabe wie eine Bazooka in die Faust Schwarzeneggers. Oder so ähnlich…

Kino und Eskapismus

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen und fassen kurz und knapp die Handlung des Films zusammen: Der 11-Jährige Danny (Austin O’Brien) wird durch den Erwerb eines magischen Kinotickets in den Film „Jack Slater IV“ gezogen, wo er gemeinsam mit dem titelgebenden Actionhelden Jack Slater (Arnold Schwarzenegger) einen schwierigen Fall lösen muss. Auch wenn die wenigsten von uns schon mal im Besitz eines magischen Kinotickets waren, kennen die meisten Filmfans dieses Gefühl, wenigstens für die Laufzeit eines Films in eine andere Welt einzutauchen. Wir lassen die reale Welt hinter uns und erforschen fremde Planeten, besuchen Orte, an denen wir noch niemals waren, und erleben mit den Figuren im Film gemeinsam fantastische Abenteuer. Dabei wissen und akzeptieren wir, dass die Regeln in der Welt hinter der Leinwand von denen in unserer Welt abweichen können.

 

Kino und die Einfachheit des Seins

Diese Regeln der Filmwelt sind mitunter sehr einfach. So einfach, dass sie sogar ein 11-Jähriger durchschaut und wie Danny in „Last Action Hero“ zu seinem Vorteil nutzen kann.  In einer Szene im Film beschwert sich Slater, dass scheinbar alles was er auf der Polizeischule in jahrelanger Ausbildung gelernt hat unnütz war, da er laut Danny nur durch die Gegend fahren müsse und die Verbrecher schon von alleine zu ihm kommen würden. Tatsächlich wird in Filmen vieles oftmals sehr vereinfacht dargestellt. Konflikte sind oft relativ einfach zu lösen, Beziehungen ohne großen Aufwand zu führen und Positionen sind klar als schwarz und weiß zu unterscheiden. Dass das im echten Leben nicht immer der Fall ist, scheint nicht mehr jedem Zuschauer dieser Tage klar zu sein. Zumindest drängt sich dieser Eindruck in letzter Zeit immer häufiger auf.

 

Kino und Voyeurismus

Gibt es etwas Schöneres als sich am Leid der anderen zu ergötzen? Etwas Aufregenderes als zwei fremden Menschen beim Sex zuzusehen? Etwas Lustigeres als sich so richtig über das Missgeschick eines armen Tollpatschs zu amüsieren? Natürlich nicht im echten Leben. Da wäre so etwas in der Regel pervers, gemein und auf das Schärfste zu verurteilen. Im Film aber ist all das erlaubt. Mehr noch, es ist sogar Teil der Magie. In einer Szene in „Last Action Hero“ wird Jack Slater klar, dass er im Grunde kein Individuum ist, da er und sein Leben von einem Drehbuchautor ausgedacht und zu Papier gebracht wurden. Alles, was er in seiner Welt tut, ist vollkommen belanglos und dient lediglich zur Unterhaltung der Zuschauer. Selbst dass in einem der Filme Jacks Sohn getötet wird, dient ausschließlich als dramaturgisches Mittel. Diese durchaus emotionale Szene spielt Schwarzenegger, der in Fachkreisen nicht gerade als Charakterdarsteller bekannt ist, überraschend glaubwürdig. Nun ist es in der Realität natürlich so, dass die Figuren auf der Leinwand keine existierenden Personen mit eigenen Gedanken und Gefühlen sind, wie es in „Last Action Hero“ der Fall ist. Dennoch sollte man manchmal nicht vergessen, dass gerade Biopics oder Filme, die eine historische oder auf Tatsachen basierende Geschichte erzählen, Menschen auf die Leinwand bringen, die durchaus Gefühle haben und sich mal mehr und mal weniger direkt in den Figuren wiederfinden. Von daher gilt es bei manchen Inhalten und Themen nach wie vor einen angemessenen Ton zu treffen.

 

Kino als Inspirationsquelle

Denn eines wird auch in „Last Action Hero“ sehr deutlich. Das Kino ist nicht nur ein Becken, in das man mal eben abenteuerlustig rein springt. Hin und wieder schwappt auch etwas, im Positiven wie im Negativen, aus dem Film auf das Publikum über. Im Film gelingt es Slaters Widersacher, dem eiskalten Killer Benedict (Charles Dance), die Filmwelt zu verlassen und in der „realen“ Welt sein Unwesen zu treiben. Auch wenn in unserer Welt offiziell noch kein Fall bekannt ist, in dem eine Filmfigur leibhaftig die Leinwand verlassen und einem Menschen physischen Schaden zugefügt hat, kann man den Einfluss, den Filme auf die reale Welt und das Publikum haben, durchaus auf einer anderen Ebene sehen. Filme prägen und beeinflussen unser Denken und unsere Gefühle in nicht unerheblichem Maße. Sie gestalten unsere Sprache, erweitern manchmal unseren Horizont und verfestigen bestimmte Rollenbilder und Stereotype oder brechen diese auf. Filme verändern vielleicht nicht die Welt. Aber sie verändern manchmal  die Menschen, die darin leben. In einer Szene in „Last Action Hero“ verliert Danny die Hoffnung, den flüchtigen Benedict noch zu schnappen, da in seiner „realen“ Welt die Bösen durchaus gewinnen können, sein großer Held Jack Slater hier eben kein Held sondern ein gewöhnlicher Mensch ist. Darauf wirft ihm Slater seine geballte inspiratorische Weisheit entgegen und sagt: „Die Welt ist das, was du daraus machst.“ Worauf Danny neuen Mut fasst und Hoffnung schöpft. Und genau das können uns Filme, und sei es in Form eines Arnold Schwarzeneggers, in manchen Situationen eben auch geben: Hoffnung.

 

All diese Aspekte lassen sich in „Last Action Hero“ hineininterpretieren. Zudem ist der Film über weite Strecken auch eine amüsante Parodie auf das Actionkino der 1980er und 1990er Jahre und auf Schwarzenegger selbst. Insgesamt ist der Film der wahrlich kein Meisterwerk. Aber er sollte auf jeden Fall allen Filmfans zumindest einen kurzen Blick wert sein.

3 Gedanken zu “Last Action Hero (1993): Über den Zauber des Kinos

    • Ich hatte den Film als Kind mal mit meinem Vater gesehen. Wahrscheinlich war ich da so zwischen 10 und 12. Ich erinnere mich noch daran, dass ich den Film als Actionfilm gut fand. Heute finde ich ihn immer noch gut. Allerdings aus ganz anderen Gründen, die ich damals natürlich noch nicht verstehen konnte 😉

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      • Kenne den auch aus jüngeren Jahren meiner Selbst und habe da wahrscheinlich auch weniger auf die parodistisch-selbstreflexive Inszenierung geachtet, sondern mehr auf die Action. Ich meine, immerhin war der mit Arnie, da muss es doch krachen. 😉

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